Papier

In Westdeutschland wurden 1990 ca. 14,6 Mio. t P., Karton und Pappe verbraucht. Umgerechnet entspricht das einem Pro-Kopf-Jahresverbrauch von ca. 230 kg.

Dieser Verbrauch ist um 50 Prozent höher als in Frankreich und genauso hoch wie in allen afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten zusammen. Durch Kombination oder Variation der Roh-, Füll-, Farb-, Leim- und Hilfsstoffe entstehen ca. 2.000 P.-Sorten.

Als Rohstoffe dienen z.B. Zellstoff, Holzstoff, Alt-P. und Lumpen (Anteil ca. 70 %). Füllstoffe (28 %) sind z.B. Kreide, Bariumsulfat, Titandioxid und Kaolin. Es gibt zwei Verfahren, die pflanzliche Fasern, die durch die Rohstoffe geliefert werden, zu einer flächigen Masse zu verfilzen: Aus
Holz wird mechanisch Holzschliff gewonnen, oder das  Holz wird chemisch zu Zellstoff (Cellulose) aufgeschlossen.

Während der Holzschliff v.a. für Zeitungspapier eingesetzt wird, ist Zellstoff der wichtigste Primärstoff für die Herstellung höherwertiger P.. Der chemische Aufschluss erfolgt durch einen Kochprozess unter Einsatz von Sulfat (bzw. Sulfit) und ist holz-, energie- und wasserintensiv sowie mit einer größeren Luft- und Abwasserbelastung verbunden. Die Zellstoffausbeute beträgt hierbei lediglich 50 Prozent des Holzeinsatzes, ein Teil der anderen Holzinhaltsstoffe (z.B. Lignin, Hemicellulose) gelangt i.d.R. mit dem Sulfat ins Abwasser und überfordert so die biologischen Klärstufen der Kläranlagen (Abwassereinigung).

Bei dem Kochprozess und der damit verbundenen Laugenverbrennung werden Schwefelwasserstoff und Merkaptane, giftige organische Schwefelverbindungen mit extrem widerwärtigem Geruch, emittiert. In Deutschland wird die Sulfattechnik wegen der starken Geruchsbelästigung und der Risiken für die Gewässer nicht angewendet. Statt dessen importiert man Sulfatzellstoff aus Skandinavien und Nordamerika, wodurch dort ein industrieller Waldbau und damit das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten gefördert wird. Für die Zukunft sollen die P.-Hersteller die Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Verfahren zur Zellstoffgewinnung vorantreiben und den Einsatz von Altpapier weiter begünstigen.

Autor: KATALYSE Institut

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