Aufgrund des großen wirtschaftlichen Drucks und der gestiegenen Nachfrage der Verbraucher nach billigem Fleisch haben die heutigen Methoden der Massentierhaltung zu einem intensiven Einsatz pharmakologisch wirksamer Stoffe geführt.
Diese werden aus therapeutischen, zum größten Teil jedoch aus prophylaktischen und wirtschaftlichen Gründen (Verkürzung der Mastzeiten o.ä.) eingesetzt. Rückstände dieser Stoffe sind gesundheitlich bedenklich und können gerade durch kontinuierliche Aufnahme zu Problemen führen (Allergien, Resistenzen pathogener Keime). Sie gelangen v.a. durch illegale Anwendung, missbräuchliche Auslegung der Gesetze und zu geringer Wartezeiten nach der Anwendung auf den Teller des Verbrauchers.
Die entsprechenden Gesetze (Futtermittelrecht, Lebensmittelrecht, Fleischrecht, Arzneimittelrecht) greifen nur da, wo auch eine wirksame Überwachung stattfindet. Diese jedoch kann nur Stichproben erfassen und stößt aufgrund der nicht kontrollierbaren Zahl an chemischen Verbindungen auf Schwierigkeiten.
Die eingesetzten Stoffe sind:
Antibiotika, sie dürfen bis auf wenige Ausnahmen nur zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Allerdings kommt es immer wieder zu missbräuchlichen Auslegungen dieses Verwendungszweckes. V.a. das Antibiotikum Chloramphenicol wird in Tieren immer wieder nachgewiesen. Antibiotika haben neben der Verhütung von Infektionen den günstigen Nebeneffekt, die Futterverwertung zu verbessern und das Wachstum von Jungtieren zu steigern. Nach einem Beschluss des Rates für Landwirtschaft und Fischerei am 20. Februar 2003 in Brüssel, sind ab 1. Januar 2006 antibiotische Leistungsförderer in der Tierernährung verboten.
Cortison oder cortisonähnliche Stoffe werden bei Schweinen zur Vermeidung von Stresszuständen eingesetzt.
Östrogene werden als Masthilfsmittel besonders in der Rindfleischproduktion eingesetzt. In Deutschland ist der Einsatz von Hormonen zu Mastzwecken seit 1958 verboten. Seit 1988 gilt dieses Verbot auch EU-weit. Trotzdem kam es im Sommer 1988 zum großen Hormonskandal. 70.000 Kälber zweier Südoldenburger Mäster wurden beschlagnahmt.
Psychopharmaka werden als Beruhigungsmittel zur Vermeidung von Streßzuständen bei Massentierhaltung, Transporten und vor der Schlachtung angewendet. Bei Dauergebrauch wirkt sich auch die Ruhigstellung positiv auf das Mastergebnis aus. Ebenfalls als Beruhigungsmittel werden die Herz-Kreislauf-wirksamen Beta-Blocker sowie Tranquilizer eingesetzt.
Somatotropin ist ein gentechnisch hergestelltes Wachstumshormon. Das Somatotropin soll die Milchleistung der Kühe um 30 Prozent steigern, und auch die Fleischausbeute soll erhöht werden. Der Nachweis des Somatotropin im Fleisch ist schwierig, da dieses Hormon auch von der Kuh selbst produziert wird. Zweifel an der Unbedenklichkeit werden immer lauter.
Quelle:
KATALYSE (Hrsg.): Neue Chemie in Lebensmitteln. Frankfurt 1998.
Siehe auch: DFD-Fleisch, PSE-Fleisch
Autor: KATALYSE Institut