Schmelzfeuerung

Die S. ist eine Feuerungstechnik, die in Stein-Kohlekraftwerken zur Verbrennung von Kohle mit hohem Aschegehalt benutzt wird.

Bei Temperaturen von 1.500-1.600 Grad C schmilzt die Asche, kann flüssig abgezogen und granuliert werden. Entstehende Flugasche wird aus dem Abgas gefiltert und wieder dem Brennraum zugeführt. Vorteile der S. sind: gute Brennstoffausnutzung, einfache Lagerung des Aschegranulats.

Hauptnachteil der S. sind die hohen Stickoxidemissionen. Während die Großfeuerungsanlagenverordnung 1983 noch Ausnahmeregelungen für S. erließ und 1.800 mg/m3 Stickoxide in der Abluft erlaubte, dürfen heute auch Anlagen mit S. nur noch 200 mg/m3 emittieren.

Durch Nachrüstung mit Stufenbrennern und Abgasrezirkulation können die Stickoxidemissionen ohne großen Kostenaufwand auf 1.000 mg/m3 reduziert werden (Stickoxidminderung). Um jedoch den Grenzwert von 200 mg/m3 einzuhalten, sind aufwendige Rauchgasentstickungsanlagen mit Katalysator-Technik erforderlich.

Alternativen zur S., mit der knapp die Hälfte wetsdeutscher Steinkohlekraftwerke betrieben werden, sind der Einsatz der Wirbelschichtfeuerung bei stark aschehaltiger und der Trockenfeuerung bei hochwertiger Kohle.

Siehe auch: Kohlekraftwerk ,Verbrennung, Kohle

 

Autor: KATALYSE Institut

Sauerstoffbleiche

Chemischer Prozess der Entfärbung von Materialien wie Zellstoff und Textilien mittels aktiver Sauerstoffverbindungen als Bleichmittel, deren gemeinsames Merkmal eine direkte Sauerstoff-Sauerstoff-Verbindung ist (Perox oder Peroxyverbindungen), die stark oxidierend wirken und so Farbstoffe zerstören.

Diese hohe chemische Reaktivität macht man sich auch bei der Abtötung von Mikroorganismen aller Art zunutze. Per(oxy)verbindungen sind daher zugleich hochwirksame Desinfektionsmittel.
Die wichtigsten Vertreter sind:

  • Wasserstoffperoxid (H2O2), das u.a. zum Bleichen aller Arten von Naturfasern einschl. des menschlichen Haares verwandt wird.
  • Peressigsäure bleicht sehr wirksam auch bei niedrigen Temperaturen und wird intermediär im Waschprozeß aus perborat- oder percarbonathaltigen Flotten in Gegenwart eines Bleichaktivators (z.B. Tetraacetylethylendiamin [TAED]) gebildet. Peressigsäure ist ein sehr effektives Desinfektionsmittel, selbst in Konzentrationen von unter einem Promille, und wird als Alternative zur
    Chlorbleiche zur Desinfektion von Krankenhauswäsche eingesetzt. Nachteilig ist die Geruchsbelästigung und die Korrosivität. Peressigsäure ist stark hautreizend. Außerdem sind die Lösungen nicht stabil. Sie wird am besten „in situ“ aus H2O2 und Essigsäure hergestellt.
  • Kaliumpersulfat ist eine anorganische Peroxoverbindung (exakt: Kaliumperoxodisulfat), welche auch bei niedrigen Temperaturen wirkt und daher gerne in bleichenden Scheuermitteln (Pulvern) oder zur Desinfektion eingesetzt wird.
  • Natriumpercarbonat ist strenggenommen eine Anlagerung von H2O2 an gewöhnliche Soda und wird zunehmend als Bleichmittel für Textilien eingesetzt. Wegen der vergleichsweise lockeren Bindung des Wasserstoffperoxids verträgt es sich nicht mit bestimmten Waschmittelinhaltsstoffen und kann daher nicht in Vollwaschmitteln (Waschmittel) eingesetzt werden. Es ist aber das vorherrschende Bleichmittel in Fleckensalzen und Bleichkomponenten von Baukastenwaschmitteln.
  • Natriumperborat ist im Gegensatz zu Perkarbonat ein echtes Peroxoborat und keine bloße Anlagerung von H2O2. Es ist daher deutlich stabiler und entfaltet seine optimale Bleichwirkung erst bei ca. 80°C. Für die heute vorherrschenden Niedertemperaturwaschverfahren muss dieses Bleichmittel mit einem Bleichmittelaktivator umgesetzt werden. Dazu wird in Europa fast ausschließlich TAED verwandt, eine Verbindung, die leicht biologisch abbaubar ist. Gleiches gilt für ihr Folgeprodukt im Prozess der Bleichaktivierung, das DAED. TAED wirkt kaum giftig gegen Fische (LC50 > 1.600 mg/Liter) und ist damit einer der unproblematischsten Bestandteile in Waschmitteln.

Das gilt ganz und gar nicht für die dritte Komponente eines Sauerstoffbleichsystems, die Bleichstabilisatoren. Peroxoverbindungen sind mehr oder weniger instabil, insb. Spuren von Schwermetallen können den Zerfall dramatisch beschleunigen. Aus diesem Grund werden zur Stabilisierung der S. häufig Komplexbildner beigefügt, welche die störenden Schwermetalle binden sollen. Lange Zeit wurde dazu auch in Waschmitteln das umstrittene EDTA benutzt. Wegen ökologischer Bedenken ist inzwischen EDTA in deutschen Waschmitteln durch Phosphonate ersetzt worden, die aber ebenfalls nicht unproblematisch sind. Bleichstabilisatoren wären Magnesiumsilikat und bestimmte natürliche Eiweißstoffe.

Zusammenfassend lässt sich sagen, die S. ist ein hochwirksames und im Vergleich zur konkurrierenden
Chlorbleiche deutlich umweltverträglicheres Bleichsystem, von den (vermeidbaren) Stabilisatoren EDTA und Phosphonat einmal abgesehen. H2O2 zerfällt zu schlichtem Wasser, Peressigsäure zur unproblematischen Essigsäure und die Persalze zu Salzen, die nur eine geringe Abwasserbelastung darstellen. Einziger Streitfall ist das Perborat. Hierzu gibt es widersprüchliche Aussagen bezüglich der aquatischen Toxizität. Unbestritten ist, dass Borate, die nach dem Bleichprozess aus den Perboraten entstehen, von Kläranlagen überhaupt nicht zurückgehalten werden können, also vollständig im Vorfluter erscheinen. Dort behält das Borat seine hohe Mobilität. Die Borat-Gehalte werden geradezu als Indikator für das Ausmaß der Gewässerbelastung durch den Menschen angesehen.

Mit der Alternative Percarbonat liegt man in jedem Fall auf der sicheren Seite. Dabei ist sowohl in den deutschen Umweltzeichen-Kriterien für Baukastenwaschmittel als auch im österreichischen Entwurf das Perborat als nicht akzeptabler Inhaltsstoff ausgeschlossen. Siehe auch Zellstoffbleiche.

 

 

Autor: KATALYSE Institut

Polsterstoffe

Polsterstoffe sind Textilien die zur Herstellung von Möbeln und Einrichtungsgegenstände verwendet werden. Ökologische Polstermöbel sollten auf eine textile Ausrüstung weitgehend verzichten. Dadurch kommen heute nur wenige Materialien zur Herstellung von Polsterstoffen in Frage. Dies sind in erster Linie Naturfaserstoffe wie Baumwolle, Schurwolle oder Ramie (Chinagras), die zum Teil aber auch mit Imprägnierungen (z.B. Teflon, Scotchgard) zur Erhöhung der Pflegefreundlichkeit versehen werden. Verwendung finden auch Fasermischungen mit Viskose oder Nylon, da die Lebensdauer der Bezugsstoffe erheblich erhöht werden können.
Ökologische Vorteile lassen sich v.a. bei der Rohstoffeinsparung und Abfallvermeidung, bei der Produktion, guten Recyclebarkeit oder durch geeignete Rücknahmeangebote finden. Insgesamt zählt die Textilproduktion zu den aufwendigsten und somit unter ökologischen Gesichtspunkten beachtenswerten Industriebereichen. Die Hauptbelastung von Mensch und Umwelt stammt aus den zum Teil erheblichen Geruchsemissionen sowie den mit teilweise schwer abbaubaren Stoffen belasteten Abwässern. Da die Herstellung von Textilien aus ökonomischen Gründen überwiegend in Ländern der Dritten Welt stattfindet, treten gerade dort gravierende ökologische und soziale Probleme auf. Geringere Umweltstandards belasten die ohnehin gefährdeten Ökosysteme. Meist sind mangelnde Arbeitsschutzmassnahmen sowie Kinderarbeit bei der Herstellung die Regel.
Für den Verbraucher ist häufig nicht erkennbar welche Chemikalien zur Behandlung der Textilien verwendet oder bereits über die Rohstoffe eingeschleppt werden. Der Einsatz von Pestiziden bei der Rohstoffgewinnung natürlicher Fasern oder bei deren Transport, wird häufig erst bei Stichprobenkontrollen der Fertigtextilien festgestellt.
Der Einsatz von Azofarbstoffen, die krebserregende Spaltprodukte bilden können, sind nach dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) für Polsterstoffe erlaubt, da sie „nur vorübergehend mit der Haut in Kontakt kommen“. Der Einsatz von Formaldehyd zur knitterfreien Ausrüstung und zur Verfestigung von Zellulose findet teilweise immer noch Anwendung.
Als Ersatzstoff für Formaldehyd kommt inzwischen auch das chemisch und strukturell ähnliche Glyoxal zum Einsatz. Für Glyoxal ist nach der Gefahrstoffverordnung der Gefahrenhinweis „reizt die Augen und die Haut“ vorgeschrieben. In der Literatur finden sich auch Hinweise auf ein mutagenes sowie allergieauslösendes Potential. Bisher sind jedoch noch keine Fälle von textilbedingten allergischen Reaktionen durch Glyoxal bekannt geworden, eine Unbedenklichkeit kann jedoch auf Grund des erst relativ kurzen Einsatzes als Ersatzstoff nicht vorausgesetzt werden.
Auch der Einsatz von Flammschutzmitteln ist problematisch, da sie zum Teil giftige Substanzen wie Antimon oder halogenierte Kohlenwasserstoffe enthalten. In Deutschland beschränkt sich die Verwendung von Flammschutzmitteln bisher auf Möbelstoffe, die zur Nutzung in öffentlichen Gebäuden eingesetzt werden.
Über importierte Möbel finden gesundheitsgefährdende Flammschutzmittel in private Wohnräume: in vielen Untersuchungen wurden beispielsweise Phosphorsäureester (u.a. das im Tierversuch krebserregende TCEP (Tris-(2-chlorethyl)-phosphat) nachgewiesen. Viele europäische Hersteller haben sich dem European Upholstered Furniture Action Council (EUFAC) angeschlossen, diese Hersteller setzen die Entflammbarkeit von Polsterstoffen durch die Verwendung bestimmter Materialien wie z.B. Wolle oder dicht gewebte Baumwolle herab.

Autor: KATALYSE Institut

Photovoltaik-Anlage

P.(PV-Anlagen) der Name kommt von dem photovoltaischem Effekt- erzeugen Strom mit Hilfe von Solarzellen aus Sonnenenergie (Globalstrahlung). Sie können vom kleinen Gartenhaus bis hin zu Solarkraftwerken eingesetzt werden.

Der Preis einer Komplettanlage für Netzeinspeisung liegt bei etwa bei 5,60 - 7,70 Euro/Wpeak, was einem Strompreis von 0,40 Euro/kWh-0,55 Euro/kWh entspricht (Standort Deutschland, gerechnet mit 20 Jahren Lebensdauer).
Seit dem 1. Januar 2004 sind die neuen Bedingungen für die Vergütung von Sonnenstrom in Kraft getreten. ("Photovoltaik-Vorschaltgesetz"). Erzeuger von Solarstrom erhalten zukünftig 45,7 Cent pro Kilowattstunde als Grundvergütung. Dies gilt auch für große Freiflächen-Anlagen, soweit sie sich im Bereich eines Bebauungsplans befinden. Für Solaranlagen auf Gebäuden erhöht sich die Vergütung: um 11,7 Cent pro Kilowattstunde bis 30 Kilowatt Leistung, fuer den darueber hinaus gehenden Anteil bis 100 kW um 8,9 Cent pro Kilowattstunde und fuer den 100 KW uebersteigenden Anteil um 8,3 Cent pro Kilowattstunde. Zusätzlich gibt es einen Bonus von 5 Cent pro Kilowattstunde bei fassadenintegrierten Anlagen.
Darüber hinaus bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nach dem Auslaufen des erfolgreichen 100.000 Dächer-Solarstrom-Programms im Rahmen des KfW-CO2-Minderungsprogramms für Privathaushalte und des KfW-Umweltprogramms für gewerbliche Unternehmen weiterhin attraktive Darlehen zur Finanzierung von Photovoltaik-Anlagen an.
Der weitere Ausbau der Photovoltaik wird außerdem durch die Förderung der Erforschung von neuen Technologien für die Photovoltaik unterstützt. Allein im Jahr 2003 hat das Bundesumweltministerium hierfür 27 Millionen Euro eingesetzt. Diese Förderung soll in den kommenden Jahren nach den Vorstellungen des Bundesumweltministeriums auf hohem Niveau weitergeführt werden.
Eine PV-Anlage benötigt heute ca. 10 Jahre, bis sie eine Energiemenge produziert hat, die der des energetischen Aufwandes zur Herstellung, Betrieb und Entsorgung entspricht. Bei einer Lebensdauer der Anlage von voraussichtlich 20-25 Jahren ergeben sich somit positive Energiebilanzen.
P. sind derzeit jedoch im Vergleich zur Solarthermie noch ziemlich teuer. Anlagen, mit denen etwa 1000 kWh Strom pro Jahr produziert werden können, kosten etwa 7.500 bis 10.000 Euro pro kW Leistung
Die deutliche Bevorzugung bei der Förderung von PV-Anlagen im Vergleich zu thermischen Anlagen könnte dazu führen, dass ein Hausbesitzer auf den Bau einer thermischen Anlage ganz verzichtet, um möglichst viel Dachfläche für eine PV-Anlage zu haben. Hier könnte sich also ein Konflikt auftun zwischen verschiedenen Formen der Sonnenenergienutzung.

Autor: KATALYSE Institut

Perlite- oder Vermiculitedämmputz

Die P. beinhalten die Bindemittel Wasserkalk (Kalk) und Zement, den Zuschlag Sand und die Leichtzuschläge Perlite oder Vermiculite.

Aufgrund der Leichtzuschläge ist P. ein Wärmedämmputz und wird als Außenputz von massiven einschaligen Wänden aufgebracht. Der P. ist heute noch nicht maschinell aufzutragen und muß daher herkömmlich manuell aufgebracht werden. Bei manchen P. sind Polystyrol-Beimischungen (Wärmedämmputz) vorhanden.

siehe ebenfalls: Putze, Bindemittel, Zement, Vermiculite

Autor: KATALYSE Institut

Perlite

Als Rohmaterial für P. dient vulkanisches, wasserhaltiges Gesteinsglas, z.B. des Rhydoliths und anderer Ergußgesteine mit feinkugeligem, tropfenartigem Innengefüge.

Setzt man es kurzfristig hohen Temperaturen (ca. 1.000 Grad C) aus, verwandelt sich das eingeschlossene Wasser in Dampf und das Material bläht sich um das 15 bis 20fache auf.
Das entstehende Material nennt man "Bläh-P.", ein weißes Granulat, in Korngrößen von 0 bis 6 mm Durchmesser. Es wird zur Wärmedämmung (z.B. Schüttung in kerngedämmtem Mauerwerk) und Trittschalldämmung bei Fußböden und zur Kamindämmschüttung eingesetzt, da es nicht brennbar und unverrottbar ist.
Um P. feuchteunempfindlich und druckfester zu machen, muß es einer besonderen Behandlung (z.B. mit Bitumen, Kunstharzen) unterzogen werden. Teilweise verursacht eine erhöhte Radioaktivität (Radioaktive Baustoffe) des Ursprungsgesteins eine Belastung. Zudem steht dem mäßigen Dämmwert ein relativ hoher Energieaufwand bei der Herstellung gegenüber.
Man sollte P. möglichst dort einsetzen, wo die Einwirkung von Feuchtigkeit nicht zu befürchten ist (Imprägnierung überflüssig) und als Ersatz für faserhaltige Materialien beim Brandschutz. P. ist wiederverwendbar und ohne Imprägniermittel problemlos zu deponieren.
Baustoffklasse (Brandschutz), Wärmeleitfähigkeit und Wärmespeicherzahl: k-Wert

Autor: KATALYSE Institut

Sauerstoff

Chemisches Element der VI. Hauptgruppe, Symbol O, Ordnungszahl 8, Siedepunkt –182,97 °C, Schmelzpunkt –218,79 °C, bei Normalbedingungen farb- und geruchloses Gas, tritt normalerweise als O2-Molekül auf, kann aber auch kurzzeitig atomar oder als O3-Molekül ( Ozon) auftreten. Es ist das häufigste Element auf der Erde (Erdrinde 46,5 Gew-%, Gewässer 89 Gew-%, Luft 23 Gew-%).

S. löst sich in Wasser (je nach Druck und Temperatur bis zu 8,5 mg/l). Bei vielen biomechanischen Reaktionen spielt S. eine Rolle.
Durch Photosynthese wird S. von grünen Pflanzen gebildet und von Mensch und Tier durch Atmung und Stoffwechsel verbraucht.

Die natürliche S.-erzeugung wird zwischen ca. 9*1010 t/a und 50*1010 t/a angegeben. Die S.-bilanz von Wäldern ist ausgeglichen.
S.-überschuss aus pflanzlicher Produktion besteht nur ín dem Maße, in dem Biomasse z.B. als Baumaterial, Möbel oder Kohle- bzw. Erdöllagerstätte konserviert wird. S. wird also nicht durch Erhalt von Wäldern "produziert", sondern bestenfalls durch Aufforstung vorübergehend in höherem Maße gebunden.

Dies geschieht aktuell auf der nördlichen Halbkugel verursacht durch einen leichten Anstieg des CO2 Gehaltes der Luft. Dieser fördert den Pflanzenwuchs. Es handelt sich also um ein Fliessgleichgewicht - je mehr CO2 durch die Verbrennung freigesetzt wird - (wodurch der
S.-gehalt der Luft beeinflusst wird) desto besser wachsen Pflanzen, was wiederum zur Minderung des CO2 Anteils und Erhöhung des S.-Anteils führt, solange die Pflanze nicht "verbrennt" (verrotted).

Bei einem S.-gehalt der Atemluft unter 3% tritt beim Menschen Tod durch Ersticken ein, weniger als 7% bewirken Bewusstlosigkeit. Zu hohe S.-konzentrationen in der Atemluft können ebenfalls zu Schädigungen führen. Fast alle Elemente (ausser die meisten Edelgase) reagieren mit S. zum Teil sehr heftig. Wegen seiner grossen Reaktionsfreudigkeit kann er Schadstoffe abbauen oder als Bleichmittel eingesetzt werden (S.-bleiche). Hauptanwendungen sind: Atemgas in der Medizin, Luft- und Raumfahrt sowie für Taucher, Schweissgas, grosstechnische Prozesse Aufbereitung von Trink- und Abwasser.

(Stand 08.2022)

 

Autor: KATALYSE Institut

PCB

P. (Polychlorierte Biphenyle) gehören zur Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe und sind nur schwer abbaubar. Trotz des langjährigen Verbots von P. sind sie ubiquitär in allen Umweltmedien nachzuweisen.

Die P. leiten sich vom Biphenyl ab, indem Wasserstoffatome durch Chlor ersetzt werden. Auf diese Weise sind insgesamt 209 verschiedene Chlorbiphenyle möglich. P. zählen zu den stabilsten organischen Verbindungen, wobei die Stabilität mit wachsender Anzahl von Chloratomen zunimmt. P. mit mehr als 4 Chloratomen sind nicht brennbar und oxidieren nicht.
Seit 1929 wurden die P. in der Elektroindustrie in Kondensatoren und Hochspannungs-Transformatoren wegen ihrer guten Isoliereigenschaften eingesetzt. P. wurden auch für Farben und Lacke verwendet, um sie feuersicher und beständiger zu machen, sowie als Weichmacher für Kunststoffe.
Bis heute wurden weltweit mehr als 1,5 Mio t P. produziert. Mitte der 60er Jahre wurden die Toxizität und ökologische Problematik der P. entdeckt. Heute findet man P. in Fischen, Vögeln und vielen Lebensmitteln, v.a. in Muttermilch und fetthaltigen Nahrungsmitteln. P. reichern sich über die Nahrungskette an und können bei langfristiger Aufnahme zu Leber-, Milz- und Nierenschäden führen.
1968 floss in einer japanischen Lebensmittelfabrik aus einer Kühlanlage flüssiges P. in einen Reisöltank. Das vergiftete Reisöl gelangte in den Handel und wurde als Tierfutter und Lebensmittel verkauft. Zunächst starben 100.000 Hühner, kurz darauf zeigten sich bei etwa 2.000 Menschen erste Vergiftungssymptome in Form von Hautveränderungen, Chlorakne und einer Dunkelfärbung der Pigmente (Yusho-Krankheit). Später kam es zu schweren Organschäden und zu Krebs. 90 Prozent der betroffenen Babys kamen als sogenannte schwarze Babys zur Welt.

P. sind bereits seit mehr als 20 Jahren ein Problem in Innenräumen öffentlicher Gebäude wie Schulen und Verwaltungen. Die Sanierung ist meist sehr kostspielig. Bei den PCB-Quellen in Gebäuden wird zwischen Primärquellen (wie Fugendichtungsmasen, Kabelummantelungen, Imprägniermittel usw.) und Sekundärquellen (PCB-freie Materialien, die durch aus Primärquellen stammende PCBs kontaminiert werden) unterschieden. So müssen Dichtungsmassen mit bis zu 50 Prozent P. durch Einfrieren und Abklopfen entfernt und Brandschutzanstriche mit dem Untergrund beseitigt werden. Kondensatoren, die P. enthalten, müssen in einer geschlossenen Aktion ausgebaut und als Sondermüll entsorgt werden.
Ein besonderes Problem stellen die Sekundärquellen dar, die trotz Entfernung aller Primärquellen die Innenräume stark belasten können. Neben Innenausbaumaterialien muss geprüft werden, ob der Putz und die oberste Betonschicht ebenfalls entfernt werden müssen. Vom ehemaligen Bundesgesundheitsamt wurden sofortige Maßnahmen festgelegt, wenn die Innenraumluftkonzentration 3.000 ng/m3 überschreitet, und ein Sanierungsziel von 300 ng/m3 formuliert. Unter dem Aspekt des vorbeugenden Gesundheitsschutzes von Risikogruppen (z.B. die Kinder in Schulen und Kindergärten) sind diesbezüglich 30 ng/m3 Raumluft anzustreben, um das Potential irreversibler Schädigungen möglichst klein zu halten.
P. sind insbesondere in fetthaltigen, tierischen Lebensmitteln, in der Muttermilch und im menschlichen Fettgewebe in teilweise bedenklichen Mengen enthalten. Die Durchschnittsaufnahme eines Erwachsenen wird heute mit 2 µg PCB/Tag angegeben. Säuglinge nehmen dagegen mehr als die zehnfache Menge auf: 25 µg PCB/Tag. V.a. bei Diäten und Unterkühlung kann es infolge Remobilisierung aus dem Fettgewebe zu kurzfristigen und erheblichen Erhöhungen der P.-Konzentrationen im Blut und folglich zu entsprechenden Leberschäden kommen. P. stehen in der MAK-Werte-Liste unter begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potential; v.a. die coplanaren Kongenere; z.T. ist die Toxizität der P. auch auf Verunreinigungen mit Dioxinen und Furanen zurückzuführen. Eine besondere Gefahr stellt bei Müllverbrennung die Entstehung von Dioxinen aus P. dar. Darüber hinaus wurden Missbildungen an Versuchstieren in Einzelfällen beobachtet.
Seit 1973 dürfen P. in Deutschland nicht mehr in offenen Systemen und seit 1989 nicht mehr in geschlossenen Systemen (z.B. Transformatoren) verwendet werden. Seit 1983 werden in Deutschland keine PCBs mehr hergestellt. Seit 1989 ist in Deutschland ebenfalls das Inverkehrbringen von PCB-haltigen Produkten verboten, es gilt ein Grenzwert von unter 50 mg/kg. Erst im Jahr 2000 wurden PCB-haltige Kondensatoren verboten.

MAK-Werte am Arbeitsplatz

  • 0,1 ml/m3 bzw. 1 mg/m3 bei einem Chlorgehalt von 42 %
  • 0,05 ml/m3 bzw. 0,5 mg/m3 bei einem Chlorgehalt von 54 %.

Autor: KATALYSE Institut

Ölfarben

Mal- und Anstrichfarben, die als Bindemittel trocknende Öle mit oder ohne Harzzusätzen enthalten.

Die darin verwendeten Farbmittel sind Pigmente wie die natürlichen Erdfarben oder künstliche Mineralfarben. Als Bindemittel werden Leinöl, Leinölstandöl, Mohnöl und Rizinusöl verwendet. Lösemittel machen die Ö. streichfähig. Reine Ö. können mit Alkalinen gelöst werden. Heute werden überwiegend modifizierte Ö. eingesetzt oder wasserverdünnbare Acryllackdispersionsfarben.

Autor: KATALYSE Institut

Ofenheizung

In Einzelöfen verbrennt man zur Wärmeerzeugung Kohle, Heizöl, Erdgas und Holz, ohne - wie bei der Zentralheizung - einen Wasserkreislauf zu erhitzen.

In den alten Bundesländern werden 10-20% der Wohnungen mit O. beheizt, in den neuen Bundesländern über 60% (Heizung). Im Neubaubereich spielen Einzelöfen heute keine Rolle mehr. Gewöhnliche Einzelöfen haben durch hohe Abgasverluste einen Wirkungsgrad von nur 50 bis 60% und damit einen entsprechend höheren Energieverbrauch als Zentralheizungen (Heizung, Brennwertkessel).

Im Vergleich zu Öl- und Gaszentralheizungen erzeugen Kohleeinzelöfen erheblich mehr Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Staub. Zur Verringerung des Schwefeldioxidausstoßes wird bei der Herstellung von Braunkohlebriketts schwefelarme Braunkohle verwendet.
Emissionen der O.: Heizung, Fernwärme

Autor: KATALYSE Institut

Nitroverdünner

N. sind Lösemittelgemische, die Toluol, Xylol oder Ketone enthalten, daneben oft in geringeren Mengen Methanol und andere Alkohole.

N. eignen sich als Lösungs- und Verdünnungsmittel für Nitrocelluloselacke, Chlorkautschuk- und Kunststofflacke (Lacke und Anstrichfarben). Wie bei allen organischen Lösemitteln ist auch bei diesen chlorfreien Lösemittelgemischen Vorsicht geboten. Toluol schädigt das Nervensystem, Leber und Nieren, Methanol führt zu Sehstörungen bis zum Erblinden, und Xylol schädigt in starkem Maße die im Wasser lebenden Organismen. Deshalb sollte man Verdünner und Pinselreiniger nie in den Ausguß schütten, sondern eintrocknen lassen. Eingetrocknete Pinsel sollte man besser wegwerfen, als Lösemittel wie N. zu verwenden. Bei der Verwendung von Dispersionsfarben können die Pinsel mit Wasser ausgewaschen werden.

Lit.: KATALYSE u.a. (Hrsg.): Chemie im Haushalt, Reinbek 1984

Autor: KATALYSE Institut

Nitrolacke

Schnelltrocknende Beschichtungsmittel, die auf Basis modifizierter Nitrozellulose hergestellt sind.

Aufgrund des hohen Lösemittelgehaltes bis zu 70% sollten die Produkte auch von Profis nicht mehr eingesetzt werden.

Autor: KATALYSE Institut

Niedrigenergiehaus

N. sind Häuser, die deutlich weniger Heizenergie verbrauchen als heutige Standardbauten. Gegenüber Gebäuden, die nach der gültigen Wärmeschutzverordnung gebaut sind, liegt der Heizwärmebedarf (Heizung) bei N. um etwa 30 - 50 % niedriger.

 

Typische Verbrauchswerte von N. sind 50 - 70 kWh pro m2 und Jahr. Dies entspricht etwa 3 - 7 l Heizöl bzw. 3 - 7 cm3 Erdgas pro m2 und Jahr.

Wichtigstes Merkmal eines N. ist die sehr gute Wärmedämmung (k-Wert) der Außenbauteile - Außenwände, Fenster, Dächer, Kellerwände und -decken. Wichtig ist die gewissenhafte Ausführung des Wärmeschutzes: Vermeidung von Wärmebrücken und eine möglichst wind- und luftdichte Gebäudehülle.

Weitere Merkmale eines N.: Optimierung des Verhältnisses von Außenfläche zu Nutzvolumen, optimierte Heizungsanlage (z.B. Brennwertkessel), kontrollierte Wohnungslüftung (vom Stoßlüften bis zur integrierten Wärmerückgewinnung), energiesparende Warmwasserbereitung (am besten solar mittels Sonnenkollektoren), passive Solarenergienutzung (Solararchitektur, solare Bauleitplanung) und Vermeidung unnötigen Stromverbrauchs.

Zur Realisierung von N. sind keine speziellen oder gar exotischen Architekturformen erforderlich. N. entsprechen dem Stand der Technik und sind bereits zehntausendfach praktisch erprobt. Die Mehrkosten gegenüber konventioneller Bauweise sind beim Neubau mit 100 - 200 DM je m2 Wohnfläche bzw. 4 - 6 % der Gesamtinvestitionen und gemessen am Energieeinsparpotenzial gering. Abgesehen vom Nutzen für die Umwelt, führt der niedrige Energiebedarf eines N. zu entsprechenden Einsparungen bei den Heizkosten und bedeutet auch ein höheres Maß an Sicherheit im Hinblick auf steigende Energiepreise.

Ob ein N. die erwarteten Energieeinsparungen bringt, hängt insbesondere vom Nutzerverhalten ab; z.B. können Dauerlüften (Lüften, Stoßlüften) oder beheizte Wintergärten jede noch so gute Wärmedämmung unterlaufen.

Die Wärmeschutzverordnungen Schwedens und der Schweiz legen beim Neubau bereits N.-Bauweisen zugrunde, deren Standards dem Stand der Technik entsprechen. In Deutschland ist die Novellierung der Wärmeschutzverordnung, die zukünftig in der bereits als Referentenentwurf vorliegenden neuen Energieeinsparverordnung (EnEV2000) aufgehen, in Bearbeitung. Es ist allerdings zu befürchten, dass N. auch hierin noch nicht in allen Belangen als Standard festgeschrieben werden.

Vor allem vor dem Hintergrund der deutschen Einsparziele klimawirksamer Gasen, allen voran CO2, stellt die flächendeckende Umsetzung eines dem Stand der Technik angemessenen Wärmeschutzes ein erhebliches Einsparpotenzial dar. Eine konsequente Weiterentwicklung der Niedrigenergiebauweise stellen die modernen Konzepte zur Herstellung von Passivhäusern dar (siehe Passivhaus-Konzepte).

Siehe auch unter:
-> Heizwärmebedarf
-> Wärmedämmung
-> Solarenergie
-> Baustoffe

Lit.: Baupraxis Niedrigenergie-Häuser in NRW, Niedrig-Energie-Institut, Detmold, 1998

Autor: KATALYSE Institut

Niedertemperatur-Heizsysteme

Im Gegensatz zu herkömmlichen Heizsystemen werden N. mit Vorlauftemperaturen unter 55 Grad C betrieben.

Durch die niedrigeren Temperaturen treten v.a. bei der Verteilung der Wärme geringere Wärmeverluste auf. Um trotz der niedrigeren Vorlauftemperaturen die Wohnungen ausreichend erwärmen zu können, müssen großflächigere Heizkörper (Plattenheizkörper, Fußboden-, Wand- oder Fußleistenheizung) verwendet werden.

Großflächige Heizkörper tragen zu einem angenehmen Raumklima bei, da sie den Raum mehr als konventionelle Heizkörper über Infrarotstrahlung und nicht so sehr über Konvektion (warme Luft) erwärmen. Dabei wird bereits eine geringere Lufttemperatur als behaglich empfunden, was zu zusätzlichen Energieeinsparungen führt.
Moderne Heizkessel, wie z.B. der Brennwertkessel, haben bei N. den höchsten Wirkungsgrad.

Autor: KATALYSE Institut

Netzfreischalter

(auch: Feldfreischaltautomat) Unter einem N. wird eine elektrische Schaltvorrichtung verstanden, die für alle nachgeschalteten Stromleitungen die Netzspannung (230 V) automatisch abschaltet, sobald kein Verbraucher mehr eingeschaltet ist.

 

Autor: KATALYSE Institut

Neonröhre

In N. werden Neon-Atome (Atom) durch Anregung der Elektronen direkt zur Abgabe von Licht stimuliert.

N. emittieren rotes Licht, die verwandten Argonröhren blaues Licht.
N. spielen nur noch in der Leuchtreklame eine Rolle. In der Alltagsanwendung kommen i.d.R. Leuchtstoffröhren zum Einsatz, die historisch bedingt oft fälschlicherweise N. genannt werden.

siehe auch: Licht, Atome, Elektronen, Licht

Autor: KATALYSE Institut

Natürliche Steine

N. charakterisieren sich durch hohes Raumgewicht (Bims), hohe Dichte, gutes Wärmespeichervermögen, schlechtes Wärmedämmverhalten und mit der Ausnahme von vulkanischen Gesteinen durch schlechtes Feuchteverhalten.

Eine erhöhte natürliche radioaktive Belastung kann bei Hartgesteinen (Granit, Gneis, Quarzite, Trachyte u.a.) und Gesteinen vulkanischen Ursprungs (Tuff) auftreten. Bei Kalksteinen, Sandsteinen und Marmor existiert diese Gefahr nicht. Natursteine werden zu Bruchsteinmauerwerk verarbeitet und als Baumaterial für Fassadenverkleidungen, Fußbodenbeläge, Fensterbänke und Treppenstufen eingesetzt.

Autor: KATALYSE Institut

Sarin

Sarin ist ein Nervengift und wird als chemischer Kampfstoff verwendet. Das Nervengift wurde vom deutschen Forscher Gerhard Schrader bei der Suche nach Insektiziden im Jahre 1938 entdeckt.

Der Name leitet sich von den Nachnamen der an der Forschung beteiligten Mitarbeiter ab: Schrader, Ambros, Ritter & Linde.

Sarin kam unteranderem zum Einsatz in Chile unter dem Diktator Augusto Pinochet gegen Oppositionelle1, im ersten Golfkrieg2 und bei einem Anschlag in Matsumoto und in der U-Bahn in Tokio3. Zudem liegen Beweise gegen das syrische Regime vor, am 21. August 2013 Sarin gegen die eigene Bevölkerung verwendet zu haben. Dabei sollen mehr als 1.400 Menschen ums Leben gekommen sein.

Am 29. April 1997 trat die Chemiewaffenkonvention in Kraft und damit das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen. Zu Beginn traten 87 Staaten der Konvention bei. In den Jahren 1997-2013 schlossen sich 103 weitere Staaten an. Am 14.10.2013 trat auch Syrien der Konvention bei.4

In den Jahren 2002/3 bzw. 2005/6 wurden insgesamt 93.040 kg Fluorwasserstoff, 6.400 kg Natriumfluorid und 12.000 kg Ammoniumhydrogendifluorid von Deutschland nach Syrien exportiert. Hierbei handelt es sich um sog. „Dual-Use“ Chemikalien. Das heißt, dass sie einerseits zur Produktion ziviler Güter genutzt werden können (z.b. Zahnpasta), andererseits zur Produktion von Chemiewaffen wie Sarin.5

Sarin ist in bereits sehr kleinen Mengen tödlich. Angriffsfläche ist der gesamte Körper, die Aufnahme erfolgt vor allem über Schleimhäute und Atmungsorgane, da Sarin besonders flüchtig ist. Es greift in die neurale Signalübertragung am synaptischen Spalt ein, indem es die Acetylcholinesterase blockiert, und so den Abbau von Acetylcholin blockiert. Dadurch kann ein einmal gesendetes Signal nicht mehr gestoppt werden, und es kommt zu einer Dauererregung aller betroffenen Nervensysteme. Es kann unteranderem zu folgenden Symptomen kommen: Durchgehende Verengung der Pupillen (Miose), Speichelfluss, Krämpfe, Erbrechen, Bewusstlosigkeit bis hin zur Atemlähmung und Tod.

Siehe auch: Nervenkampfstoffe

Quellen:
1= 37 Jahre nach dem Putsch in Chile Militärs verurteilt
2= Giftgasangriff auf Halabdscha 1988
3= nerve-gas attack on tokyo subway
4= www.opcw.org
5= Deutschland hat chemiewaffentaugliche Stoffe nach Syrien geliefert

Stand: 4.11.2013

Autor: KATALYSE Institut

Sanfte Chemie

Die Sanfte Chemie entwickelte sich aus der kritischen Betrachtung der existierenden Chemie in ihrer Theorie, Forschung, Produktentwicklung und technologischen Praxis im Hinblick auf deren pädagogische, philosophische, ästhetische, toxikologische, ökologische, ökonomische und soziale Grundlagen und lokale wie globale Auswirkungen.

n den 1990er Jahren kam die Idee der Sanften Chemie – auch bekannt unter Nachhaltiger oder Grüner Chemie –auf.

Zur Sanften Chemie wurde u.a. von Herrmann Fischer folgende neun Kernthesen formuliert:

These 1: Analyse der gesamten Produktbiografie
Die in der Chemie verwendeten Verfahrenstechniken, Umwandlungsprozesse, Energie- und Stoffströme (prozessualer Aspekt) mindestens gleichrangig bewertet wie die eingesetzten und resultierenden Substanzen (stofflicher Aspekt). Sanfte Chemie entsteht damit nicht allein aus einer angestrebten Alternative zu den real existierenden Chemikalien und Produkten mit deren toxikologischen und ökotoxikologischen Zahlenwerten (MAK, ADI, LD50, LC50, WGK etc.), sondern noch mehr aus einer ganzheitlichen Sichtweise der gesamten Biografie, den Prozessketten und Produktlinien der betreffenden Produkte. Dieser prozessuale Aspekt setzt bei den primären Rohstoffen an, betrachtet alle Zwischenschritte der Produktion, das Produkt selbst - und zwar vor, während und nach dem Gebrauch - sowie die Schritte bis zur Entstehung der letzten Zersetzungsprodukte und deren Verbleib in der Umwelt.

These 2: Stoffbildungsprozesse der Natur als Vorbild
Sanfte Chemie ist die Chemie auf der Grundlage der Stoffbildungsprozesse der Natur. Sie nutzt die Syntheseprinzipien, die sich im Verlauf der Evolution als langfristig bewährt entwickelt und durchgesetzt haben. Sie geht von der Überzeugung aus, dass die Herausbildung dieser Prinzipien - vor allem der Photosynthese - im evolutionären Wettbewerb die beste Garantie dafür darstellt, dass auf dieser Grundlage auch auf lange Sicht der stoffliche Bedarf der Menschheit und ihrer pflanzlichen und tierischen Mitwelt ohne Beeinträchtigungen von Umwelt und Gesundheit gedeckt werden kann.

These 3: Nutzung von Vielfalt und Komplexität
Sanfte Chemie geht von der Überzeugung aus, dass die enorme, noch nicht einmal voll übersehbare Vielfalt der aus Naturprozessen entstandenen Stoffe sowie die beeindruckende stoffliche Komplexität vieler dieser Naturstoffe bei intensiver Anwendungsforschung vielleicht nicht alle, aber doch alle wesentlichen stofflichen und auch viele energetische Grundbedürfnisse des menschlichen Lebens ohne einschneidende Einschränkungen an Lebensqualität zu befriedigen vermag. Eine solche Anwendungsforschung ist leider mit dem Aufkommen der organisch-chemischen Synthese Mitte des vergangenen Jahrhunderts weitgehend abgebrochen worden und sollte durch den neuen Impuls für eine Sanfte Chemie einen Neuanstoß erfahren.

These 4: Die Gewalt gegen die Stoffe wirkt auf uns zurück
Die Grundkonzeption einer Sanfte Chemie orientiert sich an der These, dass die gewaltsamen Einwirkungen, die bei den Produktionsstrategien der Harten Chemie den gewählten Ausgangsstoffen zwangsweise auferlegt werden, nicht ohne Wirkung in den Stoffen selbst bleiben. Je gewaltsamer diese Erzwingung bestimmter Reaktionsabläufe erfolgt, um so größer ist das Risiko, dass die so erzeugten Stoffe die ihnen auferlegte Gewalt weiter in sich tragen und - im Sinne einer reziproken Wirkungsbeziehung - auf die Lebenswelt über kurz oder lang gewaltsam zurückwirken. Viele negative Phänomene im Zusammenhang mit der zunehmenden Chemisierung unserer Welt können mit einer solchen Arbeitshypothese eher verstanden und neu bewertet werden. Damit wird deutlich, dass das Konzept der „Gewaltsamkeit“ und ihres Zurückwirkens im Sinn eines heuristischen Prinzips nicht als eine metaphysische, in den Stoffen nicht verifizierbare Qualität zu verstehen ist. Die damit verbundenen Überlegungen, die eine Zurückhaltung und Behutsamkeit im menschlichen Handeln nicht nur gegenüber der Mitmenschheit, der Tier- und Pflanzenwelt fordert, sondern auch gegenüber der unbelebten Welt der chemischen Stoffe, gehört dennoch zu den Ideen, die von den in heutiger naturwissenschaftlicher Denkweise geprägten Fachleuten am schwierigsten nachzuvollziehen sein werden. Und doch ist die Begründung der Sanften Chemie ohne eine neu zu gewinnende Ethik auch gegenüber dem Umgang mit der unbelebten Welt unvollständig.

These 5: Eingriff in Naturstrukturen vermeiden

Im Hinblick auf die eingespielte und erprobte Perfektion, mit welcher Aufbau komplexer Strukturen in der Natur vor sich geht, will sich die Praxis der Sanften Chemie nach Möglichkeit jedes tiefwirkenden Eingriffs in die so gebildeten stofflichen Strukturen enthalten; sie geht von der Überzeugung aus, dass ein solcher Eingriff in die molekulare Integrität je nach Art und Umfang allein aufgrund des Energieaufwandes, möglicher Nebenreaktionen, vermehrter Abfallbildung usw. die durch die ursprüngliche Natursynthese gegebenen ökologischen Vorteile zu einem erheblichen Teil wieder aufheben wird. Ziel der Sanften Chemie sollte daher allenfalls eine vorsichtige Abwandlung der gegebenen Molekülstrukturen mit einem Minimum an Anlagen- und Energieaufwand sein. Die Vielfalt und Reichhaltigkeit der Substanzen aus den natürlichen Produktionsprozessen legt statt einer starken Abwandlung vielmehr die Suche nach anderen natürlichen, für den Einsatzzweck besser passenden Naturstoffen nahe.

These 6: Die Nutzung der Sonnenenergie als optimale Quelle
Das Konzept der Sanfte Chemie orientiert sich an den Naturprozessen auch deshalb, weil diese als wesentliche Energiequelle eine Quelle außerhalb des eigenen globalen Systems nutzt: Sonnenenergie. Im Vergleich zu den chemischen Prozessen in den Industrieretorten kommt damit die zur Strukturbildung notwendige Energie nicht aus Quellen, die durch die Erzeugung der Energie und die damit unweigerlich verbundene enorme Vermehrung von Entropie (strukturelle Unordnung) wieder selbst in erheblicher Weise zur Umweltbeeinträchtigung und Klimaveränderung beitragen.

These 7: Nutzung einer Pflanzen-Chemie ohne Störfälle
Die Idee einer Sanfte Chemie wird getragen von der jedem bekannten und einleuchtenden Tatsache, dass es im Zusammenhang mit dem Stoffaufbau durch Naturprozesse keinesfalls zu den Störfällen kommen kann, die in den großen Chemiebetrieben beinahe zum üblen Alltag geworden sind. Der extremste Störfall im Pflanzenbereich ist der vollständige Ernteausfall. Dieser hat wohl ökonomische Auswirkungen, versperrt jedoch in keinem Fall die Möglichkeiten, im nachfolgenden Anbauzyklus ohne Beeinträchtigung wieder Stoffproduktion vorzunehmen. Der extremste Störfall im Bereich der chemischen Synthese besteht jedoch in der großflächigen Verseuchung nicht nur des Produktionsbetriebs selbst, sondern auch seiner näheren und weiteren Nachbarschaft. Neuere Untersuchungen zeigen, dass allein durch das mögliche Entweichen eines unvermeidlichen Schlüsselreagens für einen der bedeutendsten Massenkunststoffe (Phosgen für die Herstellung von Polyurethanen) schwere Vergiftungen und Zehntausende von Todesfällen noch im Abstand von 50 bis 100 km vom eigentlichen Fabrikstandort durchaus realistisch sind. Die schweren Störfälle in Bhopal, Seveso, Schweizerhalle und Frankfurt sind die traurigen Beweise, dass es sich dabei nicht bloß um theoretische Möglichkeiten handelt. Es kommt hinzu, dass bei der Betrachtung dieser massiven Störfälle die täglichen „normalen“ Emissionen aus solchen Anlagen noch nicht berücksichtigt sind.

These 8: Sondermüll kann vermieden werden
Auch unter dem Gesichtspunkt der Abfallbildung sind die Naturprozesse, wie sie die Sanfte Chemie nutzen und einsetzen will, den Syntheseprozessen der chemischen Industrie in qualitativer (Art der Abfälle) und quantitativer Hinsicht (Menge der Abfälle) so haushoch überlegen, dass ein direkter Vergleich fast unfair erscheint. Während die Abfallprodukte der pflanzlichen Produktion in Gestalt von Sauerstoff und kompostierbaren Pflanzenteilen direkt zur Aufrechterhaltung des stofflichen Kreislaufes beitragen, sind die Abfälle der chemischen Industrie in der Regel mehr oder weniger problematischer Sondermüll.

These 9: Die Sanfte Chemie schließt Stoffkreisläufe
Die Überlegungen zu einer Sanfte Chemie stützen sich nicht zuletzt auf die schlichte Tatsache, dass in einer endlichen Welt die gängigen Produktionsverfahren ohne wirklichen stofflichen Kreisschluss keine Zukunft haben werden: In bald absehbarer Zukunft werden die bislang genutzten fossilen Ressourcen als Quellen aufgezehrt sein, während andererseits auch die zur Verfügung stehenden Deponiekapazitäten für die unvermeidlichen
Abfall- und Reststoffe chemischer Produktion als stoffliche Senken ausgeschöpft sein werden.

Der Ansatz der Sanften Chemie ist wichtig. Allerdings muss neben der Verringerung der Ressourcen und der Energieeinsparung auch die Entwicklung von neuen Produkten, die als Ersatzstoffe für die häufig verwendeten PBT-Substanzen oder anderen umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien eingesetzt werden können, im Mittelpunkt stehen.

Quelle und Literatur:

"Die neun Kernthesen einer Sanften Chemie" von Dr. Hermann Fischer erschienen in „Plädoyer für eine Sanfte Chemie“, C. F. Müller Verlag Karlsruhe 1993, S. 21-24.

Autor: KATALYSE Institut

Risikoarme Chemie

Zusammenfassende Beschreibung aller Maßnahmen, die zu einer Verminderung des Produktionsrisikos der chemischen Industrie führen.

Über eine Risikoanalyse wird versucht, dem Ziel einer Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie R.-Produktion näherzukommen. Nötige Bewertungskriterien können z.B. Emissionen, Informationen für die umliegende Bevölkerung, Standorte für Produktion und Lagerung von Sonderabfall, Einzelstoffdiskussion wie Formaldehyd, Dioxine und

Furane u.a., Toxikologie, Ökotoxikologie, Produktionsverfahren, Stoffströme u.v.m. sein.

Nach Vernetzung der Bewertungskriterien werden als Hauptergebnisse zutreffende Maßnahmen und notwendige Instrumente abgeleitet. In der letzten Zeit wurden verschiedene Methoden zur umfassenden Prüfung ökologischer Sachverhalte entwickelt, wie technologie- und zukunftsorientierte Technologiefolgenabschätzung (TA), maßnahme- und projektorientierte Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und projektbezogene Ökobilanz oder produktbezogene Produktlinienanalyse (PLA). Die von unterschiedlichen Richtungen operierenden Methoden ergänzen sich und sichern die ökologische Beurteilung ab.

Siehe auch: chemischen Industrie, Umwelt

 

Autor: KATALYSE Institut

REACh Implementation Projects (RIPs)

REACh Implementation Projects (RIPs) sind Umsetzungsprojekte, in denen die Vorgehensweisen von REACh beispielhaft in der betrieblichen Praxis durchgeführt werden.

Ziel der RIPs ist die effiziente Ausformung der REACh Gesetzgebung. 

Das Europäische Chemikalienbüro (ECB) begleitet in verschiedenen Projekten den REACh-Umsetzungsprozess. Es wurden hierfür u.a. Leitfäden und IT-Werkzeuge für die Agentur, Industrie und Behörden entwickelt.

Mit den verschiedenen RIPs sollen Instrumente für die einfachere Implementierung von REACh erarbeitet werden. Das soll sicherstellen, dass sich alle Beteiligten Ihrer Rechte und Pflichten bewusst sind. Da die Umsetzung von REACh mit der Aufbereitung von einfachen und transparenten Umsetzungsinstrumenten steht und fällt, kommt den RIPs eine enorme Bedeutung bei der Implementierung von REACh zu.

Nachfolgend eine Unterteilung der RIPs:

  • RIP 3.1: Leitfaden zur Erstellung des technischen Dossiers für die Registrierung
  • RIP 3.2: Leitfaden zur Erstellung des Stoffsicherheitsberichts (CSR)
  • RIP 3.3: Leitfaden zu Informationsanforderungen zu intrinsischen Eigenschaften von Stoffen
  • RIP 3.4: Leitfaden zur gemeinsamen Nutzung von Daten
  • RIP 3.5: Leitfaden zu den Anforderungen für nachgeschaltete Anwender
  • RIP 3.6: Leitfaden zur Einstufung und Kennzeichnung nach GHS (Globally Harmonized System)
  • RIP 3.7: Leitfaden zur Erstellung eines Zulassungsantrags
  • RIP 3.8: Leitfaden zur Erfüllung der Anforderungen an Erzeugnisse
  • RIP 3.9: Leitfaden zur Erstellung einer sozioökonomischen Analyse (SEA) bzw. zur Eingabe von Informationen
  • RIP 3.10: Leitfaden zur Bestimmung und Prüfung der Stoffidentität

Quellen:
REACH-Verordnung: Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2006/l_396/l_39620061230de00010851.pdf
RIPs: http://ecb.jrc.it/reach/rip/
BRANDHOFER, P; HEITMANN, K.: REACH – Die neue Herausforderung für Ihr Unternehmen! 2007
AU, M.; RÜHL, R.: REACH-Verordnung. 2007

 

Stand: 24. Februar 2012

Autor: KATALYSE Institut

REACh

REACh ist die Kurzbezeichnung für die neue Chemikalienverordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18.Dezember 2006. Seit dem 1. Juni 2007 sie in Kraft. REACh steht für Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien (Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals).

Der Geltungsbereich von REACh umfasst

  • alle Stoffe,
  • Stoffe in Zubereitungen,
  • Stoffe in Erzeugnissen.

Die bisherige EU-Chemikalien-Gesetzgebung setzte sich aus vielen verschiedenen Richtlinien und Verordnungen zusammen - das Rechtsgebiet war insgesamt wenig transparent. REACh fasst nun mehr als 40 Richtlinien und Verordnungen zusammen und ist seit dem 1. Juni 2007 EU-weit in Kraft.

Das REACh-Verfahren verpflichtet Hersteller und Importeure eines Stoffs, eine Registrierung zu beantragen, dazu einen definierten Satz von Mindestinformationen zu erstellen, und – falls mehr als 10 Tonnen jährlich hergestellt oder importiert werden – diesen sowie die Exposition gegenüber dem Stoff in Form eines Stoffsicherheitsbeurteilung (chemical safety assessments, CSA) zu evaluieren und die relevanten Informationen an die Behörden in Form eines Stoffsicherheitsbericht (chemical safety reports, CSR) zu melden.

Die daraus resultierenden Erkenntnisse werden in Form eines modifizierten Sicherheitsdatenblatts dem Verwender zur Verfügung gestellt. Dieser muss prüfen, ob die vorgesehene Verwendung mit der vom Lieferanten vorgesehenen Verwendung sowie die geprüfte Exposition mit seiner Situation und den notwendigen Schutzmaßnahmen übereinstimmen.

Neu bei REACh ist, dass nicht nur der Stoff beim ersten Inverkehrbringen bewertet wird, sondern auch die (neuen) Anwendungen, damit steht nicht mehr nur das Inverkehrbringen im Fokus, sondern der gesamte Lebenszyklus.

Auch wurden bisher „Altstoffe“ und „Neustoffe“ unterschiedlich geregelt.  Über die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen von Altstoffen existierten häufig nur unzureichende Informationen. Da die nationalen Behörden im Wesentlichen für die Durchführung der sehr umfangreichen und aufwändigen Risikobeurteilungen von Stoffen verantwortlich waren  - und nicht die Unternehmen in die Pflicht genommen werden konnten -  sind seit 1993 nur 141 Stoffe mit mengenmäßiger Bedeutung für die Risikobeurteilung identifiziert worden.

Die Forschung und Entwicklung von Neustoffen war bisher kaum attraktiv, da neue Chemikalien schon ab 10 kg/a gemeldet und geprüft werden mussten. So wurden überwiegend vorhandene Stoffe weiter entwickelt und zur Anwendung gebracht. In der Folge wurde die Forschung vieler Unternehmen behindert, so dass in vielen Bereichen die USA und Japan die chemische Industrie in der EU bei Innovationen überholten. Während Neustoffe auf Risiken für die Gesundheit und Umwelt überprüft und bewertet werden mussten, bevor sie in Verkehr kamen, unterlagen die über 100.000 Altstoffe nicht diesen Anforderungen. Weiterhin gab es nur wenige Informationen über die Verwendungen von Stoffen und deren Expositionen, da von nachgeschalteten industriellen Anwendern und Formulierern keine Informationen zu den eingesetzten Chemikalien verlangt wurden. Eine Ausnahme hiervon bildet die Einstufung von verwendeten Stoffen für die Sicherheitsdatenblätter.

Die Akteure in der Lieferkette (Hersteller, Importeure und nachgeschalteten Anwender) vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt unterliegen dem im REACh geforderten Informations- und Datenaustausch. Sie sind zur Stoffregistrierung verpflichtet, gegebenenfalls auch zur Zulassung. Indirekt betroffen sind Akteure in allen Branchen bis hin zum Endverbraucher, da REACh Einfluss auf die Herstellung, Verfügbarkeit und Vermarktung von Stoffen, Zubereitungen und Produkten und den damit in Verbindung stehenden Verfahren und Technologien ausübt. Eine veränderte Kosten- und Wettbewerbssituation wird Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit haben.

Das REACh-System beeinhaltet die Umkehr der Beweislast. Sie verlangt von Herstellern und Importeuren die Beschaffung der Daten zur Bewertung der Stoffe. Stoffe, die ein erhöhtes Gefährdungspotential darstellen unterliegen einer Zulassungspflicht. Mit REACh sind Chemikalien ab einer Tonne pro Jahr registrierungspflichtig. Der Umfang des notwendigen Datenmaterials richtet sich Produktions- bzw. Importmenge. Ab zehn Tonnen pro Jahr besteht die Pflicht zur Erstellung von Stoffsicherheitsberichten (CSR = Chemical Safety Reports) und Vorschlägen zur Risikominimierung. Man schätzt, dass von den rund 30.000 Substanzen mit einer Produktionsmenge über einer Tonne nur 140 auf ihre gesundheitlichen und ökologischen Wirkungen untersucht wurden.

REACh wird mehr Transparenz und Sicherheit v.a. für die Verbraucher bringen, aber andererseits v.a. bei der Wirtschaft zu hohen Kosten für die Datenerhebung und Bewertung führen. Auch wird davon ausgegangen, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen mit den neuen Anforderungen und den damit einhergehenden Kosten Wettbewerbsnachteile erleiden. Vor allem Unternehmen, die auf Naturstoffe gesetzt haben, können in Existenzschwierigkeiten geraten, weil sie die Kosten für die Datenbeschaffung für ihre Grundstoffe nicht stemmen können  Damit wird eine Verwendung vieler alternativer Basissubstanzen unmöglich gemacht.

Das REACh-System sieht den Austausch von hochgiftigen, krebserregenden oder nicht körpereigen abbaubaren Stoffen vor. Besorgniserregende Stoffe dürfen nur verwendet werden, wenn keine geeigneten Alternativen oder Verfahren zur Verfügung stehen. Die Zulassung soll dabei auf fünf Jahre begrenzt werden.

Insgesamt hat REACh zum Ziel, ein hohes Schutzniveau für Mensch und Umwelt sicherzustellen. Auch die Wettbewerbsfähigkeit und Innovation der chemischen Industrie soll verbessert werden, der freie Verkehr für Stoffe im europäischen Binnenmarkt gewährleistet und die Bewertung und Beurteilung von Stoffen gefördert sowie alle an der Sicherheit von chemischen Stoffen interessierten Kreise über die Bewertung umfassend informiert werden. Voraussetzung dafür ist die Bewertung und Beurteilung von Stoffen, die in der neuen europäischen Chemikalienverordnung zentraler Bestandteil ist und die Stoffprüfung, -bewertung und Substitution von gefährlichen Stoffen erheblich vorantreiben soll.

Quellen:
REACH-Verordnung: Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2006/l_396/l_39620061230de00010851.pdf
RIPs: http://ecb.jrc.it/reach/rip/
http://www.reach-helpdesk.info/fileadmin/reach/dokumente/REACHGlossar.pdf
http://www.reachhelpdesk.at/glossar/
http://www.lfu.bayern.de/analytik_stoffe/fachinformationen/europ_chemikalienverordnung_reach/index.htm
http://www.wecf.de/cms/download/REACH/DU%20link%20to%20braucherverein.pdf
http://www.braunschweig.ihk.de/innovation_umwelt/umweltberatung/Empfehlung_der_5._Nieders._Regierungskommission_zur_REACH.-205.pdf
http://www.gisbau.de/service/SDB/lehrgang/dosisbeoekotox.htm
http://www.gisbau.de/service/SDB/lehrgang/stoff_verzei.htm
http://www.gisbau.de/service/SDB/lehrgang/pbt.htm
http://www.xfaweb.baden-wuerttemberg.de/chemfaweb/berichte/wb11/weissbuch0030.html
http://www.xfaweb.baden-wuerttemberg.de/chemfaweb/umgangChemikalien/iuclid5.html
http://www.reach-helpdesk.com/default.asp?id=1456
http://www.alufinish.de/reach.pdf
http://www.luwg.rlp.de/internet/nav/f08/51870fbf-3489-9401-be59-265f96529772
http://www.baua.de/de/Chemikaliengesetz-Biozidverfahren/Neue-Chemikalienpolitik/Helpdesk/Glossar.html__nnn=true
http://www.vci.de/default2~rub~738~tma~879~cmd~shd~docnr~88755~nd~~ond~n184~snd~n184~shmode~.htm
BRANDHOFER, P; HEITMANN, K.: REACH – Die neue Herausforderung für Ihr Unternehmen! 2007
AU, M.; RÜHL, R.: REACH-Verordnung. 2007

Autor: KATALYSE Institut

Raffinerie

In R. wird aus rohem Erdöl durch Destillation v.a. Benzin und Heizöl gewonnen.

Durch thermisches oder katalytisches Cracken von schwerem Heizöl kann die Ausbeute an Benzin gesteigert werden. In petrochemischen Anlagen wird ein Teil der Erdölbestandteile - meist raffinerienah - zu Ausgangsstoffen für die Herstellung von Waschmitteln, Kunststoffen, Pflanzenschutzmitteln usw. weiterverarbeitet.

Im Normalbetrieb sind R. Quellen zahlreicher Schadstoffemissionen. Der stark schwefel- und feststoffhaltige Destillationsrückstand wird zum Erhitzen des Rohöls verbrannt. Hierbei werden u.a. Schwefeldioxid und Staub frei.

Kennzeichnend für R. ist die Geruchsbelästigung (Olfaktometrie) der Umgebung durch die Emission von Kohlenwasserstoffen (z.T. krebserregend) aus Flanschen und Ventilen der Rohrleitungen, beim Abfackeln (hoher Schadstoffanteil durch unvollständige Verbrennung) und Umfüllen der Produkte.

Durch die gesetzlich vorgeschriebene Verwendung von schwefelarmem Brennstoff, den Bau von Rauchgasentschwefelungsanlagen sowie Rückhaltemaßnahmen für Kohlenwasserstoffe (Benutzung von Schwimmdachtanks, wirksamere Abdichtungen, Fackelgasrückgewinnung) konnte bei Neuanlagen von R. in den letzten Jahren v.a. der Ausstoß an Schwefeldioxid und Kohlenwasserstoffen gesenkt werden.

Siehe auch: Benzin

Autor: KATALYSE Institut

Radioaktivität und Strahlung, Maßeinheiten

Um Radioaktivität und ionisierende Strahlung quantitativ zu beschreiben, werden verschiedene Begriffe verwendet.

Die Aktivität beschreibt den Zerfall radioaktiver Atomkerne (Radionuklide); Ionendosis, Energiedosis und Äquivalentdosis sagen etwas über die Wirkung ionisierender Strahlung in Materie aus. Seit 1986 sind die neuen Einheiten Coulomb/kg, Gray und Sievert für den amtlichen Verkehr vorgeschrieben. Die Umrechnungen zwischen alten und neuen Einheiten finden sich im Text.

Die Aktivität eines radioaktiven Stoffes gibt die Anzahl der pro Sekunde zerfallenden Atomkerne an: Aktivität = Anzahl der Zerfälle/sec, Einheit: Bq (Becquerel) = 1/s. Eine bestimmte Menge radioaktiver Atome besitzt die Aktivität von 1 Bq, wenn pro sec genau ein Kern zerfällt. Jeder Zerfall ist mit der Emission ionisierender Strahlung verbunden. Alte Einheit: Curie, 1 Ci = 3,7x1010 Bq, 1 Bq = 2,7x10-11 Ci.

Unter spezifischer Aktivität versteht man die Zahl der Zerfälle pro sec und kg, Einheit: Bq/kg. Unter Aktivitätskonzentration versteht man die Zahl der Zerfälle pro sec und Volumen. Einheit: Bq/l oder Bq/m3. Die spezifische Aktivität von Natururan (Uran) beträgt im radioaktiven Gleichgewicht mit seinen Zerfallsprodukten 2,5x107 Bq/kg, in einem Kernkraftwerk liegt die Aktivität aller radioaktiven Spaltprodukte bei ca. 3,7x1020 Bq (Kernspaltung).

Die Gefährlichkeit eines radioaktiven Stoffes wird neben der Aktivität von der Art der ausgesandten Strahlung und seiner Lebensdauer (Halbwertszeit) bestimmt. Um die Wirkung ionisierender Strahlung quantitativ zu erfassen, wird entweder die Zahl der erzeugten Ionenpaare (Ionendosis) oder die absorbierte Energie (Energiedosis), jeweils bezogen auf die Masse des bestrahlten Materials, herangezogen. Biologisch wirksam wird nur der Anteil der in den Körper eingefallenen Strahlung, der mit dem Organismus unter Erzeugung von Ionenpaaren bzw. Energieabgabe in Wechselwirkung tritt. Die Ionendosis gibt die durch Strahlung erzeugte elektrische Ladung der Ionen eines Vorzeichens pro Masse durchstrahlter Luft an.

Ionendosis = erzeugte Ladung eines Vorzeichens/Masse durchstrahlter Luft. Die neue Einheit ist C/kg, wobei C (= Coulomb) die Einheit für die elektrische Ladung ist. Alte Einheit: Röntgen, 1 R = 2,58x10-4 C/kg, 1 C/kg = 3,88x103 R. Die Ionendosis kann direkt mit einem Geigerzähler bestimmt werden.

Die Energiedosis gibt die Energiemenge einer ionisierenden Strahlung an, die ein durchstrahlter Körper pro Masse aufnimmt. Energiedosis = absorbierte Strahlungsenergie/Masse, Einheit: Gy (Gray) = 1 Joule/kg.
1 Gy bedeutet, daß die Energie von 1 Joule an 1 kg eines beliebigen Stoffes abgegeben wurde. Alte Einheit: rad, 1
rad = 0,01 Gy.
Der Energiedosis von 0,01 Gy entspricht die Temperaturerhöhung eines menschlichen Körpers um weniger als 0,00001 Grad C. Diese geringe Energie kann bei Lebewesen bereits erhebliche Strahlenschäden verursachen, denn die Energieabgabe der Strahlung geht in extrem kleinen Bereichen vor sich, wodurch lebenswichtige Moleküle zerstört werden können. Die Einheiten C/kg und Gy reichen nicht aus, um die biologische Schädigung durch Strahlung zu beschreiben. Die Strahlenschäden hängen von zahlreichen Faktoren ab, insb. von der Art der ionisierenden Strahlung. So ist ein Gy Alphastrahlung etwa 20mal so gefährlich für den Organismus wie 1 Gy Gammastrahlung. Die Äquivalentdosis versucht die unterschiedliche biologische Wirksamkeit verschiedener Strahlungsarten für den menschlichen Organismus mit Hilfe von sog. RBW-Faktoren (RBW: relative biologische Wirksamkeit) zu berücksichtigen: Äquivalentdosis = Energiedosis x RBW-Faktor.

Maßeinheiten zu Radioaktivität und Strahlung als RBW-Faktor (Relative biologische Wirksamkeit):

  • Röntgenstrahlung: 1
  • Gammastrahlung: 1
  • Betastrahlung: 1
  • Neutronenstrahlung (je nach Energie): 5-20
  • Protonenstrahlung: 5
  • Alphastrahlung: 20

Bei Äquivalentdosis bzw. RBW-Faktoren ist zu beachten, daß es sich hierbei nicht um physikalische Meßgrößen handelt, sondern lediglich um Abschätzungen, die anhand von Tierversuchen und Atombombenwirkungen (Atomwaffen) gewonnen wurden, um das kaum quantifizierbare Strahlungsrisiko rechnerisch zu erfassen (Strahlenschäden). Einheit: Sievert, 1 Sv = 1 Gy x RBW-Faktor; alte Einheit
rem, 1 rem = 0,01 Sv; 1 Sv = 100 rem.

Eine Strahlenbelastung von z.B. 0,01 Sv Gamma-, Röntgen-, Beta-, Neutronen- oder Alphastrahlung führt danach zu gleich hohen Strahlenschäden. Daher ist die Äquivalentdosis die wichtigste Meßgröße für Strahlenschäden.

Betrachtet man die
Strahlenbelastung ganzer Bevölkerungsgruppen (Kollektive), so geht man von der Äquivalentdosis zur Kollektivdosis über. Um die Gefährlichkeit einzelner Organbelastungen durch ionisierende Strahlung einfach erfassen zu können, führte die internationale Strahlenschutzkommission die
effektive Dosis ein, die zusätzlich die Strahlungsempfindlichkeit einzelner Organe berücksichtigt (Strahlendosis).

Als Dosisleistung bezeichnet man die in einer bestimmten Zeit aufgenommene Dosis dividiert durch die Zeit:
Dosisleistung = Dosis/Zeit, Einheit z.B. mSv/Jahr (Milli Sievert pro Jahr).

 

 

Autor: KATALYSE Institut