Nachhaltiger Tourismus

Nachhaltiger Tourismus meint eine Form des Reisens, bei der die positiven Effekte des Tourismus sinnvoll genutzt und seine negativen Auswirkungen so weit wie möglich reduziert werden. Dieses Ziel kann bei allen Formen von Urlaub und Reisen verwirklicht werden - nicht nur bei speziellen „Ökotourismus“-Angeboten.

Nachhaltiger Tourismus ist umweltgerecht, indem er sorgsam mit den natürlichen Ressourcen umgeht. Sensible Naturgebiete werden nicht überlastet, sondern durch gezieltes Management in ihrer Besonderheit geschützt und für nachfolgende Generationen erhalten. Umweltverträgliche Techniken beim Einsatz von Wasser und Energie reduzieren die Inanspruchnahme der natürlichen Lebensgrundlagen. Dies wird auch als ökologische Nachhaltigkeit bezeichnet.
Auch in sozialer Hinsicht kann Reisen verträglich gestaltet werden. Respekt vor der lokalen Bevölkerung sowie Neugier und Offenheit gegenüber den Menschen und ihrer Kultur sind für beide Seiten ein Gewinn - dies bedeutet soziale Nachhaltigkeit.
Nachhaltiges Reisen hat zudem ökonomische Vorteile für die Menschen in den bereisten Regionen. Service und Infrastruktur werden angemessen bezahlt und die Gewinne aus dem Tourismus bleiben in der Region, wo sie zu einem angemessenen Lebensstandard und zu Entwicklungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten beitragen und damit die ökonomische Nachhaltigkeit gewährleisten. Unter diesen Umständen kann der Tourismus sogar eine Alternative zu solchen Wirtschaftsformen darstellen, die Natur und Umwelt zu stark beanspruchen und von denen die lokale Bevölkerung nur wenig profitiert.

Nachhaltiger Tourismus ist
ökologisch verträglich, weil

  • Aktivitäten unterlassen werden, die Boden, Wasser, belebte Natur oder die Atmosphäre stark negativ beeinträchtigen oder dauerhaft schädigen.
  • zur Anreise und Mobilität vor Ort umweltfreundliche Verkehrsmittel gewählt werden.
  • touristische Einrichtungen wie Hotels, Restaurants und Freizeitanlagen ressourcenschonende Techniken und Verhaltensweisen nutzen und fördern: Rohstoffe wie Energie, Wasser, Boden, Landschaft und die belebte Natur werden nicht rücksichtslos ausgebeutet und "verbraucht", sondern sinnvoll eingesetzt und dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt.

wirtschaftlich vernünftig, weil

  • die Einnahmen aus dem Tourismus zum Einkommen der lokalen Bevölkerung beitragen und die Entwicklungschancen der Region sichern.
  • sichere Arbeitsplätze und humane Arbeitsbedingungen für die lokale Bevölkerung geschaffen werden, die deren Lebensqualität verbessern.
  • eine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Tourismus vermieden wird und damit die Auswirkungen eines möglichen Rückgangs der Besucherzahlen in der Zukunft abgeschwächt werden.

sozial verträglich, weil

  • der Profit nicht nur den großen Reiseveranstaltern in den Herkunftsländern, sondern auch der Region und der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt.
  • die im Tourismus Beschäftigten faire Löhne erhalten und nicht ausgebeutet werden.
  • die vor Ort lebende Bevölkerung an der Planung und Ausführung des Tourismus beteiligt wird.
  • die Belastungen für die einheimische Bevölkerung gering gehalten und ihre Bedürfnisse sowie ihr Recht auf Selbstbestimmung berücksichtigt werden.
  • kulturelle Werte und Geflogenheiten des Gastlandes respektiert werden.

www.zukunft-reisen.de - Portal für zukunftsfähiges Reisen
Das vom gemeinnützigen Verein Ökologischer Tourismus in Europa (Ö.T.E.) e.V. betriebene Informationsportal www.zukunft-reisen.de soll Verbraucher an das Thema umwelt- und sozialverträgliches Reisen heranführen und die Suche nach vorhandenen Angeboten und Informationen erleichtern. Diese Seite listet mehr als einhundert Links auf Internetseiten von Anbietern, Organisationen und Institutionen, die Informationen rund um umweltgerechtes und sozialverantwortliches Reisen bieten. Ob Reisevorbereitung, geeignete Unterkünfte, umweltverträgliche Mobilitätsangebote, Freizeitaktivitäten oder Qualitätsauszeichnungen für besonders umweltgerechte Anbieter: Zu allen Themen finden sich Informationen mit gezielten Hinweisen, damit der Reisende mit wenigen „Klicks“ schnell ans gewünschten Ziel gelangt und sich für seine umweltverträgliche Reise die passenden „Zutaten“ aussuchen kann. Begleitend dazu ist eine 20-seitige Broschüre erschienen, in der in knapper Form die wichtigsten Informationsquellen enthalten sind.

Kontakt:
Ökologischer Tourismus in Europa (Ö.T.E.) e.V.
Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn
Email: info@oete.de
www.oete.de
www.zukunft-reisen.de

Autor: KATALYSE Institut

Nachhaltiger Fischfang

Der Nachhaltige Fischfang ist ein Gegenentwurf zur weitverbreiteten konventionellen Fischereiindustrie, die weltweit zur Überfischung führt. Nachhaltige Fischerei bedeutet, dass in einem Umfang gefischt wird, der das Nachwachsen der Bestände nicht gefährdet.

Bei einem nachhaltigen Fischfang wird darauf geachtet, dass die Bestände nicht überfischt werden, sondern dass ihre volle Reproduktionsfähigkeit erhalten wird. Dabei wird die fischereiliche Sterblichkeit (Entnahme aus dem Bestand durch die Fischerei) berücksichtigt. Zusätzlich sollen nicht nur überfischte Fischarten durch ein Fangverbot vor dem Aussterben gerettet, sondern auch dezimierte vorsorglich durch niedrigere Fangquoten geschützt werden.

Überfischung:
Derzeit sind 80 % der Mittelmeerbestände und 47 % der Bestände im Atlantik überfischt (vgl. Europäische Kommission 2012b). Dies liegt u.a. daran, dass die gesetzlichen Fangquoten über den von den Wissenschaftlern empfohlenen Quoten liegen. Durchschnittlich sind die Fangqouten 40 Prozent höher als die durchschnittlichen wissenschaftlichen Empfehlungen (vgl. Carlson 2013). Infolge von Nachhaltigkeitsmaßnahmen konnten sich in den letzten Jahren einige Fischbestände wieder erholen. Trotzdem ist der Zustand des Ökosystems Meer äußerst kritisch.
Die Überfischung bereitet auch der Fischereiindustrie Sorgen: rückläufige Fangmengen durch die Überfischung und damit verbunden abnehmende Profite schaden Fischern und der Fischereiindustrie.

Die Überfischung konnte vor allem durch die Technologisierung der Fischerei eintreten. So wird seit der Industrialisierung der Fischerei immer mehr Fisch durch die steigende Fangeffizienz aus dem Meer geholt. Die Technologisierung führt zu immer größeren Fangschiffen mit effizienteren Fangmethoden, zu einer genaueren Ortung und Erschließung von Fischgründen (durch z.B. 3D-Sonargeräte), zu höheren Fangraten und zu einer potentiell längeren Lagerung des Fisches.
Die Zerstörung des Ökosystems Meer wird zudem auch durch die Verwendung von Grundschleppnetzen vorangetrieben, die den Meeresboden aufwühlen und zerstören und Vegetation und Tiere vernichten (vgl. Rydl et al. 2013). .

Ein großes Problem der Fischerei ist der Beifang (europaweit ca. 460.000 von insgesamt 1,9 Mil. Tonnen gefangenen Fisch pro Jahr). Zu kleine oder deformierte Individuen und Fischarten, für die die Quoten ausgeschöpft sind oder für die es gar keine Quoten gibt, sowie unerwünschter Fisch für die z.B. der betroffene Fischer keine Quote hat, werden als Beifang wieder zurück ins Meer geworfen. Dies liegt einerseits an dem Verbot diese Fische anzulanden, andererseits auch an dem Interesse der Fischer, möglichst gewinnbringenden Fisch zu verkaufen. Der über Bord geworfene Fisch wird nicht erfasst und gilt somit als nicht abgefischt. Durch den Beifang sinkt also die Bestandsproduktivität vieler Fischarten noch weiter. Eine Kontrolle der fischereilichen Sterblichkeit durch den Rückwurf gestaltet sich schwierig. Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Beifang in den meisten Ländern nicht auf die Fangquote der Fischer angerechnet (Ausnahme ist z.B. Norwegen) wird.
Zudem verfangen sich auch andere Meerestiere, wie Wale, Delfine, Meeresschildkröten, Vögel, Robben, Rochen und Haie in den Netzen.

EU:
Die Europäische Union, bekannt für eine eher umweltschädliche Fischereipolitik, versucht angesichts der überfischten europäischen sowie globalen Fischbestände, hohen Beifangraten, rückläufigen Fangmengen, hohen Subventionen, Fischimporten und ihrer eigenen Flottenüberkapazität eine nachhaltige Fischereipolitik zu etablieren.

Deswegen plant die Europäische Kommission eine Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP). Durch diese Reform soll bei Entscheidungen des Fischereirats, der in der Vergangenheit vor allem kurzfristige politische und ökonomische Interessen im Blick hatte (vgl. Callum 2013:444), stärker das EU-Parlament und EU-Kommission eingebunden werden. Die neue Gemeinsame Fischereipolitik wird ab 2014 in Kraft treten (vgl. Europäisches Parlament 2013).

Einige Maßnahmen und Ziele sind folgende:

  • Lösung Beifang-/Rückwurfproblem: Ein Rückwurfverbot für alle fischereilich genutzten und regulierten Fischarten soll durchgesetzt werden, so dass die Fischer den Beifang mit an Land bringen müssen. Dadurch kann die Entnahme der einzelnen Fischarten besser registriert werden. Außerdem schafft dies Anreize Beifang zu vermeiden, da die Fischer Lagerplatz und Lagerplatzkosten durch eine geringere Beifangmenge reduzieren können. Es besteht die Hoffnung, dass ähnlich wie in Norwegen, die Fischer sich dann an technischen Innovationen, durch deren Einsatz man Beifang vermeiden kann, beteiligen und diese auf ihren Fischereiboten etablieren. Durch Fangnetze mit größeren Maschen oder durch Fluchtfenster in den Netzen können z.B. kleinere Individuen, die häufig als Beifang enden, flüchten. Zusätzlich hofft man, dass die Fischer den Bestand von kleineren Individuen und Jungtieren schonen, in dem sie z.B. in Gebieten mit hohem Jungfischaufkommen nicht fischen. Trotzdem muss das Rückfangverbot stark kontrolliert (Kameras, Fischereiaufseher) und geahndet werden. .
  • Nachhaltiges Bestandsmanagment: Ab 2015 dürfen keine Fanggqouten mehr beschlossen werden, die nicht nachhaltig sind. Deswegen soll auf Grundlage des „höchstmöglichen Dauerertrags“ (Maximum sustainable yield = MSY) gefischt werden, so dass nur die optimale Fangmenge (ohne Gefährdung der Fortpflanzungsfähigkeit) dem Meer entnommen wird und die Fischbestände auf dem höchstmöglichem langfristigen Ertragsniveau gehalten werden (vgl. Europäische Kommission 2013: 8). Dazu soll schrittweise die fischereiliche Sterblichkeit verringert werden, bis der höchstmögliche Dauerertrag (MSY) erreicht wird. So könnten sich stark dezimierte Arten erholen und die Entwicklung von größeren Individuen gefördert werden. Die Idee dahinter ist, dass nicht nur die Fischbestände und Arten, die als Beifänge ins Netz geraten, geschont werden, sondern auch durch eine größere Fangstabilität eine produktivere und zukunftssichere Fischereiwirtschaft bei den (stark) befischten Arten betrieben werden soll. Zudem wird die wissenschaftliche Datenlage (z.B. Analyse der langfristigen Entwicklungen in den Fangmengen und Fischbeständen) verbessert und in Zukunft in der Fischereipolitik eine größere Rolle spielen. Zum Schutz des Ökosystems Meer sollen die Nutzung umweltschädigender Fangtechniken, z.B. Grundschleppnetze, einschränkt werden. Auf dem Weg zur nachhaltigen Fischerei sollen folgende Instrumente helfen: Langfristige Managementpläne (z.B. zur Überwachung der fischereilichen Sterblichkeit), Einbinden der Mitgliedsstaaten, Berücksichtigung regionaler Begebenheiten und damit auch die Integration regionaler Beratung unter Berücksichtigung von Region spezifischen Traditionen und Know-How, die Unterstützung der handwerklichen Fischerei, die Bekämpfung der illegalen Fischerei sowie die Eingliederung in die Meeresumweltpolitik (vgl. Europäische Kommission 2012a). Auch die Einrichtung und Erweiterung von Meeresschutzgebieten, die besonders beim Erhalt der Bestände, der Arten und der Biodiversität hilft, soll vorangetrieben werden. 
  • Abbau der Flottenüberkapazität: Als Hauptgrund für die Überfischung gilt auch die große Fischereiflotte. Die EU versucht schon länger die Flottenkapazität zu verringern. Doch ohne nennenswerten Erfolg. Ein Grund für das Scheitern ist, dass die Fangeffizienz der Fangschiffe nicht wirklich bei den bisherigen Maßnahmen mit einbezogen wurde. Daher wird bei der GFP-Reform die Einführung der handelbaren Fangquoten/Fanganteile (ITQ = Individual Transferable Quote) vorgeschlagen. Diese werden von den Mitgliedstaaten, die eine Flottenübergrenze von der EU zugewiesen bekommen, an Fischer/Fischereiindustrie verteilt und können auch nur innerhalb des Mitgliedstaats verpachtet oder getauscht werden. Dadurch soll es für Fischer lukrativ werden, ihre Fanganteile zu verkaufen/zu verpachten. Dies wird wahrscheinlich aber im Ministerrat nicht durchsetzbar sein (vgl. Döring 2012). Bisher und wahrscheinlich auch weiterhin erfolgte bzw. erfolgt die Regulierung der Fischerei per Fangtage auf See. Diese Regulierung ist aber ineffizient, da die Fischer sowieso z.B. in bestimmten Jahreszeiten nicht fischen können oder trotz der begrenzten Fangtage zu viel Fisch aus dem Meer herausholen. Einen großen Beitrag zur Flottenüberkapazität hat die Subventionierung dazu gesteuert (De-Minimis Beitrag von 30.000 Euro ohne daran geknüpfte Bedingung, Befreiung von Kraftstoffsteuern, Unterstützung der Schiffsverschrottung bei einer gleichzeitigen Schiffsmodernisierung). Als Lösung könnte man Subventionen (finanziert aus dem EMFF, European Maritime and Fisheries Fund) von Nachhaltigkeitszielen abhängig machen (Selektivere Fanggeräte, wissenschaftliche Datenerhebung).

Die EU ist zudem in der Fernfischerei tätig. Weltweit fischt die EU-Fischereiflotte, indem Fangqouten in nicht-europäischen Fanggebieten gekauft werden, um die europäischen Flottenkapazität auszulasten. Zukünftig will die Europäische Kommission diese Fernfischerei einschränken. Auch sollen die Schiffe der EU-Flotte in anderen nicht-europäischen Fanggebieten den Richtlinien und Prinzipien der GFP folgen

Die nachhaltige Fischerei soll durch Datenerhebung (Wechselbeziehungen im Ökosystem, Reproduktionsbedingungen der Arten, Auswirkungen der Fischerei), wissenschaftlichen Gutachten, Kontrollen und entsprechenden Korrekturen des Fischereimanagements sichergestellt werden.

Kritik:

  • Für eine nachhaltige Fischerei sind klarere Bewirtschaftungsgrenzen der Fischbestände (Einhaltung der wissenschaftlichen Empfehlungen, einheitliche Regelung der nachhaltigen Bewirtschaftung, in der der Vorsorgeansatz berücksichtigt wird) erforderlich. Insbesondere durch die Ignoranz gegenüber den wissenschaftlichen Empfehlungen in der Vergangenheit (vgl. Salomon et al. 2012:42).
  • Es wird immer nur vom Erhalt des Fischbestands gesprochen. Ein
    Fischbestand ist aber nur gesund, wenn er eine natürliche Zusammensetzung ('gesunde' Größen- und Altersstruktur) besitzt. Dies berücksichtigt die GFP-Reform nicht, da eine solche Datenerhebung sich schwierig gestaltet und eine Fischereipolitik, die auf die Gesundheit der Bestände achtet, kaum umsetzbar ist.
  • Es wird z.T. kritisiert, dass die Maßnahme MYS als Zielwert zur Bestandserhaltung genommen wird, da durch die Wechselbeziehungen zwischen den Arten (Räuber-Beute-Beziehungen, Nahrungskonkurrenz), die Bestände nicht unbedingt das MSY-Niveau erreichen oder auf diesem Niveau bleiben können. Deswegen wird – auch von der EU-Kommission- vorgeschlagen, dass man die fischereiliche Sterblichkeit (dieser Wert wird nur durch die Fischerei beeinflusst), mit der MSY erreicht werden kann, als Zielwert nimmt.
  • Die Fangquoten müssen insgesamt niedriger sein, um den Vorsorgeprinzip gerecht zu werden (Sicherheitsabstand zur MYS).
  • Bereits überfischet Bestände erholen sich nicht, wenn sie nicht zuerst auf einen gesunden Bestand anwachsen können, so dass man ihr Fortbestehen gewährleisten kann. Dafür müssten die Fangmengen erst mal bis zu einem festgelegten Zeitpunkt abgesenkt werden, bis sich die Bestände erholt haben (vgl. WWF 2013).
  • Das Rückwurfverbot soll gestaffelt nach Fischart eingeführt werden. Der Grund für diese Regelung liegt an dem unterschiedlich hohen Aufwand für die technischen Veränderungen, die durchgeführt werden müssen. Allerdings wird es schwer, zu kontrollieren, welche Fischart als Beifang zurück ins Meer geworfen wird. Eine Staffelung nach Fischereien wäre hier einfacher zu kontrollieren.
  • Forderungen eines Rückwurfverbotes für alle Fischarten.
  • Beim Rückwurfverbot gibt es einige Außnahmen, so z.B. erlaubt eine Ausnahmeregelung  bis zu 5% der jährlichen Fangmenge der fangbeschränkten Arten genauso wie alle Arten ohne Fangbeschränkung über Bord zu werden. Diese Ausnahmen erschweren die Kontrolle des Rückwurfverbots.
  • Man schafft für die Fischer falsche Anreize, wenn man ihnen z.B. mehr Fangtage zuspricht, wenn sie Netze mit kleinere Maschen verwenden. Diese Anreize müssen abgeschafft werden.
  • Die von der EU vorgeschlagenen Flottenobergrenzen der Mitgliedstaaten entsprechen dem heutigen Stand und ziehen somit keine Verringerung der Flotte nach sich. Insgesamt wird der Erfolg der handelbaren Fangquoten angezweifelt. (vgl. Salomon et al. 2012:41)
  • Es wird gefordert, dass während und nach der Reform eine öffentliche Debatte in der Gesellschaft angestoßen werden soll.

Insgesamt aber sehen Experten und Umweltschutzverbände die Pläne der EU zur nachhaltigen Fischereipolitik positiv, mahnen allerdings auch, dass die Pläne konsequent umgesetzt werden müssen, um ein Erfolg für das Ökosystem Meer herbeizuführen.

@Umweltlexikon?! Fischerei, Fisch und Fischereiprodukte,
Fischbestand, Thunfisch, Fischsterben,

Lit.:

  • Carlson, Björn, BalticSea2020 (2013): EU-Fischereipolitik: Diese Reform kann Fische und Fischer retten. [Stand: 28.03.2013].
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2013): Fischeries and Aquaculture in Europe. 2013, Nr. 60.
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2012a): Häufig gestellte Fragen. [Stand: 28.03.2013]. 
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2012b): Hintergrund.[Stand: 28.03.2013]. 
  • Europäische Parlament (2013): Reform der EU-Fischereipolitik: Parlament fordert Ende der Überfischung. [Stand: 05.06.2013]. 
  • Döring, Ralf (2012): Die Reformformschläge zur EU-Fischereipolitik sind besser als ihr Ruf. In: GAiA, 2012, Nr. 3, S.173-176. 
  • Roberts, Callum (2013): Der Mensch und das Meer. München: Deutsche Verlags-Anstalt.
  • Rydl, Vladimir / Reichert, Inka - Planet Wissen (2013): Überfischung der Meere. [Stand: 28.03.2013].
  • Salomon, Markus / Budde, Johanna (2012): Eine nachhaltige Fischereipolitik für Europas Ruf. In: GAiA, 2012, Nr. 1, S.38-42. 
  • WWF (2013): Grobmaschige Fischereireform. [Stand: 04.06.2013].

Autor: KATALYSE Institut

Mundraub

Mundraub ist eine Internetplattform für Obstallmende.

Auf dieser werden öffentliche Fundstellen für Obst- und Fruchtgewächse angegeben. Damit verfolgt Mundraub das Ziel, auf vergessene Früchte der Kulturlandschaft hinzuweisen und diese so als Teil der Kulturlandschaft und der Biodiversität dauerhaft zu schützen.
Die Fundstellen können von allen Internetnutzern auf der MundraubMap eingetragen und abgerufen werden. Auf dieser Karte kann man Fundstellen von Obstbäumen, Nüssen, Beeren und Kräutern finden.
Seit 2010 ist mundraub.org online und es wurden bis heute weltweit über 5.000 Fundstellen - die meisten Fundstellen befinden sich in Deutschland - eingetragen. Seit 2011 gibt es ein Mundräuberhandbuch, in welchem auf allgemeine Regeln zur Nutzung und Pflege von Obstbäumen eingegangen wird.
Die "Mundräuberregeln" sollen einen verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit der Natur und den kulturellen und privatrechtlichen Gegebenheiten der Region sicherstellen.

Kontakt:
Terra Concordia gUG Deutschland
Bouchéstr. 79b
12435 Berlin
Telefon: +49 (0) 30 - 54 82 11 01
Fax: +49 (0) 30 - 89 64 82 77
E-Mail: info@mundraub.org
www.mundraub.org

Autor: KATALYSE Institut

Monokultur

Eine Bodenbewirtschaftung, bei der eine Pflanzenart vorherrscht und mit maximaler Ausnutzung standörtlicher und marktpolitischer Vorteile, bei hoher Maschinisierung, meistens ohne Fruchtfolge, großflächig angebaut wird.

M. werden beispielsweise überwiegend im Kaffee-, Tee- und Reisanbau vorgenommen. Es gibt keine Fruchtfolge und führt daher häufig zu einem starken Schädlingsbefall der Pflanzen und dem zu Ertragseinbußen.
Die fehlende Fruchtfolge führt meist zu einer Verschlechterung der Böden. Nur selbstverträgliche Pflanzen wie Roggen können an geeigneten Standorten über Jahre ohne Ertragsverluste und Verlust an Bodenqualität angebaut werden. Ökologisch ist der M.-Anbau schädlich, da er grundsätzlich zu einem starken Artenrückgang auf der Anbaufläche führt und in der Regel eines höheren Einsatzes von Düngern und Pflanzenschutzmitteln bedarf.

Autor: KATALYSE Institut

Mohn

Der Mohn ist ein einjähriges Kraut mit einer Wuchshöhe von einem bis 1,6 Meter. Er besitz eine Pfahlwurzel, seine Frucht ist eine Kapsel mit Scheidewänden, die ölhaltige Samen enthalten. Es wird zwischen geschlossenen Kapseln (Schließmohn), geöffneten Kapseln (Schüttmohn) unterschieden.

  • Systematik: Familie: Papaveraceae (Mohngewächse),Art: Papaver somniferum L.
  • Herkunft: Asien
  • Klima: gemäßigt bis subtropisch; während Keimung und Jugendphase kühl (bis -5°C), zur Blüte- und Reifezeit sonnig-warme Witterung; Langtagspflanze
  • Aussaat: Im Frühjahr; Bestandsdichte: 50 bis 70 Pflanzen pro m2
  • Düngung: geringes Nährstoffaneignungsvermögen erfordert gute Phosphor und Kaliumversorgung der Böden; Stickstoffbedarf 40 bis 80 kg/Hektar wegen möglicher Reifeverzögerung problematisch; empfindlich gegen Bormangel.
  • Pflanzenschutz: relativ krankheitsunempfindlich; Pilzbefall möglich; Schädlinge: Mohnkapselrüßler, Mohngallmücke; langsame Jugendentwicklung bedingt intensive Unkrautbekämpfung
  • Ernte: Mitte August; Vegetationszeit 120 bis 140 Tage; Mähdrusche; Druschabfälle können aufgrund Morphingehaltes nicht verfüttert werden
  • Ertrag: Erträge der Samen können zwischen 0,5 und 3 Tonnen/Hektar schwanken
  • Besonderheiten: Ölgehalt der Samen zwischen 40 und 50 Prozent; Fettsäuremuster weist
    60 bis 70 Prozent Linolsäure, 12 bis 22 Prozent Ölsäure, 10 bis 12 Prozent
    Palmitinsäure auf; Milchsaft enthält pharmakologisch wichtige Alkaloide (u. a. Morphin, Kodein, Noscapin); morphinarme (>0,01 Prozent) Blaumohnsorte Przemko seit 1996 in BRD zugelassen.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Mischwald

M. ist ein Wald, der aus mehr als einer Baumart besteht.

Der Anteil der "zugemischten" Baumarten muss definitionsgemäß über 10% liegen. Da standortgemäße M. unempfindlicher gegen biotische (z.B. Schädlingsbefall) und abiotische (z.B. Luftschadstoffe) Umweltfaktoren sind als Monokulturen und außerdem die Waldfunktionen besser erfüllen, fördern die Bundesländer die Anlage von M.. Mischkultur, Plenterwald, naturnahe Wälder

Autor: KATALYSE Institut

Mineraldünger

Als M. bezeichnet man stickstoffhaltige, phosphorsäure- oder kaliumhaltige Düngemittel, welche entweder mineralischen Ursprungs sind (Kalisalze, Chilesalpeter) oder synthetisch hergestellt werden (Kalkstickstoff).

Handelsüblich sind Einzeldünger und sog. Volldünger (NPK-Dünger). Der Einsatz der M. geht auf die Forschungen Liebigs zurück. Vielfach wird argumentiert, daß nur mit Mineraldünger eine gezielte, auf das Wachstum der Pflanze abgestimmte Ernährung möglich ist.
Der hohe Einsatz von M. in der modernen Landwirtschaft ist ein entscheidender Faktor für die Ertragssteigerung in der Landwirtschaft, hat durch Überdüngung aber auch zur Belastung von Grundwasser beigetragen. Stickstoffhaltige M. werden umgangssprachlich als Kunstdünger (Düngemittel) bezeichnet.

Autor: KATALYSE Institut

Mariendistel

Die Mariendistel ist eine zweijährige kräftige Pflanze von 50 bis 150 cm Höhe mit grünen, glänzenden, oberseits weißlich gefleckten, in Dornspitzen auslaufenden Blättern mit purpurnen Blütenköpfen.

 

  • Systematik: Familie: Asteraceae (Korbblütler), Art: Silybum marianum
  • Herkunft: Mittelmeergebiet
  • Klimaansprüche: Mittelmeer- bis gemäßigte Zone
  • Anbausystem: einjähriger Anbau
  • Aussaat: März bis April; 20 bis 30 Pflanzen/m2
  • Düngung: Nährstoffentzug bei 55 Tonnen Frischmasse/ Hektar: Stickstoff: 137 kg, Phosphat: 34 kg, Kalium: 340 kg, Kalzium: 265 kg
  • Pflanzenschutz: Pilze: Grauschimmel, Echter Mehltau; Schädlinge: Blattläuse; Sonstige: Vögel
  • Ernte: August, wenn Köpfe und Pflanze reif sind; maschinelle Ernte
  • Qualitätsmerkmale: Gehalt an Silymarin (Flavonoid) und fettem Öl
  • Ertrag: 1 bis 1,5 Tonnen/ Hektar
  • Besonderheiten: ungleichmäßige Abreife, Samenflug auf Nachbarflächen
  • Wirkspektrum: unterstützende Behandlung von chronisch entzündlichen Lebererkrankungen, Leberzirrhose oder durch Lebergifte, wie z.B. Alkohol, hervorgerufene Erkrankungen

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Maniok

Der Maniok ist eine einhäusige, mehrjährige, strauchartige Pflanze mit eingeschlechtigen Blüten. Er kann zwei bis fünf Meter hoch werden und bildet sproßbürtige Wurzeln, die durch sekundäres Dickenwachstum zylindrische
Wurzelknollen hervorbringen.

 

  • Systematik: Familie: Euphorbiaceen, Art: Manihot esculenta Crantz
  • Herkunft: Amazonas-Gebiet bis Südmexiko
  • Klima: feuchte Tropen mit Temperaturen um 25°C und Niederschlägen von 1.000 bis 3.000 mm, Anbau weltweit zwischen dem 30°nördlicher und 30° südlicher Breite
  • Anbausystem: in Monokultur vegetativ durch Stecklingspflanzungen. Nach dem Auspflanzen der Stecklinge bilden sich in großer Zahl fibröse Wurzeln an den im Boden befindlichen Nodien. Zum Erntezeit punkt (nach 6 bis 24 Monaten je nach Varietät) sind die verdickten Wurzeln meist 20 bis 60 cm lang.
  • Düngung: genügsame Kulturpflanze, Entzug durch eine Tonne frischer Wurzeln: 3 kg Stickstoff, 1 kg Phosphat, 4 kg Kalium, 2 kg Kalzium und 1 kg Magnesium.
  • Pflanzenschutz: gefährliche Krankheiten sind die afrikanische Mosaikkrankheit und die Maniokbakteriose. Bekämpfung durch resistente Sorten und virusfreie Stecklinge. Zu den Schädlingen zählen blattfressende Heu schrecken und Hornwürmer (Amerika) sowie Tripse, Spinnmilben und Schmierläuse (Afrika)
  • Ernte: der Erntezeitpunkt wird durch die Blattverfärbung angezeigt, je nach Varietät nach 6 bis 24 Monaten, süße Sorten reifen früher als bittere.
  • Ertrag: liegt zwischen 2 bis 8 Tonnen/Hektarin primitiven Anbausystemen und 20 bis
    40 Tonnen/Hektar im Intensivanbau. Die höchsten Erträge werden unter Kurztagsbedingungen erzielt.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Majoran

Majoran ist eine strauchförmige Pflanze mit 20 bis 50 cm hohen, vierkantigen, verästelten Stengeln mit verkehrt eiförmigen, angerundeten, behaarten Blättern.

 

  • Systematik: Familie: Lamiaceae (Lippenblütler), Art: Majorana hortensis
  • Herkunft: Südwestasien, östliches Nordafrika
  • Klimaansprüche: Mittelmeer- und gemäßigte Zone
  • Anbausystem: einjähriger Anbau
  • Aussaat: Vorkultur: Saat im Februar, Pflanzung im Mai; 30 Pflanzen/m2
  • Düngung: Nährstoffentzug (kg/10 Tonnen Festmasse/Hektar): Stickstoff: 49 kg/ Hektar, Phosphat: 13 kg Hektar, Kalium: 54 kg/ Hektar
  • Pflanzenschutz: Pilze: Keimlingskrankheiten, Rost, Septioria; Schädlinge: Majoranmotte, Springwanzen; Sonstige: Nematoden
  • Ernte: ein bis drei maschinelle Schnitte/Jahr vor der Blüte
  • Ertrag: Kraut: 10 Tonnen/ Hektar, Krautdroge: 2,5 bis 3,0 Tonnen/ Hektar; Blattanteil im Kraut etwa 60 Prozent
  • Qualitätsmerkmale: Blattanteil, Gehalt an ätherischem Öl und Gerb- und Bitterstoffen
  • Besonderheiten: Unkraut- und Herbizidempfindlichkeit, Frostresistent bis -7°C, hohes Wärmebedürfnis
  • Wirkspektrum: stärkt den Magen und wirkt schleim- und krampflösend

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Mais

Der Mais ist eine einhäusige, getrenntgeschlechtlich (monözisch) Pflanze, die bis zu 2,5 Meter hohe Stängel hat, die in einen männlichen Blütenstand enden. Die weiblichen Blütenstände entspringen der mittleren Stängelhälfte. Die Fremdbestäubung erfolgt durch den Wind.

 

  • Systematik: Familie: Gramineen, Art: Zea mays L.
  • Herkunft: Südbrasilien/Paraguay, ursprüngliche Wildform ist nicht bekannt
  • Klima: verträgt keinen Frost und benötigt zur Keimung >10°C, das Optimum liegt bei 25°C; Niederschlagsmenge: 500 bis 700 mm; Vegetationszeit je nach Sorte und Standort: 95 bis 160 Tage
  • Anbausystem: selbstverträgliche Kulturpflanze ohne spezifische Vorfruchtansprüche
  • Aussaat: Einzelkornsaat mit pneumatischen oder mechanischen Einzelkorn Sähmaschinen; optimale Bestandsdichte in Reinkultur: 40.000 bis 55.000 Pflanzen/Hektar.
  • Düngung: eine Tonne Körner entzieht dem Boden: 20 kg Stickstoff, 8 kg Phosphat: 2 kg
    Kalium, 5 kg Magnesium.
  • Pflanzenschutz: durch Beizen des Saatgutes werden Auflaufkrankheiten vermieden.
    Im Jugendstadium ist Mais sehr empfindlich gegen Unkraut. Insektenschädlinge sind der Stengelbohrer und Maiszünsler.
  • Ernte: der Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn der Trockensubstanzgehalt 60 bis 65 Prozent beträgt
  • Ertrag: 7 bis 9 Tonnen/Hektar, große Erträge werden durch den Anbau von Hybridsorten erzielt.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

LPG

Abkürzung für Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften und DDR-Form der sowjetischen Kolchose.

Die L. waren von 1960 bis 1990 die herrschende Unternehmensform in der Landwirtschaft der DDR. Sie vereinten mehr als drei Viertel der primären Agrarproduktion auf sich. Mit dem gesellschaftlichen Umbruch in der DDR und deren Beitritt zur BRD standen die 3.844 LPG, davon 1.162 LPG Pflanzen- und 2.682 LPG Tierproduktion, vor einer schwierigen Wandlung. Die Umwandlung der LPG in eingetragene Genossenschaften, Personen- oder Kapitalgesellschaften durch Rechtsformwechsel.
Siehe auch Stichwörter: Agrarfabrik und konventioneller Landbau

Autor: KATALYSE Institut

Lindan

L. gehört zu der Gruppe der Organochlorpestizide, ist umweltstabil, d.h. ist schwer abbaubar, weltweit in allen Medien analytisch nachweisbar und reichert sich in der Nahrungskette an.

L. wirkt als Nervengift und gehört der Wassergefährdungsklasse 3 (stark wassergefährdend) an. Hauptaufnahmepfade des Menschen sind Lebensmittel und die Innenraumluft. Die L.-Aufnahme des Menschen lag 1990 durchschnittlich bei 1 ng/kg Körpergewicht/Tag.

Für Lebensmittel sind folgende Grenzwerte in der Pflanzenschutzmittelhöchstmengenverordnung vorgeschrieben:

  • 2 mg/kg für Blatt- und Sprossgemüse, Schaffleisch, Schalentiere und Fische
  • 1 mg/kg für Frucht- und Wurzelgemüse, alle Fleischsorten (außer Schaf) und tierische Speisefette
  • 0,5 mg/kg für Tee und Weintrauben
  • 0,1 mg/kg für Eier, Getreide, Kartoffeln, Möhren, Hülsenfrüchte
  • 0,01 mg/kg für Säuglingsnahrung

Der ADI-Wert beträgt 10 µg/kg/Tag
Trinkwassergrenzwert: 100 ng/Liter
Richtwert für Innenräume (nach BgVV): 1 µg/m3
MAK-Wert als Gesamtstaub: 0,1 µg/m3 Luft
BAT im Vollblut: 20 µg/Liter
In Tierversuchen traten gehäuft Lebertumore bei Mäusen auf.

Autor: KATALYSE Institut

Leitpflanzen

siehe: Zeigerpflanzen

(Z. sind Wildpflanzen, deren Anwesenheit auf spezifische Eigenschaften eines Standortes hindeuten, da sie verstärkt oder ausschließlich dort auftreten (Bioindikatoren).)

 

Autor: KATALYSE Institut

Leinöl

Leinöl wird als kaltgepresstes Extrakt u.a. im Lebensmittelbereich verwendet und ist als heißgepresster Rohstoff und mit Leinölverkochungen ein wichtiger Grundstoff in der Farben- und Lackproduktion.

fossil = 0 %
mineralisch = 0 %
metallisch
nachwachsend = 100%


 VI. Literatur und Quellen

  • Das KATALYSE Umweltlexikon, 2. Auflage Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1993, seit dem Jahr 1997 gepflegt und ständig erweitert als Online-Umweltlexikon, KATALYSE Institut Köln 2006
  • Bahadir, M./Parlar,H./Spiteller, M.: Springer Umweltlexikon; Springer Verlag, Hamburg 2000
  • Baier, E.: Umweltlexikon; Ponte Press Verlags GmbH, Bochum 2002
  • Karcher, R. Jakubke, H.: Lexikon der Chemie; Studienausgabe, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1998
  • Römpp, H./Falbe, J./Regitz, M .: Römpp Lexikon Chemie, 10. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 1996-1999
  • Ullmann 1987: Ullmann`s Encyclopedia of Industrial Chemistry, Fifth Completely Revised Edition, Vol. A 10, Weinheim

Autor: KATALYSE Institut

Leindotter

Leindotter ist eine einjährige (bis winterannuelle), krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 30 bis 120 cm. Sie trägt dünne Wurzeln und Stängel und hat traubige Blütenstände. Die Blüte dauert 20 bis 30 Tage, die Frucht ist ein Schötchen mit 8 bis 16 Samen.

 

  • Systematik: Familie: Cruciferae, Brassicaceae (Kreuzblütler), Art: Camelina sativa L. Crantz
  • Herkunft: Südeuropa und südwestasiatischer Raum
  • Klima: kontinental
  • Aussaat: nach der Keimphase von etwa 20 Tagen Ende März; Aussaatmenge etwa 400 Körner pro m2; Blattfläche und Bodenbedeckung im Vergleich mit anderen Brassica-Arten (
    Raps, Rübsen) gering.
  • Düngung: Stickstoffdüngergaben je nach Bodenbeschaffenheit 60 bis 120 kg/Hektar
  • Pflanzenschutz: langsame Jugendentwicklung und geringes Unkrautunterdrückungsvermögen erfordert intensive Unkrautbekämpfung
  • Ernte: im Frühsommer, Vegetationszeit 100 bis 110 Tage; maschinelle Ernte
  • Ertrag: 0,6 bis 2,9 Tonnen/Hektar in Mitteleuropa; enge Standortabhängigkeit
  • Besonderheiten: Ölgehalt zwischen 33 und 42 Prozent; Fettsäuremuster abweichend von dem der übrigen Cruziferen: höherer Alpha-Linolensäuregehalt (35 bis 45 Prozent), geringerer Erucasäureanteil (1 bis 2 Prozent), relativ hoher Gehalt an Eicosensäure (15 bis 20 Prozent); 25 bis 30 Prozent Rohproteingehalt vergleichbar mit
    Raps.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Lein

Lein oder Flachs (Linum) ist eine krautige Pflanze, die wertvolle Rohstoffe liefert.

Sein Anbau ist besonders in Wasserschutzgebieten geeignet, da er einen geringen Nährstoffbedarf hat, nitratunverträglich (Gülleausbringung ist unmöglich) und selbstunverträglich (kann nicht jährlich angebaut werden und verhindert somit Monokulturen) ist. Lein lässt sich industriell fast vollständig verwerten.

Die Langfasern können für hochwertige Textilien (Kleidung), die Kurzfasern für den textilen und für den technischen Bereich (Asbestersatz, Geotextilien) genutzt werden. Leinöl kann als Lebensmittel Anwendung finden (Speiseöl, Öl).
Auch für Pharmazeutika, Naturfarben, Lacke, Firnisse, Seifen, Linoleum und indirekt und für Weichmacher in Kunststoffolien kann Faserlein als nachwachsender Rohstoff dienen. Der beim Ölpressen anfallende Ölkuchen ist ein wertvolles eiweißhaltiges Viehfutter. Innerhalb der EU wird der Anbau von Faserlein gefördert, da sich verstärkte Absatzchancen bemerkbar machen.

siehe: Sanfte Chemie

Autor: KATALYSE Institut

Landwirtschaftsklausel

Bundes- und Landesnaturschutzgesetze enthalten durchweg Formulierungen, die die land- und forstwirtschaftliche Bodennutzung gegenüber dem Naturschutz privilegieren.

Hierbei wird keinerlei Unterscheidung zwischen konventionellem Landbau und ökologisch notwendigen Maßnahmen zur Erhaltung von natürlichen Biotopen vorgenommen. Diese auch als Agrarprivileg bezeichneten L. sind politisch sehr umstritten, da die Landwirtschaft als Hauptverursacher des Artensterbens und als bedeutender Grundwassergefährder (Pestizide, Grundwasser) gilt.
Ihre Streichung würde allein jedoch noch keine effektive Änderung der rechtlichen Stellung des Naturschutzes gegenüber der Landwirtschaft erbringen. Hierzu bedürfte es weitergehender Änderungen in der Landwirtschaft und eines Abbaus des Vollzugsdefizites im Naturschutz.

Autor: KATALYSE Institut

Landwirtschaftliche Technik

Synonym Landtechnik. L. beinhaltet die Planung, Produktion und den Einsatz von Landmaschinen und landwirtschaftlichen Gebäuden.

Sie ist hauptsächlich auf den konventionellen Landbau ausgelegt. Spezielle Geräte für den alternativen Landbau werden z.T. in Selbsthilfe von Landwirten entwickelt. Der in letzter Zeit steigende Einsatz von immer schwereren Maschinen führt zu Bodenverdichtungen und einer Störung der Bodenorganismen.

siehe: Spritzgeräte

Autor: KATALYSE Institut

Landwirtschaft

Oberbegriff für gewerblichen Pflanzenanbau und Tierhaltung.

Große Umweltprobleme gehen vom Konventionellen Landbau aus (Agrarfabrik, Agrarpolitik, Integrierter Pflanzenbau, Massentierhaltung).
Nachhaltige L.: alternativer Landbau, ökologischer Landbau; Artgerechte Tierhaltung, Nachwachsende Rohstoffe

Autor: KATALYSE Institut

Kunstdünger

siehe: Mineraldünger, Düngemittel

Autor: KATALYSE Institut

Kümmel

Kümmel ist eine zweijährige Pflanze von 30 bis 80 cm Höhe mit mehrfach fiederteiligen Blättern und weißen Blüten. Sie wächst auf mageren Wiesen und an Wegrändern. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Blattrosette, im zweiten Jahr treiben die Blütenstängel mit zwei- bis dreifach fein gefiederten Laubblättern.

 

  • Systematik: Familie: Apiaceae (Doldengewächse), Art: Carum carvi
  • Herkunft: heimisch, Mitteleuropa
  • Klimaansprüche: gemäßigt
  • Anbausystem: zweijähriger Anbau, Selbstunverträglichkeit: Anbaupause von drei Jahren
  • Aussaat: Vorkultur von Jungpflanzen oder Aussaat von Februar bis Juni; 70 Pflanzen/m2
  • Düngung: Nährstoffentzüge bei 10 Tonnen/Hektar (Früchte, Kraut): Stickstoff: 85 kg/ Hektar, Phosphat: 39 kg/ Hektar, Kalium: 94 kg/ Hektar
  • Pflanzenschutz: Pilze: Sclerotinia, Fusariosen, Schädlinge: Kümmelmotte, Gallmilbe, Läuse; Sonstige: Mäuse, Hasen, Rehe
  • Ernte: maschinell Ende Juni bis Mitte Juli
  • Qualitätsmerkmale: ätherisches und fettes Öl
  • Ertrag: ein bis zwei Tonnen/Hektar
  • Besonderheiten: gute Kalkversorgung notwendig, gute Vorfruchtwirkung für Getreide
  • Wirkspektrum: blähungsreduzierend, verdauungsfördernd, krampflösend.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Kulturlandschaft

Durch menschliche Einwirkungen strukturell veränderte Naturlandschaft.

Letztere befindet sich im ökologischen Gleichgewicht, während es in der K. bei falscher Nutzung gestört ist. In der Industrielandschaft (= Funktions- oder Produktionslandschaft) als dritter Stufe treten starke Störungen des ökologischen Gleichgewichts auf.

Autor: KATALYSE Institut

Krapp

Krapp ist ein ausdauerndes Rötegewächs, dessen vierkantiger Stengel bis zu 2 Meter lang wird und mit kleinen Widerhaken ausgestattet ist. Die langzettlichen Blätter sind zu viert bzw. zu sechst im Quirl angeordnet. Ausbildung von tiefsitzenden langen Rhizomen; außen rot und innen gelb gefärbt.

 

  • Systematik: Familie: Rubiaceae, Art: Rubia tinctorum L.
  • Herkunft: Südeuropa, Kleinasien
  • Klimaansprüche: feuchtes und warmes Klima; Pflanze ist frosthart
  • Anbausystem: nach Hackfrüchten und vor Sommergetreide, ausdauernde Kultur
  • Aussaat: Aussaat März bis April; gleichmäßigere Bestände durch Auspflanzung von vorgezogenen Pflanzen oder Wurzelstockteilen im Herbst oder Frühjahr
  • Düngung: hoher Nährstoffbedarf: Stickstoff 120 bis 160 kg/Hektar, Phosphat: 100 kg/Hektar, Kalium: 240 kg/Hektar
  • Pflanzenschutz: langsame Jugendentwicklung, daher ist im ersten Jahr eine Unkrautbekämpfung erforderlich
  • Ernte: Ernte der Wurzeln mit einem Siebkettenroder; Waschen, Schneiden und Trocken
  • Ertrag: 1,5 Tonnen trockene Wurzeln/Hektar, Farbstoffgehalt maximal zwei Prozent der Trockenmasse
  • Besonderheiten: Gewinnung eines intensiv roten Farbstoffes. Der Farbstoff wird aus der Wurzel der Färberröte (Rubia tinctoria) gewonnen. Der Hauptfarbstoff Alizarin kann mit Hilfe von Beizen auf Fasern, z.B. Wolle aufgebracht werden. Nachdem die synthetische Herstellung von Alizarin aus Erdöl möglich wurde, brach der Anbau in Frankreich und in der Magdeburger Börde völlig zusammen. Heute wird der Krappfarbstoff in der Herstellung von Naturfarbenherstellern in Beschichtungsmaterialien und für die Textilfärbung verwendet.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut