Rhein-Main-Donau-Kanal

(RMD-Kanal) Die nicht vorhandene natürliche Verbindung der Flüsse Rhein und Donau soll durch den seit 1921 geplanten Bau des insg. 677 km langen R. geschaffen werden.

Die Baumaßnahmen umfaßten den Ausbau des Mains und der Donau sowie den Neubau des Kanals zwischen Bamberg und Kelheim (171 km, eröffnet am 25.9.1992). Der Bau der 55 m breiten, 4 m tiefen, weitgehend asphaltierten Kanalrinne, die Kanalbauten (Schleusen usw.), neue Straßenbauten (Brücken u.a.) und Industrieansiedlungen zerstören die bis dahin weitgehend naturbelassene Flußlandschaft des Altmühl-, Ottmaringer- und Sulztals.

Die Behinderung des Hochwassers in diesen Tälern wie auch in den Donauauen verringert die Selbstreinigungskraft der Flüsse und führt zum Verlust von ca. 18 Mio m2 schutzwürdiger Feuchtgebiete, Biotope und Altwässer (Auenlandschaft). Damit wird die Lebensgrundlage für zahlreiche Pflanzen und Tiere, die z.T. auf der Roten Liste stehen, in einem der größten und artenreichsten Vogelbrut- und Überwinterungsgebiet bedroht (Artenschutz, Artensterben).

Der Kanal zwischen Bamberg und Kelheim entspricht in seiner Ausführung modernsten Ansprüchen von Öko-Technokraten und Naturkonstrukeuren. Technisch wirkende Geradlinigkeit wurde vermieden wo immer es ging, und unzählige künstliche Feuchtbiotope wurden entlang des Kanals geschaffen. Der ökologische Wert ist jedoch gering; Experten prognostizieren, daß die
Artenvielfalt auf ein Fünftel sinken wird und Allerweltsarten das Bild beherrschen werden. Großprojekten geopferte Natur läßt sich nicht ersetzen.

Fragwürdig ist der R. nicht nur wegen der irreparablen Landschafts- und Naturhaushaltszerstörung. Obwohl der spezifische Energieverbrauch beim Transport von Gütern in der Schiffahrt geringer ist als im Schienenverkehr (Verkehr), ist der Kanalbau sowohl aus wirtschaftlicher wie aus verkehrstechnischer Sicht äußerst umstritten.

Investitionskosten von insg. 8 Mrd DM, die Deckung von nur 7% der Betriebskosten des Kanals durch die Wegegebühren für die Schiffe, die jährlichen Verluste der Bahn durch die billige Konkurrenz der Kanalschiffahrt sowie die Unterhaltskosten des Kanals in Millionenhöhe machen den R. auch wirtschaftlich zum "dümmsten Projekt seit dem Turmbau zu Babel" (V.Hauff, ehem. Verkehrsminister).

Autor: KATALYSE Institut

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