Quecksilberthermometer zerbrochen! Was nun?

Quecksilber ist das einzige Metall, das bei Zimmertemperatur flüssig ist und bei Luftkontakt leicht verdampfen kann. Quecksilberdämpfe sind äußerst giftig – die Einatmung von nur 0,1 - 1 mg täglich führt zu chronischen Vergiftungen, da 80 Prozent des eingeatmeten Quecksilbers vom Körper aufgenommen und nur ungefähr 20 Prozent wieder ausgeatmet werden.

Flüssiges Quecksilber – sollte es dagegen versehentlich verschluckt werden – wird vom Magen-Darm-Trakt zu über 90 Prozent wieder ausgeschieden.

Da die Quecksilbermenge in einem Thermometer jedoch gering ist (ca. 1 g), kommt es bei deren Freisetzung wahrscheinlich nicht zu akuten oder chronischen Vergiftungserscheinungen. Trotzdem sollte die Gefahr des Einatmens umgehend minimiert und das Quecksilber möglichst rückstandslos entfernt werden. Dabei sind folgende Sicherheitsvorkehrungen zu beachten:

  • Nicht über den vom Quecksilber verseuchten Bodenbereich laufen!
  • Quecksilberdampfverwirbelungen vermeiden! Deshalb: Keinen Staubsauger einsetzen! Aufgewirbelten Dampf durch Lüften entfernen.
  • Einweg-Handschuhe tragen, um eine Aufnahme über die Haut zu verhindern.
  • Schmuck ablegen, da das Quecksilber mit vielen Metallen (darunter auch Gold und Silber) sofort chemische Verbindungen, so genannte Amalgame, bildet.

Es gibt folgende Möglichkeiten, das Quecksilber zu entfernen:

1. Zusammenbringen der Quecksilbertröpfchen durch:

  • Zusammenschieben mit einem festen Blatt Papier
  • Zusammenkehren mit einem Pinsel oder Bürstchen

2. Mechanische Aufnahme des Quecksilbers durch:

  • Aufsaugen mit einer Einwegspritze, einer Pipette oder einem Schwamm
  • Entfernen mit Hilfe eines breiten Klebebands

3. Mit Spezialverfahren:

  • Die mit Quecksilber benetzte Fläche mit einem Schnellabsorber (z.B. Mercurisorb, in Apotheken erhältlich) überstreuen und anschließend mit einem den Packungen beigefügten Pinsel gut vermischen. Dieses Absorptionsmittel bindet in weniger als fünf Minuten die gewichtsgleiche Menge des Metalls.
    Nach der Aufnahme des Quecksilbers alle Materialien, die damit in Kontakt gekommen sind, und das Quecksilber selbst in ein verschließbares Glasgefäß, Plastikbehälter oder eine Plastiktüte füllen und mit Klebeband verschließen. Diese quecksilberhaltigen Abfälle gehören zum Sondermüll und können über Apotheken entsorgt werden – sie gehören keinesfalls in den Hausmüll!

Falls es Körperkontakt mit Quecksilber gab:

  • Bei Verdacht einer Quecksilbervergiftung grundsätzlich einen Arzt konsultieren.
  • Nach Einatmen von Quecksilberdampf sofort an die frische Luft gehen und einen Arzt konsultieren.
  • Nach Hautkontakt die betroffenen Stellen intensiv waschen.
  • Bei Augenkontakt mit Quecksilber gründlich mit Wasser ausspülen und einen Augenarzt konsultieren.
  • Nach Verschlucken von Quecksilber 1-2 Gläser Wasser trinken, aber kein Erbrechen auslösen (so das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) und einen Arzt konsultieren.
  • Kleidung, die mit Quecksilber getränkt ist, sofort ausziehen.

UNSER TIPP: Kaufen Sie sich ein digitales oder ein Alkohol-Fieberthermometer! Damit sind Sie dann für immer auf der sicheren Seite – für ca. 10 Euro.

Weitere Informationen unter:

  • Giftnotrufzentrale Berlin (Tel. im Notfall: 030 / 19 240, für allg. Anfragen: 030 / 30 686-711)
  • www.dguv.de/bgia/stoffdatenbank
  • www.chemiekalienlexikon.de

Autor: KATALYSE Institut

Ölbaum

Der Ölbaum ist ein immergrüner, trockenresistenter Baum von 10 bis 20 Meter Höhe, der ein intensives Wurzelwerk, zweisamige,weiß-grüne bis schwarz-blaue Steinfrüchte (Oliven) trägt.

  • Systematik: Familie: Oleaceae (Ölbaumgewächse), Art: Olea europaea L. ssp. europaea
  • Herkunft: Mittelmeerraum
  • Klima: mediterran; Jahresmitteltemperaturen von 15 bis 20°C, frostempfindlich; Jahresniederschlag 500 bis 700 mm, mindestens 200 mm
  • Anbausystem: Dauerkultur; Trockenanbau oder intensiv unter Bewässerung
  • Aussaat: Ausbringen von Samen August bis September in Anzuchtkästen; Vermehrung vegetativ durch Pfropfung; Pflanzdichte: etwa 100 bis 300 Bäume/Hektar unter Bewässerung, etwa 20 bis 100 Bäume/Hektar im Trockenanbau.
  • Düngung: Nährstoffzufuhr je Baum zweckmäßig: 0,5 bis 1 kg Stickstoff; 0,13 bis 0,16 kg Phosphor; 0,4 bis 0,8 kg Kalium; Verdopplung der Mengen für sehr ertragreiche Sorten.
  • Pflanzenschutz: Hohe Widerstandsfähigkeit; größte Verluste durch Insekten wie Olivenfliege, Olivenmotte, Schildläuse.
  • Ernte: erste Ernte im dritten bis fünften Standjahr, in Extensivpflanzungen ggf. erst im zwanzigsten Jahr; geerntet wird Dezember bis Februar durch Abstreifen oder Abschütteln mit Geräten oder Handernte
  • Ertrag: im Mittelmeerraum 100 bis 700 Tonnen/Hektar, nur jedes zweite Jahr Volltracht maximal 12 Tonnen/Hektar (Kalifornien).
  • Besonderheiten: Fruchtfleisch enthält 23 bis 60 Prozent, der Kern 10 bis 15 Prozent Rohfett; das Öl der gesamten Olive besteht zu 60 bis 85 Prozent aus Ölsäure, 4 bis 15 Prozent Linolsäure; Rohproteinanteil 5 bis 6 Prozent; Olivenöl ist reich an Provitamin A und Tocopherol (Vitamin E).

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Quasiberufskrankheit

Seit 1963 gibt es die Möglichkeit, auch nicht in der Liste der Berufskrankheiten stehende Krankheiten im Einzelfall wie Berufskrankheiten zu entschädigen.

Es handelt sich um Krankheiten, für die im geltenden Berufskrankheiten-Verzeichnis noch nicht im ausreichenden Maße arbeitsmedizinische und epidemiologische Erkenntnisse vorliegen.

Autor: KATALYSE Institut

Ökologischer Landbau

(Syn.: Organisch-biologischer Landbau, alternativer Landbau). Der Ö. versteht den landwirtschaftlichen Betrieb als ein mehr oder weniger geschlossenes Ökosystem.

Ziel ist es die landwirtschaftliche Produktion mit möglichst geringem Verbrauch an nicht erneuerbaren Hilfsquellen; Gesamtheit aller natürlichen Rohstoffe, Hilfs- und Produktionsmittel für die wirtschaftende Tätigkeit des Menschen.Ressourcen durchzuführen. Der ökologisch wirtschaftende Betrieb orientiert sich dementsprechend am Leitbild eines möglichst geschlossenen Nährstoffkreislaufes im Betrieb, d.h. die Erträge und Aufwendungen von Ackerbau und Viehhaltung bilden ein gekoppeltes System: die Ernährung der Tiere erfolgt überwiegend mit hofeigenen Futtermitteln, die pflanzlichen Abfälle und der tierische Dung werden entweder frisch oder kompostiert den Ackerflächen, von denen sie letztlich stammen, rückgeführt.

Der Einsatz zugekaufter, betriebsfremder Futtermittel ist im Ö. nach Eine A. umfasst alle Lebewesen, die sich miteinander fortpflanzen können; es ist eine potentielle Fortpflanzungsgemeinschaft.
Art und Menge begrenzt. Damit es nicht zu einem Nährstoffüberschuß kommt, der zur Belastung von Als U. werden, geprägt durch deutlich anthropogene Sichtweise, die den Menschen umgebenden Medien (Wasser, Boden, Luft usw.) mit den dort lebenden Organismen in ihrer Gesamtheit bezeichnet.Umwelt und Grundwasser führen kann, darf die Tierzahl pro Fläche von z.B. zwei Milchkühen pro Hektar nicht überschritten werden. Der für das Pflanzenwachstum notwendige Stickstoff wird über den Anbau von Leguminosen, welche mit Hilfe von symbiontischen Bakterien Luftstickstoff binden, in den Boden gebracht.

Aus diesem Grund ist ein gewisser Anteil an Leguminosen in der Zur Erhaltung einer möglichst naturnahen Vielfalt von Pflanzen und Tieren auch in einer Acker- und Gemüsekultur empfiehlt es sich, mehrere Pflanzenarten zeitlich nacheinander auf einem Feldstück anzubauen. Fruchtfolge (20 - 25% Hauptfruchtleguminosen) unabdingbar. Mineralische Stickstoffdünger dürfen im Ö. nicht eingesetzt werden, synthetische Mineraldünger, Pestizide zur Vernichtung von unerwünschtem Pflanzenwuchs. In Deutschland werden jährlich rund 17.000 Tonnen H. (Pflanzenvertilgungsmittel) in der Land- und Forstwirtschaft gegen „Unkräuter“ eingesetzt. Herbizide sowie P. sind bioaktive Substanzen, die ubiquitär in der Umwelt verteilt sind. Der Begriff P. steht auch häufig als Synonym für Pflanzenschutzmittel oder Schädlingsbekämpfungsmittel.Pestizide sind ebenfalls nicht zulässig, wie auch die tiefe Bodenwendung mit dem Pflug abgelehnt wird.

Die durch Entnahme und Verkauf von Erntegut entstehenden Nährstoffverluste können durch Zukauf organischer Dünger ersetzt werden. Als Mineralstoffgaben werden P, S, K, Ca und Mg enthaltende Gesteine in Form von Gesteinsmehl auf den Boden aufgebracht, wie z.B. Basalt, Granit, Gneis u. Porphyr (Si), Silikatgestein, Patentkali und Holzasche (K), Kalkstein, Der Begriff Kreide hat zwei Bedeutungen. Zum einem ist es weißer Kalkstein, der besonders in England, Nordfrankreich, Dänemark und Norddeutschland abgelagert wurde. Andererseits beschreibt der Begriff des Erdzeitalter der Kreide, das vor etwa 135 Mio. Jahren begann.Kreide, Mergel (Ca) und Silikatgestein, Dolomit (Mg).

Das zentrale Gestaltungselement des ökologischen Ackerbaus ist die Zur Erhaltung einer möglichst naturnahen Vielfalt von Pflanzen und Tieren auch in einer Acker- und Gemüsekultur empfiehlt es sich, mehrere Pflanzenarten zeitlich nacheinander auf einem Feldstück anzubauen. Fruchtfolge. Unter Zur Erhaltung einer möglichst naturnahen Vielfalt von Pflanzen und Tieren auch in einer Acker- und Gemüsekultur empfiehlt es sich, mehrere Pflanzenarten zeitlich nacheinander auf einem Feldstück anzubauen. Fruchtfolge versteht man die Anbaufolge verschiedener Kulturen (die auch Hackfrüchte und Leguminosen mit einbezieht). Da verschiedenen Kulturpflanzen unterschiedliche Ansprüche an den Boden stellen gilt es, die Wirkungen der Vorfrucht mit den Ansprüchen der nachfolgenden Frucht auf möglichst optimale Weise abzustimmen.
Eine ausgewogene Zur Erhaltung einer möglichst naturnahen Vielfalt von Pflanzen und Tieren auch in einer Acker- und Gemüsekultur empfiehlt es sich, mehrere Pflanzenarten zeitlich nacheinander auf einem Feldstück anzubauen. Fruchtfolge ist unerlässlich für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und die vorbeugende Unkraut- und Schädlingsbekämpfung. Die Planung einer Zur Erhaltung einer möglichst naturnahen Vielfalt von Pflanzen und Tieren auch in einer Acker- und Gemüsekultur empfiehlt es sich, mehrere Pflanzenarten zeitlich nacheinander auf einem Feldstück anzubauen. Fruchtfolge, die den Ansprüchen der einzelnen Kulturen Rechnung trägt, muss Standortverhältnisse, pflanzenbauliche Faktoren, Ackerflächenverhältnisse, Futterbedarf, Arbeitskapazitäten sowie betriebs- und marktwirtschaftliche Aspekte in Einklang bringen.

 

Fehler bei der Zur Erhaltung einer möglichst naturnahen Vielfalt von Pflanzen und Tieren auch in einer Acker- und Gemüsekultur empfiehlt es sich, mehrere Pflanzenarten zeitlich nacheinander auf einem Feldstück anzubauen. Fruchtfolge wirken sich im Ö. besonders stark aus, weil sie nicht ohne weiteres durch Einsatz von Betriebsmitteln kompensiert werden dürfen. Dem Schädlingsbefall wird durch die Wahl resistenter Arten, durch den Erhalt von Hecken und Rainen (Lebensraum von Fraßfeinden der Schädlinge) sowie dem Verzicht auf Monokulturen auf Ö.-Höfen vorgebeugt.
Als Pestizide zur Bekämpfung von Insekten. Bei den I. unterscheidet man vier Gruppen von Wirkstoffen: Chlorierte zyklische Kohlenwasserstoffe (wie DDT, HCB, Endrin) Organische Phosphorsäureester (wie Chlorpyrifos, Parathion), Carbaminsäureester (wie Carbofuran, Methiocarb)und Dithiocarbamate (wie Maneb, Ziram).Insektizide werden u.a. Brennesseljauche, Algenkalk u. Silikatgesteinmehl (als Bei S. handelt es sich um in der Luft verteilte, feste Teilchen, die je nach Größe in Grob- und Fein-S. unterschieden werden.Staub) sowie pflanzliche Pestizide zur Bekämpfung von Insekten. Bei den I. unterscheidet man vier Gruppen von Wirkstoffen: Chlorierte zyklische Kohlenwasserstoffe (wie DDT, HCB, Endrin) Organische Phosphorsäureester (wie Chlorpyrifos, Parathion), Carbaminsäureester (wie Carbofuran, Methiocarb)und Dithiocarbamate (wie Maneb, Ziram).Insektizide (Quassia, P. ist ein natürliches Insektizid (chemisch: Ester sekundärer Alkohole), das aus Chrysanthemenblüten gewonnen wird und schon den Römern als "persisches Insektenpulver" gegen Läuse und Flöhe half. Pyrethrum, Rotenon) eingesetzt. Als Chemikalien zur Bekämpfung parasitärer Pilze und unerwünschter Mikroorganismen in der Landwirtschaft sowie bei Textilien, Teppichen, Farben, Futtermitteln und in der Medizin.Fungizide sind Chemisches Element der VI. Hauptgruppe, Ordnungszahl 16, leuchtendgelbe Kristalle, Dichte 1,96 g/cm3, Nichtmetall. Schwefel und Kupfersalze erlaubt.
Gesetzliche Bestimmungen: In der EWG-VO Nr. 2092/91 des Rates über den Ö. und die entsprechende Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel sind Erzeugungs- u. Kennzeichnungs-Vorschriften erlassen. Dort sind die Grundregeln des Ö. geregelt, die während einer Umstellzeit von mindestens zwei bzw. drei Jahren befolgt werden müssen.
Sie beinhalten Hinweise zur siehe Melioration.Bodenverbesserung und zur Verwendung von Düngemitteln und Pestiziden. Erzeugnisse des Ö. dürfen nach der VO nicht mit ionisierenden Strahlen behandelt oder mit gentechnischen Methoden hergestellt werden.
Erzeugnisse aus Ö. werden durch die in den EU-Mitgliedsstaaten gebräuchlichen Angaben - in Deutschland: „Öko“ und „Bio“ - gekennzeichnet. Seit Herbst 2000 ist der Gültigkeitsbereich dieser VO auch auf den Bereich der Tierhaltung und tierische Lebensmittel erweitert worden.
Im Jahr 2002 wurden 696.978 Hektar, dass entspricht 4,1 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands im Ö. von 15.626 Betrieben (das sind rund 3,3 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe) bewirtschaftet. Die Nachfrage nach Lebensmitteln aus Ö. ist in den letzten Jahren stark gestiegen und beträgt derzeit etwa 2 Prozent des gesamten deutschen Lebensmittelumsatzes. Rund ein Drittel der Ökoprodukte werden im Lebensmitteleinzelhandel verkauft.

Willer/Lünzer/Haccius: Ökolandbau in Deutschland; Sonderausgabe Nr. 80 der Stiftung Ökologie und Landbau, Bad Dürkheim 2002
Lit.: EWG-VO Nr. 2092/91 des Rates über den ökologischen Landbau u. die entsprechende Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse u. Lebensmittel vom 24.6.1991
AGÖL - Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (Hrsg.): Rahmenrichtlinien für den ökologischen Landbau - Richtlinien der AGÖL für eine gemeinsame Grundlage der angeschlossenen Anbauverbände; 1996
Manuel Schneider: Mythen der Landwirtschaft - Fakten gegen Vorurteile, Irrtümer und Unwissen - Argumente für eine ökologische Agrarkultur; Verlag Stiftung Ökologie & Landbau, Bad Dürkheim, 2000

Autor: KATALYSE Institut

Psychopharmaka

Arzneimittel, welche die Psyche beeinflussen, z.B. Aufputschmittel, Beruhigungsmittel, Futtermittelzusätze und Tierarzneimittel, Betablocker, Tranquilizer.

Autor: KATALYSE Institut

Nutzwald

siehe Stichwörter: Forstwirtschaft, Waldfunktionen, Waldpflege

Nutzpflanzen

Nutzpflanzen sind in Kultur (Ackerbau) genommene Pflanzen, die als Nahrungsmittel, Futtermittel für (Nutz-)Tiere oder als nachwachsende Rohstoffe verwendet werden. Die heute überwiegend genutzten Nutzpflanzen sind kultivierte Sorten, die entzweder durch Züchtung oder gentechnische Methoden (Gentechnik) in Ertrag und Resistenzen optimiert werden. Wild wachsende Nutzpflanzen werden überwiegend noch von den verbliebenen Naturvölkern genutzt.

Viele heutige, heimische Nutz- und Kulturpflanzen wurden nach Eroberungen und Entdeckungen nach Mitteleuropa eingeführt. Beispielsweise stammt die Kartoffel aus den Andenländern, der Mais aus Mexiko, die Sonnenblume aus den südwestlichen USA und der Weizen aus dem Nahen Osten.

Hier finden Sie eine Auswahl von heimischen und tropischen Nutzpflanzen mit ihrem landwirtschaftlichen Profil:

  • Arnika
  • Basilikum
  • Baumwolle
  • Brennessel
  • Chinaschilf
  • Eibisch
  • Engelwurz
  • Eukalyptus
  • Faserlein
  • Gelber Enzian
  • Hanf (Cannabis)
  • Henna
  • Indigofera
  • Johanniskraut
  • Jojoba
  • Jute
  • Kamille
  • Kartoffel
  • Kenaf
  • Kokospalme
  • Koriander
  • Krapp
  • Kümmel
  • Leindotter
  • Mais
  • Majoran
  • Maniok
  • Mariendistel
  • Mohn
  • Niembaum
  • Ölbaum
  • Öllein
  • Ölpalme
  • Pappel
  • Parakautschukbaum
  • Pfefferminze
  • Raps
  • Rharbarber
  • Ringelblume
  • Sachalin-Staudenknöterich
  • Soja
  • Sonnenblume
  • Sonnenhut
  • Topinambur
  • Waid
  • Wau
  • Weide
  • Weizen
  • Wolfsmilch
  • Wurzelzichorie
  • Zitronenmelisse
  • Zuckerhirse
  • Zuckerrohr
  • Zuckerrübe

Autor: KATALYSE Institut

Niembaum

Der Niembaum ist ein immergrüner bis 20 Meter hoher Baum mit etwa 2,5 Meter Stammumfang und tiefreichenden Pfahlwurzeln. Er trägt männliche oder Zwitterblüten und einsamige, manchmal auch zweisamige, grün-gelbe Steinfrüchte.

  • Systematik: Familie: Meliaceae (Mahagonigewächse), Art: Antelaea azadirachta (L.) Adelbert (syn. Azadirachta indica Juss. )
  • Herkunft: Myanmar (Burma) und Indien
  • Klimaansprüche: Subtropen und semiaride Gebiete der Tropen, toleriert Temperaturen bis 50 °C, durchschnittlicher Jahresniederschlag 400 bis 1200 mm
  • Anbausystem: Straßen- oder Feldrainbaum, Plantagen möglich (Dauerkultur)
  • Aussaat/Pflanzung: Samen, Wurzelschösslinge; Verbreitung durch Vögel
  • Düngung: keine Düngung notwendig
  • Pflanzenschutz: Schäden durch bestimmte Insekten (Aonidiella oreintalis) insbesondere in einigen Teilen Afrikas möglich; Fraßschäden durch weidende Tiere (Ziegen, Kamele); manchmal durch Ratten und Stachelschweine
  • Ernte: ab vierten bis fünften Jahr beginnen die höchsten Erntemengen
  • Ertrag: durchschnittlich 20 bis 30 kg Früchte, bis 50 kg Früchte, in Extremfällen 150 kg im Jahr möglich; 350 kg Blätter pro Jahr
  • Besonderheiten: Ölgehalt in Samen 48 Prozent; insektizide Wirkstoffe (Azadirachtine) in Blättern und Samen; 100 kg Früchte ergeben wirksamen biologischen Pflanzenschutz für etwa ein Hektar landwirtschaftliche Fläche, bei dem bisher keine. Resistenzbildung aufgetreten ist.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Niem

Niem ist die Kurzbezeichnung für das Öl, welches aus dem subtropischen
Niembaum gewonnen wird.

Der Niembaum ist ein immergrüner Tiefwurzler, dessen Samen für die Herstellung eines biologischen Pflanzenbehandlungsmittels verwendet werden kann. Eine Resistenzbildung bei Niem ist bisher nicht aufgetreten, insektenfressende Nützlinge werden nicht beeinflußt und für Warmblüter ist Niem ungiftig. Niem bietet die Möglichkeit die Abhängigkeit von Pestizideinfuhren (Pestizidexport)zu verringern.

In China, Nicaragua und auf den Philippinen wird der
Niembaum zur Aufforstung verwendet. In Indien werden seit alters her die Inhaltsstoffe und das Niemöl für medizinische Zwecke genutzt.

Autor: KATALYSE Institut

Nematizide

Pestizide zur Bekämpfung von Bodenälchen (Nematoden).

In Monokulturen finden gerade Wurzelparasiten ideale Vermehrungsbedingungen und richten teilweise große Ernteschäden an. N. gehören unterschiedlichen chemischen Gruppen an (halogenierte Kohlenwasserstoffe, organische Phosphorverbindungen etc.). Da N., um wirken zu können, gut im Boden verteilt werden müssen, benutzt man Begasungsmittel oder in Wasser lösliche Substanzen. N. sind oft auch gegen Insekten und Pilze wirksam.

Autor: KATALYSE Institut

Nachwachsende Rohstoffe

Mit dem Begriff Nachwachsende Rohstoffe werden pflanzliche und tierische Rohstoffe beschrieben, die aus der Land- und Forstwirtschaft stammen, biologisch erneuerbar sind und nicht für Ernährungs- oder Fütterungszwecke genutzt werden, sondern stofflich oder energetisch genutzt werden.

Der Begriff der Nachwachsenden Rohstoffe stammt aus der Zeit der Ölkrise in den siebziger Jahren, in der sich erstmals die Verknappung der fossilen Rohstoffe (Erdöl, Erdgas usw.) abzeichnete und eine Diskussion in Gang setzte, die sich für alternative Energie- und Rohstoffquellen aus erneuerbaren Quellen aussprach. Mit Ende der Ölkrise kam diese Diskussion jedoch wieder schnell zu Erliegen.

Erst 1992 mit der EU-Agrarreform, die helfen sollte die Nahrungsmittelüberschüsse abzubauen, wurde das Thema Nachwachsende Rohstoffe durch die Möglichkeit des Anbaus von Nachwachsenden Rohstoffen auf Stilllegungsflächen (ehemalige Flächen der Nahrungsmittelerzeugung) erneut belebt. In Deutschland ist seit dieser Zeit ein starker Anstieg der Anbauflächen Nachwachsender Rohstoffe zu verzeichnen. Die Flächeninanspruchnahme stieg von 380.000 Hektar (1994) auf 1,56 Mio. Hektar im Jahr 2006, davon fast 400.000 Hektar auf Stilllegungsflächen. Einen weiteren Auftrieb erfuhren Nachwachsende Rohstoffe durch die seit 2005 stark steigenden Energie- und Kraftstoffkosten.

Anbauflächen Nachwachsender Rohstoffe in Deutschland im Jahr 2006:


  • Raps 1.100.000 Hektar
  • Energiepflanzen 295.000 Hektar (v.a.
    Mais, Getreide)
  • Stärke (v.a.

    Kartoffel und

    Weizen) 128.000 Hektar

  • Zucker 18.000 Hektar
  • Heilpflanzen 10.000 Hektar
  • Sonnenblumen 5.000 Hektar
  • Leinöl 3.000 Hektar
  • Faserpflanzen (Hanf, Flachs, Kenaf) 2.000 Hektar

Aus den Zahlen ist erkennbar, dass bisher nur wenige Nutzpflanzen in einen nennenswerten Anbau getreten sind, obwohl die Zahl und das Potenzial der Nutzpflanzen für die Gewinnung Nachwachsender Rohstoffe beträchtlich ist. Nachfolgend einige heimische und tropische Nutzpflanzen mit ihrem landwirtschaftlichen Profil, die als Nachwachsende Rohstoffe genutzt werden können:

  • Arnika
  • Basilikum
  • Baumwolle
  • Brennessel
  • Chinaschilf
  • Eibisch
  • Engelwurz
  • Eukalyptus
  • Faserlein
  • Gelber Enzian
  • Hanf (Cannabis)
  • Henna
  • Indigofera
  • Johanniskraut
  • Jojoba
  • Jute
  • Kamille
  • Kartoffel
  • Kenaf
  • Kokospalme
  • Koriander
  • Krapp
  • Kümmel
  • Leindotter
  • Mais
  • Majoran
  • Maniok
  • Mariendistel
  • Mohn
  • Niembaum
  • Ölbaum
  • Öllein
  • Ölpalme
  • Pappel
  • Parakautschukbaum
  • Pfefferminze
  • Raps
  • Rharbarber
  • Ringelblume
  • Sachalin-Staudenknöterich
  • Soja
  • Sonnenblume
  • Sonnenhut
  • Topinambur
  • Waid
  • Wau
  • Weide
  • Weizen
  • Wolfsmilch
  • Wurzelzichorie
  • Zitronenmelisse
  • Zuckerhirse
  • Zuckerrohr
  • Zuckerrübe

Im pflanzlichen Bereich unterscheidet man bei nachwachsenden Rohstoffen zwischen Industriepflanzen (z.B. Öl-, Zucker- und Faserpflanzen) und Energiepflanzen (z.B. Getreidestroh, Chinaschilf, Baumhölzer). Die Nutzung von Holz als Bau- und Konstruktionsmaterial, von Pflanzenfasern für die Textilherstellung, von tierischen und pflanzlichen Fetten zur Seifenherstellung u.a. sind Beispiele für altbekannte Verwendungen von nachwachsenden Rohstoffen. In der deutschen Industrie stammen heute etwa zehn Prozent aller eingesetzten Grundsubstanzen aus nachwachsenden Rohstoffen.
Eine Fokussierung Nachwachsender Rohstoffen auf die Erzeugung von Kraftstoffen (z.B. Biodiesel) oder Energieträger, wie etwa aus Raps und Mais, erscheint in einem mittelfristigen Energiemix sinnvoll, langfristig müssen jedoch andere alternative Energieträger - wie etwa Wasserstoff  aus Solarenergie eingesetzt werden. Bereits heute umfasst der Rapsanbau, dessen Ertrag überwiegend in die Biodiesel-Erzeugung geht, 1,1 Mio. Hektar Anbaufläche.
Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen wirft auch altbekannte und neue Probleme auf, wie etwa der großflächige Anbau in Monokulturen, der Einsatz der Gentechnik zur Steigerung der Erträge sowie fehlende Höchstmengenverordnungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zunehmend gewinnen mit Hilfe züchterischer und genetischer Methoden hergestellte „maßgeschneiderte“ Rohstoffe an Bedeutung.
Ziel aller Bemühungen um den Einsatz von Nachwachsenden Rohstoffen sollte die Erhaltung einer vielseitigen Landwirtschaft, die auf einer möglichst weitgehend ökologischen Basis eine breite Palette von Rohstoffen erzeugen und anbieten kann. Dies kann erreicht werden, wenn der Anbau ökologischer gestaltet, hochwertige Produkte mit effizienten Verarbeitungsverfahren hergestellt und am Ende ihrer Nutzung mit der Verwertung wieder in ökologische Kreisläufe eingliedert werden können.

Quellen:

  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe 2006 (Internetseite: www.fnr.de; am 15.06.2007)
  • Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe; C.F. Müller Verlag, Heidelberg, 1998
  • Farbstoffe aus der Natur; Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 1997
  • Nutzhanf vom konventionellen zum ökologischen Anbau; Deukalion Verlag, Holm, 1996
  • Hanf & Co - Die Renaissance der heimischen Faserpflanzen; Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 1996

Autor: KATALYSE Institut

Pseudo-Krupp

P. ist eine Erkrankung des Kehlkopfes und der Luftröhre, bei der durch eine virale Infektion, meist Influenza - oder Parainfluenza -, aber auch durch Masernviren die Schleimhäute der Luftwege stark anschwellen.

Die plötzlich auftretenden Symptome sind bellender, krampfartiger Husten, meist in den Abendstunden, ziehendes Geräusch beim Einatmen, Erstickungsangst und zunehmende Panik beim Kind. P.-Anfälle häufen sich im Herbst und im Winter mit einem Gipfel im Oktober und November. Es sind Kinder zwischen 6 Monaten und 5-6 Jahren betroffen, Jungen etwas häufiger als Mädchen. Kinder mit Veranlagungen zu Allergien und Überempfindlichkeitsreaktionen scheinen besonders gefährdet zu sein. P. darf nicht mit der weitaus gefährlicheren Epiglottitis (Kehlkopfentzündung) verwechselt werden, die auch Erwachsene befällt und durch das rasante Zuschwellen des Kehlkopfbereichs oft tödlich verläuft.

Therapie: Das Kind soll feucht-kühle (Nacht-)Luft oder die herausströmende Kaltluft vor dem geöffneten Kühlschrank einatmen; oder man läßt mit der Handbrause zunächst heißes, dann kaltes Wasser in die Badewanne laufen und geht mit dem Kind in die feuchte Badezimmeratmosphäre. Der Arzt verordnet häufig Cortison-Zäpfchen (Rectodelt-Zäpfchen).

Vorbeugung: Keine trockene Heizungsluft, nicht rauchen. Formaldehyd und andere Innenraumluftbelastungen sind aus Kinderzimmern fernzuhalten.
Zahlreiche Studien versuchen herauszufinden, ob zusätzliche Faktoren, wie z.B. Allergien, erbliche Faktoren, Klimawerte, insb. aber Luftverschmutzungen, als Auslöser der Krankheit eine Rolle spielen. In letzter Zeit wird vermehrt die Innenraumluftbelastung als Auslöser diskutiert.

Hier sind Ausgasungen aus Teppichböden, Möbeln, Farben, das Rauchen (Tabakrauch), Haustiere und erhöhte Stickoxid- bzw. Formaldehyd-Abgaben durch Gasfeuerung zu nennen.
Was die Außenluftverschmutzung angeht, so gibt es sowohl Untersuchungen, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung durch insb. Schwefeldioxid, Stickoxide und Schwebstäube und P.-Anfällen zeigen, als auch Untersuchungen, die Luftschadstoffe lediglich als kleinen zusätzlichen Faktor ausweisen, der das Krankheitsgeschehen verstärkt.

Die unterschiedlichen Einschätzungen beruhen größtenteils auf methodischen Mängeln der einzelnen Studien. So wurden i.d.R. nicht alle P.-auslösenden Faktoren (wie z.B. Wetterbedingungen, geographische Lage, Jahreszeit, Wohnsituation, Tabakrauch der Eltern usw.)vollkommen erfaßt.

Dazu kommt, daß die in Kinderkliniken und bei Kinderärzten registrierten Anfälle nicht die tatsächliche Häufigkeit widerspiegeln, da ein Großteil der P.-Fälle zu Hause von den Eltern behandelt wird und somit gar nicht registriert werden. Im Hinblick auf eine Vielzahl von Umweltkrankheiten und insb. auch im Zusammenhang mit der ständig steigenden Zahl der allergieerkrankten Kinder sollten weitere, statistisch gesicherte und methodisch ausgereifte Untersuchungen erfolgen.

Autor: KATALYSE Institut

Polycyclischearomatische Kohlenwasserstoffe

PAK, englisch PAH, Gruppe von ringförmigen Kohlenwasserstoff-Verbindungen, deren Molekülgerüst aus mehreren miteinander verbundenen Benzolringen (Benzol) besteht.

P. sind v.a. in Teer, Erdöl und Kohle enthalten. P. entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material (insb. Holz und fossile Brennstoffe, Holzverbrennung) und sind deshalb in der Umwelt weit verbreitet. Autoabgase (Diesel mehr als Benzin, Schadstoffe aus Kfz) und Tabakteer (Tabakrauch) enthalten P..

Zahlreiche P. sind krebserregend, die gesamte Gruppe steht in der MAK-Werte-Liste unter der Rubrik III A2: Im Tierversuch krebserzeugend. Am besten untersucht ist bisher das Benzo[a]pyren. Weitere Untersuchungen sind dringend notwendig, insbesondere da zahlreiche Berufszweige mit P. in Berührung kommen (Teer).

Grenzwerte für P.: Trinkwasser: 0,0002 mg/l (Trinkwasserverordnung), geräucherte Fleischwaren: 1 µg/kg (ppb)
Benzo[a]pyren. Notwendig wäre es, den Grenzwert auch auf andere Lebensmittel, insb. Gemüse, zu übertragen, da es hier, bedingt durch Luftverschmutzung, häufig zu wesentlich höheren Konzentrationen kommt als bei Fleischwaren.

Beim Grillen von Fleischprodukten entstehen infolge unvollständiger Verbrennung der Holzkohle P (Grillen).

Autor: KATALYSE Institut

Pocken

P.-Erreger sind Variola-Viren.

Symptome: Sieben bis 18 Tage nach der Infektion treten hohes Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen auf. Zwei bis drei Tage später entwickeln sich Hauteffloreszenzen, überwiegend im Gesicht sowie an Händen und Armen. Die Letalität beträgt bis zu 30 Prozent bei ungeimpften Personen.

Therapie: Bisher ist kein wirkungsvolles Virustatikum vorhanden. Antibiotika können bei Sekundärinfektionen helfen.

Prophylaxe: In den ersten Tagen nach Exposition kann eine Impfung den Krankheitsverlauf abschwächen oder den Ausbruch verhindern.

Experimente haben Hinweise ergeben, daß der Polymerase-Hemmer Cidofovir eine Ausbreitung der Viren innerhalb der ersten zwei Tage nach Exposition verhindern kann.

Impfung: Ein Impfstoff ist in Deutschland nicht mehr verfügbar.

Autor: KATALYSE Institut

Pilzkrankheiten

P. spielen in der Forstwirtschaft v.a. als Waldschädlinge auf bereits erkrankten Bäumen eine Rolle.

Im Zusammenhang mit dem Waldsterben treten Schüttepilze (Nadeln werden befallen und fallen ab) und Blasenrostpilze (befallen ebenfalls Nadeln) sowie Blattbräunepilze vermehrt auf. Auch die holzzerstörenden Fäulepilze wie z.B. Hallimasch und Rotfäule nehmen zu. Rotfäule bedeutet erhebliche wirtschaftliche Einbußen für den Betrieb, da sie das massen- und wertmäßig wichtigste untere Stammdrittel befällt und entwertet (Waldschädlinge, Biozide, Schädlingsbekämpfung im Wald, Waldsterben).

Zu P. beim Menschen: P. treten in den Industrieländern in den letzten Jahren immer häufiger auf. Ursachen sind die Einnahme von Breitspektrum-Antibiotika und Glukokorticaiden sowie veränderte Eßgewohnheiten mit vermehrtem Verzehr von Süßigkeiten und Kohlenhydraten.

Bereits Säuglinge werden von Soor (Hefepilz: Candida albicans) in der Mundschleimhaut oder/und im Windelbereich - gefördert durch luftundurchlässige Höschenwindeln - befallen. Weit verbreitet ist auch der Fußpilz sowie P. an den Geschlechtsorganen.

Lit.: K.Langbein u.a.: Bittere Pillen, Köln 1990

Autor: KATALYSE Institut

Photoallergie

P. oder auch Lichtdermatose entsteht durch schädigende Einwirkung von Licht oder UV-Strahlung auf die Haut.

Dabei können Stoffe oder Bestandteile aus Nahrung, Arzneimitteln oder Kosmetika verstärkend oder auslösend wirken. Es wird unterschieden in:

  • Sonnenbrand. Entsteht durch übermäßige UV-Bestrahlung, ist im eigentlichen Sinne keine P..
  • Phototoxische Reaktionen. Durch eine vorherige Einwirkung von z.B. Teerpräparaten, Bergamotteöl, Tetracycline, aber auch Wiesenpflanzen, Parfüme kommt es nach Sonnenbestrahlung zu Hautreaktionen wie Rötung, Schuppung, Bläschenbildung.
  • P. im engeren Sinne als Allergie tritt nur selten auf. Hier kommt es nach der Einwirkung von Stoffen (z.B. Sulfonamide) zu einer Sensibilisierung des Körpers und bei Sonnenbestrahlung zu einer wie oben beschriebenen Hautreaktion.
  • Bestimmte Hautkrankheiten, die durch Lichteinwirkung verschlimmert werden.

Siehe auch: UV-Strahlung, Sonnenbaden, Hautkrebs

 

Autor: KATALYSE Institut

Nachhaltiger Tourismus

Nachhaltiger Tourismus meint eine Form des Reisens, bei der die positiven Effekte des Tourismus sinnvoll genutzt und seine negativen Auswirkungen so weit wie möglich reduziert werden. Dieses Ziel kann bei allen Formen von Urlaub und Reisen verwirklicht werden - nicht nur bei speziellen „Ökotourismus“-Angeboten.

Nachhaltiger Tourismus ist umweltgerecht, indem er sorgsam mit den natürlichen Ressourcen umgeht. Sensible Naturgebiete werden nicht überlastet, sondern durch gezieltes Management in ihrer Besonderheit geschützt und für nachfolgende Generationen erhalten. Umweltverträgliche Techniken beim Einsatz von Wasser und Energie reduzieren die Inanspruchnahme der natürlichen Lebensgrundlagen. Dies wird auch als ökologische Nachhaltigkeit bezeichnet.
Auch in sozialer Hinsicht kann Reisen verträglich gestaltet werden. Respekt vor der lokalen Bevölkerung sowie Neugier und Offenheit gegenüber den Menschen und ihrer Kultur sind für beide Seiten ein Gewinn - dies bedeutet soziale Nachhaltigkeit.
Nachhaltiges Reisen hat zudem ökonomische Vorteile für die Menschen in den bereisten Regionen. Service und Infrastruktur werden angemessen bezahlt und die Gewinne aus dem Tourismus bleiben in der Region, wo sie zu einem angemessenen Lebensstandard und zu Entwicklungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten beitragen und damit die ökonomische Nachhaltigkeit gewährleisten. Unter diesen Umständen kann der Tourismus sogar eine Alternative zu solchen Wirtschaftsformen darstellen, die Natur und Umwelt zu stark beanspruchen und von denen die lokale Bevölkerung nur wenig profitiert.

Nachhaltiger Tourismus ist
ökologisch verträglich, weil

  • Aktivitäten unterlassen werden, die Boden, Wasser, belebte Natur oder die Atmosphäre stark negativ beeinträchtigen oder dauerhaft schädigen.
  • zur Anreise und Mobilität vor Ort umweltfreundliche Verkehrsmittel gewählt werden.
  • touristische Einrichtungen wie Hotels, Restaurants und Freizeitanlagen ressourcenschonende Techniken und Verhaltensweisen nutzen und fördern: Rohstoffe wie Energie, Wasser, Boden, Landschaft und die belebte Natur werden nicht rücksichtslos ausgebeutet und "verbraucht", sondern sinnvoll eingesetzt und dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt.

wirtschaftlich vernünftig, weil

  • die Einnahmen aus dem Tourismus zum Einkommen der lokalen Bevölkerung beitragen und die Entwicklungschancen der Region sichern.
  • sichere Arbeitsplätze und humane Arbeitsbedingungen für die lokale Bevölkerung geschaffen werden, die deren Lebensqualität verbessern.
  • eine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Tourismus vermieden wird und damit die Auswirkungen eines möglichen Rückgangs der Besucherzahlen in der Zukunft abgeschwächt werden.

sozial verträglich, weil

  • der Profit nicht nur den großen Reiseveranstaltern in den Herkunftsländern, sondern auch der Region und der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt.
  • die im Tourismus Beschäftigten faire Löhne erhalten und nicht ausgebeutet werden.
  • die vor Ort lebende Bevölkerung an der Planung und Ausführung des Tourismus beteiligt wird.
  • die Belastungen für die einheimische Bevölkerung gering gehalten und ihre Bedürfnisse sowie ihr Recht auf Selbstbestimmung berücksichtigt werden.
  • kulturelle Werte und Geflogenheiten des Gastlandes respektiert werden.

www.zukunft-reisen.de - Portal für zukunftsfähiges Reisen
Das vom gemeinnützigen Verein Ökologischer Tourismus in Europa (Ö.T.E.) e.V. betriebene Informationsportal www.zukunft-reisen.de soll Verbraucher an das Thema umwelt- und sozialverträgliches Reisen heranführen und die Suche nach vorhandenen Angeboten und Informationen erleichtern. Diese Seite listet mehr als einhundert Links auf Internetseiten von Anbietern, Organisationen und Institutionen, die Informationen rund um umweltgerechtes und sozialverantwortliches Reisen bieten. Ob Reisevorbereitung, geeignete Unterkünfte, umweltverträgliche Mobilitätsangebote, Freizeitaktivitäten oder Qualitätsauszeichnungen für besonders umweltgerechte Anbieter: Zu allen Themen finden sich Informationen mit gezielten Hinweisen, damit der Reisende mit wenigen „Klicks“ schnell ans gewünschten Ziel gelangt und sich für seine umweltverträgliche Reise die passenden „Zutaten“ aussuchen kann. Begleitend dazu ist eine 20-seitige Broschüre erschienen, in der in knapper Form die wichtigsten Informationsquellen enthalten sind.

Kontakt:
Ökologischer Tourismus in Europa (Ö.T.E.) e.V.
Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn
Email: info@oete.de
www.oete.de
www.zukunft-reisen.de

Autor: KATALYSE Institut

Pest

Erreger der P. ist Yersinia pestis.

Symptome: Bei der Beulenpest sind die Lymphknoten vergrößert und können eitern. Lungenpest beginnt mit hohem Fieber, Kopfschmerzen, Myalgie. Innerhalb eines Tages folgt Husten mit zunehmend blutigem Sputum, dann Dyspnoe, Schock und Atemstillstand. Die Inkubationszeit liegt bei ein bis sieben Tagen.

Therapie: Spätestens einen Tag nach Symptom-Beginn muß die Behandlung erfolgen, etwa mit täglich intramuskulär 30 mg Streptomycin pro kg Körpergewicht über 10 Tage, oder mit initial 200 mg, dann 100 mg Doxycyclin zweimal täglich intravenös über 10 bis 14 Tage.

Prophylaxe: Zweimal täglich 500 mg Tetrazyclin oder 100 mg Doxycyclin über sieben Tage.

Impfung: Impfstoffe wurden entwickelt, sind aber nicht verfügbar.

Autor: KATALYSE Institut

Pentachlorphenol

P. (PCP) ist ein desinfizierendes und pilztötendes Pulver. P. wurde bis Mitte der 80er Jahre u.a. zur Konservierung (Holz- und Bautenschutz, Lacke, Farben, Klebstoffe, Textilien, Leder und Zellstoff) und als Zwischenprodukt in der Farb- und Arzneimittelindustrie und als Pflanzenschutzmittel sowie in Bor- und Schneidölen eingesetzt.

P. ist fast immer mit Dioxinen verunreinigt. Dioxine bilden sich bei der Herstellung von Chlorphenolen aus chlorierten Benzolen durch Umsetzung mit Alkalien. Der Gehalt der technischen Verunreinigungen mit Dioxinen und Furanen ist abhängig vom Produktionsprozess, aber auch heute noch enthalten P. relativ hohe Dioxin- und Furankonzentrationen. Durch das breite Einsatzfeld von P. ist es heute weltweit fast in allen Medien nachweisbar.

In Deutschland stehen Vergiftungen durch P.-haltige Holzschutzmittel im Vordergrund. Noch 1979 waren in den 47.000 t in Deutschland verkauften Holzschutzmitteln fast 10.000 t P. enthalten. Trotzdem erhielt 1983 noch fast jedes dritte Produkt das IfBt-Prüfzeichen - und damit dem Segen des Bundesgesundheitsamtes. Mit der Gefahrstoff-Verordnung von 1986 wurde die Verwendung von P. als Holzschutzmittel weiter eingeschränkt: P.-haltige Holzschutzmittel durften nicht mehr verwendet werden, wenn die Luft von Wohn- und Arbeitsräumen belastet werden kann.

Das biologisch schwer abbaubare P. ist ein starkes Gift und hemmt die Energieübertragung in der Zelle. P. kann sowohl über Nahrung als auch über die Haut aufgenommen werden. Akute Vergiftungserscheinungen sind gekennzeichnet durch beschleunigte Atmung, Übelkeit, Kopfschmerzen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit. Bei langfristiger Einwirkung treten Leber- und Nierenschäden, ständige Müdigkeit und Abmagerung auf. Ein MAK-Wert kann nicht angegeben werden, da P. im Tierversuch eindeutig krebserregend wirkt und somit keine unbedenkliche Arbeitsplatzkonzentration existiert. Darüber hinaus besteht der begründete Verdacht der erbgut- und fruchtschädigenden Wirkung technischer P.

Die Hauptaufnahme von P. erfolgt über Luft und Staub oder direkt über die Haut und über die Nahrung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt als Gesamtaufnahme 3 µg/kg/Tag an.

Grenz- und Richtwerte:

  • Raumluft: 1 µg/m3 max. duldbare Raumluftkonzentration (Empfehlungs-/Richtwert), Zielwert der PCP-Richtlinie zur Dauerbelastung: 0,1µg/m3. In der Raumluft gilt ein Wert von 100 bis 500 ng/m3, im Hausstaub von 1 bis mg/kg und im

    Holz von 500 bis 1000 mg/kg als deutliche P.-Belastung.

  • Arbeitsplatz: kein Grenzwert, da krebserzeugend in der MAK-Liste Kategorie 2 eingestuft
  • Materialien (z.B. Leder oder Teppichböden): 5 mg/kg nach Chemikalien-Verbotsverordnung, Materialien, die diesen Grenzwert ausschöpfen, gelten als stark belastet.
  • Trinkwasser: 0,1 µg/Liter
  • Nahrungsmittel: 10 µg/kg
  • Getreide: 30 µg/kg

Untersuchungen haben ergeben, dass v.a. Lederwaren mit P. belastet sein können. Dabei ist v.a. Leder aus tropischen Ländern negativ aufgefallen, das bis zu 200 mg P./kg enthalten kann. Leder aus deutschen Gerbereien bietet große Sicherheit vor P.

Autor: KATALYSE Institut

Passivrauchen

Unfreiwilliges Einatmen von Tabakrauch.

P. ist nachweislich gesundheitsschädlich. Zahlreiche Schadstoffe sind im Nebenstromrauch (Rauch, der vom Raucher nicht aktiv eingeatmet wird) in wesentlich höheren Konzentrationen vorhanden als im Hauptstromrauch (vom Raucher aktiv eingeatmet), da die Temperatur in der Glühzone der "gezogenen" Zigarette viel höher ist und dort die Sauerstoffversorgung zur vollständigen Verbrennung ausreicht.

Passivraucher tragen ein unverhältnismäßig hohes Krebsrisiko, da sie krebserregende Rauchbestandteile schlechter abbauen können als Raucher. Es fehlt ihnen v.a. an den schadstoffabbauenden Enzymen, die Raucher aufgrund der chronischen Belastung durch Tabakrauch verstärkt produzieren (z.B. das Atmungsenzym Cytochrom P450).

Unter den Nichtrauchern sterben jährlich schätzungsweise 1.000 Frauen und 2.000 Männer an Lungenkrebs. Es besteht der berechtigte Verdacht, daß etwa die Hälfte von ihnen dem P. zum Opfer fiel.

Autor: KATALYSE Institut

Östrogen

Ö. sind weibliche Geschlechtshormone, die u.a. die Ausbildung der primären und sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale bewirken.

In Medikamenten sind sie Bestandteil der "Pille" und Mittel gegen Beschwerden in den Wechseljahren. Ö. u.a. Hormone werden illegal bei der Masttierhaltung als Wachstumsförderer eingesetzt.

Siehe auch: Hormon, Futtermittelzusätze, Massentierhaltung

 

Autor: KATALYSE Institut

Organdosis

Eine O. ist die Strahlendosis, die ein bestimmtes Organ, z.B. die Schilddrüse, aufgenommen hat. Organbelastungen treten insb. durch inkorporierte (Inkorporation) natürliche und künstliche Radionuklide auf, die sich im Körper in bestimmten Organen anreichern (Anreicherung).

O. können zu Funktionsbeeinträchtigungen und Krebs in den betreffenden Organen führen (Strahlenschäden). Handelt es sich bei den bestrahlten Organen um Eierstöcke oder Hoden, so spricht man von Keimdrüsendosis.
Das Konzept, neben der Ganzkörperdosis (Strahlendosis) auch einzelne O. zu begrenzen, wird in den jüngsten Empfehlungen der internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) fast vollständig durch das Konzept der effektiven Dosis ersetzt (Strahlendosis, Radioaktivität und Strahlung, Maßeinheiten).

Siehe auch: Strahlenschutzverordnung.

Autor: KATALYSE Institut

Onkologie

Lehre von den Geschwulstkrankheiten. Die O. beinhaltet die Erforschung der Ursachen von Krebserkrankungen

Durch Chemikalien, ionisierende Strahlen, onkogene Viren und Bakterien, Reizungen und Hormonen sowie die Entwicklung von entsprechenden Therapieformen. In der O. werden zunehmend gentechnische Verfahren eingesetzt (Gentherapie).

Autor: KATALYSE Institut

Nachhaltiger Fischfang

Der Nachhaltige Fischfang ist ein Gegenentwurf zur weitverbreiteten konventionellen Fischereiindustrie, die weltweit zur Überfischung führt. Nachhaltige Fischerei bedeutet, dass in einem Umfang gefischt wird, der das Nachwachsen der Bestände nicht gefährdet.

Bei einem nachhaltigen Fischfang wird darauf geachtet, dass die Bestände nicht überfischt werden, sondern dass ihre volle Reproduktionsfähigkeit erhalten wird. Dabei wird die fischereiliche Sterblichkeit (Entnahme aus dem Bestand durch die Fischerei) berücksichtigt. Zusätzlich sollen nicht nur überfischte Fischarten durch ein Fangverbot vor dem Aussterben gerettet, sondern auch dezimierte vorsorglich durch niedrigere Fangquoten geschützt werden.

Überfischung:
Derzeit sind 80 % der Mittelmeerbestände und 47 % der Bestände im Atlantik überfischt (vgl. Europäische Kommission 2012b). Dies liegt u.a. daran, dass die gesetzlichen Fangquoten über den von den Wissenschaftlern empfohlenen Quoten liegen. Durchschnittlich sind die Fangqouten 40 Prozent höher als die durchschnittlichen wissenschaftlichen Empfehlungen (vgl. Carlson 2013). Infolge von Nachhaltigkeitsmaßnahmen konnten sich in den letzten Jahren einige Fischbestände wieder erholen. Trotzdem ist der Zustand des Ökosystems Meer äußerst kritisch.
Die Überfischung bereitet auch der Fischereiindustrie Sorgen: rückläufige Fangmengen durch die Überfischung und damit verbunden abnehmende Profite schaden Fischern und der Fischereiindustrie.

Die Überfischung konnte vor allem durch die Technologisierung der Fischerei eintreten. So wird seit der Industrialisierung der Fischerei immer mehr Fisch durch die steigende Fangeffizienz aus dem Meer geholt. Die Technologisierung führt zu immer größeren Fangschiffen mit effizienteren Fangmethoden, zu einer genaueren Ortung und Erschließung von Fischgründen (durch z.B. 3D-Sonargeräte), zu höheren Fangraten und zu einer potentiell längeren Lagerung des Fisches.
Die Zerstörung des Ökosystems Meer wird zudem auch durch die Verwendung von Grundschleppnetzen vorangetrieben, die den Meeresboden aufwühlen und zerstören und Vegetation und Tiere vernichten (vgl. Rydl et al. 2013). .

Ein großes Problem der Fischerei ist der Beifang (europaweit ca. 460.000 von insgesamt 1,9 Mil. Tonnen gefangenen Fisch pro Jahr). Zu kleine oder deformierte Individuen und Fischarten, für die die Quoten ausgeschöpft sind oder für die es gar keine Quoten gibt, sowie unerwünschter Fisch für die z.B. der betroffene Fischer keine Quote hat, werden als Beifang wieder zurück ins Meer geworfen. Dies liegt einerseits an dem Verbot diese Fische anzulanden, andererseits auch an dem Interesse der Fischer, möglichst gewinnbringenden Fisch zu verkaufen. Der über Bord geworfene Fisch wird nicht erfasst und gilt somit als nicht abgefischt. Durch den Beifang sinkt also die Bestandsproduktivität vieler Fischarten noch weiter. Eine Kontrolle der fischereilichen Sterblichkeit durch den Rückwurf gestaltet sich schwierig. Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Beifang in den meisten Ländern nicht auf die Fangquote der Fischer angerechnet (Ausnahme ist z.B. Norwegen) wird.
Zudem verfangen sich auch andere Meerestiere, wie Wale, Delfine, Meeresschildkröten, Vögel, Robben, Rochen und Haie in den Netzen.

EU:
Die Europäische Union, bekannt für eine eher umweltschädliche Fischereipolitik, versucht angesichts der überfischten europäischen sowie globalen Fischbestände, hohen Beifangraten, rückläufigen Fangmengen, hohen Subventionen, Fischimporten und ihrer eigenen Flottenüberkapazität eine nachhaltige Fischereipolitik zu etablieren.

Deswegen plant die Europäische Kommission eine Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP). Durch diese Reform soll bei Entscheidungen des Fischereirats, der in der Vergangenheit vor allem kurzfristige politische und ökonomische Interessen im Blick hatte (vgl. Callum 2013:444), stärker das EU-Parlament und EU-Kommission eingebunden werden. Die neue Gemeinsame Fischereipolitik wird ab 2014 in Kraft treten (vgl. Europäisches Parlament 2013).

Einige Maßnahmen und Ziele sind folgende:

  • Lösung Beifang-/Rückwurfproblem: Ein Rückwurfverbot für alle fischereilich genutzten und regulierten Fischarten soll durchgesetzt werden, so dass die Fischer den Beifang mit an Land bringen müssen. Dadurch kann die Entnahme der einzelnen Fischarten besser registriert werden. Außerdem schafft dies Anreize Beifang zu vermeiden, da die Fischer Lagerplatz und Lagerplatzkosten durch eine geringere Beifangmenge reduzieren können. Es besteht die Hoffnung, dass ähnlich wie in Norwegen, die Fischer sich dann an technischen Innovationen, durch deren Einsatz man Beifang vermeiden kann, beteiligen und diese auf ihren Fischereiboten etablieren. Durch Fangnetze mit größeren Maschen oder durch Fluchtfenster in den Netzen können z.B. kleinere Individuen, die häufig als Beifang enden, flüchten. Zusätzlich hofft man, dass die Fischer den Bestand von kleineren Individuen und Jungtieren schonen, in dem sie z.B. in Gebieten mit hohem Jungfischaufkommen nicht fischen. Trotzdem muss das Rückfangverbot stark kontrolliert (Kameras, Fischereiaufseher) und geahndet werden. .
  • Nachhaltiges Bestandsmanagment: Ab 2015 dürfen keine Fanggqouten mehr beschlossen werden, die nicht nachhaltig sind. Deswegen soll auf Grundlage des „höchstmöglichen Dauerertrags“ (Maximum sustainable yield = MSY) gefischt werden, so dass nur die optimale Fangmenge (ohne Gefährdung der Fortpflanzungsfähigkeit) dem Meer entnommen wird und die Fischbestände auf dem höchstmöglichem langfristigen Ertragsniveau gehalten werden (vgl. Europäische Kommission 2013: 8). Dazu soll schrittweise die fischereiliche Sterblichkeit verringert werden, bis der höchstmögliche Dauerertrag (MSY) erreicht wird. So könnten sich stark dezimierte Arten erholen und die Entwicklung von größeren Individuen gefördert werden. Die Idee dahinter ist, dass nicht nur die Fischbestände und Arten, die als Beifänge ins Netz geraten, geschont werden, sondern auch durch eine größere Fangstabilität eine produktivere und zukunftssichere Fischereiwirtschaft bei den (stark) befischten Arten betrieben werden soll. Zudem wird die wissenschaftliche Datenlage (z.B. Analyse der langfristigen Entwicklungen in den Fangmengen und Fischbeständen) verbessert und in Zukunft in der Fischereipolitik eine größere Rolle spielen. Zum Schutz des Ökosystems Meer sollen die Nutzung umweltschädigender Fangtechniken, z.B. Grundschleppnetze, einschränkt werden. Auf dem Weg zur nachhaltigen Fischerei sollen folgende Instrumente helfen: Langfristige Managementpläne (z.B. zur Überwachung der fischereilichen Sterblichkeit), Einbinden der Mitgliedsstaaten, Berücksichtigung regionaler Begebenheiten und damit auch die Integration regionaler Beratung unter Berücksichtigung von Region spezifischen Traditionen und Know-How, die Unterstützung der handwerklichen Fischerei, die Bekämpfung der illegalen Fischerei sowie die Eingliederung in die Meeresumweltpolitik (vgl. Europäische Kommission 2012a). Auch die Einrichtung und Erweiterung von Meeresschutzgebieten, die besonders beim Erhalt der Bestände, der Arten und der Biodiversität hilft, soll vorangetrieben werden. 
  • Abbau der Flottenüberkapazität: Als Hauptgrund für die Überfischung gilt auch die große Fischereiflotte. Die EU versucht schon länger die Flottenkapazität zu verringern. Doch ohne nennenswerten Erfolg. Ein Grund für das Scheitern ist, dass die Fangeffizienz der Fangschiffe nicht wirklich bei den bisherigen Maßnahmen mit einbezogen wurde. Daher wird bei der GFP-Reform die Einführung der handelbaren Fangquoten/Fanganteile (ITQ = Individual Transferable Quote) vorgeschlagen. Diese werden von den Mitgliedstaaten, die eine Flottenübergrenze von der EU zugewiesen bekommen, an Fischer/Fischereiindustrie verteilt und können auch nur innerhalb des Mitgliedstaats verpachtet oder getauscht werden. Dadurch soll es für Fischer lukrativ werden, ihre Fanganteile zu verkaufen/zu verpachten. Dies wird wahrscheinlich aber im Ministerrat nicht durchsetzbar sein (vgl. Döring 2012). Bisher und wahrscheinlich auch weiterhin erfolgte bzw. erfolgt die Regulierung der Fischerei per Fangtage auf See. Diese Regulierung ist aber ineffizient, da die Fischer sowieso z.B. in bestimmten Jahreszeiten nicht fischen können oder trotz der begrenzten Fangtage zu viel Fisch aus dem Meer herausholen. Einen großen Beitrag zur Flottenüberkapazität hat die Subventionierung dazu gesteuert (De-Minimis Beitrag von 30.000 Euro ohne daran geknüpfte Bedingung, Befreiung von Kraftstoffsteuern, Unterstützung der Schiffsverschrottung bei einer gleichzeitigen Schiffsmodernisierung). Als Lösung könnte man Subventionen (finanziert aus dem EMFF, European Maritime and Fisheries Fund) von Nachhaltigkeitszielen abhängig machen (Selektivere Fanggeräte, wissenschaftliche Datenerhebung).

Die EU ist zudem in der Fernfischerei tätig. Weltweit fischt die EU-Fischereiflotte, indem Fangqouten in nicht-europäischen Fanggebieten gekauft werden, um die europäischen Flottenkapazität auszulasten. Zukünftig will die Europäische Kommission diese Fernfischerei einschränken. Auch sollen die Schiffe der EU-Flotte in anderen nicht-europäischen Fanggebieten den Richtlinien und Prinzipien der GFP folgen

Die nachhaltige Fischerei soll durch Datenerhebung (Wechselbeziehungen im Ökosystem, Reproduktionsbedingungen der Arten, Auswirkungen der Fischerei), wissenschaftlichen Gutachten, Kontrollen und entsprechenden Korrekturen des Fischereimanagements sichergestellt werden.

Kritik:

  • Für eine nachhaltige Fischerei sind klarere Bewirtschaftungsgrenzen der Fischbestände (Einhaltung der wissenschaftlichen Empfehlungen, einheitliche Regelung der nachhaltigen Bewirtschaftung, in der der Vorsorgeansatz berücksichtigt wird) erforderlich. Insbesondere durch die Ignoranz gegenüber den wissenschaftlichen Empfehlungen in der Vergangenheit (vgl. Salomon et al. 2012:42).
  • Es wird immer nur vom Erhalt des Fischbestands gesprochen. Ein
    Fischbestand ist aber nur gesund, wenn er eine natürliche Zusammensetzung ('gesunde' Größen- und Altersstruktur) besitzt. Dies berücksichtigt die GFP-Reform nicht, da eine solche Datenerhebung sich schwierig gestaltet und eine Fischereipolitik, die auf die Gesundheit der Bestände achtet, kaum umsetzbar ist.
  • Es wird z.T. kritisiert, dass die Maßnahme MYS als Zielwert zur Bestandserhaltung genommen wird, da durch die Wechselbeziehungen zwischen den Arten (Räuber-Beute-Beziehungen, Nahrungskonkurrenz), die Bestände nicht unbedingt das MSY-Niveau erreichen oder auf diesem Niveau bleiben können. Deswegen wird – auch von der EU-Kommission- vorgeschlagen, dass man die fischereiliche Sterblichkeit (dieser Wert wird nur durch die Fischerei beeinflusst), mit der MSY erreicht werden kann, als Zielwert nimmt.
  • Die Fangquoten müssen insgesamt niedriger sein, um den Vorsorgeprinzip gerecht zu werden (Sicherheitsabstand zur MYS).
  • Bereits überfischet Bestände erholen sich nicht, wenn sie nicht zuerst auf einen gesunden Bestand anwachsen können, so dass man ihr Fortbestehen gewährleisten kann. Dafür müssten die Fangmengen erst mal bis zu einem festgelegten Zeitpunkt abgesenkt werden, bis sich die Bestände erholt haben (vgl. WWF 2013).
  • Das Rückwurfverbot soll gestaffelt nach Fischart eingeführt werden. Der Grund für diese Regelung liegt an dem unterschiedlich hohen Aufwand für die technischen Veränderungen, die durchgeführt werden müssen. Allerdings wird es schwer, zu kontrollieren, welche Fischart als Beifang zurück ins Meer geworfen wird. Eine Staffelung nach Fischereien wäre hier einfacher zu kontrollieren.
  • Forderungen eines Rückwurfverbotes für alle Fischarten.
  • Beim Rückwurfverbot gibt es einige Außnahmen, so z.B. erlaubt eine Ausnahmeregelung  bis zu 5% der jährlichen Fangmenge der fangbeschränkten Arten genauso wie alle Arten ohne Fangbeschränkung über Bord zu werden. Diese Ausnahmen erschweren die Kontrolle des Rückwurfverbots.
  • Man schafft für die Fischer falsche Anreize, wenn man ihnen z.B. mehr Fangtage zuspricht, wenn sie Netze mit kleinere Maschen verwenden. Diese Anreize müssen abgeschafft werden.
  • Die von der EU vorgeschlagenen Flottenobergrenzen der Mitgliedstaaten entsprechen dem heutigen Stand und ziehen somit keine Verringerung der Flotte nach sich. Insgesamt wird der Erfolg der handelbaren Fangquoten angezweifelt. (vgl. Salomon et al. 2012:41)
  • Es wird gefordert, dass während und nach der Reform eine öffentliche Debatte in der Gesellschaft angestoßen werden soll.

Insgesamt aber sehen Experten und Umweltschutzverbände die Pläne der EU zur nachhaltigen Fischereipolitik positiv, mahnen allerdings auch, dass die Pläne konsequent umgesetzt werden müssen, um ein Erfolg für das Ökosystem Meer herbeizuführen.

@Umweltlexikon?! Fischerei, Fisch und Fischereiprodukte,
Fischbestand, Thunfisch, Fischsterben,

Lit.:

  • Carlson, Björn, BalticSea2020 (2013): EU-Fischereipolitik: Diese Reform kann Fische und Fischer retten. [Stand: 28.03.2013].
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2013): Fischeries and Aquaculture in Europe. 2013, Nr. 60.
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2012a): Häufig gestellte Fragen. [Stand: 28.03.2013]. 
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2012b): Hintergrund.[Stand: 28.03.2013]. 
  • Europäische Parlament (2013): Reform der EU-Fischereipolitik: Parlament fordert Ende der Überfischung. [Stand: 05.06.2013]. 
  • Döring, Ralf (2012): Die Reformformschläge zur EU-Fischereipolitik sind besser als ihr Ruf. In: GAiA, 2012, Nr. 3, S.173-176. 
  • Roberts, Callum (2013): Der Mensch und das Meer. München: Deutsche Verlags-Anstalt.
  • Rydl, Vladimir / Reichert, Inka - Planet Wissen (2013): Überfischung der Meere. [Stand: 28.03.2013].
  • Salomon, Markus / Budde, Johanna (2012): Eine nachhaltige Fischereipolitik für Europas Ruf. In: GAiA, 2012, Nr. 1, S.38-42. 
  • WWF (2013): Grobmaschige Fischereireform. [Stand: 04.06.2013].

Autor: KATALYSE Institut