Nachhaltiger Tourismus

Nachhaltiger Tourismus meint eine Form des Reisens, bei der die positiven Effekte des Tourismus sinnvoll genutzt und seine negativen Auswirkungen so weit wie möglich reduziert werden. Dieses Ziel kann bei allen Formen von Urlaub und Reisen verwirklicht werden - nicht nur bei speziellen „Ökotourismus“-Angeboten.

Nachhaltiger Tourismus ist umweltgerecht, indem er sorgsam mit den natürlichen Ressourcen umgeht. Sensible Naturgebiete werden nicht überlastet, sondern durch gezieltes Management in ihrer Besonderheit geschützt und für nachfolgende Generationen erhalten. Umweltverträgliche Techniken beim Einsatz von Wasser und Energie reduzieren die Inanspruchnahme der natürlichen Lebensgrundlagen. Dies wird auch als ökologische Nachhaltigkeit bezeichnet.
Auch in sozialer Hinsicht kann Reisen verträglich gestaltet werden. Respekt vor der lokalen Bevölkerung sowie Neugier und Offenheit gegenüber den Menschen und ihrer Kultur sind für beide Seiten ein Gewinn - dies bedeutet soziale Nachhaltigkeit.
Nachhaltiges Reisen hat zudem ökonomische Vorteile für die Menschen in den bereisten Regionen. Service und Infrastruktur werden angemessen bezahlt und die Gewinne aus dem Tourismus bleiben in der Region, wo sie zu einem angemessenen Lebensstandard und zu Entwicklungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten beitragen und damit die ökonomische Nachhaltigkeit gewährleisten. Unter diesen Umständen kann der Tourismus sogar eine Alternative zu solchen Wirtschaftsformen darstellen, die Natur und Umwelt zu stark beanspruchen und von denen die lokale Bevölkerung nur wenig profitiert.

Nachhaltiger Tourismus ist
ökologisch verträglich, weil

  • Aktivitäten unterlassen werden, die Boden, Wasser, belebte Natur oder die Atmosphäre stark negativ beeinträchtigen oder dauerhaft schädigen.
  • zur Anreise und Mobilität vor Ort umweltfreundliche Verkehrsmittel gewählt werden.
  • touristische Einrichtungen wie Hotels, Restaurants und Freizeitanlagen ressourcenschonende Techniken und Verhaltensweisen nutzen und fördern: Rohstoffe wie Energie, Wasser, Boden, Landschaft und die belebte Natur werden nicht rücksichtslos ausgebeutet und "verbraucht", sondern sinnvoll eingesetzt und dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt.

wirtschaftlich vernünftig, weil

  • die Einnahmen aus dem Tourismus zum Einkommen der lokalen Bevölkerung beitragen und die Entwicklungschancen der Region sichern.
  • sichere Arbeitsplätze und humane Arbeitsbedingungen für die lokale Bevölkerung geschaffen werden, die deren Lebensqualität verbessern.
  • eine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Tourismus vermieden wird und damit die Auswirkungen eines möglichen Rückgangs der Besucherzahlen in der Zukunft abgeschwächt werden.

sozial verträglich, weil

  • der Profit nicht nur den großen Reiseveranstaltern in den Herkunftsländern, sondern auch der Region und der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt.
  • die im Tourismus Beschäftigten faire Löhne erhalten und nicht ausgebeutet werden.
  • die vor Ort lebende Bevölkerung an der Planung und Ausführung des Tourismus beteiligt wird.
  • die Belastungen für die einheimische Bevölkerung gering gehalten und ihre Bedürfnisse sowie ihr Recht auf Selbstbestimmung berücksichtigt werden.
  • kulturelle Werte und Geflogenheiten des Gastlandes respektiert werden.

www.zukunft-reisen.de - Portal für zukunftsfähiges Reisen
Das vom gemeinnützigen Verein Ökologischer Tourismus in Europa (Ö.T.E.) e.V. betriebene Informationsportal www.zukunft-reisen.de soll Verbraucher an das Thema umwelt- und sozialverträgliches Reisen heranführen und die Suche nach vorhandenen Angeboten und Informationen erleichtern. Diese Seite listet mehr als einhundert Links auf Internetseiten von Anbietern, Organisationen und Institutionen, die Informationen rund um umweltgerechtes und sozialverantwortliches Reisen bieten. Ob Reisevorbereitung, geeignete Unterkünfte, umweltverträgliche Mobilitätsangebote, Freizeitaktivitäten oder Qualitätsauszeichnungen für besonders umweltgerechte Anbieter: Zu allen Themen finden sich Informationen mit gezielten Hinweisen, damit der Reisende mit wenigen „Klicks“ schnell ans gewünschten Ziel gelangt und sich für seine umweltverträgliche Reise die passenden „Zutaten“ aussuchen kann. Begleitend dazu ist eine 20-seitige Broschüre erschienen, in der in knapper Form die wichtigsten Informationsquellen enthalten sind.

Kontakt:
Ökologischer Tourismus in Europa (Ö.T.E.) e.V.
Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn
Email: info@oete.de
www.oete.de
www.zukunft-reisen.de

Autor: KATALYSE Institut

Pest

Erreger der P. ist Yersinia pestis.

Symptome: Bei der Beulenpest sind die Lymphknoten vergrößert und können eitern. Lungenpest beginnt mit hohem Fieber, Kopfschmerzen, Myalgie. Innerhalb eines Tages folgt Husten mit zunehmend blutigem Sputum, dann Dyspnoe, Schock und Atemstillstand. Die Inkubationszeit liegt bei ein bis sieben Tagen.

Therapie: Spätestens einen Tag nach Symptom-Beginn muß die Behandlung erfolgen, etwa mit täglich intramuskulär 30 mg Streptomycin pro kg Körpergewicht über 10 Tage, oder mit initial 200 mg, dann 100 mg Doxycyclin zweimal täglich intravenös über 10 bis 14 Tage.

Prophylaxe: Zweimal täglich 500 mg Tetrazyclin oder 100 mg Doxycyclin über sieben Tage.

Impfung: Impfstoffe wurden entwickelt, sind aber nicht verfügbar.

Autor: KATALYSE Institut

Pentachlorphenol

P. (PCP) ist ein desinfizierendes und pilztötendes Pulver. P. wurde bis Mitte der 80er Jahre u.a. zur Konservierung (Holz- und Bautenschutz, Lacke, Farben, Klebstoffe, Textilien, Leder und Zellstoff) und als Zwischenprodukt in der Farb- und Arzneimittelindustrie und als Pflanzenschutzmittel sowie in Bor- und Schneidölen eingesetzt.

P. ist fast immer mit Dioxinen verunreinigt. Dioxine bilden sich bei der Herstellung von Chlorphenolen aus chlorierten Benzolen durch Umsetzung mit Alkalien. Der Gehalt der technischen Verunreinigungen mit Dioxinen und Furanen ist abhängig vom Produktionsprozess, aber auch heute noch enthalten P. relativ hohe Dioxin- und Furankonzentrationen. Durch das breite Einsatzfeld von P. ist es heute weltweit fast in allen Medien nachweisbar.

In Deutschland stehen Vergiftungen durch P.-haltige Holzschutzmittel im Vordergrund. Noch 1979 waren in den 47.000 t in Deutschland verkauften Holzschutzmitteln fast 10.000 t P. enthalten. Trotzdem erhielt 1983 noch fast jedes dritte Produkt das IfBt-Prüfzeichen - und damit dem Segen des Bundesgesundheitsamtes. Mit der Gefahrstoff-Verordnung von 1986 wurde die Verwendung von P. als Holzschutzmittel weiter eingeschränkt: P.-haltige Holzschutzmittel durften nicht mehr verwendet werden, wenn die Luft von Wohn- und Arbeitsräumen belastet werden kann.

Das biologisch schwer abbaubare P. ist ein starkes Gift und hemmt die Energieübertragung in der Zelle. P. kann sowohl über Nahrung als auch über die Haut aufgenommen werden. Akute Vergiftungserscheinungen sind gekennzeichnet durch beschleunigte Atmung, Übelkeit, Kopfschmerzen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit. Bei langfristiger Einwirkung treten Leber- und Nierenschäden, ständige Müdigkeit und Abmagerung auf. Ein MAK-Wert kann nicht angegeben werden, da P. im Tierversuch eindeutig krebserregend wirkt und somit keine unbedenkliche Arbeitsplatzkonzentration existiert. Darüber hinaus besteht der begründete Verdacht der erbgut- und fruchtschädigenden Wirkung technischer P.

Die Hauptaufnahme von P. erfolgt über Luft und Staub oder direkt über die Haut und über die Nahrung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt als Gesamtaufnahme 3 µg/kg/Tag an.

Grenz- und Richtwerte:

  • Raumluft: 1 µg/m3 max. duldbare Raumluftkonzentration (Empfehlungs-/Richtwert), Zielwert der PCP-Richtlinie zur Dauerbelastung: 0,1µg/m3. In der Raumluft gilt ein Wert von 100 bis 500 ng/m3, im Hausstaub von 1 bis mg/kg und im

    Holz von 500 bis 1000 mg/kg als deutliche P.-Belastung.

  • Arbeitsplatz: kein Grenzwert, da krebserzeugend in der MAK-Liste Kategorie 2 eingestuft
  • Materialien (z.B. Leder oder Teppichböden): 5 mg/kg nach Chemikalien-Verbotsverordnung, Materialien, die diesen Grenzwert ausschöpfen, gelten als stark belastet.
  • Trinkwasser: 0,1 µg/Liter
  • Nahrungsmittel: 10 µg/kg
  • Getreide: 30 µg/kg

Untersuchungen haben ergeben, dass v.a. Lederwaren mit P. belastet sein können. Dabei ist v.a. Leder aus tropischen Ländern negativ aufgefallen, das bis zu 200 mg P./kg enthalten kann. Leder aus deutschen Gerbereien bietet große Sicherheit vor P.

Autor: KATALYSE Institut

Passivrauchen

Unfreiwilliges Einatmen von Tabakrauch.

P. ist nachweislich gesundheitsschädlich. Zahlreiche Schadstoffe sind im Nebenstromrauch (Rauch, der vom Raucher nicht aktiv eingeatmet wird) in wesentlich höheren Konzentrationen vorhanden als im Hauptstromrauch (vom Raucher aktiv eingeatmet), da die Temperatur in der Glühzone der "gezogenen" Zigarette viel höher ist und dort die Sauerstoffversorgung zur vollständigen Verbrennung ausreicht.

Passivraucher tragen ein unverhältnismäßig hohes Krebsrisiko, da sie krebserregende Rauchbestandteile schlechter abbauen können als Raucher. Es fehlt ihnen v.a. an den schadstoffabbauenden Enzymen, die Raucher aufgrund der chronischen Belastung durch Tabakrauch verstärkt produzieren (z.B. das Atmungsenzym Cytochrom P450).

Unter den Nichtrauchern sterben jährlich schätzungsweise 1.000 Frauen und 2.000 Männer an Lungenkrebs. Es besteht der berechtigte Verdacht, daß etwa die Hälfte von ihnen dem P. zum Opfer fiel.

Autor: KATALYSE Institut

Östrogen

Ö. sind weibliche Geschlechtshormone, die u.a. die Ausbildung der primären und sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale bewirken.

In Medikamenten sind sie Bestandteil der "Pille" und Mittel gegen Beschwerden in den Wechseljahren. Ö. u.a. Hormone werden illegal bei der Masttierhaltung als Wachstumsförderer eingesetzt.

Siehe auch: Hormon, Futtermittelzusätze, Massentierhaltung

 

Autor: KATALYSE Institut

Organdosis

Eine O. ist die Strahlendosis, die ein bestimmtes Organ, z.B. die Schilddrüse, aufgenommen hat. Organbelastungen treten insb. durch inkorporierte (Inkorporation) natürliche und künstliche Radionuklide auf, die sich im Körper in bestimmten Organen anreichern (Anreicherung).

O. können zu Funktionsbeeinträchtigungen und Krebs in den betreffenden Organen führen (Strahlenschäden). Handelt es sich bei den bestrahlten Organen um Eierstöcke oder Hoden, so spricht man von Keimdrüsendosis.
Das Konzept, neben der Ganzkörperdosis (Strahlendosis) auch einzelne O. zu begrenzen, wird in den jüngsten Empfehlungen der internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) fast vollständig durch das Konzept der effektiven Dosis ersetzt (Strahlendosis, Radioaktivität und Strahlung, Maßeinheiten).

Siehe auch: Strahlenschutzverordnung.

Autor: KATALYSE Institut

Onkologie

Lehre von den Geschwulstkrankheiten. Die O. beinhaltet die Erforschung der Ursachen von Krebserkrankungen

Durch Chemikalien, ionisierende Strahlen, onkogene Viren und Bakterien, Reizungen und Hormonen sowie die Entwicklung von entsprechenden Therapieformen. In der O. werden zunehmend gentechnische Verfahren eingesetzt (Gentherapie).

Autor: KATALYSE Institut

Nachhaltiger Fischfang

Der Nachhaltige Fischfang ist ein Gegenentwurf zur weitverbreiteten konventionellen Fischereiindustrie, die weltweit zur Überfischung führt. Nachhaltige Fischerei bedeutet, dass in einem Umfang gefischt wird, der das Nachwachsen der Bestände nicht gefährdet.

Bei einem nachhaltigen Fischfang wird darauf geachtet, dass die Bestände nicht überfischt werden, sondern dass ihre volle Reproduktionsfähigkeit erhalten wird. Dabei wird die fischereiliche Sterblichkeit (Entnahme aus dem Bestand durch die Fischerei) berücksichtigt. Zusätzlich sollen nicht nur überfischte Fischarten durch ein Fangverbot vor dem Aussterben gerettet, sondern auch dezimierte vorsorglich durch niedrigere Fangquoten geschützt werden.

Überfischung:
Derzeit sind 80 % der Mittelmeerbestände und 47 % der Bestände im Atlantik überfischt (vgl. Europäische Kommission 2012b). Dies liegt u.a. daran, dass die gesetzlichen Fangquoten über den von den Wissenschaftlern empfohlenen Quoten liegen. Durchschnittlich sind die Fangqouten 40 Prozent höher als die durchschnittlichen wissenschaftlichen Empfehlungen (vgl. Carlson 2013). Infolge von Nachhaltigkeitsmaßnahmen konnten sich in den letzten Jahren einige Fischbestände wieder erholen. Trotzdem ist der Zustand des Ökosystems Meer äußerst kritisch.
Die Überfischung bereitet auch der Fischereiindustrie Sorgen: rückläufige Fangmengen durch die Überfischung und damit verbunden abnehmende Profite schaden Fischern und der Fischereiindustrie.

Die Überfischung konnte vor allem durch die Technologisierung der Fischerei eintreten. So wird seit der Industrialisierung der Fischerei immer mehr Fisch durch die steigende Fangeffizienz aus dem Meer geholt. Die Technologisierung führt zu immer größeren Fangschiffen mit effizienteren Fangmethoden, zu einer genaueren Ortung und Erschließung von Fischgründen (durch z.B. 3D-Sonargeräte), zu höheren Fangraten und zu einer potentiell längeren Lagerung des Fisches.
Die Zerstörung des Ökosystems Meer wird zudem auch durch die Verwendung von Grundschleppnetzen vorangetrieben, die den Meeresboden aufwühlen und zerstören und Vegetation und Tiere vernichten (vgl. Rydl et al. 2013). .

Ein großes Problem der Fischerei ist der Beifang (europaweit ca. 460.000 von insgesamt 1,9 Mil. Tonnen gefangenen Fisch pro Jahr). Zu kleine oder deformierte Individuen und Fischarten, für die die Quoten ausgeschöpft sind oder für die es gar keine Quoten gibt, sowie unerwünschter Fisch für die z.B. der betroffene Fischer keine Quote hat, werden als Beifang wieder zurück ins Meer geworfen. Dies liegt einerseits an dem Verbot diese Fische anzulanden, andererseits auch an dem Interesse der Fischer, möglichst gewinnbringenden Fisch zu verkaufen. Der über Bord geworfene Fisch wird nicht erfasst und gilt somit als nicht abgefischt. Durch den Beifang sinkt also die Bestandsproduktivität vieler Fischarten noch weiter. Eine Kontrolle der fischereilichen Sterblichkeit durch den Rückwurf gestaltet sich schwierig. Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Beifang in den meisten Ländern nicht auf die Fangquote der Fischer angerechnet (Ausnahme ist z.B. Norwegen) wird.
Zudem verfangen sich auch andere Meerestiere, wie Wale, Delfine, Meeresschildkröten, Vögel, Robben, Rochen und Haie in den Netzen.

EU:
Die Europäische Union, bekannt für eine eher umweltschädliche Fischereipolitik, versucht angesichts der überfischten europäischen sowie globalen Fischbestände, hohen Beifangraten, rückläufigen Fangmengen, hohen Subventionen, Fischimporten und ihrer eigenen Flottenüberkapazität eine nachhaltige Fischereipolitik zu etablieren.

Deswegen plant die Europäische Kommission eine Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP). Durch diese Reform soll bei Entscheidungen des Fischereirats, der in der Vergangenheit vor allem kurzfristige politische und ökonomische Interessen im Blick hatte (vgl. Callum 2013:444), stärker das EU-Parlament und EU-Kommission eingebunden werden. Die neue Gemeinsame Fischereipolitik wird ab 2014 in Kraft treten (vgl. Europäisches Parlament 2013).

Einige Maßnahmen und Ziele sind folgende:

  • Lösung Beifang-/Rückwurfproblem: Ein Rückwurfverbot für alle fischereilich genutzten und regulierten Fischarten soll durchgesetzt werden, so dass die Fischer den Beifang mit an Land bringen müssen. Dadurch kann die Entnahme der einzelnen Fischarten besser registriert werden. Außerdem schafft dies Anreize Beifang zu vermeiden, da die Fischer Lagerplatz und Lagerplatzkosten durch eine geringere Beifangmenge reduzieren können. Es besteht die Hoffnung, dass ähnlich wie in Norwegen, die Fischer sich dann an technischen Innovationen, durch deren Einsatz man Beifang vermeiden kann, beteiligen und diese auf ihren Fischereiboten etablieren. Durch Fangnetze mit größeren Maschen oder durch Fluchtfenster in den Netzen können z.B. kleinere Individuen, die häufig als Beifang enden, flüchten. Zusätzlich hofft man, dass die Fischer den Bestand von kleineren Individuen und Jungtieren schonen, in dem sie z.B. in Gebieten mit hohem Jungfischaufkommen nicht fischen. Trotzdem muss das Rückfangverbot stark kontrolliert (Kameras, Fischereiaufseher) und geahndet werden. .
  • Nachhaltiges Bestandsmanagment: Ab 2015 dürfen keine Fanggqouten mehr beschlossen werden, die nicht nachhaltig sind. Deswegen soll auf Grundlage des „höchstmöglichen Dauerertrags“ (Maximum sustainable yield = MSY) gefischt werden, so dass nur die optimale Fangmenge (ohne Gefährdung der Fortpflanzungsfähigkeit) dem Meer entnommen wird und die Fischbestände auf dem höchstmöglichem langfristigen Ertragsniveau gehalten werden (vgl. Europäische Kommission 2013: 8). Dazu soll schrittweise die fischereiliche Sterblichkeit verringert werden, bis der höchstmögliche Dauerertrag (MSY) erreicht wird. So könnten sich stark dezimierte Arten erholen und die Entwicklung von größeren Individuen gefördert werden. Die Idee dahinter ist, dass nicht nur die Fischbestände und Arten, die als Beifänge ins Netz geraten, geschont werden, sondern auch durch eine größere Fangstabilität eine produktivere und zukunftssichere Fischereiwirtschaft bei den (stark) befischten Arten betrieben werden soll. Zudem wird die wissenschaftliche Datenlage (z.B. Analyse der langfristigen Entwicklungen in den Fangmengen und Fischbeständen) verbessert und in Zukunft in der Fischereipolitik eine größere Rolle spielen. Zum Schutz des Ökosystems Meer sollen die Nutzung umweltschädigender Fangtechniken, z.B. Grundschleppnetze, einschränkt werden. Auf dem Weg zur nachhaltigen Fischerei sollen folgende Instrumente helfen: Langfristige Managementpläne (z.B. zur Überwachung der fischereilichen Sterblichkeit), Einbinden der Mitgliedsstaaten, Berücksichtigung regionaler Begebenheiten und damit auch die Integration regionaler Beratung unter Berücksichtigung von Region spezifischen Traditionen und Know-How, die Unterstützung der handwerklichen Fischerei, die Bekämpfung der illegalen Fischerei sowie die Eingliederung in die Meeresumweltpolitik (vgl. Europäische Kommission 2012a). Auch die Einrichtung und Erweiterung von Meeresschutzgebieten, die besonders beim Erhalt der Bestände, der Arten und der Biodiversität hilft, soll vorangetrieben werden. 
  • Abbau der Flottenüberkapazität: Als Hauptgrund für die Überfischung gilt auch die große Fischereiflotte. Die EU versucht schon länger die Flottenkapazität zu verringern. Doch ohne nennenswerten Erfolg. Ein Grund für das Scheitern ist, dass die Fangeffizienz der Fangschiffe nicht wirklich bei den bisherigen Maßnahmen mit einbezogen wurde. Daher wird bei der GFP-Reform die Einführung der handelbaren Fangquoten/Fanganteile (ITQ = Individual Transferable Quote) vorgeschlagen. Diese werden von den Mitgliedstaaten, die eine Flottenübergrenze von der EU zugewiesen bekommen, an Fischer/Fischereiindustrie verteilt und können auch nur innerhalb des Mitgliedstaats verpachtet oder getauscht werden. Dadurch soll es für Fischer lukrativ werden, ihre Fanganteile zu verkaufen/zu verpachten. Dies wird wahrscheinlich aber im Ministerrat nicht durchsetzbar sein (vgl. Döring 2012). Bisher und wahrscheinlich auch weiterhin erfolgte bzw. erfolgt die Regulierung der Fischerei per Fangtage auf See. Diese Regulierung ist aber ineffizient, da die Fischer sowieso z.B. in bestimmten Jahreszeiten nicht fischen können oder trotz der begrenzten Fangtage zu viel Fisch aus dem Meer herausholen. Einen großen Beitrag zur Flottenüberkapazität hat die Subventionierung dazu gesteuert (De-Minimis Beitrag von 30.000 Euro ohne daran geknüpfte Bedingung, Befreiung von Kraftstoffsteuern, Unterstützung der Schiffsverschrottung bei einer gleichzeitigen Schiffsmodernisierung). Als Lösung könnte man Subventionen (finanziert aus dem EMFF, European Maritime and Fisheries Fund) von Nachhaltigkeitszielen abhängig machen (Selektivere Fanggeräte, wissenschaftliche Datenerhebung).

Die EU ist zudem in der Fernfischerei tätig. Weltweit fischt die EU-Fischereiflotte, indem Fangqouten in nicht-europäischen Fanggebieten gekauft werden, um die europäischen Flottenkapazität auszulasten. Zukünftig will die Europäische Kommission diese Fernfischerei einschränken. Auch sollen die Schiffe der EU-Flotte in anderen nicht-europäischen Fanggebieten den Richtlinien und Prinzipien der GFP folgen

Die nachhaltige Fischerei soll durch Datenerhebung (Wechselbeziehungen im Ökosystem, Reproduktionsbedingungen der Arten, Auswirkungen der Fischerei), wissenschaftlichen Gutachten, Kontrollen und entsprechenden Korrekturen des Fischereimanagements sichergestellt werden.

Kritik:

  • Für eine nachhaltige Fischerei sind klarere Bewirtschaftungsgrenzen der Fischbestände (Einhaltung der wissenschaftlichen Empfehlungen, einheitliche Regelung der nachhaltigen Bewirtschaftung, in der der Vorsorgeansatz berücksichtigt wird) erforderlich. Insbesondere durch die Ignoranz gegenüber den wissenschaftlichen Empfehlungen in der Vergangenheit (vgl. Salomon et al. 2012:42).
  • Es wird immer nur vom Erhalt des Fischbestands gesprochen. Ein
    Fischbestand ist aber nur gesund, wenn er eine natürliche Zusammensetzung ('gesunde' Größen- und Altersstruktur) besitzt. Dies berücksichtigt die GFP-Reform nicht, da eine solche Datenerhebung sich schwierig gestaltet und eine Fischereipolitik, die auf die Gesundheit der Bestände achtet, kaum umsetzbar ist.
  • Es wird z.T. kritisiert, dass die Maßnahme MYS als Zielwert zur Bestandserhaltung genommen wird, da durch die Wechselbeziehungen zwischen den Arten (Räuber-Beute-Beziehungen, Nahrungskonkurrenz), die Bestände nicht unbedingt das MSY-Niveau erreichen oder auf diesem Niveau bleiben können. Deswegen wird – auch von der EU-Kommission- vorgeschlagen, dass man die fischereiliche Sterblichkeit (dieser Wert wird nur durch die Fischerei beeinflusst), mit der MSY erreicht werden kann, als Zielwert nimmt.
  • Die Fangquoten müssen insgesamt niedriger sein, um den Vorsorgeprinzip gerecht zu werden (Sicherheitsabstand zur MYS).
  • Bereits überfischet Bestände erholen sich nicht, wenn sie nicht zuerst auf einen gesunden Bestand anwachsen können, so dass man ihr Fortbestehen gewährleisten kann. Dafür müssten die Fangmengen erst mal bis zu einem festgelegten Zeitpunkt abgesenkt werden, bis sich die Bestände erholt haben (vgl. WWF 2013).
  • Das Rückwurfverbot soll gestaffelt nach Fischart eingeführt werden. Der Grund für diese Regelung liegt an dem unterschiedlich hohen Aufwand für die technischen Veränderungen, die durchgeführt werden müssen. Allerdings wird es schwer, zu kontrollieren, welche Fischart als Beifang zurück ins Meer geworfen wird. Eine Staffelung nach Fischereien wäre hier einfacher zu kontrollieren.
  • Forderungen eines Rückwurfverbotes für alle Fischarten.
  • Beim Rückwurfverbot gibt es einige Außnahmen, so z.B. erlaubt eine Ausnahmeregelung  bis zu 5% der jährlichen Fangmenge der fangbeschränkten Arten genauso wie alle Arten ohne Fangbeschränkung über Bord zu werden. Diese Ausnahmen erschweren die Kontrolle des Rückwurfverbots.
  • Man schafft für die Fischer falsche Anreize, wenn man ihnen z.B. mehr Fangtage zuspricht, wenn sie Netze mit kleinere Maschen verwenden. Diese Anreize müssen abgeschafft werden.
  • Die von der EU vorgeschlagenen Flottenobergrenzen der Mitgliedstaaten entsprechen dem heutigen Stand und ziehen somit keine Verringerung der Flotte nach sich. Insgesamt wird der Erfolg der handelbaren Fangquoten angezweifelt. (vgl. Salomon et al. 2012:41)
  • Es wird gefordert, dass während und nach der Reform eine öffentliche Debatte in der Gesellschaft angestoßen werden soll.

Insgesamt aber sehen Experten und Umweltschutzverbände die Pläne der EU zur nachhaltigen Fischereipolitik positiv, mahnen allerdings auch, dass die Pläne konsequent umgesetzt werden müssen, um ein Erfolg für das Ökosystem Meer herbeizuführen.

@Umweltlexikon?! Fischerei, Fisch und Fischereiprodukte,
Fischbestand, Thunfisch, Fischsterben,

Lit.:

  • Carlson, Björn, BalticSea2020 (2013): EU-Fischereipolitik: Diese Reform kann Fische und Fischer retten. [Stand: 28.03.2013].
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2013): Fischeries and Aquaculture in Europe. 2013, Nr. 60.
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2012a): Häufig gestellte Fragen. [Stand: 28.03.2013]. 
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (2012b): Hintergrund.[Stand: 28.03.2013]. 
  • Europäische Parlament (2013): Reform der EU-Fischereipolitik: Parlament fordert Ende der Überfischung. [Stand: 05.06.2013]. 
  • Döring, Ralf (2012): Die Reformformschläge zur EU-Fischereipolitik sind besser als ihr Ruf. In: GAiA, 2012, Nr. 3, S.173-176. 
  • Roberts, Callum (2013): Der Mensch und das Meer. München: Deutsche Verlags-Anstalt.
  • Rydl, Vladimir / Reichert, Inka - Planet Wissen (2013): Überfischung der Meere. [Stand: 28.03.2013].
  • Salomon, Markus / Budde, Johanna (2012): Eine nachhaltige Fischereipolitik für Europas Ruf. In: GAiA, 2012, Nr. 1, S.38-42. 
  • WWF (2013): Grobmaschige Fischereireform. [Stand: 04.06.2013].

Autor: KATALYSE Institut

Novel Food

engl. Bezeichnung für Neuartige Lebensmittel

Siehe auch: Gentechnologie.

 

Autor: KATALYSE Institut

Mundraub

Mundraub ist eine Internetplattform für Obstallmende.

Auf dieser werden öffentliche Fundstellen für Obst- und Fruchtgewächse angegeben. Damit verfolgt Mundraub das Ziel, auf vergessene Früchte der Kulturlandschaft hinzuweisen und diese so als Teil der Kulturlandschaft und der Biodiversität dauerhaft zu schützen.
Die Fundstellen können von allen Internetnutzern auf der MundraubMap eingetragen und abgerufen werden. Auf dieser Karte kann man Fundstellen von Obstbäumen, Nüssen, Beeren und Kräutern finden.
Seit 2010 ist mundraub.org online und es wurden bis heute weltweit über 5.000 Fundstellen - die meisten Fundstellen befinden sich in Deutschland - eingetragen. Seit 2011 gibt es ein Mundräuberhandbuch, in welchem auf allgemeine Regeln zur Nutzung und Pflege von Obstbäumen eingegangen wird.
Die "Mundräuberregeln" sollen einen verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit der Natur und den kulturellen und privatrechtlichen Gegebenheiten der Region sicherstellen.

Kontakt:
Terra Concordia gUG Deutschland
Bouchéstr. 79b
12435 Berlin
Telefon: +49 (0) 30 - 54 82 11 01
Fax: +49 (0) 30 - 89 64 82 77
E-Mail: info@mundraub.org
www.mundraub.org

Autor: KATALYSE Institut

No-effect-level

N. ist definiert als die höchste Dosis eines Stoffes, die auch bei andauernder Aufnahme keine erkennbaren und meßbaren Wirkungen (Schäden) hinterläßt.

In der Toxikologie wird mit N. auch die höchstmögliche, tägliche Menge einer Substanz bezeichnet, die weder nachteilige Wirkungen noch strukturelle Veränderungen auf die Versuchstiere ausübt. Tierversuche können nicht die für den Menschen tatsächliche Toxizität eines Stoffes widergeben, daher wird ein Sicherheitsfaktor von 10 bis 1000 (meist 100) angelegt, um den ADI-Wert (akzeptable tägliche Aufnahmemenge) für den Menschen für die betreffende Substanz zu ermitteln.

Autor: KATALYSE Institut

Monokultur

Eine Bodenbewirtschaftung, bei der eine Pflanzenart vorherrscht und mit maximaler Ausnutzung standörtlicher und marktpolitischer Vorteile, bei hoher Maschinisierung, meistens ohne Fruchtfolge, großflächig angebaut wird.

M. werden beispielsweise überwiegend im Kaffee-, Tee- und Reisanbau vorgenommen. Es gibt keine Fruchtfolge und führt daher häufig zu einem starken Schädlingsbefall der Pflanzen und dem zu Ertragseinbußen.
Die fehlende Fruchtfolge führt meist zu einer Verschlechterung der Böden. Nur selbstverträgliche Pflanzen wie Roggen können an geeigneten Standorten über Jahre ohne Ertragsverluste und Verlust an Bodenqualität angebaut werden. Ökologisch ist der M.-Anbau schädlich, da er grundsätzlich zu einem starken Artenrückgang auf der Anbaufläche führt und in der Regel eines höheren Einsatzes von Düngern und Pflanzenschutzmitteln bedarf.

Autor: KATALYSE Institut

Mohn

Der Mohn ist ein einjähriges Kraut mit einer Wuchshöhe von einem bis 1,6 Meter. Er besitz eine Pfahlwurzel, seine Frucht ist eine Kapsel mit Scheidewänden, die ölhaltige Samen enthalten. Es wird zwischen geschlossenen Kapseln (Schließmohn), geöffneten Kapseln (Schüttmohn) unterschieden.

  • Systematik: Familie: Papaveraceae (Mohngewächse),Art: Papaver somniferum L.
  • Herkunft: Asien
  • Klima: gemäßigt bis subtropisch; während Keimung und Jugendphase kühl (bis -5°C), zur Blüte- und Reifezeit sonnig-warme Witterung; Langtagspflanze
  • Aussaat: Im Frühjahr; Bestandsdichte: 50 bis 70 Pflanzen pro m2
  • Düngung: geringes Nährstoffaneignungsvermögen erfordert gute Phosphor und Kaliumversorgung der Böden; Stickstoffbedarf 40 bis 80 kg/Hektar wegen möglicher Reifeverzögerung problematisch; empfindlich gegen Bormangel.
  • Pflanzenschutz: relativ krankheitsunempfindlich; Pilzbefall möglich; Schädlinge: Mohnkapselrüßler, Mohngallmücke; langsame Jugendentwicklung bedingt intensive Unkrautbekämpfung
  • Ernte: Mitte August; Vegetationszeit 120 bis 140 Tage; Mähdrusche; Druschabfälle können aufgrund Morphingehaltes nicht verfüttert werden
  • Ertrag: Erträge der Samen können zwischen 0,5 und 3 Tonnen/Hektar schwanken
  • Besonderheiten: Ölgehalt der Samen zwischen 40 und 50 Prozent; Fettsäuremuster weist
    60 bis 70 Prozent Linolsäure, 12 bis 22 Prozent Ölsäure, 10 bis 12 Prozent
    Palmitinsäure auf; Milchsaft enthält pharmakologisch wichtige Alkaloide (u. a. Morphin, Kodein, Noscapin); morphinarme (>0,01 Prozent) Blaumohnsorte Przemko seit 1996 in BRD zugelassen.

Literatur:

  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen; Thieme Verlag Stuttgart 1997
  • Franke, W.: Nutzpflanzenkunde, Thieme Verlag Stuttgart 1992
  • KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe – Anbau, Verarbeitung, Produkte; C.F. Müller Verlag Heidelberg 1998
  • Rehm, S.: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen: Anbau und wirtschaftliche Bedeutung, Verwertung. 3. Auflage Stuttgart 1996
  • Bellmann, H. et. al.: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer; Ulmer Verlag 2005

Autor: KATALYSE Institut

Mischwald

M. ist ein Wald, der aus mehr als einer Baumart besteht.

Der Anteil der "zugemischten" Baumarten muss definitionsgemäß über 10% liegen. Da standortgemäße M. unempfindlicher gegen biotische (z.B. Schädlingsbefall) und abiotische (z.B. Luftschadstoffe) Umweltfaktoren sind als Monokulturen und außerdem die Waldfunktionen besser erfüllen, fördern die Bundesländer die Anlage von M.. Mischkultur, Plenterwald, naturnahe Wälder

Autor: KATALYSE Institut

Nitrat

N.(chemisch NO3-) das Salz der Salpetersäure ist eine anorganische Stickstoffverbindung, die natürlicher Bestandteil des Bodens ist.

N. ist normalerweise nicht oder nur in geringen Konzentrationen im Grundwasser und in Gemüse vorhanden. Durch Eingriffe in den Stickstoffkreislauf, besonders den Einsatz von künstlichen Stickstoffdüngern, kommt es v.a. in landwirtschatlichen genutzten Regionen zu hohen N.-Gehalten in Boden, Grundwasser und Pflanzen.

Die Landwirtschaft ist durch Überdüngung und Massentierhaltung hauptsächlich für die hohen N.-Gehalte im Grundwasser verantwortlich. So werden in Westdeutschland durchschnittlich 190 kg Stickstoff, 90 kg Phosphat und 180 kg Kali pro Hektar und Jahr auf die Felder gebracht. In Gebieten mit Gülleausbringung kommen Stickstoffeinträge bis zu 400 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr hinzu.

Zusätzlich verursachen Industrie und Kraftwerke durch Verbrennungsprozesse Stickoxid-(Nox)-Emissionen, die sich in hohen Stickstoffbelastungen von Luft und Regenwasser widerspiegeln. Auch der Straßenverkehr trägt einen erheblichen Anteil zum Stickstoffausstoss bei, der über den Luftpfad in den Boden eingetragen wird.

Im Grundwasser Deutschlands, insbesondere in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft und Weinbau, finden sich heute N.-Konzentrationen von z.T. weit über 100 mg/Liter. N. aus abfließendem Dünger; sie sind die wichtigste Ursache für das vermehrte Algenwachstum (Eutophierung) in Binnengewässern und Meeren, insb. Nord- und Ostsee, Adria und Schwarzes Meer.

Die EG-Richtlinien empfehlen eine maximale N.-Konzentration von 25 mg/l für Trinkwasser. Der seit Oktober 1986 geltende EG-Grenzwert für N. im Trinkwasser liegt allerdings bei 50 mg/Liter. Bereits die Einhaltung dieses Grenzwertes stellt jedoch viele Wasserversorgungsunternehmen zunehmend vor Probleme. Die meisten Versorgungsunternehmen vermischen deshalb belastetes Wasser mit weniger belastetem Wasser, bis der Grenzwert unterschritten wird. Viele kleine Wasserwerke (Trinkwasseraufbereitung) mussten seit der Einführung des Grenzwertes schließen.

Der Mensch nimmt ca. 70 Prozent des N. durch Gemüse auf. Grenzwerte für N. (250 mg/kg) existieren nur für Kinderfertignahrung. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Empfehlung ausgesprochen, eine Gesamt-N.-Aufnahme von 220 mg N./Tag nicht zu überschreiten. Einige stickstoffliebende Pflanzen reichern 1000 mg/kg N. und mehr an. Lediglich unverbindliche Richtwerte existieren, die hoch angesetzt wurden: Kopfsalat 3000 mg/kg, Spinat 2000 mg/kg, Rote Beete 3000 mg/kg, seit 1990 auch für Feldsalat 2500 mg/kg, Rettich 3000 mg/kg und Radieschen 3000 mg/kg.

N. selbst weist eine geringe Giftigkeit auf, dies hängt u.a. mit seiner schnellen Eliminierung durch die Nieren zusammen. Im menschlichen Organismus wird jedoch ein Teil des N. in Nitrit umgewandelt. Die Giftigkeit des Nitrits ist darauf zurückzuführen, daß es den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Diese Erscheinung wird als Blausucht bezeichnet. Blausucht tritt bei Säuglingen bis zu einem Alter von sechs Monaten auf (Methämoglobinämie).

Aus Nitrit und sekundären und tertiären Aminen können sich Nitrosamine bilden. Einige Nitrosamine haben toxische Wirkung und zählen zu den potentesten Krebserregern. Zu hohe Nitratanteile im Trinkwasser können zu Kreislauferkrankungen und Krebs führen.

Autor: KATALYSE Institut

Nikotin

Hauptalkaloid der Tabakpflanze (Alkaloide); z.Z. rauchen ca. 70% der männlichen und 35% der weiblichen erwachsenen Erdbewohner.

Obwohl die gesundheitsschädigende Wirkung des Rauchens ein Ausmaß wie das der Infektionskrankheiten erreicht hat, steigt der Tabakkonsum pro Kopf weiter an. N. wird bei der Inhalation sehr rasch bis zu 95% über die Schleimhaut resorbiert. Ähnlich wie Acetylcholin wirkt N. erregend auf die Nervenzelle; diese Wirkung erschöpft sich nach einiger Zeit, und es tritt eine gegenläufige Wirkung ein. N. bewirkt die Verlangsamung der Herzfrequenz, Blutdrucksenkung, Anregung der Darmtätigkeit. Die Effekte sind individuell stark verschieden, wodurch eine therapeutische Anwendung unmöglich wird.

Die Verweilzeit des N. im Körper ist sehr kurz, was die hohe Rauchfrequenz der N.-Abhängigen erklärt. Die tödliche Dosis liegt bei 1 mg/kg Körpergewicht, die durch einen Teeaufguß von 4-6 Zigaretten erreicht wird.

Chronische Wirkungen sind: nervliche Labilität, Gefäßveränderungen (z.B. Arteriosklerose, "Raucherbein") und Blutdruckanstieg; weiterhin Magen-/Darmerkrankungen, Erhöhung des Grundumsatzes bzw. des Kalorienverbrauchs, Mißbildungen, Frühgeburten, Netzhautschäden. Besonders wichtige Wirkungen des Tabakrauchens sind Erkrankungen der Atemwege, Lungenkrebs, Mund- und Rachenkrebs und andere Krebs-Arten.

Siehe auch: Passivrauchen, Tabakrauch

 

Autor: KATALYSE Institut

Nickel

Chemisches Element der VIII. Nebengruppe, silberglänzendes, gut formbares, ferromagnetisches Metall.

Symbol Ni, Ordnungszahl 28, Schmelzpunkt 1.453 Grad C, Siedepunkt 2.732 Grad C, Dichte 8,9 g/cm3, silberglänzendes, gut formbares, ferromagnetisches Metall.
- MAK-Stoffliste III A 1 (eindeutig krebserregend gilt für atembaren Staub von N.-Metall und N.-Verbindungen)
- TRK 0,5 mg/m3 (Stäube und Rauche) bzw. 0,05 mg (für atembare Tröpfchen).

N. ist für lebende Organismen (Organismus) essentiell, für den Menschen wird eine tägliche Aufnahmemenge von 0,025 bis 0,075 mg empfohlen. Bei empfindlichen Personen kann eine Allergie durch Hautkontakt ausgelöst werden, z.B. durch N.-haltigem Schmuck und Textilien, die N.-haltige Reissverschlüse, Knöpfe usw. enthalten. Man schätzt, dass rund 20 Prozent der weiblichen Bevölkerung und zwischen 2 und 4 Prozent der männlichen Bevölkerung sensiblisiert sind.

Der Mensch nimmt Nickel hauptsächlich durch die Nahrung auf, Raucher haben mit dem im Zigarettenrauch enthaltenen Nickeltetracarbonyl eine zusätzliche N.-Belastung. Eine maßgebliche Zusatzbelastung mit N. kann durch die Verwendung von Stahlpfannen bei erstmaligen Gebrauch mit säurehaltigen Lebensmitteln entstehen, da N. dann aus der Legierung gelöst werden kann.

Die N.-Aufnahme von Kleinkindern bis 12 Monaten liegt zwischen 30 und 300 µg/Tag, was im Verhältnis zum geringern Körpergewicht eine hohe Belastung darstellt. Die Angaben zur N.-Aufnahme von Erwachsenen schwanken wischen 0,08 mg/Tag und 0,11 mg/Tag.

N. ist fruchtschädigend und erbgutverändernd bei inhalativer Aufnahme.
Der Grenzwert für Trinkwasser liegt seit 2003 bei 0,02 mg/Liter.

In der Erdkruste kommt N. zu ca. 0,015 Prozent vor. Man vermutet, dass sich im Erdinneren größere Mengen befinden, so schätzt man den Gesamtgehalt der Erde an N. auf ca. 3 Prozent. Für die technische Gewinnung sind v.a. die Erze Garnierit und Pentlandit von Bedeutung. Der N.-Gehalt der Gesamtvorräte von N.-Erzen wird auf 110 Mt geschätzt.

Ende der neunziger Jahre betrug die Weltproduktion an N. 600.000 bis 800.000 t. N. wird hauptsächlich als Bestandteil von mehr als 3.000 Legierungen mit Kupfer, Chrom, Eisen, Cobalt usw. wegen besonders guter Eigenschaften (physikalische Eigenschaften, Korrosions- und Hitzebeständigkeit) verwendet. Anwendung finden diese Legierungen z.B. als Münzen, Behälter und rostfreien Stahl z.B. für Küchengeräte. N. dient ferner als Elektrodenmaterial von Akkumulatoren und als Katalysator.

Autor: KATALYSE Institut

Neurodermitis

N. ist eine der häufigsten Hauterkrankungen.

Sie ist allergisch bedingt, verläuft chronisch und geht mit starkem Juckreiz einher. 60% der N.-Patienten sind familiär mit genetisch bedingten allergischen Erkrankungen belastet. Aufgrund der allergischen Disposition können natürliche oder künstliche Allergene aus der Umwelt die Überempfindlichkeitsreaktion vom Soforttyp hervorrufen.

Auslösend für N. sind v.a. Nahrungsmittel und Lebensmittelzusatzstoffe sowie Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare und Schimmelpilzsporen.

Siehe auch: Allergie

Autor: KATALYSE Institut

Nesselsucht

Siehe Nahrungsmittelallergie, Allergie.

Autor: KATALYSE Institut

Natürliche Strahlenbelastung

Die Menschheit ist von jeher einer Strahlenbelastung aus ihrer natürlichen Umwelt ausgesetzt. Diese hat mehrere Quellen: kosmische Strahlung, terrestrische Strahlung und inkorporierte Radionuklide.

Radioaktive natürliche Nuklide entstanden vor Urzeiten bei der Bildung der Erdmaterie und kommen wegen ihrer großen Halbwertszeit heute noch vor (primordialeRadionuklide) oder werden durch kosmische Strahlung in der Atmosphäre gebildet.

Die wichtigsten primordialen Radionuklide sind Kalium-40, Thorium-232 sowie Uran-234 und -238. Thorium und Uran zerfallen über Zerfallsketten in verschiedene Radionuklide, von denen insbesondere die radioaktiven Kerne Radon-220 und -222, Radium-224 und -226, Blei-210 und Polium-210 von Bedeutung sind. Die wichtigsten durch kosmische Strahlung ständig neu entstehenden Nuklide sind Kohlenstoff-14 (C-14) und Tritium.

Neben ihrer Herkunft lässt sich die natürliche
Strahlenbelastung nach der Art der Bestrahlung in äussere und innere Strahlenbelastung unterteilen. Unter äußerer Strahlenbelastung versteht man Strahlung, die von außen auf den Körper trifft. Dabei kann es sich um kosmische oder terrestrische Strahlung handeln. Die innere
Strahlenbelastung stammt von Radionukliden, die über Luft, Wasser und Nahrung in den Körper gelangt sind ( Inkorporation).

Die innere Belastung wird vor allem durch Kalium-40 und Polonium-210 verursacht. Manche Stoffe wie zum Beispiel C-14 oder Tritium verteilen sich gleichmäßig im Körper, andere reichern sich in bestimmten Organen an, zum Beispiel Radium, Blei und Polonium in der Knochensubstanz ( Anreicherung). Das Edelgas Radon, das auch aus Baumaterialien austritt, (radioaktive Baustoffe), sorgt für hohe Lungenbelastungen (Bronchialdosis von 10 mSv/Jahr) ( Radioaktivität und Strahlung, Masseinheiten), wodurch die Lunge das durch natürliche
Strahlenbelastung am stärksten belastete Organ ist.

Die durchschnittliche Höhe der natürlichen Strahlenbelastung kann nur abgeschätzt werden, da die kosmische und terrestrische Strahlung stark von der Höhe und der Bodenbeschaffenheit abhängt.

Strahlenbelastung, Strahlenschäden, ionisierende Strahlung.

Autor: KATALYSE Institut

Naturheilmittel

Medikamente, die von der Naturheilkunde eingesetzt werden, z.B. Zubereitungen aus Pflanzen oder Salzen.

N. unterliegen dem Arzneimittelgesetz und benötigen den Nachweis der Unbedenklichkeit für eine Marktzulassung. Ein naturwissenschaftlicher Nachweis für ihre Wirksamkeit ist nicht erforderlich, jedoch muss sich die Anwendung durch Erfahrungswerte begründen lassen. Krankenkassen erstatten N. nicht bzw. nur, wenn deren Anwendung ausdrücklich begründet ist. Daraus ergibt sich ein Wettbewerbsnachteil für N..

Siehe auch: GATT, Genbank, Artenschutz, Salzen

Autor: KATALYSE Institut

Naturheilkunde

N. arbeitet mit den Mitteln der Natur.

Im Gegensatz zur Schulmedizin erfolgt ihre Anwendung weniger aufgrund naturwissenschaftlich nachgewiesener Erkenntnisse, sondern sie basiert auf Erfahrungswissen. Die N. wird auch oft als sanfte Medizin bezeichnet, da die Eingriffe in den Körper nicht so drastisch sind.

Es wird vielmehr versucht, die körpereigene Krankheitsabwehr zu steigern. Methoden der N. sind z.B. die Phytomedizin, Akupunktur, Homöopathie, physikalische Verfahren wie Bäder, Massagen, Kälte- und Wärmeanwendungen.

Autor: KATALYSE Institut

Mutation

Veränderung des genetischen Materials in Zellen.

Mutation in Körperzellen (somatische Mutation) können zur Veränderung im Wachstums oder der Funktion der Körperzellen bis hin zu Krebs führen, Mutation in Keimzellen (Keimzellen-Mutation) können sich auf die Nachkommen auswirken.

Nach der darwinistischen Evolutionstheorie bilden (Keimzellen-)Mutation und Selektion die Grundpfeiler der Evolution, bei der sich die bestangepaßten Organismen durchsetzen. Mutation sorgen für die genetische Bandbreite der Organismen, aus denen dann mittels Selektion ausgewählt wird (Konkurrenz).
Mutation können spontan erfolgen, durch mutagene Chemikalien oder ionisierende Strahlung (Strahlenschäden) verursacht werden oder durch Fehler in der Meiose (natürliche Chromosomenreduktion) auftreten.

Man unterscheidet verschiedene Arten von Mutationen:

  1. Gen-Mutation (auch Punkt-Mutation): eine Mutation, die die Basensequenz der DNS eines einzelnen Gens ändert (austauscht, eliminiert oder einfügt). Gen-Mutation. können in vielen Fällen von zelleigenen Reparaturmechanismen behoben werden.
  2. Chromosomen-Mutation (Chromosomenaberrationen): insb. durch chemische Substanzen oder ionisierende Strahlung (Strahlenschäden) ausgelöste Veränderungen der Form und Struktur von Chromosomen, wie z.B. Verlust, Verlagerung oder Einbau von Chromosomenstücken. Chromosomen-Mutation haben meist schwerwiegende Folgen; sie wirken in der überwiegenden Zahl bei Keimdrüsen-Mutation schon vorgeburtlich tödlich.
  3. Genom-Mutation: Mutation, die die Anzahl der Chromosomen erhöht oder erniedrigt. Beim Menschen z.B. führt das 3fache statt 2fache Vorhandensein des Chromosoms 21 zum Mongolismus.

In der Pflanzenzüchtung spielt die Vervielfachung (Polyploidisierung) von Chromosomensätzen eine wichtige Rolle bei der Vergrößerung der Früchte und damit Steigerung der Erträge. Polyploide Abkömmlinge sind oft unfruchtbar, so daß Bauern ihr Saatgut nicht mehr selbst von der Ernte abzweigen können, sondern auf Genbänke von Konzernen angewiesen sind.

Die meisten Gen- und Chromosomen-Mutation wirken sich gerade bei höheren Organismen nachteilig aus und führen zu Totgeburten, Mißbildungen und Krankheiten. Neue Chemikalien müssen daher nach dem Chemikaliengesetz vor der Zulassung Mutagenitäts-Tests (Ames-Test) absolvieren. Die zunehmende Radioaktivität in der Umwelt (Kernkraftwerk, Wiederaufarbeitung, Brennstoffkreislauf, Atommüll) erhöht dauerhaft die Mutation-Rate und kann zur genetischen Zeitbombe werden (Genetische Strahlenschäden).

Spontane Mutation bei Bakterien versetzen diese in die Lage, in kurzer Zeit
Antibiotika-Resistenzen zu entwickeln, indem die Umwelt (antibiotikahaltiges Medium) aus den mutierten Bakterien die (zufällig) resistenten selektiert.

Autor: KATALYSE Institut

Mutagenität

Fähigkeit einer chemischen Substanz oder ionisierender Strahlung als Mutagen Erbgutveränderungen (Mutation) zu bewirken.

Als Testorganismen zur Bestimmung der M. werden Bakterien, Pilze, Taufliegen, Nagetiere oder Zellkulturen herangezogen.

Siehe auch: Ames-Test, ionisierender Strahlung

 

Autor: KATALYSE Institut

Morbidität

(Lateinisch morbidus = krank.) Verhältnis der Zahl der Erkrankten zur Zahl der Gesamtbevölkerung in einem bestimmten Zeitraum (z.B. die Zahl der Krebskranken nach einem Atomunfall).

Autor: KATALYSE Institut