Umweltzertifikate

(Verschmutzerzertifikate) Als Prototyp einer marktwirtschaftlichen Lösung von Umweltproblemen gelten die sogenannten Umwelt- und Emissionszertifikate. Die theoretische Entwicklung und Ausarbeitung entsprechender Zertifikatsmodelle geht im wesentlichen auf den Amerikaner J.H. Dales Anfang der 60er Jahre zurück. Mit Beginn der 70er Jahre hatte die Diskussion auch Deutschland erreicht.

Die Befürworter der U. gehen von der Vorstellung aus, dass es deshalb Umweltprobleme gibt, weil Umwelt, Luft, Wasser und Boden als freie Produktionsfaktoren, d.h. ohne Kosten im Produktionsprozess, Verwendung finden bzw. als Aufnahmemedium für Schadstoffe frei verfügbar sind. Damit gibt es keinen der Marktwirtschaft systemimmanenten Anreiz für einen Unternehmer, Umweltverschmutzung zu verhindern. Aus dieser Analyse wird die Konsequenz gezogen, die Umwelt zum Wirtschaftsfaktor zu machen, d.h. sie mit einem Preis zu versehen und in den marktwirtschaftlichen Steuerungsmechanismus einzubeziehen.

Zur grundsätzlichen Funktionsweise der U. hat man folgende Vorstellungen entwickelt: In jedem Überwachungsgebiet werden behördlich zulässige Höchstmengen von Schadstoffen festgelegt und durch U. verbrieft. Der Betrieb von emittierenden Anlagen ist an den Besitz solcher Verschmutzungsrechte geknüpft. Sie können zwischen den Unternehmen frei gehandelt werden, so daß diejenigen in ihren Besitz kommen; die den höchsten Preis bezahlen. Wer U. verkauft, muß seine Emissionen vermindern, wer sie einkauft, darf entsprechend mehr emittieren.

Gemäß der ökonomischen Theorie belasten die U. die umweltverschmutzende Produktionsweisen und drängen diese zugunsten sauberer Produktionen zurück. Die Theorie der U. ist dementsprechend faszinierend, die Praxis hingegen frustrierend. Folgende Schwierigkeiten tauchen auf:

* Deutschland besteht unstreitig dort, wo die Besiedlungsdichte hoch ist und wo die industrielle Produktion im wesentlichen stattfindet, überwiegend aus belasteten Regionen. Wo aber hohe Industrialisierung und starke Umweltverschmutzung erfordern, alle vermeidbaren Emissionen zurückzuhalten, also den Stand der Technik bei jeder Anlage einzuhalten, schmilzt der Markt der U. auf Null zusammen. Mangels Masse kann das U.-Modell unter diesen Bedingungen nicht funktionieren.

* Auch im Vorfeld einer vollständigen Anwendung des Standes der Technik kann das U.-Modell nicht funktionieren, denn je knapper Emissionszertifikate sind, desto größer wird die Gefahr, daß sie als Mittel zur Beschränkung des Marktzuganges eingesetzt werden.

Autor: KATALYSE Institut

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