Schadstoffe

Stoffe, die durch ihre chemische oder physikalische Wirkung in der Lage sind, Mensch und Umwelt zu schädigen.

Manche Stoffe werden erst ab einer gewissen Konzentration zu Schadstoffen, andere sind schon in kleinsten Mengen schädlich. Unter Schadstoff-Ausstoß versteht man die Emission und unter Schadstoff-Eintrag die Immission von Schadstoffen.
Bodenbelastung, Gewässerbelastung, Luftverschmutzung

Autor: KATALYSE Institut

Mortalität

(Lateinisch mortalitas.) Sterblichkeit, Verhältnis der Zahl der Todesfälle zur Zahl der Gesamtbevölkerung in einem bestimmten Zeitraum.

Nicht zu verwechseln mit Letalität.

Autor: KATALYSE Institut

Glyphosat

Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist eine biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitbandherbizide und wird seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre weltweit zur Unkrautbekämpfung in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Glyphosat wirkt unselektiv gegen Pflanzen; Nutzpflanzen können mittels Gentechnik eine Resistenz gegen Glyphosat erhalten. Glyphosat ist weltweit seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden.

Im März 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als "wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen" eingestuft. Die Konsequenz aus dieser Einstufung kann nur sein: sofortiges Verbot. Das verlangt die EU-Gesetzgebung. Zum einen ist die Einstufung als "krebserregend" ein absoluter Verbotsgrund, zum anderen gebietet das Vorsorgeprinzip, dass die Behörden bereits dann tätig werden müssen, wenn der letzte Beweis für die Gesundheitsschädlichkeit eines Stoffes noch nicht vorliegt. Ein Verbot ist umso dringlicher, als Glyphosat das meist eingesetzte Spritzmittel der Welt ist und Menschen ihm nicht ausweichen können.

Natürlich kommt eine EU-Wiederzulassung von Glyphosat, die eigentlich 2015 ausgesprochen werden sollte, nach dem Urteil der WHO-Experten nicht mehr in Frage!

Zudem wirft die Einschätzung der WHO-Experten ein denkbar schlechtes Licht auf die deutschen Zulassungsbehörden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das zuletzt im Rahmen der EU-Wiederzulassung von Glyphosat alle Hinweise auf die krebserregende Wirkung von Glyphosat ignoriert hat, bekommt endlich Contra. Das BfR hat sich zu sehr auf die von der Industrie vorgelegten Studien verlassen. Es hat Ergebnisse unabhängiger Wissenschaftler, die seit Jahren auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch Glyphosat hinweisen, fast schon routinemäßig damit abgeschmettert, sie seien fachlich nicht fundiert. Hoffentlich löst die WHO-Einstufung diese Voreingenommenheit der deutschen Behörden endlich auf.

Autor: KATALYSE Institut

MAK-Werte

Ein MAK-Wert (Maximale Arbeitsplatzkonzentration)ist nach der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die höchstzulässige Konzentration eines Arbeitsstoffes als Gas, Dampf oder Schwebstoff in der Luft am Arbeitsplatz, die nach dem gegenwärtigen Stand der Kenntnis auch bei wiederholter und langfristiger, in der Regel täglich achtstündiger Exposition, jedoch bei Einhaltung einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden, im allgemeinen die Gesundheit der Beschäftigten nicht beeinträchtigt und diese nicht unangemessen belästigt.

Die Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft für gefährliche Arbeitsstoffe gibt jährlich eine Liste von ca. 500 Stoffen mit deren Grenzwerten in der Raumluft am Arbeitsplatz heraus, die MAK-Liste.

Beabsichtigte Neuaufnahmen oder Änderungen bestehender Werte werden im Regelfall ein Jahr vorher angekündigt. Anlaß für Revisionen können u.a. begründete Anträge aus der Praxis sein. Leider dauert es für die Beschäftigten oft viel zu lange, bis von der MAK-Kommission neue Erkenntnisse umgesetzt werden. Deshalb sollten für diese Übergangszeit vorläufige Grenzwerte (z.B. vom Ausschuß für Gefahrstoffe) eingeführt werden, die zeitlich begrenzte Gültigkeit haben, währenddessen aber verbindlich einzuhalten sind.

In der Regel wird der MAK-Wert als Durchschnittswert über Zeiträume bis zu einem Arbeitstag oder einer Arbeitsschicht integriert. Durch Umweltgifte sind viele Menschen zusätzlich dauernden Belastungen ausgesetzt. Bei der Festlegung der MAK-Werte berücksichtigt man zu wenig, dass sich der Beschäftigte außerhalb der Acht-Stunden-Arbeitszeit nicht in schadstoffreier Umgebung erholen kann. Auch gilt der Grenzwert praktisch nur für den gesunden Menschen im mittleren Alter.

Risikogruppen wie Schwangere, Kinder und Jugendliche oder gesundheitlich Schwächere können auch bei Einhaltung des MAK-Wertes  gesundheitlich geschädigt werden. Die Grenzwerte gelten darüber hinaus immer nur für einen Stoff. In der Praxis geht der Arbeitnehmer jedoch mit einer Vielfalt von Substanzen um.

Zu der Beurteilung eines Arbeitsplatzes mit Stoffgemischen konnten bisher nur Richtwerte aus anderen Ländern herangezogen werden. Erst seit 1985 wird in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (
TRGS 403) jene pragmatische Regelung übernommen, wie sie in den USA beispielsweise schon seit langem existiert: die Summenregel.

Unter bestimmten Voraussetzungen geht man davon aus, dass sich die Wirkungen von mehreren Stoffen, die gleichzeitig am Arbeitsplatz vorkommen, addieren. Diese einfache Regelung wurde in Deutschland jahrelang abgelehnt, weil sie wissenschaftlich sehr ungenau sein kann. Bis zum Vorliegen neuer Grenzwerte für Gemische sollte die Beachtung der Summenregel verbindlich vorzuschreiben.

Der MAK-Wert. ist als Durchschnittswert definiert. Ob kurzfristig höhere Konzentrationen während einer Schicht für die MAK-Kommission als annehmbar erscheinen, hängt von der Dauer, Höhe und Häufigkeit der Überschreitung und vom Stoff selbst ab. Mittlerweile sind für die meisten Stoffe der MAK-Liste solche kurzfristigen Spitzenwerte aufgestellt worden, die zu keiner Zeit überschritten werden sollen, was aber prinzipiell nicht ausgeschlossen werden kann.

Das Auftreten allergischer Reaktionen wird durch die Einhaltung des MAK-Wertes nicht ausgeschlossen. Stoffe, die durch häufige Sensibilisierung auffallen (Sensibilisierung ist eine notwendige, erste Stufe bei der Entwicklung einer Allergie), werden in der MAK-Liste durch ein S gekennzeichnet. Dies heißt aber nicht, dass die allergisierende Wirkung im Grenzwert berücksichtigt ist.

Derzeit wird in der MAK-Liste nur eine geringe Anzahl von Stoffen mit S gekennzeichnet, und zweitens ist ein MAK-Wert bei allergisierenden Stoffen nicht zu begründen, weil auch bei kleinsten Mengen mit Gesundheitsschäden zu rechnen ist.

Die Festlegung von MAK-Werten ist allgemein anerkannt, weshalb von ihnen häufigGrenzwerte für andere Bereiche abgeleitet werden. Dabei müssen die speziellen Eigenschaften der Stoffe und die Expositionsbedingungen berücksichtigt werden.

Für krebserzeugende Arbeitsstoffe, krebsverdächtige Stoffe und Mutagene können keine Wirkungsgrenzen und damit keine MAK-Werte ermittelt werden.
Hierzu wurden die Technischen Richtkonzentrationen entwickelt, die als Anhalt für Schutz- und Überwachungsmaßnahmen dienen.

Weiterhin werden die Biologischen Arbeitsstofftoleranzwerte (BAT) angegeben, die sich auf die im Blut bzw. Harn aufgenommenen und ggf. metabolisierten Stoffe beziehen. Sie dienen v.a. ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen.

Lit.: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Maximale Arbeitsplatzkonzentrationen und biologische Arbeitsstofftoleranzwerte, Weinheim (erscheint jährlich neu)

Autor: KATALYSE Institut

Lungenödem

Schwere Erkrankung mit Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe und/oder in den Lungenbläschen.

Das L. tritt oft plötzlich auf, meist als Folge von Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden. Die Symptome sind schwere Atemnot, Blauwerden. An äußeren Faktoren, die ein L. auslösen können, kommen im wesentlichen in Frage: Ein Aufenthalt in größeren Höhen (über 4.000 m) ohne vorausgehende Höhenanpassung und die Inhalation von Reiz- und Kampfgasen (Phosgen, Blausäure, Methylisocyanat - Giftgaskatastrophe in Bhopal/Indien 1984 mit über 2.500 Toten).

Autor: KATALYSE Institut

Lungenkrebs

L. (Bronchial-Karzinom) macht 25% aller Karzinome (Ca) aus; Männer sind häufiger betroffen (4:1); der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen 55 und 60 Jahren.

In 85% der Fälle ist Zigarettenrauch (Tabakrauch, Passivrauchen) die Ursache , hier insb. die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, weiterhin andere inhalative Karzinogene(90% Asbest, außerdem Arsen, Chrom,Nickel).

Zigarettenrauch potenziert das Krebsrisiko durch Asbest erheblich. Die nach dem Rauchen häufigste Ursache von L. ist das Einatmen natürlich vorkommender radioaktiver Stoffe (Radon, Somatische Strahlenschäden) und Dieselruß (Schadstoffe aus Kfz)).

Auf zellulärer Ebene werden vier Bronchial-Ca-Arten unterschieden: Plattenepithel-Ca (50% [nach: Pschyrembel]), kleinzelliges Ca (40%), Adeno-Ca (7%) und großzelliges Ca. Darüber hinaus kann L. auch eine Metastase eines bereits in anderen Organen bestehenden Krebses sein.

Die Tumorarten unterscheiden sich sehr stark hinsichtlich ihrer Metastasierungsgeschwindigkeit und ihrer Therapieansprechbarkeit: Die schlechteste Prognose haben die kleinzelligen Karzinome. Andere Formen lassen sich in Abhängigkeit von der Tumorlokalisation und -ausbreitung mit Hilfe von chirurgischen Maßnahmen, Chemo- und Strahlentherapie, sowie Naturheilverfahren bekämpfen.

Autor: KATALYSE Institut

Lungenkampfstoffe

Zu den L. zählen eine Reihe chemischer Verbindungen wie Chlor, Phosgen und Chlorpikrin.

Ihre Einwirkung führt zu schwersten, irreparablen Schädigungen der Atemwege, insbesondere der Lunge. Beim Einatmen kommt es zur Bildung von Lungenödemen, wodurch die Sauerstoffaufnahme durch das Gewebe bis zum Tod durch Ersticken unterbunden werden kann. Unter der Bezeichnung Grünkreuz waren die L., zunächst Chlor, später Phosgen, die ersten im Ersten Weltkrieg eingesetzten chemischen Kampfstoffe; rund 80% der Gastoten waren Phosgen-Opfer.

Autor: KATALYSE Institut

Lungenerkrankungen

Aluminium-(Staub-)Lunge, Asbestose, Asthma bronchiale, Byssionose, Eisenstaublunge, Farmer-Lunge, Hartmetall-Lunge, Lungenfibrose, Lungenödem, Lungenkrebs, Silikose

@Umweltlexikon?

  • Aluminium-(Staub-)Lunge, Asbestose, Asthma bronchiale, Byssionose,Eisenstaublunge, Farmer-Lunge, Hartmetall-Lunge, Lungenödem, Lungenkrebs,Silikose

Autor: KATALYSE Institut

Leukämie

Griechisch: Weißblütigkeit.

Allgemein ist Leukämie eine bösartige Entartung von weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Leucos ist griechisch und heißt weiß; -ämie, -häm  kommt auch aus dem Griechischen und bedeutet Blut. Zusammengesetzt heißt es also in etwa „Weißblütigkeit“. Damit ist nicht gemeint, dass das Blut weiß aussieht, sondern diese Bezeichnung entstand, weil im Falle dieser Erkrankung (meistens) sehr viele weiße Blutkörperchen im Blutausstrich gefunden werden.

Alle Blutzellen werden im Knochenmark gebildet, sowohl weiße als auch rote (Erythrozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Dort befinden sich so genannte Stammzellen, aus denen über mehrere Zwischenstufen die reifen Zellen heranwachsen. Die Leukozyten werden in verschiedene Arten unterteilt: Lymphozyten (T- und B-Zellen, für die Immunabwehr zuständig), Granulozyten und Monozyten (kleine und große Fresszellen, die für die Beseitigung von Eindringlingen, Fremdstoffen und Zellschrott zuständig sind).

Im Prinzip kann jede Zelle entarten, ob Stammzelle, unreife Zwischenstufe oder reifeZelle. Entartete Zellen sind Zellen, die sich ungehemmt vermehren und die nicht korrekt funktionieren, so dass im Falle der Leukämie das Blut mit Zellen überschwemmt wird, die ihre Aufgaben nicht erfüllen können. Die funktionsfähigen gesunden Zellen werden in den Hintergrund gedrängt, und das führt zu mangelnder Abwehr gegen schädliche Einflüsse von außen.

Leukämie kann daher in verschiedenen Formen vorkommen.
1. Akute Lymphatische oder Lymphoblastische Leukämie (ALL), eine bösartige, schnell verlaufende Form, bei der die Reifung der B-Zellen verhindert wird; die häufigste Form im Kindesalter.
2. Akute Myeloische Leukämie (AML), die zweithäufigste Form bei Kindern, die aber auch bei älteren Personen vorkommen kann.
3. Chronische Lymphatische Leukämie (CLL), die gehäuft bei älteren Menschen von etwa 60 bis 70 Jahren Auftritt:
4. Chronische Myeloische Leukämie (CML), die bei jungen Erwachsenen bis zu älteren Menschen (20 bis 60 Jahre) vorkommt.

Der Verlauf der akuten Formen ist bösartiger und schneller als bei den chronischen Formen, allerdings sind die Heilungschancen bei Kinderleukämie in den letzten Jahrzehnten gestiegen.

Die Ursachen für die Entstehung von Leukämie ist bis heute nicht richtig geklärt. Man geht davon aus, dass bestimmte Chemikalien (z. B. Pestizide), ionisierende Strahlen (Röntgen- und Gammastrahlen, radioaktive Strahlung), Tumorviren (onkogene Viren), das Zellwachstum hemmende Medikamente, Zigarettenrauchen und genetische Faktoren und einige andere Bedingungen Auslöser sind. Zu den genetischen Faktoren zählt auch das so genannte Philadelphia-Chromosom, das man bei Patienten mit CML findet. Dieses Chromosom entsteht durch den Austausch von Genen zwischen den Chromosomen 9 und 22, wodurch neue genetische Eigenschaften entstehen. 

 Schäden der Immunabwehr (Immunsystem) führen zu Anfälligkeit gegen Infektionen, zu Geschwürbildungen und Pilzbefall. Durch Aussaat entarteter Zellen kommt es zur Bildung leukämischer Herde (Metastasen) in allen Organen, insb. im Zentralnervensystem und in der Haut. Früher oder später führt L. i. d. R. zum Tod. Medikamentös läßt sich die Erkrankung kaum beeinflussen.

Häufig gelingt es, durch Zytostatikabehandlung den Krankheitsverlauf zu verzögern. Bei Kindern läßt sich heute häufiger sogar eine endgültige Heilung erzielen. Die Ursachen für die Entstehung von L. sind noch nicht vollständig geklärt.

Bekannte auslösende Faktoren für L. sind ionisierende Strahlung (somatische Strahlenschäden, Kernkraftwerk, Wiederaufarbeitungsanlage, Strontium, Plutonium), verschiedene chemische Substanzen (Benzol) und eventuell auch elektrische und magnetische Felder (Hochspannungsleitung, Elektrosmog). Darüber hinaus wird der Einfluß bestimmter Viren diskutiert. Jährlich erkranken 40-50 Personen pro 1 Mio Einwohner.

Autor: KATALYSE Institut

LD50

Letale (tödliche) Dosis, bei der 50% aller Versuchstiere, denen eine bestimmte Giftmenge verabreicht wurde, sterben.

Es handelt sich um einen Begriff aus dem Bereich der Toxikologie, der ein Maß für die Giftigkeit einer Substanz darstellt. Nach dem Chemikalien- und dem Arzneimittelgesetz ist die Einstufung von chemischen Stoffen/Arzneistoffen in vorgeschriebene Bereiche (s. Tab.) als Ergebnis der Prüfung auf akute Giftigkeit vorgesehen (Angaben in mg/kg Tierkörpergewicht bei oraler Verabreichung).

Der Sinn ist umstritten, da er durch Verabreichungsform (auf/unter die Haut, einatmen, verschlucken, in Muskel) und das Versuchsobjekt (welches Tier, Geschlecht) beeinflußt wird. Akute L. reicht z.B. für 2,3,7,8-TCDD (Dioxine und

Furane) von 0,001 mg/kg beim Meerschweinchen bis zu 5 mg/kg beim Hamster.

Die Übertragbarkeit auf den Menschen wegen unterschiedlicher Verteilung des Giftes in den Gewebearten und Stoffwechselunterschieden (Abbau, Verweildauer) ist stets ungewiss, da unsicher ist, welche Tierart bei welchem Gift in der Giftwirkung dem Menschen am ehesten entspricht. Langzeitwirkungen sind meist nicht erfaßbar. L. dient neben dem no-effect-level zur Festlegung von Grenzwerten.

Autor: KATALYSE Institut

LC50

Letalkonzentration in Wasser, Boden oder Luft, bei der 50% der Versuchsorganismen innerhalb eines bestimmten Beobachtungszeitraumes sterben.

In Kontrollen darf eine definitionsgemäß festgelegte Mortalitätsrate nicht überschritten werden. Die L. erlaubt eine ungefähre Einschätzung der tatsächlichen Toxizität eines Stoffes.
L. wird u.a. zur Bewertung von chemischen Kampfstoffen verwendet.

Autor: KATALYSE Institut

Lärmschwerhörigkeit

L., auch als chronisches akustisches Trauma bezeichnet, ist eine weitgehend seitengleiche Einschränkung des Hörbereichs infolge einer Schädigung des Innenohres.

L. ist das Symptom einer Stoffwechselerschöpfung der Hörsinneszellen des Innenohrs mit degenerativen Veränderungen. Die Folgen einer akustischen Überbelastung sind zunächst noch reversibel. Bei fortgesetzter Lärmbelastung kommt es jedoch zu einer bleibenden Schädigung durch den Zerfall der Sinneszellen. Am Anfang bildet sich die Schwerhörigkeit nur in einem eng begrenzten Frequenzbereich um 4000 Hz aus.

Durch diese sog. C5-Senke ist die L. deutlich von der Altersschwerhörigkeit zu unterscheiden. Bei weiterer Lärmexposition nimmt das Außmaß der L. zu, so daß auch andere Frequenzen betroffen werden. Häufig bildet sich in den von L. betroffenen Frequenzbereichen ein Tinnitus, ein permanentes Pfeifen oder Klingeln im Ohr.

Das Risiko einer L. steigt mit der Höhe des Lärmpegels, der Dauer der Einwirkung und dem Alter der betroffenen Person. Bei besonders empfindlichen Personen kann ein Hörschaden u.U. schon durch einen Lärmpegel ab 75 dB(A) verursacht werden (Dezibel). Außerdem spielen die Ruhezeiten und die Lärmbelastung während der Ruhezeiten eine sehr große Rolle (Lärm). Gerade durch die starke Zunahme von Verkehrslärm und Freizeitlärm wird dem Innenohr immer weniger Chancen gelassen, sich zu regenerieren.

Etwa 9 Mio Bundesbürger (BRD 1985) im Alter von 15 bis 75 Jahren leiden unter einer nicht heilbaren Beeinträchtigung des Hörvermögens. 11% klagen über Ohrenklingeln (Tinnitus), und 2% tragen eine Hörhilfe. L. ist die zweithäufigste Berufskrankheit.

Autor: KATALYSE Institut

Sport und Umwelt

Auch Sportler beeinflussen die Umwelt (Klima, Lärm, Gewässer, landschaft, Abfalkl usw.). Deshalb sind in diesem Bereich beispielhafte Maßnahmen zu integrieren.

Lärm: Lärm von Sportplätzen, Bolz-, Kinderspielplätzen u.ä. wird nach einem Beschluss des Lärmausschusses für Immissionsschutz (LAI; Hinweise zur

Ermittlung und Beurteilung des durch Freizeitaktivitäten verursachten Lärms) durch verschiedene Zuschläge (Spielgeräusche + 5 Dezibel [dB], menschliche Äußerungen + 5 dB, nach Feierabend, Wochenende usw. + 6 dB) lauter eingestuft als tatsächlich gemessen. Der LAI kommt dabei zu dem Ergebnis, dass Sportausübung in der Freizeit in Wohnungsnähe kaum noch ohne Auflagen möglich ist. Die Sportverbände wenden hiergegen ein, dass eine derart undifferenzierte Übertragung der Beurteilungsweise von Industrielärm (Freizeitlärm, Lärmgrenz- und –richtwerte) auf den Sport nicht vorgenommen werden könne.

Nicht nur Menschen sind durch den Lärm von Sporttreibenden betroffen. Besonders Wasservögel werden selbst durch geräuscharmes Zurufen oder Schwimmen in Naturgewässern stark gestört.
Abgase: Werden v.a. von allen Motorsportarten produziert, aber auch indirekt z.B. durch den Autoverkehr zu Großveranstaltungen des Sports, Abhilfe könnte durch die stärkere Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs geschaffen werden.

Gewässerverschmutzung: Als Beispiel für eine Gewässerverschmutzung durch den Sport sei die Belastung von Seen durch Motorboote genannt. Auf vielen deutschen Seen ist daher das Befahren mit Motorbooten verboten oder stark eingeschränkt.
Abfall: Der Sportler trägt seinen
Abfall z.B. als Skifahrer oder als Bergwanderer bis in die höchsten Gletscherregionen und beeinflusst dadurch vom Menschen bisher kaum berührte und z.T. sehr empfindliche Ökosysteme. Als oberstes Gebot sollte immer gelten, dass man Verpackungen o.ä., die man mit in die Natur nimmt, wieder mit nach Hause nimmt und sie dort entsorgt.

Landschaftsverbrauch: Der Landschaftsverbrauch springt besonders ins Auge bei Großprojekten wie Autorennstrecken oder Skipisten, für die z.T. große Flächen in ohnehin vom Waldsterben bedrohten Mittel- und Hochgebirgen abgeholzt werden. Zudem trägt der Sportler, der am Wochenende über breite Strassen mit seinem Auto schnell in die unberührte Natur fahren will, zur Erhöhung des Verkehrsflächenflächenbedarfs bei. Einen unvertretbar hohen Landschaftsverbrauch verursachen auch Rallyefahrer oder Mountainbiker, für die es einen besonderen Reiz darzustellen scheint, in möglichst unberührten und unbebauten Gebieten ihr Unwesen zu treiben und damit empfindliche Biotope und Geotope zerstören.

Von den rund 170.000 Sportstätten in Deutschland besteht bei der Mehrzahl in naher Zukunft ein erheblicher Sanierungsbedarf, insbesondere aufgrund des schlechten energetischen Zustands. Der im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes entwickelte Leitfaden "Contracting für kommunale Sportstätten - Strategien zu Klimaschutz und Kostensenkung" zeigt Wege auf, wie der für die Sanierung notwendige Finanzbedarf mit diesem Instrument gedeckt werden kann. Er erklärt die verschiedenen Contracting-Modelle, gibt Hinweise auf die haushaltsrechtliche Handhabung und vergaberechtliche Fragen, enthält Musterverträge und stellt an einer Reihe von Best-Practice-Beispielen Energieeinsparpotenziale dar. Etwa zwei Drittel der 170.000 Sportstätten sind grundsätzlich für Contracting geeignet. Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurden auch die durch Contracting erzielbaren CO2-Minderungspotentiale imSportstättenbereich untersucht und damit aufgezeigt, welchen Beitrag der Sport zum Klimaschutz leisten kann.

Im Sportstättenbereich beträgt das Einsparpotenzial rund eine Million Tonnen Treibhausgase. Würden die hierfür notwendigen Investitionen mit Hilfe des Instruments Contractinggetätigt, könnten die Haushalte der Sportstättenbetreiber - überwiegend sind dies die Kommunen - bereits im Vertragszeitraum laufender Projekte jährlich um 12 bis 37 Millionen Euro entlastet werden. Nach Ablauf der Verträge wird mit finanziellen Einsparungen zwischen 60 bis 185 Millionen Euro jährlich gerechnet. Diese Zahlen belegen, dass der Sporteinen erheblichen Beitrag zur Erfüllung des Klimaschutzziels der Bundesregierung leisten kann. Darüber hinaus würde eine vollständige Umsetzung des Contracting-PotenzialsInvestitionen im Umfang von ca. 420 bis 1.260 Mio. Euro auslösen und etwa 2.850 bis 8.540 neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Grundsätze der Planung von Sport- und Freizeiteinrichtungen sind im Bundesbaugesetz (Baugesetzbuch) niedergelegt. Die Belange des Sports müssen auch in der Bauleitplanung berücksichtigt werden.

Folgende Lösungsansätze sind im Konflikt zwischen Sport und Umweltschutz denkbar:

  • In innerstädtischen Bereich mit Unterversorgung an Sportanlagen: Nutzung und Rekultivierung aufgegebener Industrieflächen oder Mitbenutzung großer leerstehender Parkplätze.
  • Im Außenbereich: Anwendung von Lösungen mit geringem zusätzlichen Landschaftsverbrauch, z.B. Golfplätze auf ökologisch minderwertigen Flächen wie ehemaligen landwirtschaftlichen Monokulturen oder Rekultivierungsgebieten anlegen; Anlage von Wander-, Jogger- und Radwegen so, dass besonders empfindliche Biotope durch gezielte Streckenführung geschützt werden.

Die Fußball-WM 2006 in Deutschland soll die weltweit erste klimaneutrale Sportgroßveranstaltung werden. Darüber hinaus sorgen anspruchsvolle, konkrete Ziele in den Bereichen Wasser,
Abfall, Energie und Verkehr dafür, dass die WM bereits jetzt zu einem Erfolg für den Umweltschutz zu werden verspricht. Im Mittelpunkt des Umweltkonzepts "Green Goal" stehen quantifizierte Ziele zur Verminderung von Umweltbelastungen durch das sportliche Großereignis. Auf der Basis einer Ist-Analyse sollen inden Bereichen Wasser,
Abfall, Energie und Verkehrsemissionen Einsparungen von insgesamt jeweils 20 Prozent erfolgen. Dies wiegt umso schwerer, da - anders als bei den Olympischen Spielen in Sydney -insgesamt 12 Spielorte in ganz Deutschland ausgewählt wurden und dabei zumeist bereits vorhandene Stadien genutzt werden. Die erzielten Einsparungen werden auch die Betriebskosten der Stadiensenken. Eine Reihe der Stadien arbeitet bereits mit Umweltmanagementsystemen, die entsprechende Effizienzpotenziale aufdecken.

Experten gehen davon aus, dass die Fußball-WM in Deutschland - bedingt vor allem durch das Verkehrsaufkommen - rund 100 000 Tonnen an Treibhausgasen zusätzlich produzieren wird, die durch Klimaschutzinvestitionen ausgeglichen werden sollen.

Autor: KATALYSE Institut

Ozon

O. (O{t3) ist ein Sauerstoffmolekül aus drei Sauerstoffatomen, es wirkt als sehr starkes Oxidationsmittel mit typischem, leicht stechendem Geruch (Geruchsschwelle bei 10 ppb, entspricht 20 µg O. pro m3 Luft).

O. zerfällt nach kurzer Zeit in normalen Sauerstoff (O2). Die aggressive Sauerstoff-Form O. wird überall dort gebildet, wo durch Energiezufuhr O2 in Sauerstoffatome (O) zerlegt wird, die mit weiterem O2 zu O. reagieren können. Dies kann geschehen durch UV-Strahlung, Blitzschlag, Schweißen und auch elektrische Entladungen von Hochspannungen, wie sie in Photokopierern (Kopieren), Laserdruckern und Luftionisiergeräten auftreten.

Die Umweltauswirkungen von O. sind sehr unterschiedlich, je nachdem in welchem Bereich der Atmosphäre es sich befindet. In der Stratosphäre (Atmosphäre) wird unter dem Einfluß von UV-Strahlung in einer Höhe von etwa 20-50 km die sog. O.-Schicht aufgebaut, die ein lebensnotwendiges Schutzschild gegen {-UV-Strahlung darstellt. Der durch Schadstoffeintrag bewirkte Abbau der O.-Schicht stellt eine große Gefahr für das irdische Leben dar (Ozonabbau, UV-Strahlung, Hautkrebs, Grauer Star).}

In den unteren Schichten der Atmosphäre wird O. bei gleichzeitigem Auftreten von Stickoxiden, Kohlenwasserstoffen, Kohlenmonoxid und Sonnenlicht gebildet. O. ist Hauptbestandteil des Sommersmogs, der v.a. aus Autoabgasen (Schadstoffe aus Kfz) unter Sonnenlichteinwirkung entsteht (Ausmaß, Schäden und gesundheitliche Folgen s.u.).

Troposhärisches (Atmosphäre) O. gehört mit Kohlendioxid, Methan und FCKWs zu den vier wichtigsten klimarelevanten Spurengasen, die den Treibhauseffekt verursachen und damit das Klima bedrohen.

Belastung durch bodennahes O.(Sommersmog): Der natürliche O.-Gehalt bodennaher Luft beträgt etwa 20 µg/m3 und kann sommerliche Spitzenwerte von 60-80 µg/m3 annehmen. In Deutschland liegen die Werte im Sommer häufig bei 80-100 µg/m3, mit Spitzenwerten bis zu 300 µg/m3.

Die höchsten O.-Werte finden sich in den Sommermonaten, am frühen Nachmittag. Fast jeden Sommer treten in Deutschland regelmäßig O.-Richtwertüberschreitungen nach Sommersmog-Gesetz von 1985 auf. Wenn der Schwellenwert von 240 µg/m3an mindestens drei auseinanderliegenden Messstellen überschritten wird und die Wetterprognose für den nächten Tag ein Weiterbestehen der O.-Belastung erwarten lsst, tritt ein 24-stündiges Fahrverbit für nicht schadstoffarme Kraftfahrzeuge (ohneDrei-Wege-Katalysator) in Kraft.

Zu einem tatsächlichen Fahrverbot ist es jedoch in der Praxis nicht gekommen und die Wirkungen sind auch als eher gering einzuschätzen, da der überweiegende Kraftfahrzeugbestand mit geregeltem Katalysator ausgerüstet ist und viele Ausnahmen existieren. Seit Juli 2000 ist die Sommersmogregelung außer Kraft.

In Metropolen in sonnigen Gegenden werden sogar Werte von 700-1.000 µg/m3erreicht. In Mexico City liegt der O.-Gehalt an 300 Tagen im Jahr über 220 µg/m3(internationaler Richtwert).

In ländlichen Gebieten liegen die O.-Konzentrationen im Durchschnitt oft mehr als doppelt so hoch wie in Ballungsgebieten. Das liegt v.a. daran, dass in Ballungsgebieten auch nachts infolge weiterer Stickoxidzufuhr O. durch Stickoxide abgebaut wird, während gleichzeitig mangels Sonnenlicht keine Neubildung erfolgt. So finden wir zwar tagsüber in den Städten O.-Spitzenbelastungen, während nachts der O.-Pegel weit unter Landniveau absinkt. In Waldgebieten kommt hinzu, dass der Wald selbst organische Kohlenwasserstoffe emittiert (Terpene), die wie Stickoxide unter Sonnenlichteinfluss O. produzieren.

Bodennahes O. stellt wie auch das stratosphärische O. einen UV-Filter dar, der bei hohen O.-Konzentrationen lokal die Intensität der UV-Strahlung bis auf Normalniveau abschwächen kann.
Richtwerte: International und national gelten eine Reihe verschiedener Richt- und Grenzwerte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) legte einen Acht-Stunden-Mittelwert von 100 bis 120 µg/m3 als Luftqualitätsrichtlinie fest.

In Innenräumen sind meist nur geringe O.-Konzentrationen nachweisbar, da es mit den meisten Oberflächen feste Verbindungen eingeht. Am Arbeitsplatz gilt der MAK-Wert von 200 mg/m3 (Laserdrucker, Kopieren) und in der Außenluft der MIK-Wert von 120 µg/m3.

Schäden durch bodennahes O.: Bei 20-30 Prozent aller Menschen beeinträchtigen bereits O.-Konzentrationen zwischen 90 und 120 µg/m3 die Gesundheit, z.B. durch Beeinträchtigung der Lungenfunktion. Bei Bäumen und Pflanzen wirkt O. als Zellgift, führt zur Hemmung von Wasseraufnahme und Photosynthese, zum Absterben der Blätter und mindert das Wachstum. Als Dauerbelastung für Pflanzen empfiehlt die WHO 60 µg/m3. In Europa und den USA werden 5-15 Prozent der Ernteverluste auf O. zurückgeführt. Bei einer Konzentration von 180 µg/m3 geht der Ernteertrag z.B. bei Soja um 30 Prozent zurück. Das bodennahe O. gehört neben Schwefeldioxid und Stickoxiden zu den Hauptverursachern des Waldsterbens.

O. greift als starkes Oxidations- und Bleichmittel Autoreifen,

Gummi, Leder, Textilien und Anstriche an.

Schäden beim Menschen: O. beeinträchtigt v.a. die Lungenfunktion, und zwar abhängig von Konzentration und Expositionsdauer. Geringe Konzentrationen verursachen, wenn sie entsprechend lange eingeatmet werden, denselben Schaden wie hohe mit einer kurzen Einwirkzeit. Immer mehr Menschen leiden an der sog. Sommerbronchitis: Atembeschwerden, Reizung und Trockenheit im Rachen, Husten, verstärkte Schleimbildung der Bronchien. Befunde lassen auf die Entwicklung eines chronischen Lungenschadens durch O. schließen. Zusammen mit der Lungenfunktion mindert O. die körperliche Leistungsfähigkeit. Weitere Folgen: Augenreizungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, abnorme Müdigkeit und Schwächung des Immunsystems.

Medizin: Der Einsatz von O. in der Medizin sowie die Geschichten von der gesunden, O.-reichen Waldluft beruhen weitgehend auf Fehlinterpretationen des 19.Jahrhunderts. Die Eigenschaft von O. in hohen Konzentrationen, Bakterien abzutöten, und der in der Tat hohe O.-Gehalt in Waldgebieten (durch Stickoxideintrag der Ballungsgebiete und Terpene (s.o.)) schaffte den Mythos vom gesunden O., der Geruch von O. wurde mit frischer Waldluft gleichgesetzt. Aus heutiger Sicht muß vor O.-Kuren und Luftionisiergeräten gewarnt werden, denn außer einer kurzfristigen Stimulation des Immunsystems treten obengenannte Schädigungen auf.

Aufgrund seiner starken Oxidationswirkung kann O. als Desinfektionsmittel gegen Bakterien und andere Erreger eingesetzt werden, so z.B. zur Entkeimung von Wasser (Ozonierung).

Die größte Quelle für bodennahes O. ist der Verkehr (Stickoxide); es folgen Feuerungsanlagen aller Art (Stickoxide und Kohlenmonoxid, Kraftwerke), Herstellung und Verwendung lösemittelhaltiger Produkte (Kohlenwasserstoffe) sowie Treibgase wie Butan und Propan. Aber auch Rinderhaltung (Massentierhaltung) und Mülldeponien (Deponiegas) tragen durch Emission des Kohlenwasserstoffs Methan bei.

Gegenmaßnahme zur Reduzierung der O.-Belastungen ist v.a. die Einschränkung des mit Verbrennungsmotoren (Straßenverkehr) ausgestatteten Individualverkehrs bis hin zu Fahrverboten. Sinnvoll ist v.a. die verstärkte Benutzung von öffentlichem Personennahverkehr und Fahrrad. In Kalifornien muss inzwischen ein bestimmter Anteil der Neuwagen elektrisch betrieben werden (Elektroauto).

Literatur: Bodennahes OZON - Verbraucherinformation zum Sommersmog; KATALYSE Nachrichten Sonderausgabe 1995

 

Autor: KATALYSE Institut

Zitronenmelisse

Zitronenmelisse ist eine ausdauernde Pflanze von 30 bis 80 cm Höhe mit aufrechtem, kantigem Stengel, eiförmigen, gestielten und gekerbten Blättern und bis zu sechs weißgelben Blüten in Scheinquirlen.

  • Systematik: Familie: Lamiaceae (Lippenblütler), Art: Melissa officinalis
  • Herkunft: östliches Mittelmeergebiet
  • Klimaansprüche: gemäßigt
  • Anbausystem: zwei- und dreijähriger Anbau; Selbstunverträglichkeit: Einhaltung einer Anbaupause von 5 bis 7 Jahren
  • Aussaat: Vorkultur von Sämlingen im März; Saat im Mai oder/und September mit 50 bis 60 Pflanzen/m2
  • Düngung: Nährstoffentzug bei 30 Tonnen Festmasse/ Hektar: Stickstoff: 156 kg, Phosphat: 48 kg, Kalium: 209 kg, Kalzium: 75 kg, Magnesium: 34 kg; Stickstoff in vier Gaben: vor Pflanzung, nach Austrieb, vor Bestandesschluss und nach Schnitt
  • Pflanzenschutz: Pilze: Pfefferminzrost, Echter Mehltau, Blattflecken; Schädlinge: Grüner Schildkäfer, Zikaden, Wanzen; Sonstige: Virosen
  • Ernte: ab Mai bis September; drei bis vier mschinelle Schnitte/Jahr
  • Ertrag: Kraut: 40 bis 80 Tonnen/Hektar; Blatt: 15 bis 30 dt/Hektar, Saatgut: 300 kg/Hektar
  • Qualitätsmerkmale: Gehalt an ätherischem Öl, Gerb- und Bitterstoffe, Schleim sowie Blattanteil
  • Wirkspektrum: bakterizide und antivirale Wirkung gegen Herpes, beruhigender Wirkung auf den Hypothalamus; gegen Migräne, Bauchschmerzen. Blähungen und Schilddrüsenkrankheiten, entkrampfend.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Soja

Die Sojapflanze ist eine einjährige, krautige Pflanze, die 0,3 bis 2 Meter Höhe erreicht. Sie besitzt eine Pfahlwurzel mit einer Länge von bis zu zwei Metern. Alle Teile sind stark behaart und die Wurzeln mit Knöllchen-Bakterien besetzt. Ihre Früchte sind Hülsen mit zwei bis fünf Samen.

  • Systematik: Familie: Leguminosae (Schmetterlingsblütler), Art: Glycine max (L.) Merr.
  • Herkunft: Nordostchina
  • Klima: warm-gemäßigt und immerfeuchte Subtropen; optimale Temperatur etwa 25°C; Niederschlag mindestens 500 bis 700 mm
  • Anbausystem: Reinkultur; in wärmeren Regionen alternierende Reihenkultur (
    Mais, Hirse), Zwischenkultur von Dauerkulturen (z.B. Kaffee) Bewässerung in semiariden Gebieten
  • Aussaat: Ende April, Anfang Mai (in der EU); Bestandsdichte 30 Pflanzen pro m2; Impfung des Saatgutes mit spezifischen Knöllchenbakterien
  • Düngung: Phosphat: 20 bis 30 kg/Hektar; Kalium: 60 bis 80 kg/Hektar; Stickstoffversorgung durch symbiotische Knöllchen-Bakterien
  • Pflanzenschutz: Insektizideinsatz gegen Sojabohnenkäfer und Hülsenwickler in 0st und Südostasien; Pheromonfalleneinsatz; langsame Jugendentwicklung erfordert Unkrautfreiheit
  • Ernte: ab Ende August, Anfang September (in der EU); maschinell, traditionell mit Sicheln u. Messern; Vegetationszeit 4 bis 5 Monate
  • Ertrag: Weltdurchschnitt 2,1 Tonnen Sojabohnen/Hektar; bis 4 Tonnen/Hektar in USA um eine Tonne/Hektar in den Tropen
  • Besonderheiten: Öl- und Eiweißpflanze, Samen enthalten bis 25 Prozent Sojaöl, Fettsäurezusammensetzung: 48 bis 52 Prozent Linolsäure, 23 bis 32 Prozent Ölsäure,
    hoher Tocopherolgehalt; Anteil an hochwertigem Eiweiß 38 bis 40 Prozent, enthält 39 Prozent an essentiellen Aminosäuren.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Zellskelett

Das so genannte Zellskelett (englisch cytoskeleton) ist ein dichtes kreuz und quer gespanntes Netzwerk aus vielen verschiedenen Protein-Polymeren und damit assoziierten Proteinen.

Letztere werden benötigt, um die Polymere zu steuern, denn z. B. müssen Vernetzung, Bündelung, Länge der Filamente, Transporte und die Spannung der Zelle gesteuert werden. Diese Strukturen sind ständigen Veränderungen unterworfen, d. h sie werden auf- und abgebaut, was sie anfällig für Eingriffe von außen macht. Das Zellskelett verleiht der Zelle Stabilität und Form und darüber hinaus hat es noch weitere Funktionen bei Bewegungen, intrazellulä
rem Transport von Nährstoffen und bei Zellteilung und -differenzierung. Man unterscheidet 3 zytoplasmatische und 2 membrangebundene Filamentsysteme. Die assoziiertenProteine arbeiten innerhalb der Systeme; sie stellen Bindungen zwischen den Filamenten her und regulieren Abläufe.

Filamente sind lange Proteinfasern (Polymere), die aufgrund verschiedener Durchmesser in drei Gruppen der eingeteilt werden: Mikro-, Intermediär- und Tubulin-Filamente (6–8, 10 und 25 nm). Zu den kleinsten gehört das Aktin, das eines der häufigsten Proteine in höheren Zellen darstellt. Aktine sind Bausteine der Mikrofilamente. Sie sind nötig für die mechanischen Eigenschaften der Zelle und ist beteiligt an der Zellteilung und -wanderung. In einigen Zellen haben Mikrofilamente statische (strukturgebende), in anderen dynamische Funktion (Muskelbewegung, Zellwanderung, Phagozytose, Verschmelzung von Ei- und Samenzelle). So genannte Motorproteine (Kinesin, Myosin, Tubulin) gleiten wie auf Schienen, die von anderen fädigen Strukturproteinen gebildet werden, durch die Zelle und transportieren Nähr- und Botenstoffe. Keratine sind Strukturproteine der Intermediär-Filamente und sind ein wichtiger Bestandteil des Zytoskeletts (Zytokeratin). Mikrotubuli als die größten Filamente sind kleine Röhrchen, die aus Polymeren von Tubulinmolekülen gebildet werden. Die Mikrotubuli sind bei Bewegung und Zellteilung von Bedeutung. Sie bilden den Spindelapparat, der bei der Zellteilung die Chromosomen auseinander zieht. Er wird bei jeder Zellteilung neu aufgebaut und am Ende wieder abgebaut. Wird die Bildung des Spindelapparates gestört, werden die Chromosomen nicht korrekt verteilt, was genetische Schäden bei den Nachkommenzellen bzw. den Individuen zur Folge hat.

Autor: KATALYSE Institut

Zellkulturen

Zellkulturen (primäre und sekundäre und Zelllinien) werden in der Wissenschaft eingesetzt, um grundlegende Prozesse in der Zelle zu erforschen, z. B. Stoffaustausch, Membranprozesse, Virusinfektionen oder Krebsentstehung.

Primäre Zellkulturen bestehen aus normalen Zellen eines Organs, die frisch für ein Experiment gewonnen werden. Dafür werden sie aufbereitet, z. B. von den Strukturen „befreit“, die den Zellverband eines Organs ausmachen. Es entsteht eine Zellkultur aus Einzelzellen, die begrenzt lebensfähig ist. Jede normale Zelle hat von Natur aus die Fähigkeit, sich etwa 50-mal zu teilen, dann stirbt sie ab. Wird eine Primärkultur weiterkultiviert, entsteht eine begrenzt lebensfähige Zelllinie. Dafür werden einige Zellen in frisches Nährmedium überführt (passagiert) und die Zellen vermehren sich bis zu einer bestimmten Zelldichte. Ist diese erreicht, teilen sich die erst wieder, wenn wieder einige Zellen in frisches Medium überführt werden. Die Lebensdauer ist dann erschöpft, wenn die Anzahl der natürlichen Teilungen erreicht ist.

Die unsterblichen Zelllinien können auf verschiedene Weise entstanden sein bzw. gezielt hergestellt werden. Grundsätzlich kann jede Zelle spontan „entarten“, d. h. sie verliert ihre natürliche Wachstumsbremse und wird zur Tumorzelle. Diesen Vorgang nennt man Transformation. Auslöser können Fehlregulationen in der Zellesein, Krebs erregende Chemikalien, Röntgen-, UV- oder Gamma-Strahlen sowie Infektionen mit Tumorviren. Diese Zellen können dann aus einem Tumor isoliert und im Labor in geeigneten Nährmedien weiterkultiviert werden (sekundäre Tumorzelllinie). Transformierte Zellen können aber auch im Labor künstlich erzeugt werden, durch die oben erwähnten Einwirkungen oder gentechnische Übertragung von Krebsgenen auf die Zellen. Eine weitere Möglichkeit, eine unsterbliche Zellkultur künstlich herzustellen, ist die Fusion aus einer Krebs- und einer normalen Zelle. Durch die Fusion von zwei Zellen bekommt die neue künstliche Zellart Eigenschaften von beiden Ausgangszellen: die Unsterblichkeit der Krebszelle und Funktionen der normalen Körperzelle.

Unsterbliche Zelllinien haben instabile Chromosomensätze. In einer Zellkultur können einfache und mehrfache Sätze vorkommen. Insofern sind diese Zellkulturen von ihren Eigenschaften her noch weiter von lebenden Organismen entfernt als Primärkulturen. Jede Zellart, ob unsterblich oder begrenzt lebensfähig, muss in einem spezifischen Nährmedium kultiviert werden, da die Ernährungsansprüche sehr verschieden sind. Ergebnisse aus Zellkulturexperimenten geben Aufschluss über grundlegende Zellprozesse.

Autor: KATALYSE Institut

Yusho-Krankheit

Vergiftung durch PCB und Furane (Dioxine und Furane). 1968 gelangte in Japan bei der Raffinade von Reisöl Kanechlor 400 (Handelsname für ein bestimmtes PCB-Gemisch) in das Öl und verursachte bei den Konsumenten Chlorakne, Abmagerung, Leber-, Milz- und Nierenschäden sowie Krebs.

Außerdem färbte sich die Haut dunkel, was besonders bei den Neugeborenen vergifteter Mütter auffiel, die als sog. Black Babies bekannt wurden. Analyse des Reisöls und Gewebeproben der Patienten lassen den Schluß zu, daß hauptsächlich die PCDF im PCB-Gemisch für die Effekte verantwortlich sind.

Siehe auch: Chloarakne

Autor: KATALYSE Institut

Weltgesundheitsorganisation

Weltgesundheitsorganisation: World Health Organisation (WHO).

Die 1948 gegründete Sondergorganisation der UN hat ihren Sitz in Genf, 191 Staaten gehören ihr als Mitglieder an. Die W. ist die leitende und koordinierende Behörde des internationalen Gesundheitswesens, zu deren Tätigkeitsbereichen u.a. die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und die Bekämpfung von Epidemien und Seuchen gehören.

Artikel 1 der Statuten nennt die Schaffung eines Höchstmaßes an Gesundheit für alle Völker als Ziel, wobei Gesundheit nicht nur als Freisein von Krankheit und Gebrechlichkeit definiert wird, sondern als Zustand vollständigen körperlichen Wohlbefindens.

Während die W. z.B. bei der Seuchenbekämpfung und der Verringerung der Säuglingssterblichkeit in den Entwicklungsländern große Erfolge verbuchen kann, zeigen Bemühungen um denAbbau des Nord-Süd-Gefälles (bzw. innerhalb bestimmter Länder des Stadt-Land-Gefälles) bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung kaum Wirkung.
Wichtige Mitgliedstaaten üben zudem zur Durchsetzung eigener Wirtschaftlichkeitsinteressen Druck auf die Organisation aus, um eine effektive Informationspolitik zu verhindern.

Das betrifft z.B. Informationen über die Ausbreitung von Aids (Tourismus), über den Genuß von Zigaretten (Tabakrauch) und Alkohol (Ethanol, Konsumgüterindustrie) und von Medikamenten (Pharmaindustrie), den Einsatz von Pestiziden und Lebensmittelzusätzen (chemische und Nahrungsmittelindustrie).

Autor: KATALYSE Institut

Wassergefährdende Stoffe

Gemäß dem Wasserhaushaltsgesetz §19g werden wassergefährende Stoffe mittels Verwaltungsvorschrift näher bestimmt und entsprechend ihres Gefahrenpotentials für Mensch und Umwelt in Wassergefährdungsklassen eingestuft.

Ziel ist es, angemessene Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Gewässer beim Umgang mit den Stoffen, z.B. Lagern, Umfüllen, Herstellen, Verwenden und Befördern, zu treffen.

In der Verwaltungsvorschrift erscheint im Katalog W., der vom Beirat beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bzw. demUmweltbundesamt herausgegeben wird, eine umfassende Liste von Stoffen, die drei verschiedenen Wassergefährdungsklassen (WGK) zugeordnet sind:

  • WGK l: schwach wassergefährdend,
  • WGK 2: wassergefährdend und
  • WGK 3: stark wassergefährdend.

Die Einteilung wird durch eine Kommission, in der Bund, Länder und Industrievertreten sind, vorgenommen. Zur Bewertung der Stoffe werden Stoffeigenschaften wie akute Toxizität gegenüber Säugetier, Bakterien und Fischen, das Abbauverhalten, Daphnien- und -Algentoxizität herangezogen. Nicht für alle im Katalog enthaltenen Stoffe hat die Kommission eine Einstufung vorgenommen.

Ein großer Anteil der Einstufung in bestimmte WGK wurde von den Stoffproduzenten selbst vorgenommen. Eine Unsicherheit ergibt sich bei den WGKs, da sich die Einstufung nicht auf Stoffgemische bezieht, aus denen die meisten Erzeugnisse bestehen.

 

Autor: KATALYSE Institut

Vogelgrippe

Grippe können auch Vögel bekommen. Der Erreger ist das Influenza A-Virus. Alle Influenza-Viren vom Subtyp H5 und H7 können Vögel infizieren. Es erkranken allerdings nicht alle Vögel. Wildvögel sind weitestgehend immun gegen die Vogelgrippe.

Sie tragen das Virus allerdings im Körper und verbreiten es mit ihrem Kot. In einemTeich, in dem eine Wildente ihren Kot abgelassen hat, können die Influenzaviren noch eine Woche lang nachgewiesen werden. Kommt dann ein Huhn mit dem Erreger in Kontakt wird es schwer krank.

Tiermediziner sprechen von der Geflügelpest
Vogelgrippe ist ein umgangsprachlicher Begriff, der aber dieselbe Krankheit bezeichnet. Die Krankheit beruht auf einem Influenza A-Virus vom Subtyp H5N1. Menschen können normalerweise nur schwer durch Vogel-Influenza-Viren infiziert werden, dennoch gab es Todesfälle. Die große Gefahr besteht darin, dass sich genetisches Material von Vogel- und Menschenviren zu einem neuen für den Menschen hochinfektiösen und gefährlichen Virustyp verbinden könnte. Genau dies ist bei der "Spanischen Grippe" von 1918 mit weltweit Millionen von Todesopfern wahrscheinlich schon einmal geschehen. Inzwischen soll H5N1 in China auch bei Schweinen festgestellt worden sein. Schweine können sich gleichzeitig mit Menschen- und Vogelgrippeviren infizieren. Dass sich Menschen mit der Vogelgrippe infizieren können, ist seit 1997 bekannt.

Das Risiko einer weltweiten Influenzaepidemie (Pandemie) wird maßgeblich davon beeinflusst, wie weit ein Virus verbreitet ist. Insofern bedeutet jeder neue Ausbruch eine Erhöhung des Risikos. Mitte Oktober 2005 wurde offiziell bestätigt, dass bei Geflügel in der Türkei, in Rumänien sowie auch in Teilen Russlands der in Asien zirkulierende Virusstamm H5N1 nachgewiesen wurde. Auch für Griechenland und Kroatien wurde das Auftreten der Vogelgrippe bestätigt. Inzwischen ist das hochpathogene H5N1 auch nach Deutschland eingeschleppt.

Für die Bevölkerung in Deutschland ist derzeit ein großes Risiko kaum erkennbar, dies auch vor dem Hintergrund, dass andere Mikroorganismen, wie etwa Salmonellen allein in Deutschland jedes Jahr zu mehr Todesfällen führen als die Vogelgrippe in den letzten Jahren insgesamt weltweit.
Aufgrund der Diskussion um die Vogelgrippe lassen sich inzwischen viele Menschen gegen Grippe impfen als in den vergangenen Jahren. Dies obwohl die aktuelle Impfung nicht vor der Vogelgrippe schützt.

Erst 1996 entdeckte der US-Wissenschaftler Taubenberger den Erreger der Spanischen Grippe. Im Kriegsjahr 1918 war diese mit amerikanischen Soldaten nachEuropa gelangt, ein Jahr später hatte sie sich bereits weltweit verbreitet. Ein Fünftel der Weltbevölkerung war infiziert, über 40 Millionen Menschen starben. Das waren mehr als alle Opfer des zweiten Weltkriegs. Es handelte sich um das Virus H1N1, das auch Bestandteile eines Vogelvirus enthielt. Auch der Erreger der Asiatischen Grippe H2N2, die in den Jahren 1957/58 über 70.000 Menschen tötete, enthielt ein Vogelprotein.

1997 wurden allein in Hongkong 1,8 Millionen Hühner getötet. Dieses Mal machte das Virus auch vor Menschen nicht halt. Im Mai 1997 starb ein kleiner Junge an einer unbekannten Grippe. Experten aus den Niederlanden entdecken in seinem Blut das Vogelvirus H5N1 - dasselbe Virus, das in Hongkong die Vogelgrippe ausgelöst hatte. Bis November 1997 waren 18 Menschen infiziert, 6 von ihnen starben - die meisten von ihnen hatten engen Kontakt zu Vögeln.

1999 meldeten neun Provinzen in Norditalien den Ausbruch der Geflügelpest. Um die Seuche möglichst schnell in den Griff zu bekommen, wurden 13 Millionen Hühner not geschlachtet. Die Angst vor einer Übertragung des Virus auf Menschen beherrschte die Schlagzeilen. Diesmal ist der Erreger, das Virus H7N1, weniger aggressiv als zwei Jahre zuvor in Hongkong.

2003 wurde in den Niederlanden Vogelgrippe-Alarm ausgelöst. Die Behörden reagierten schnell: 20 Millionen Hühner wurden gekeult, das waren rund 90 Prozent des Bestandes. Auslöser war ein Virus, das bisher für Menschen ungefährlich war: H7N7. Vor dem Ausbruch der Seuche war er nur in einer Löffelente nachgewiesen worden. Dennoch erkrankten 89 Menschen daran – ein Tierarzt starb.

Thailand hat die viertgrößte Geflügelindustrie der Welt: 600.000 Menschen sind hier beschäftigt. Erst als Ende des Jahres die ersten Todesopfer zu beklagen sind, wird Alarm geschlagen und in ganz Südostasien werden über 33 Millionen Hühner und Enten notgeschlachtet. Jedes zweite Huhn dieser Erde lebt in Asien, insgesamt über 7 Milliarden. Es gehört damit für die Menschen unweigerlich zum Alltag und in jeden Haushalt. Die Krankheit, die sich in der Folgezeit in Südostasien weiter unter den Hühner ausbreitet, ist die Vogelgrippe. Ein Influenza A-Virus, der gleiche Typ wie bei der winterlichen Grippe in unseren Breitengraden.

Aufgrund des engen räumlichen Kontakts von Mensch und Tier, gelingt es einem Vogelvirus regelmäßig, in den Körper eines Menschen einzudringen. Für diesen stellt die Form der Vogel-Influenza normalerweise jedoch keine Gefahr dar. Die Oberfläche des Vogelvirus unterscheidet sich so stark von seiner menschlichen Variante, dass dieses keine Möglichkeit findet, sich in den humanen Zellen zu vermehren. Doch unter den zahllosen Hühnern in Asien verbreitet sich das Grippevirus rasant. Die von der Vogelgrippe befallenen Hühner bekommen Atembeschwerden, Durchfall und Fieber. Das aggressive Virus hat sich so verändert, dass ihm über 90 Prozent der infizierten Hühner zum Opfer fallen. Über ihren Kot gelangen wiederum riesige Mengen an Viren in die Umwelt.

Durch spontane Mutation können neue Varianten des Vogelvirus entstehen. Irgendwann ist vielleicht eine Virusvariante darunter, deren Oberflächenstruktur sich so verändert hat, dass sie sich auch im menschlichen Körper zurecht findet. Das Virus zwingt so seinen neuen Wirt, fortlaufend identische Kopien von sich zu produzieren. Das Immunsystem erkennt das für den menschlichen Körper völlig unbekannte Virus nicht und kann sich nicht wehren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass solch eine Virusvariante entsteht, ist höher, je mehr Hühner von der Krankheit befallen sind. Nimmt man jedoch die absoluten Zahlen, sind die Erkrankungen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung verschwindend gering. Zusätzlich stellt der einzelne Mensch eine Sackgasse für den Erreger dar. Es gibt für das Virus keine Möglichkeit, von Mensch zu Mensch überzuspringen. Für eine weitere Ansteckung gibt es in diesem Fall keine Chance.

H5N1 = Killervirus?
Forscher und Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnen jedoch vor einem möglichen Horrorszenario. Es besteht theoretisch die Möglichkeit, dass ein neues Super-Virus entstehen könnte. Trifft das Virus der Vogelgrippe (H5N1) auf ein menschliches Influenzavirus (H3N2), kann dies verheerende Folgen haben. Beide Viren können bei der Vermehrung in den menschlichen Zellen ihre Erbinformationen austauschen. Im schlimmsten Fall bildet sich dadurch ein völlig neuer Erreger, der die negativen Eigenschaften beider Krankheiten in sich vereint. Für den Menschen wäre das Virus so gefährlich wie die Vogelgrippe und so ansteckend wie seine menschliche Variante. Das menschliche Immunsystem wäre bis zur Bereitstellung eines geeigneten Impfstoffes gegen den Erreger machtlos. Eine weltweite Pandemie wäre die Folge. Bei allen theoretischen Möglichkeiten ist es glücklicherweise jedoch mehr als wahrscheinlich, dass dieses Horrorszenario nicht eintreten wird.

Die einzige Möglichkeit die Geflügelpest oder Vogelgrippe einzudämmen, besteht darin, die betroffenen Bestände zu schlachten. Da praktisch alle infizierten Tiere sowieso an der Krankheit sterben würden, ist das auch im Sinne des Tierschutzes, da durch das Keulen ein qualvoller Tod und weitere Ansteckungen verhindert werden können. Eine Impfung ist keine Alternative zum Keulen der Tiere. Der Impfstoff ist nämlich nicht effektiv genug. Er kann das Virus nicht abtöten. Geimpfte Tiere werden zwar nicht krank, tragen das Virus aber weiterhin in sich und können es auch an nicht geimpfte Tiere weitergeben.

Autor: KATALYSE Institut