Rauchgasentschwefelungsanlagen

R. (REA) sind Anlagen, bei denen Schwefeloxide (Schwefeldioxid SO2 und Schwefeltrioxid SO3) aus Rauchgasen abgeschieden werden.

R. können außer bei Kohle- und Ölkraftwerken auch zur Reinigung in anderen Industriezweigen (z.B. Eisen- und Stahlindustrie, chemische Industrie) eingesetzt werden. Es wird zwischen trockenen, nassen und trocken-regenerativen R. unterschieden. Bei den trockenen Verfahren wird i.d.R. gemahlener Kalk in die Feuerung eingeblasen, wo er sich mit SO2 zu Sulfit verbindet und dadurch der natürliche Einbindungsgrad von SO2 in der Asche erhöht wird (Trocken-Additiv-Verfahren).

Bei den nassen Verfahren werden die SO2-haltigen Rauchgase in einer speziellen Anlage mit feinen Kalkschlammtröpfchen besprüht, wobei sich SO2 und Kalk zu Gips verbinden (REA-Gips). Anstelle von Kalkschlamm können auch Ammoniaklösungen (Walther-Verfahren) oder Natriumsulfit (Wellmann-Lord-Verfahren) verwendet werden. Der Abscheidegrad für Schwefeloxide liegt bei trockenen Verfahren bei nur 50%, bei nassen bei über 95%. Aufgrund der Großfeuerungsanlagenverordnung mußten alle deutschen Kraftwerke mit einer Wärmeleistung von mehr als 300 MW bis zum 1.7.1988 mit nassen R. ausgerüstet werden.

Aufgrund der neuen TA Luft von 1986 müssen auch Kohlekraftwerke mit einer Wärmeleistung von weniger als 50 MW mindestens nach dem trockenen Verfahren entschwefelt werden.
Durch den Einsatz von R. fielen 1989 in westdeutschen Steinkohlekraftwerken rd. 1,8 Mio t Gips an, in Braunkohlekraftwerken rd. 1,2 Mio t. Der Gips aus Steinkohlekraftwerken wird zu 100% verwertet, vorwiegend in der Bauindustrie (REA-Gips).

Der in Braunkohlekraftwerken anfallende Gips kann derzeit verfahrensbedingt aufgrund seiner Sulfit- und Sulfidbelastung nicht in der Bauindustrie eingesetzt werden, sondern wird in den Tagebaugruben (Braunkohle) deponiert.

Siehe auch: Wirbelschichtfeuerung, DESONOX-Verfahren

Autor: KATALYSE Institut

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