Nachwachsende Rohstoffe

Mit dem Begriff Nachwachsende Rohstoffe werden pflanzliche und tierische Rohstoffe beschrieben, die aus der Land- und Forstwirtschaft stammen, biologisch erneuerbar sind und nicht für Ernährungs- oder Fütterungszwecke genutzt werden, sondern stofflich oder energetisch genutzt werden.

Der Begriff der Nachwachsenden Rohstoffe stammt aus der Zeit der Ölkrise in den siebziger Jahren, in der sich erstmals die Verknappung der fossilen Rohstoffe (Erdöl, Erdgas usw.) abzeichnete und eine Diskussion in Gang setzte, die sich für alternative Energie- und Rohstoffquellen aus erneuerbaren Quellen aussprach. Mit Ende der Ölkrise kam diese Diskussion jedoch wieder schnell zu Erliegen.

Erst 1992 mit der EU-Agrarreform, die helfen sollte die Nahrungsmittelüberschüsse abzubauen, wurde das Thema Nachwachsende Rohstoffe durch die Möglichkeit des Anbaus von Nachwachsenden Rohstoffen auf Stilllegungsflächen (ehemalige Flächen der Nahrungsmittelerzeugung) erneut belebt. In Deutschland ist seit dieser Zeit ein starker Anstieg der Anbauflächen Nachwachsender Rohstoffe zu verzeichnen. Die Flächeninanspruchnahme stieg von 380.000 Hektar (1994) auf 1,56 Mio. Hektar im Jahr 2006, davon fast 400.000 Hektar auf Stilllegungsflächen. Einen weiteren Auftrieb erfuhren Nachwachsende Rohstoffe durch die seit 2005 stark steigenden Energie- und Kraftstoffkosten.

Anbauflächen Nachwachsender Rohstoffe in Deutschland im Jahr 2006:


  • Raps 1.100.000 Hektar
  • Energiepflanzen 295.000 Hektar (v.a.
    Mais, Getreide)
  • Stärke (v.a.

    Kartoffel und

    Weizen) 128.000 Hektar

  • Zucker 18.000 Hektar
  • Heilpflanzen 10.000 Hektar
  • Sonnenblumen 5.000 Hektar
  • Leinöl 3.000 Hektar
  • Faserpflanzen (Hanf, Flachs, Kenaf) 2.000 Hektar

Aus den Zahlen ist erkennbar, dass bisher nur wenige Nutzpflanzen in einen nennenswerten Anbau getreten sind, obwohl die Zahl und das Potenzial der Nutzpflanzen für die Gewinnung Nachwachsender Rohstoffe beträchtlich ist. Nachfolgend einige heimische und tropische Nutzpflanzen mit ihrem landwirtschaftlichen Profil, die als Nachwachsende Rohstoffe genutzt werden können:

  • Arnika
  • Basilikum
  • Baumwolle
  • Brennessel
  • Chinaschilf
  • Eibisch
  • Engelwurz
  • Eukalyptus
  • Faserlein
  • Gelber Enzian
  • Hanf (Cannabis)
  • Henna
  • Indigofera
  • Johanniskraut
  • Jojoba
  • Jute
  • Kamille
  • Kartoffel
  • Kenaf
  • Kokospalme
  • Koriander
  • Krapp
  • Kümmel
  • Leindotter
  • Mais
  • Majoran
  • Maniok
  • Mariendistel
  • Mohn
  • Niembaum
  • Ölbaum
  • Öllein
  • Ölpalme
  • Pappel
  • Parakautschukbaum
  • Pfefferminze
  • Raps
  • Rharbarber
  • Ringelblume
  • Sachalin-Staudenknöterich
  • Soja
  • Sonnenblume
  • Sonnenhut
  • Topinambur
  • Waid
  • Wau
  • Weide
  • Weizen
  • Wolfsmilch
  • Wurzelzichorie
  • Zitronenmelisse
  • Zuckerhirse
  • Zuckerrohr
  • Zuckerrübe

Im pflanzlichen Bereich unterscheidet man bei nachwachsenden Rohstoffen zwischen Industriepflanzen (z.B. Öl-, Zucker- und Faserpflanzen) und Energiepflanzen (z.B. Getreidestroh, Chinaschilf, Baumhölzer). Die Nutzung von Holz als Bau- und Konstruktionsmaterial, von Pflanzenfasern für die Textilherstellung, von tierischen und pflanzlichen Fetten zur Seifenherstellung u.a. sind Beispiele für altbekannte Verwendungen von nachwachsenden Rohstoffen. In der deutschen Industrie stammen heute etwa zehn Prozent aller eingesetzten Grundsubstanzen aus nachwachsenden Rohstoffen.
Eine Fokussierung Nachwachsender Rohstoffen auf die Erzeugung von Kraftstoffen (z.B. Biodiesel) oder Energieträger, wie etwa aus Raps und Mais, erscheint in einem mittelfristigen Energiemix sinnvoll, langfristig müssen jedoch andere alternative Energieträger - wie etwa Wasserstoff  aus Solarenergie eingesetzt werden. Bereits heute umfasst der Rapsanbau, dessen Ertrag überwiegend in die Biodiesel-Erzeugung geht, 1,1 Mio. Hektar Anbaufläche.
Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen wirft auch altbekannte und neue Probleme auf, wie etwa der großflächige Anbau in Monokulturen, der Einsatz der Gentechnik zur Steigerung der Erträge sowie fehlende Höchstmengenverordnungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zunehmend gewinnen mit Hilfe züchterischer und genetischer Methoden hergestellte „maßgeschneiderte“ Rohstoffe an Bedeutung.
Ziel aller Bemühungen um den Einsatz von Nachwachsenden Rohstoffen sollte die Erhaltung einer vielseitigen Landwirtschaft, die auf einer möglichst weitgehend ökologischen Basis eine breite Palette von Rohstoffen erzeugen und anbieten kann. Dies kann erreicht werden, wenn der Anbau ökologischer gestaltet, hochwertige Produkte mit effizienten Verarbeitungsverfahren hergestellt und am Ende ihrer Nutzung mit der Verwertung wieder in ökologische Kreisläufe eingliedert werden können.

Quellen:

  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe 2006 (Internetseite: www.fnr.de; am 15.06.2007)
  • Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe; C.F. Müller Verlag, Heidelberg, 1998
  • Farbstoffe aus der Natur; Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 1997
  • Nutzhanf vom konventionellen zum ökologischen Anbau; Deukalion Verlag, Holm, 1996
  • Hanf & Co - Die Renaissance der heimischen Faserpflanzen; Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 1996

Autor: KATALYSE Institut

Veröffentlicht in Landwirtschaft, N, N - S.