Johanniskraut

Johanniskraut ist eine mehrjährige Pflanze von 30 bis 60 cm Höhe mit markigem, aufrechtem, reichästigem, zweikantigem Stengel, durchscheinend fein durchlöcherten Blättern und gelben Blüten mit rötlich punktierten Kronblättern.

 

  • Systematik: Familie: Hypericaceae (Johanniskraut-/Hartheugewächse), Art: Hypericum perforatum
  • Herkunft: heimisch, Mitteleuropa
  • Klimaansprüche: gemäßigt
  • Anbausystem: zwei- und mehrjähriger Anbau
  • Düngung: Nährstoffentzug bei 20 Tonnen Frischmasse/Hektar: Stickstoff: 108 kg/ Hektar, Kalium: 114 kg/ Hektar, Phosphat: 41 kg/ Hektar, Calcium: 40 kg/ Hektar, Magnesium: 13 kg/ Hektar
  • Aussaat: Mitte Mai und/oder Anfang September bis November; 8 Pflanzen/m2
  • Pflanzenschutz: Pilze: Welkekrankheiten, Schädlinge: Johanniskrautkäfer, Wickler
  • Ernte: ab Juni mehrere Schnitte; Triebspitzen (20 cm) des blühenden Krautes; maschinell
  • Ertrag: Blühendes Kraut: 10 bis 20 Tonnen/ Hektar; Droge pro Schnitt: 2 bis 5 Tonnen/ Hektar; und ca. 800 kg/Hektar Saatgut.
  • Qualitätsmerkmale: Blütenanteil, Gehalt an ätherischem Öl, Hypericin und Flavonoiden.
  • Besonderheiten: sehr feines Saatbett erforderlich, Auswinterungsgefahr durch Krankheiten; Cadmium-Sammler
  • Wirkspektrum: durchblutungsfördernd, gegen Depressionen und hysterische Zustände.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Hormone

Körpereigene Regulationsstoffe, Informationsüberträger zwischen den verschiedenen Zellarten des Organismus.

H. unterliegt gemeinsam mit nervalen Regelmechanismen die Steuerung von Stoffwechselprozessen, Wachstum und Fortpflanzung. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und heißt "antreiben", "in Gang setzen". Nach der alten, lange gültige Definition waren Hormone Signal- oder Botenstoffe im Körper, die in einer Drüse gebildet werden, von dort ausgeschieden und über das Blut zu ihrem Zielorgan transportiert werden. Heute werden Hormone in verschiedene Gruppen eingeteilt, nach ihrem Herkunftsort (Hypophyse, Nebenniere, Schilddrüse usw.), nach ihrer Funktion (z. B. Wachstum, Verdauung, Fortpflanzung) und ihrer chemischen Struktur (Proteo-, Aminosäre- und Steroidhormone), und auch Neurotransmitter oder Mediatoren werden dazugerechnet.
Hormone sind in äußerst geringen Konzentrationen wirksam, das bewegt sich im Mikro-, Nano- und sogar Picogramm-Bereich. Die Produktion von Hormonen ist sehr genau auf den Bedarf abgestimmt. Ihre Wirkung ist die Stimulierung oder Hemmung einer Reaktion im Stoffwechsel. Die Regulation erfolgt durch Rückkopplung (feed back), d. h. sie werden zu jedem Zeitpunkt in der jeweils benötigten Menge hergestellt. Ist die "richtige" Konzentration erreicht, wird die Produktion zurückgefahren oder eingestellt. Daher reagiert der Körper empfindlich auf kleinste Veränderungen. Sind die Botenstoffe an ihrem Zielorgan angekommen, lagern sie sich an einen spezifischen Rezeptor an und bewirken dadurch eine Veränderung oder Umsetzung einer Stoffwechselreaktion. Hormone haben eine geringe Lebensdauer, sie sind nur Minuten bis Stunden aktiv, dann werden sie wieder abgebaut und dem Bedarf entsprechend neu synthetisiert.
Das Hormon Melatonin beispielsweise wird tagsüber nur in geringer Menge, nachts in hoher Konzentration in der Zirbeldrüse (Epiphyse) gebildet. Die Steuerung erfolgt über die Lichtstärke (Hell-Dunkel- oder zirkadianer Rhythmus). Darüber hinaus ist Melatonin bei anderen Reaktionen beteiligt, z. B. beim Immunsystem. Beim Menschen produzieren außer den Geschlechtsorganen (Östrogene, Gestagene und Androgene) und z. B. Schilddrüsen, Nebennieren, Bauchspeicheldrüse und bestimmte Drüsen im Gehirn (Hypophyse, Hypothalamus) die verschiedensten Hormone, von denen sich einige gegenseitig beeinflussen und die z. T. an verschiedenen Stellen im Körper wirken.
H. werden als Doping-Mittel verwendet mit z. T. erheblichen gesundheitlichen Folgen. Auch als Masthilfsmittel in der Tierhaltung werden sie eingesetzt, da dadurch ein schnellerer und größerer Masterfolg erzielt werden kann. Substanzen mit H.-Wirkung sind jedoch in Deutschland zur Anwendung in der Tierernährung wegen Rückstandsgefahr in Lebensmitteln und möglicher schädlicher Nebenwirkungen am Tier nicht zugelassen.
Futtermittelzusätze und Tierarzneimittel, DFD-Fleisch, PSE-Fleisch

Autor: KATALYSE Institut

Herbizide

Pflanzenschutzmittel (Pestizide) zur Verkämpfung von unerwünschtem Pflanzenwuchs. In Deutschland werden jährlich rund 15.000 Tonnen Herbizide (Jahr: 2001)in der Land- und Forstwirtschaft gegen Unkräuter eingesetzt.

Viele Herbizid-Wirkstoffe sind ubiquitär in den Medien verteilt. Dies gilt auch für längst verbotene Herbizide wie etwa Atrazin. Der Herbizideinsatz hat starke Auswirkungen auf das Ökosystem, da mit der Floraverarmung ein Rückgang von Nutzinsekten sowie verstärktes Auftreten von Schadinsekten verbunden ist. Durch Herbizideinsatz wird zumeist das Räuber/Beute-Verhältnis zugunsten der Schädlinge verändert.
Eine differnzierte Sichtweise ist insofern notwendig, als dass ein verringerter und gezielter Herbizideinsatz in Einzelfällen sogar den Verzicht auf Insektizide ermöglicht, was auch ökonomisch die beste Lösung ist.
Nach der Wirkung können Herbizide in ätzende, Zellatmung, Keimung oder Photosynthese hemmende und Wuchsstoffe unterteilt werden. In Deutschland werden H. hauptsächlich im Getreide-, Rüben-,
Mais- und Kartoffelbau eingesetzt. Hierbei werden fünf Gruppen von Wirkstoffen unterschieden:

  • Carbonsäurederivate
  • Harnstoffderivate
  • Aromatische Nitroverbindungen
  • Heterocyclische Verbindungen
  • Bipyridylium-Salze

Die meisten Herbizide sind für Menschen und Säugetiere wenig bzw. nur schwach toxisch.

Autor: KATALYSE Institut

Hanf

Hanf ist eine einjährige Kurztagspflanze mit verzweigtem Stängel, der 5 bis 20 cm dick wird. Er trägt fremdbefruchtende, windbestäubende Blüten und die Frucht ist eine Nuss mit nur einem ölhaltigem Samen, der 2 bis 5 mm groß wird.

 

  • Systematik: Familie: Cannabinacae; Art: Cannabis sativa
  • Klima: Faserhanf: 1900 bis 2000 °C Wärmesumme; Samenhanf: 2500 bis 3000 °C Wärmesumme, 500 bis 700 mm Niederschlag, mindestens aber 300 mm
  • Boden: nährstoffreiche, tiefgründige, nicht verdichtete und neutrale bis leicht basische Böden mit hoher Wasserspeicherkapazität
  • Fruchtfolge: zwischen zwei Getreiden, Vorfrüchte aus Leguminosen, selbstverträglicher Anbau auf gleicher Fläche zwei bis drei Jahre möglich
  • Düngung: Faserhanf: 80 bis 120 kg Stickstoff/Hektar; 60 bis 90 kg Phosphat/Hektar, 80 bis 100 kg Kalium/Hektar; Samenhanf: 100 bis 125kg Stickstoff/Hektar; 70 bis 90 kg Phosphat/Hektar, 120 bis 160 kg Kalium/Hektar
  • Aussaat: Ende April bis Ende Mai mit Drillmaschine, Reihenabstand bei Fasernutzung: 25 cm ergibt 30 bis 40 kg Saatgut/Hektar
  • Pflanzenschutz: bei Faserhanf keine Unkrautregulierung notwendig, bei Samenhanf mechanische Maßnahmen; Schädlinge: Hanferdfloh, kleine Hanfmotte, Maiszünsler, aber alle kaum ertragsbeeinflussend
  • Ertrag: Hanfstroh 7 bis 10 Tonnen/Hektar, Fasergehlt: 28 bis 30 Prozent (2 bis 3 Tonnen/Hektar), davon 25 Prozent Kurzfasern, 5 Prozent Langfasern; Samenertrag: 500 bis 80 kg/Hektar
  • Besonderheiten: Es ist nur der Anbau von zugelassenen Hanfsorten mit einem THC-Gehalt von unter 0,3 Prozent im oberen Blattdrittel und der registrierten Sorten der EU-Sortenliste erlaubt (Antrag bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn).
  • Ökologie: Hanf ist wenig anfällig für Krankheiten, das Auftreten vonm Schädlingen verursacht in der Regel keine Ertragseinbußen, daher benötigt Hanf bei normaler Bestandstenwicklkung keine Herbizide, da es durch seine Schnellwüchsigkeit Beikräuter verdrängt.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Gelber Enzian

Gelber Enzian ist eine 50 bis 140 cm hohe Pflanze, die graugrüne, kräftige Staude hat einfache aufrechte Stängel. Die Blätter sind kreuzweise gegenständig und breit lanzettlich. Blütezeit Juni bis August.

 

  • Systematik: Familie: Gentianaceae (Enziangewächse), Art: Gentiana lutea
  • Herkunft: heimisch, Mitteleuropa
  • Klimaansprüche: gemäßigt bis in 2500 Meter Höhe
  • Anbausystem: vier bis sechsjähriger Anbau
  • Aussaat: Samen oder Vorkultur; Saat oder Pflanzung Januar bis Mai; 7 bis 10 Pflanzen/m2
  • Düngung: Stickstoff: 70 kg/Hektar, Kalium: 150 kg/Hektar, Phosphat: 80 kg/Hektar
  • Pflanzenschutz: Pilze: Wurzelhalsfäule, Blattflecken, nichtparasitäre Vergilbungen
  • Ernte: maschinell im Frühjahr vor Austrieb oder im Herbst; maschinell; Wurzelstock: Pharmazie, Essenzen, Spirituosen
  • Qualitätsmerkmale: Gehalt an Bitterstoffen
  • Ertrag: 20 bis 40 Tonnen/Hektar Biomasse, 5 bis 10 Tonnen/Hektar Droge
  • Besonderheiten: Unkrautdruck im Jungpflanzenstadium
  • Wirkspektrum: gegen Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Leber- und Gallenerkrankungen, fiebrige Erkältungskrankheiten.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Eukalyptus

Der schnellwachsende Baum Eukalyptus hat ein großes natürliches Spektrum mit rund 500 Arten und erreicht eine Wuchshöhe bis 55 Meter.

  • Systematik: Familie: Myrtaceae, Arten: Eucalyptus globulus (in frostfreien Lagen bis 350 Meter NN); Eucalyptus nitens (frosttolerant, in Lagen über 300 Meter NN)
  • Herkunft: Australien
  • Klima: bevorzugt mediterranes Klima; große Anpassungsfähigkeit; Jahresdurchschnittstemperatur >12°C; Wasser ist oft der limitierende Ertragsfaktor, Niederschlagsminimum: 700 mm
  • Aussaat: Von Zuchtbäumen werden ein bis 2,5 kg Samen je Baum gewonnen, Aussaat in einem geschützten Saatbeet bzw. in sogenannten „Multipots", die Anzucht dauert 3 bis 6 Monate.
  • Anbausystem: Im Herbst oder im zeitigen Frühjahr ab einer Größe von 20 bis 30 cm, z.T. auf Dämmen von 20 cm Höhe mit 4 Meter Reihenabstand; Pflanzdichte 1.000 bis 1.500 Setzlinge je Hektar
  • Düngung: Bei der Auspflanzung werden 150 bis 300 Gramm NPK-Dünger je Setzling zugegeben; spätere Stickstoff- und Phosphordüngung wirkt nur ertragssteigernd, wenn ausreichend Wasser zur Verfügung steht, Sättigungsrate bei 130 kg Stickstoff/Hektar/Jahr
  • Pflanzenschutz: In den ersten beiden Jahren ist mechanische Beikrautregulierung erforderlich; Befall mit dem Eukalyptus-Langhorn-Bohrer (Phoracantha semipunctata) kann zu erheblichen Zuwachseinbußen führen.
  • Ernte: Ernte erfolgt im 7. bis 15. Anbaujahr mit konventioneller Holzerntetechnik
  • Ertrag: Ertrag schwankt je nach Standort zwischen 20 und 200 Tonnen/Hektar oberirdischer Gesamtbiomasse.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Chemische Schädlingsbekämpfung

Einsatz von Pestiziden in flüssiger Form im Spritz-, Sprüh-, oder Nebelverfahren oder als Stäubemittel oder Granulate zur Beseitigung von sogenannten Schädlingen.

Nach der Wirkungsart sind Nervengifte, Kontaktgifte, Atemgifte, Fraßgifte und systemisch wirkende Mittel zu unterscheiden. Die C. hat wegen ihrer schnellen Anwendbarkeit und starken Wirkung eine große Verbreitung gefunden. Die C. hat erhebliche Erfolge in der Seuchenbekämpfung, dem Vorrats- und Materialschutz und zu einer Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität geführt.
Der Preis dieser Errungenschaften sind: Anreicherung von Pestiziden in der Nahrungskette und der Umwelt, Vergiftungen, Krebsschäden, Schädigung und Tod von "Nützlingen", Artenschwund, Artenverschiebung und Resistenzbildung. C. stellt einen massiven Eingriff in jedes Ökosystem dar und versucht eine Art künstlichen Regelkreis zu schaffen.
Die Zahl der Anwendungen in der Landwirtschaft ist in den letzten 30 Jahren kontinuierlich gestiegen. Obstbäume werden bis zu 30mal, Weizen bis zu 10mal pro Vegetationszeit behandelt. Bei der üblichen C. in Form eines Sprühnebels gelangen nur etwa 40% des Wirkstoffs auf Boden und Pflanze. Bei Wind kommt es zur Abdrift auf andere Kulturen, Straßen, Tiere und Menschen. Anwender der C. sind oft nur unzureichend für diese Tätigkeit ausgebildet und informiert.

siehe auch: Pflanzenschutzmittel, Resistenz, Schädlingsbekämpfung

Autor: KATALYSE Institut

Brennessel

Die Brennessel ist eine zweihäusige Pflanze mit 60 bis 150 cm hohem starkem vierkantigem Stängel. Die männlichen und weiblichen Blüten sitzen meist auf verschiedenen Pflanzen und besitzen kreuzgegenständige, lanzett- bis herzförmige Blätter.

 

  • Systematik: Familie: Urticaceae (Brennesselgewächse), Art: Urtica dioica
  • Herkunft: Südeuropa
  • Klimaansprüche: gemäßigte Breiten Eurasiens und Nordamerikas; inzwischen weltweit verbreitet
  • Anbausystem: ein- und/oder mehrjähriger Anbau
  • Aussaat: Vorkultur von Jungpflanzen; Pflanzung im Mai, 13.600 bis 17.000 Stecklinge pro Hektar
  • Düngung: Stickstoff: 150 kg/Hektar, Phosphat: 80 kg/Hektar, Kalium: 100 kg/Hektar
  • Pflanzenschutz: Pilze: Fusarium, Rhizoctonia; Schädlinge: Schmetterlingsraupen
  • Ernte: Das Kraut steht von August bis Oktober in Vollblüte. Maschinelle Fasergewinnung zum Blühende; Ernteprodukte: Kraut, Wurzeln und Blätter für Pharmazie und Kosmetikindustrie und Verwendung als Futter und Gemüse
  • Ertrag: Ab dem zweiten Jahr etwa 8 bis 10 Tonnen Stengelstroh ergibt etwa
    1.200 kg Reinfasern/Hektar und bis zu 2.400 kg technische Fasern/Hektar; Blätter: 20 bis 40 Tonnen/Hektar; 2,5 bis 4,0 Tonnen/Hektar Droge
  • Wirkspektrum: entwässernd, blutzuckersenkend

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Biologische Schädlingsbekämpfung

Unter biologischer Schädlingsbekämpfung versteht man die Verwendung von Organismen und Viren, um Schädlinge (Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen und Viren) in ihrer Anzahl zu begrenzen und um den durch sie angerichteten Schaden unter eine wirtschaftlich bedenkliche Schwelle abzusenken.

Ziel aller Maßnahmen ist nicht die Vernichtung der Schädlinge, sondern die Einschränkung ihrer Vermehrung durch natürlich vorkommende oder eingeführte Gegenspieler (Antagonisten), sogenannte Nützlinge. Die bei der chemischen Bekämpfung auftretenden Probleme der Resistenzbildung gegen ein Pestizid und die darauffolgende starke Vermehrung der resistenten Organismen, das Problem der unspezifischen Wirkung gegen Nützlinge und Schädlinge gleichzeitig und das Problem der Schädigung der Umwelt durch oft schwer abbaubare Stoffe sollen bei der biologischen Schädlingsbekämpfung vermieden werden.
Bei den "klassischen" biologischen Verfahren kommen Räuber, Parasiten und Krankheitserreger zum Einsatz. Unter Räubern versteht man solche Tiere, die sich von einer bestimmten anderen Tierart ernähren; Beispiele sind viele Vögel, Laufkäfer, Marienkäfer, Raubwanzen, Raubmilben und Larven von Schwebfliegen. Zu den Schmarotzern oder Parasiten gehören solche Organismen, die sich auf Kosten eines sogenannten Wirtes entwickeln und zu diesem Zweck ganz oder zeitweise in oder auf ihm leben, ihn aber nicht sofort abtöten, sondern durch ihre Nutzung zunächst sehr schwächen; z.B. werden Schlupfwespen zur Bekämpfung der Weißen Fliege in Gewächshauskulturen eingesetzt.
Als Krankheitserreger oder Pathogene bezeichnet man parasitische Mikroorganismen (Pilze, Bakterien) und Viren, welche in ihren Wirten Infektionen hervorrufen können, die zu einer Schwächung oder zu einem mehr oder weniger schnellen Tod des Wirtes führen. Ein Beispiel hierfür ist das Bakterium Bacillus thuringiensis, das mittlerweile weltweit in verschiedenen Präparaten vor allem zur Bekämpfung schädlicher Schmetterlingsraupen, wie z.B. des Maiszünslers oder Kohlweißlings, eingesetzt wird.
Weitere Methoden der biologischen Schädlingsbekämpfung sind Autozid-Verfahren (Selbstvernichtungsverfahren: Ausbringung von sterilisierten Männchen in eine Schädlingspopulation, woraufhin die nachfolgende Generation deutlich vermindert oder sogar ausgerottet wird), Resistenzzüchtung, die gezielte Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Nutzpflanzen und -tieren gegenüber Schadorganismen durch spezielle Stärkungsmittel oder Präimmunisierung ("Schutzimpfung"), und die Förderung der Nützlinge durch bestimmte Anbaumethoden (Mischkulturen, Fruchtfolge), reduzierte Bodenbearbeitung und Düngung oder Kulturmaßnahmen.
Dazu gehört das Anpflanzen von Hecken zur Förderung der Vögel sowie das Stehenlassen von Brachlandinseln als Rückzugsmöglichkeit für Nützlinge. Außerdem können mit Hilfe von Lockstoffen (Duftstoffe, Pheromone) Schädlinge in Fallen gelockt und vernichtet werden (Pheromonfallen bei Borkenkäfern).
Werden nicht die Organismen selbst, sondern nur bestimmte wirksame Stoffwechselprodukte eingesetzt, wie z.B. Antibiotika oder Toxine von Mikroorganismen, so spricht man von Biotechnischer Schädlingsbekämpfung. Im Integrierten Pflanzenbau werden Verfahren der biologischen Schädlingsbekämpfung mit biotechnischen und konventionellen Verfahren kombiniert.

Lit.: A.Krieg, J.M.Franz: Lehrbuch der Biologischen Schädlingsbekämpfung, Berlin und Hamburg 1989

 

siehe auch: Alternativer Landbau

Autor: KATALYSE Institut

Bioland

Bioland ist ein Zusammenschluss von 3.500 Biobauern insgesamt 116.000 Hektar Fläche bewirtschaften. Überdies gibt es 600 Verarbeiter, die Bioland-Rohstoffe weiterverarbeiten, wie zum Beispiel Bäcker oder Molkereien. Damit ist Bioland der Größte der neun ökologischen Anbauverbände in Deutschland.

Bioland gliedert sich in den Bundesverband mit Sitz in Mainz und acht Landesverbände, welche die Mitglieder in der jeweiligen Region betreuen. Mit Ausnahme einiger weniger Erzeuger in Südtirol sind die Betriebe nur in Deutschland angesiedelt. Auf der Homepage des Verbandes ist unter http://www.bioland.de/im-fokus.htm kann man sich über Themen wie Gentechnik, Pestizide und andere wissenswerte Texte informieren.

Die Zeitschrift bioland, Fachzeitschrift für den ökologischen Landbau; ist die auflagenstärkste Fachzeitschrift im ökologischen Landbau. Für Mitglieder des Verbandes ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Kontakt:
Bioland Bundesverband
Kaiserstr. 18
55116 Mainz
Tel: 06131 / 239 79-0
Fax: 06131 / 239 79-27
www.bioland.de

Autor: KATALYSE Institut

Basilikum

Basilikum ist eine stark verzweigte, 50 cm hohe Pflanze mit großen, gestielten, eiförmigen, gesägten Blättern und weißen Lippenblüten.

  • Systematik: Familie: Lamiaceae (Lippenblütler), Art: Ocimum basilikum
  • Herkunft: Vorderindien
  • Klimaansprüche: tropisch bis gemäßigt
  • Anbausystem: einjähriger Anbau bei mehrmaliger Ernte
  • Aussaat: Vorkultur; Direktsaat oder Pflanzung; 10 bis 16 Pflanzen/m2
  • Düngung: Stickstoff: 100 kg /Hektar in Teilgaben, Kalium: 120 kg/Hektar, Phosphat: 70 kg/Hektar; hoher Nährstoffbedarf, überhöhte Phosphatgaben mindern den Ölertrag
  • Pflanzenschutz: Pilze: Grauschimmel, Blattflecken; Schädlinge: Eulenraupen, Wiesenwanzen; Viren: Luzernemosaikvirus; Sonstige: Schnecken, Kleeseide
  • Ernte: 7 bis 8 Wochen nach der Pflanzung bei Blühbeginn, maschinell; Sproß und Blätter: für Pharmazie und Gewürz
  • Ertrag: Kraut: 12 bis 18 Tonnen/Hektar, 15 bis 30 Tonnen/Hektar Droge
  • Saatgut: 80 bis 100 kg/Hektar
  • Qualitätsmerkmale: hoher Gehalt an ätherischem Öl
  • Besonderheiten: druckempfindliches Erntegut
  • Wirkspektrum: Verdauungsprobleme, Koliken, Blähungen, Magenkrämpfe, Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen, Epilepsie und Migräne

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Zusatzstoffe

Siehe Lebensmittelzusatzstoffe.

Autor: KATALYSE Institut

Zucker

Der Begriff Z. ist laut EWG-Vorschriften und Z.-Arten-Verordnung geschützt und bezeichnet Weiß- und Raffinade-Z.

Z. wird aus Z.-Rüben oder aus Z.-Rohr gewonnen. Die gesamte Z.-Anbaufläche Westdeutschlands ist doppelt so groß wie das Saarland. Der Rübenanbau wird unter intensivsten Methoden betrieben, er bedingt massiven Einsatz von Pestiziden und Düngern. Der gewonnene Z. wird durch die EG über den Verkaufspreis subventioniert, um den EG-Z.-Preis auf Weltmarktniveau zu senken.

Industriell verarbeiteter Z. hat einen hohen Energiegehalt und besitzt keine Wirkstoffe wie Mineralstoffe oder Vitamine. Brauner Z. wird als Alternative gepriesen; er enthält tatsächlich noch Spuren von Mineralstoffen und Vitaminen der B-Gruppe. Jedoch ist der Gehalt gegenüber anderen Lebensmitteln derart gering, daß hieraus kein wirklich physiologischer Wert für die menschliche Ernährung abgeleitet werden kann.

Der jährliche Pro-Kopf-Z.-Verbrauch liegt in Westdeutschland bei 37 kg/Jahr. Mit Z. werden heute verschiedene Krankheitsbilder in Zusammenhang gebracht: Übergewicht, Altersdiabetes und Karies. Z. wird daher immer häufiger als Schadstoff bezeichnet, was auch der Bundesgerichtshof in einem Urteil als rechtens erklärt hat.

Siehe auch: Süßstoffe, Zuckeraustauschstoffe

Autor: KATALYSE Institut

Xylit

Siehe Süßstoffe, Zucker.

Autor: KATALYSE Institut

Wurst

Siehe Fleisch und Fleischerzeugnisse.

Autor: KATALYSE Institut

Wasser

Wasser ist eine Verbindung von zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom. Die Bezeichnung Wasser wird v.a. für den flüssigen Aggregatzustand verwendet, im festen, also gefrorenen Zustand wird es Eis genannt, im gasförmigen Zustand Wasserdampf Wasser bedeckt rund 2/3 der Erdoberfläche und befindet sich in einem ständigen Kreislauf.

Die wirtschaftliche Entwicklung und der Wohlstand eines Landes hängt eng mit seinen Wasserressourcen zusammen, da diese zur Energiegewinnung und der industriellen Produktion als Kühl-, Transport-, Lösungs- und Reinigungsmittel eingesetzt werden.

Deutschland gehört mit etwa 300 Mrd. m3 Niederschlag zu den wasserreichsten Regionen der Welt. Von dieser Niederschlagsmenge verdunstet rund 60 Prozent. 40 Prozent fließt als Oberflächenwassser ab oder bereichert die Grundwasservorräte. Aufgrund des reichhaltigen Vorkommens von Wasser in Deutschland wurde es bis weit in die sechziger Jahre hinein als beliebig verfügbar angesehen.

Die vielen Nutzungen führen zu Wasserbelastungen durch Schadstoffe (z.B. Nitrat, Pestizide, Herbizide, Schwermetalle usw.) und zur Erwärmung bei der Nutzung als Kühlwasser. Neben dem Oberflächenwasser ist auch das Grundwasser v.a. durch den Einsatz von Düngern und Pestiziden in der Landwirtschaft und intensiver Tierhaltung (Gülle, Tierarzneimittel, Hormone) erheblich gefährdet.

Eine nachhaltige Wasserwirtschaft hat nicht nur die Erhaltung einer hohen Wasserqualität zum Ziel, sondern v.a. dem Wassserhaushalt möglichst wenig Wasser zu entziehen und damit die Wasserressourcen zu schonen.

Autor: KATALYSE Institut

Vollwertkost

Die Vollwertkost nach Dr. Max Otto Bruker ist eine überwiegend ovo-lacto-vegetarische Ernährungsweise, die auf der Lehre Werner Kollaths basiert.

Dieser vertrat die Ansicht, Lebensmittel so natürlich wie möglich zu verzehren. Brukers Empfehlungen basieren auch auf seinen persönlichen Erfahrungen, die er als Arzt in der Therapie verschiedener Erkrankungen gemacht hat. Bruker ließ es nicht nur bei einem Appell, wie Kollath, sondern griff vielmehr die Nahrungsmittelindustrie an, indem er diese für 80 Prozent aller Zivilisationskrankheiten verantwortlich machte. Bruker kritisierte u.a. auch Claus Leitzmann, der die weniger strikte Form der Vollwertkost, die Vollwert-Ernährung vertritt.
Leitzmann entwickelte nach seinem zwölfjährigen USA Aufenthalt und fünf Jahren in Asien zusammen mit Thomas Männle und Karl von Koerber die Vollwert-Ernährung (Gießener Konzeption). Grundlage, dafür waren Leitzmanns Auslandserfahrungen und die Erfahrungen von Männle und von Koerber. Diese hatten während eines Praktikums bei Bruker Einblick in die Vollwertkost bekommen. Sie beobachteten, dass bislang kränkelnde Patienten sich mit Brukers Vollwertkost gesund und vital fühlten. Leitzmann lehnt jedoch den Begriff Vollwertkost strikt ab, da kein einzelnes Lebensmittel an sich vollwertig sein kann. Es kommt auf die Ernährungsweise als Ganzes an, d.h. dass neben gesundheitlichen Aspekten auch soziale und ökologische Aspekte beachtet werden sollen. Die Vollwert-Ernährung hat zudem weder Regeln noch strikte Verbote, sie basiert ausschließlich auf Empfehlungen.

Für Bruker sind Lebensmittel zur Erhaltung der Gesundheit unerlässlich. Nahrungsmittel sind lediglich Träger von Nährstoffen und reichen für die Gesunderhaltung nicht aus. Der Gehalt an Vitalstoffen (Mineralstoffe, Vitamine, Enzyme u.a.) ist das Kriterium für die Qualität eines Lebensmittels. Nach Bruker sind diese nicht mehr im Nahrungsmittel enthalten.

Brukers Empfehlungen für eine vollwertige Kost:

  • Verzicht auf Nahrungsmittel, weitgehender Verzicht auf Fleisch und Wurst,
  • Eingeschränkter Verzehr von Käse, Eier und Milchprodukten,
  • Keine Säfte, da sie bei Magen-Darm empfindlichen Personen zu Unverträglichkeiten anderer Nahrungsmittel führen- dafür viel Kräutertee und Wasser,
  • Viel Frischkost (frisches Obst und Gemüse),
  • Naturbelassene Fette,
  • Vollkornprodukte,
  • Ein tägliches „Muss“ ist, der Frischkornbrei zum Frühstück. Dazu werden unterschiedliche Sorten Getreide über Nacht in Wasser eingeweicht, anschließend mit Obst und Sahne gemischt. Dadurch sollen besonders viele Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe aufgenommen werden,
  • Keine Kalorienbeschränkung, allerdings nur drei Mahlzeiten am Tag,
  • Grundsätzlich Lebensmittel aus ökologischem Anbau.

Ernährungsphysiologische Bewertung:

  • Die Ursachen für ernährungsbedingte Erkrankungen sah Bruker im Verzehr von Auszugsmehlen, Zucker, raffinierten Ölen und Fetten. Dem Zucker schrieb er zudem die Unheilbarkeit verschiedener Krankheiten zu. Mit der Vollwertkost sollen nicht nur Krankheiten verhütet, sondern auch geheilt werden. Bruker wird in diesem Zusammenhang vorgeworfen, wissenschaftlich unhaltbare und zudem für den Verbraucher verwirrende Aussagen, Erklärungen und Versprechungen zu verbreiten. Beispiele: „Die Zuckergier des Kindes ist ein klassisches Zeichen eines Vitalstoffmangels“, „Fett macht nicht fett“, „Krebs lässt sich bis zu einem gewissen Grad durch Vollwertkost verhüten und je nach Stadium heilen“ oder dass erhitzte Milch gesundheitsgefährlich ist.
  • Bei Menschen, die ihre Ernährungsweise zu schnell auf Vollkornprodukte umstellen, kann es zu unangenehmen Begleiterscheinungen wie schmerzhafte Blähungen und Durchfall kommen. Für diese Beschwerden sind bakterielle Zersetzungsvorgänge verantwortlich, bei denen aus nicht oder schlecht verdauter ballaststoffreicher Kost toxische Gärungsalkohole und biogene Amine entstehen. Diese können die Darmschleimhaut und den sich im Darm befindliche Teil des Immunsystems schädigen.
  • Nach Bruker soll so früh wie möglich, bereits im Säuglingsalter, mit der Vollwertkost in Form von Frischkornmilch oder Frischkornbrei angefangen werden. Säuglinge und Kleinkinder sind jedoch noch nicht in der Lage rohes Getreide zu verdauen, da der Magen-Darm-Trakt noch nicht ausreichend entwickelt ist. Glutenhaltige Getreideprodukte können das Auftreten einer Zöliakie begünstigen. Getreide soll erst nach dem vierten Lebensmonat und in erhitzter Form gegeben werden, um Unverträglichkeitsreaktionen und die Gefahr von Allergien zu vermeiden.
  • Für Erwachsene ist die Vollwertkost als Dauerkost zu empfehlen. Bei einer vielseitigen Lebensmittelauswahl ist mit der Vollwertkost eine bedarfsgerechte Ernährung möglich.

Quellen:
DER BROCKHAUS: Ernährung. Mannheim 2001.
HAHN, A.; STRÖHLE, A.; WOLTERS, M.: Ernährung- Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Stuttgart 2005.
LÖBBERT, R. et al.: Lebensmittel. Haan-Gruiten 2004.
http://www.oekolandbau.de
http://www.oekotest.de
LÖBBERT, R. et al.: Lebensmittel. Haan-Gruiten 2004.

Weiterführende Literarur:
BRUKER, M.: Lebensbedingte Krankheiten. 2001.
BRUKER, M.: Unsere Nahrung- unser Schicksal. 2001.
GUTJAHR, I.: Das große Dr. M. O. Bruker- Ernährungsbuch. 2000.

Autor: KATALYSE Institut

Vollwert-Ernährung

Vollwert-Ernährung ist eine ganzheitliche und überwiegend lakto-vegetabile Ernährungsweise, bei der gering verarbeitete Lebensmittel bevorzugt werden.

Hauptsächlich verwendete Lebensmittel sind Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchte sowie Milch und Milchprodukte, in geringen Mengen auch Fleisch, Fisch und Eier. Die Hälfte der Nahrungsmittel besteht aus unerhitzter Frischkost.

Die Grundsätze der Vollwert-Ernährung beinhalten neben dem gesundheitlichen Aspekt auch ökologische, soziale und ökonomische Aspekte:

  • Verwendung von Produkten der Saison und möglichst aus regionalem und /oder ökologischem Anbau,
  • Vermeidung von Nahrungsmitteln mit Zusatzstoffen,
  • Bevorzugung unverpackter oder umweltschonend verpackter Lebensmittel,
  • Vermeidung bzw. Verminderung der allgemeinen Schadstoffemission durch Verwendung umweltverträglicher Produkte und Technologien,
  • Verminderung von Veredlungsverlusten durch geringeren Verzehr tierischer Lebensmittel,
  • Bevorzugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die unter sozialverträglichen Bedingungen erzeugt, verarbeitet und vermarktet werden (Fairer Handel mit Entwicklungsländern).

Diese Grundsätze stellen weder Gebote noch Verbote dar. Sie sollen als Empfehlungen verstanden werden, die individuell an Vorlieben und Bedürfnisse angepasst und umgesetzt werden können. Das Ziel ist, eine hohe Lebensqualität, die Schonung der Umwelt und die weltweite Förderung der sozialen Gerechtigkeit.

Die Vollwerternährung ist ein ganzheitliches Ernährungskonzept, das in den Grundzügen auf Erkenntnisse von Professor Werner Kollath basiert. Kollath forderte, die Nahrung so natürlich wie möglich zu lassen.

Karl von Koerber, Claus Leitzmann und Thomas Männle haben diese Idee weiterentwickelt und durch neuere ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse ergänzt (Gießener Konzept).

Nach Erkenntnissen der Gießener Vollwert-Ernährungs-Studie ist die Bedarfsdeckung der essentiellen Nährstoffe möglich. Vollwertköstler kamen den Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr der DGE näher als Mischköstler. Bei den vegetarischen Studienteilnehmer/innen erwies sich die Nährstoffrelation als optimal.

(Weiter Forschungsergebnisse der Giessener Vollwert-Ernährungs-Studie gibt es unter http://www.uni-giessen.de/fbr09/nutr-ecol/forsc_main.php).

Bei Menschen, die ihre Ernährungsweise zu schnell auf Vollkornprodukte umstellen, kann es zu unangenehmen Begleiterscheinungen wie schmerzhafte Blähungen und Durchfall kommen. Für diese Beschwerden sind bakterielle Zersetzungsvorgänge verantwortlich, bei denen aus nicht oder schlecht verdauter ballaststoffreicher Kost toxische Gärungsalkohole und biogene Amine entstehen. Diese können die Darmschleimhaut und auch der sich im Darm befindliche Teil des Immunsystems schädigen.

Der Begriff Vollwert-Ernährung wird oft mit dem der vollwertigen Ernährung (definiert nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung) in Verbindung gebracht bzw. verwechselt. Die DGE versteht unter einer vollwertigen Ernährung eine bedarfsgerechte Zusammensetzung einer ganzen Kostform, im Sinne der DGE- Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr. Demnach ist ein einzelnes Lebensmittel erst dann vollwertig, wenn alle Nährstoffe im gewünschten Verhältnis vorhanden sind. Dabei geht es vor allem um den gesundheitlichen Aspekt. Soziale und ökologische Aspekte haben keine Bedeutung.

Quellen:
KOERBER, K.; MÄNNLE, T.; LEITZMANN, C.: Vollwert-Ernährung. Heidelberg 1994.
POLLMER, U; WARMUTH, S.: Lexikon der populären Ernährungsirrtümer. München 2004.
http://www.naturkost.de/basics/formen/leitz.htm
http://www.ugb.de

Autor: KATALYSE Institut

Vitamine

V. sind organische Verbindungen, die für den menschlichen Stoffwechsel lebensnotwendig sind, von diesem aber nicht gebildet werden können und daher mit der Nahrung aufgenommen werden müssen.

Bei Unterversorgung mit V. kommt es zu typischen V.-Mangelkrankheiten (z.B. V. C: Skorbut, V. D: Rachitis mit Knochenerweichungen und Zahnverfall, V. K: Blutgerinnungsstörungen), die unbehandelt zum Tode führen. V. greifen auf vielfältige Weise in biochemische Prozesse ein.

Die wasserlöslichen V. (B1, B2, B6, B12, C, H) bilden als funktionelle Bestandteile der Enzyme einen Komplex, der Stoffwechselvorgänge katalysiert (Katalyse). Die fettlöslichen V. (A, D, E, K, Q) wirken z.T. als Vorstufen (z.B.V. A: Vorstufe des Sehfarbstoffs; V. D: Vorstufe des unter UV-Strahlung im Körper entstehenden V. D.), oder bei anderen Stoffwechselreaktionen mit.

Bei einer ausgewogenen Ernährung und dem heutigen Nahrungsmittelangebot kommt es nur noch sehr selten zu V.-Mangelkrankheiten. Daher ist die Vitaminisierung von Nahrungsmitteln (Bonbons, Säfte, Säuglingsnahrung) und die Einnahme zusätzlicher V.-Präparate problematisch.

Kommt es zur Überdosierung von bestimmten V., so kann dies auch zu Gesundheitsstörungen führen; z.B. kann zuviel V. A, das während der Schwangerschaft eingenommen wird, zu Mißbildungen beim Kind führen, und zuviel V. D kann Kalkablagerungen in den Blutgefäßen hervorrufen.

V. sind natürliche Konservierungsstoffe, denn je höher der V.-Gehalt eines landwirtschaftlichen Produkts ist, desto größer ist seine Lagerfähigkeit. Die Nahrungsmittelindustrie nutzt deshalb die V. E und C zur Konservierung.

Autor: KATALYSE Institut

Vegetarier

Vegetarier sind Anhänger einer alten alternativen Ernährungsform- dem Vegetarismus. Bei dieser Form werden nur pflanzliche Produkte und teilweise auch Produkte vom lebenden Tier konsumiert.

Umgangssprachlich werden Personen als Vegetarier bezeichnet, die auf den Verzehr von tierischen Lebensmitteln verzichten oder zumindest extrem einschränken.

Ernährungsgeschichte
Über Jahrmillionen hinweg bevorzugte der Mensch pflanzliche Kost, was sich bis heute an anatomischen und physiologischen Merkmalen nachweisen lässt. Die rein vegetarische Kost ist jedoch eine Erscheinung der Kultur und nicht in der Natur des Menschen begründet.

Historische Entwicklung
Die Sekte der Orphiker in Griechenland und der griechische Philosoph Pythagoras gaben im 6. Jahrhundert v.Chr. dem Vegetarismus die ersten Impulse. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Vegetarismus noch "Pythagoräismus" genannt. Mit der Lebensreform-Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts, erreichte der Vegetarismus in Deutschland eine breite Öffentlichkeit. Der Ansatz dieser Reform war neben einer vollwertigen Ernährung die Zunahme des Fleischkonsums in den 1850er Jahren und die damit verbundene Zunahme der Zivilisationskrankheiten. Mit der Umweltbewegung in den 1970er Jahren kam ein weiterer Aufschwung. Heute werden nicht nur gesundheitliche, sondern auch tierethische Aspekte ins Blickfeld genommen.

Formen
Vegetarismus ist keine einheitliche Ernährungsform, sondern umfasst verschiedene Kostformen, die sich in der Lebensmittelauswahl, Zielen und Beweggründen unterscheiden. Die Hauptmotive finden sich in ethisch-religiösen, gesundheitlichen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten. Nach der Lebensmittelauswahl unterscheiden sich ovolacto, ovo-, lacto-, vegetarische und vegane Kost. Kostformen nach Bircher-Benner, Waerland, Schnitzer und die Evers-Diät werden zwar nicht ausdrücklich als vegetarisch bezeichnet, sind es ihrem Erscheinungsbild nach. Die Ernährung nach der chinesischen und Mazdaznan Ernährungslehre, Mayr-Kur sowie verschiedenen Rheuma-Diäten zählen ebenso zur vegetarischen Ernährungsweise.

Die Anzahl der Vegetarier in Deutschland hat sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verzehnfacht. Der Vegetarierbund Deutschland zählt knapp sieben Millionen Vegetarier, wobei die meisten Ovolaktovegetarier sind. Diese Gruppe verzehrt weder Fleisch noch Fisch und daraus hergestellte Produkte. Allerdings sind die Ansichten zum Einsatz von Chymosin bei der Käseherstellung unterschiedlich. Neben pflanzlicher Nahrung sind Milch, Milchprodukte und Eier sowie andere Produkte vom lebenden Tier erlaubt.

In diesem Zusammenhang wird seit einiger Zeit auch von Pudding– und Semivegetariern gesprochen. Puddingvegetarier bevorzugen, entgegen der Grundregel alternativer Ernährungsformen, stark verarbeitete Lebensmittel mit einer geringen Nährstoffdichte (Weißmehlerzeugnisse, Zuckerwaren). Semivegetarier schränken den Verzehr von Fleisch und Fisch sehr, aber nicht ganz, ein.

Die Gruppe der Ovovegetarier meidet Milch und Milchprodukte, verzehrt aber Eier. Zur ovo- vegetarischen Ernährung zählen die Evers-Diät, Schnitzer-Normalkost. Diese Form wird eher selten praktiziert.
Dagegen meiden Lactovegetarier Eier und mit Kälberlab hergestellten Käse. Die Waerland-Kost sowie verschiedene Rheumadiäten werden zu dieser Form gezählt.

Als strengste Form des Vegetarismus wird die vegane Ernährung bezeichnet. Veganer meiden alle vom Tier stammenden Produkte (Nahrungsmittel mit Gelatine, Milch, Honig etc.) und Gebrauchsgegenstände (Lederschuhe und –taschen, Pinsel, Federn, Bürsten aus Tierhaar etc.). Bei mangelnden Kenntnissen der Lebensmittelzusammensetzung ist eine vegane Rohkost auf Dauer abzulehnen.

Ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse
Nach einer Langzeitstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg erkranken Vegetarier seltener als "Normalesser". Die Todesrate durch Schlaganfälle und Herzinfarkt lag um 50 Prozent niedriger als im Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Das Vorkommen Krebserkrankungen war bei Männern um 50 Prozent, bei Frauen um 25 Prozent niedriger. Auch chronische Krankheiten wie Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck traten seltener auf. Die beste Gesundheit wiesen gemäßigte Vegetarier auf, die, im Gegensatz zu strengen Vegetariern, nicht auf tierische Produkte wie Eier und Milch und Milchprodukte verzichten.

Kennzeichnung
Viele Produkte enthalten versteckte, tierische Bestandteile, z.B. Gelatine in Süßigkeiten, Speckfett in Tomatensuppe, Schweineschmalz in Gemüsepizza und andere. Klarheit schafft das V-Zeichen der europäischen Vegetarier-Union. Es dürfen nur Produkte mit diesem Label gekennzeichnet werden, die keine Zutaten oder Substanzen von getöteten Tieren enthalten. Zusätzlich kann das Wort "vegan" beigefügt werden, wenn keinerlei tierische Stoffe oder Substanzen enthalten sind. Das Prüfzeichen wird vom Vegis Lizenzvertrieb vergeben.

Quellen:
LEITZMANN, C.; HAHN, A.: Vegetarische Ernährung. Stuttgart 1996.
LÖBBERT et al.: Lebensmittel. Haan-Gruiten 2004.
KOERBER, K.; MÄNNLE, T.; LEITZMANN C.: Vollwert-Ernährung. Heidelberg 1999.
DER BROCKHAUS: Ernährung. Mannheim 2001.
SPEKTRUM: Lexikon der Ernährung. Berlin 2002.

Autor: KATALYSE Institut

Trinkwasserverbrauch

Der tägliche T. in Deutschland beträgt 127 Liter pro Einwohner und Tag. Er ist damit zusammen mit Belgien der niedrigste Wasserverbrauch in der Europäischen Union.

Hauptverbraucher sind Haushalte, Kleingewerbe und Industrie. In Westdeutschland stieg der T. für Haushalte und Kleingewerbe von 1970 bis 1991 von 1.889 auf 2.876 Mio m3/a und in Ostdeutschland von 499 auf 640 Mio m3/a. Im gleichen Zeitraum sank der T. der Industrie von 1.056 auf 647 Mio m3/a (Ostdeutschland: von 284 auf 218).

Der Wasserbedarf des einzelnen wird durch die häuslichen Lebensgewohnheiten (sanitäre Ausstattungen der Wohnungen, Zahl und Art der wasserverbrauchenden Geräte, Ansprüche an die Körperpflege) bestimmt. Durch den verhältnismäßig niedrigen Wasserpreis und die Gewißheit, jederzeit in beliebiger Menge über Wasser verfügen zu können, werden Bemühungen, Wasser zu sparen scheinbar unnötig.

Aufgrund der bereits jetzt qualitativ knappen Trinkwasservorräte in Deutschland sind Einsparungen beim T. jedoch dringend erforderlich. Durch Mehrfachnutzung des Wassers, wassersparende WC-Spülkästen und Armaturen ( Duschen ) sowie wassersparende Waschmaschinen und Geschirr-Spülmaschinen kann der T. im Haushalt um bis zu 50% gesenkt werden (Wassersparen, Regenwassernutzung ).

Der gesamte Wasserverbrauch (nicht nur Trinkwasser , sondern auch Wasser, das nicht den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht) in Westdeutschland beträgt 110 Mio m3/Tag. Hiervon gehen 63% auf das Konto der Elektrizitätswerke und 28,3% auf das von Industrie und Gewerbe. Haushalte verbrauchen 8% und Kleingewerbe sowie öffentliche Einrichtungen 3%.

Die Wasserversorgungsunternehmen bilden die Preise nach dem Kostendeckungsprinzip. Damit gehen alle anfallenden Kosten in den Trinkwasserpreis ein. Durch unterschiedliche Gegebenheiten vor Ort bei Gewinnung, Transport und Verteilung kann der Wasserpreis variieren. Er liegt zwischen einer und sechs Mark pro Kubikmeter (1000 Liter). Durchschnittlich kosten heute drei Liter Trinkwasser knapp einen Pfennig. Trinkwasser ist damit das preiswerteste Getränk.

Autor: KATALYSE Institut