Vollwert-Ernährung

Vollwert-Ernährung ist eine ganzheitliche und überwiegend lakto-vegetabile Ernährungsweise, bei der gering verarbeitete Lebensmittel bevorzugt werden.

Hauptsächlich verwendete Lebensmittel sind Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchte sowie Milch und Milchprodukte, in geringen Mengen auch Fleisch, Fisch und Eier. Die Hälfte der Nahrungsmittel besteht aus unerhitzter Frischkost.

Die Grundsätze der Vollwert-Ernährung beinhalten neben dem gesundheitlichen Aspekt auch ökologische, soziale und ökonomische Aspekte:

  • Verwendung von Produkten der Saison und möglichst aus regionalem und /oder ökologischem Anbau,
  • Vermeidung von Nahrungsmitteln mit Zusatzstoffen,
  • Bevorzugung unverpackter oder umweltschonend verpackter Lebensmittel,
  • Vermeidung bzw. Verminderung der allgemeinen Schadstoffemission durch Verwendung umweltverträglicher Produkte und Technologien,
  • Verminderung von Veredlungsverlusten durch geringeren Verzehr tierischer Lebensmittel,
  • Bevorzugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die unter sozialverträglichen Bedingungen erzeugt, verarbeitet und vermarktet werden (Fairer Handel mit Entwicklungsländern).

Diese Grundsätze stellen weder Gebote noch Verbote dar. Sie sollen als Empfehlungen verstanden werden, die individuell an Vorlieben und Bedürfnisse angepasst und umgesetzt werden können. Das Ziel ist, eine hohe Lebensqualität, die Schonung der Umwelt und die weltweite Förderung der sozialen Gerechtigkeit.

Die Vollwerternährung ist ein ganzheitliches Ernährungskonzept, das in den Grundzügen auf Erkenntnisse von Professor Werner Kollath basiert. Kollath forderte, die Nahrung so natürlich wie möglich zu lassen.

Karl von Koerber, Claus Leitzmann und Thomas Männle haben diese Idee weiterentwickelt und durch neuere ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse ergänzt (Gießener Konzept).

Nach Erkenntnissen der Gießener Vollwert-Ernährungs-Studie ist die Bedarfsdeckung der essentiellen Nährstoffe möglich. Vollwertköstler kamen den Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr der DGE näher als Mischköstler. Bei den vegetarischen Studienteilnehmer/innen erwies sich die Nährstoffrelation als optimal.

(Weiter Forschungsergebnisse der Giessener Vollwert-Ernährungs-Studie gibt es unter http://www.uni-giessen.de/fbr09/nutr-ecol/forsc_main.php).

Bei Menschen, die ihre Ernährungsweise zu schnell auf Vollkornprodukte umstellen, kann es zu unangenehmen Begleiterscheinungen wie schmerzhafte Blähungen und Durchfall kommen. Für diese Beschwerden sind bakterielle Zersetzungsvorgänge verantwortlich, bei denen aus nicht oder schlecht verdauter ballaststoffreicher Kost toxische Gärungsalkohole und biogene Amine entstehen. Diese können die Darmschleimhaut und auch der sich im Darm befindliche Teil des Immunsystems schädigen.

Der Begriff Vollwert-Ernährung wird oft mit dem der vollwertigen Ernährung (definiert nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung) in Verbindung gebracht bzw. verwechselt. Die DGE versteht unter einer vollwertigen Ernährung eine bedarfsgerechte Zusammensetzung einer ganzen Kostform, im Sinne der DGE- Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr. Demnach ist ein einzelnes Lebensmittel erst dann vollwertig, wenn alle Nährstoffe im gewünschten Verhältnis vorhanden sind. Dabei geht es vor allem um den gesundheitlichen Aspekt. Soziale und ökologische Aspekte haben keine Bedeutung.

Quellen:
KOERBER, K.; MÄNNLE, T.; LEITZMANN, C.: Vollwert-Ernährung. Heidelberg 1994.
POLLMER, U; WARMUTH, S.: Lexikon der populären Ernährungsirrtümer. München 2004.
http://www.naturkost.de/basics/formen/leitz.htm
http://www.ugb.de

Autor: KATALYSE Institut

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