Waldschadenserhebung

Nachdem im Jahre 1983 die Waldschadensfläche auf Basis der 1982 erstmals durchgeführten W. sprunghaft zunahm und das "neuartige" weil erstmals großflächige Waldsterben im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stand, wurden seit 1984 jährlich bundeseinheitliche W. durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten durchführt und veröffentlicht.

Das Verfahren zur W. wird seit 1984 unverändert angewandt, seit 1990 auch in den neuen Bundeländern. Die W. basiert auf einem mathematisch-statistischen Modell, bei dem anhand eines permanenten Stichprobennetzes im Raster 4 x 4 km die Waldschäden erfaßt werden (bei der W. von 1991 wurden an 7.794 Stichprobenpunkten rund 220.000 Bäume untersucht). Die erfaßten Bäume werden je nach ihrem Gesundheitszustand in 5 Schadstufen eingeteilt.
Für die Eingruppierung sind zwei Kriterien maßgebend: der relative Verlust an Nadel- bzw. Blattmasse und der Grad der Nadel- bzw. Blattvergilbung. Anhand des Nadel- bzw. Blattverlustes wird der untersuchte Baum einer Schadstufe zugeordnet; treten zusätzlich mittlere oder starke Vergilbungen auf, wird der Baum in eine um 1 oder 2 erhöht Stufe eingruppiert.
Wegen umfangreichen Sturmschäden wurde 1990 keine W. durchgeführt, die erhobenen Daten machten nur eine Trendaussage möglich. In den Jahren 1987-1989 wurde eine W. nur anhand eines Teils der Stichprobenpunkte (im 16 x 16 km Raster) erhoben. Die W. von 1991 ist also erstmals seit 5 Jahren das Ergebnis einer Vollstichprobe (s. Tab.).
Seit 1984 haben die Waldschäden in Westdeutschland weiter zugenommen. 1991 sind 59,8% (1984: 50,2%) aller Bäume, das sind 4,422 Mio ha in den alten Bundesländern krank, über 20% (17,3%) haben deutliche Schäden.
Die Luftreinhaltepolitik, auf die die Bundesregierung schon seit Jahren stolz hinweist (z.B. mit jeder W.), hat, an diesen Zahlen gemessen, auf der ganzen Linie versagt. Die Erfolge im Kraftwerksbereich (Großfeuerungsanlagenverordnung) werden durch die zunehmenden Verkehr-Emissionen kompensiert (Stickoxide). Besonders schlimm trifft es die über 60jährigen Bäume, also solche, die schon länger einer hohen Schadstofffracht ausgeliefert sind. Hier sind heute z.B. 87% aller Fichten, 84% aller Kiefern, 89% aller Tannen, 82% aller Buchen und 82% aller Eichen krank. Alte Baumriesen wird es bald gar nicht mehr geben.
In Ostdeutschland sind die Waldschäden mit einem Anteil von 73% kranker Bäume gegenüber 59,8% in Westdeutschland deutlich höher. In den neuen Bundesländern ist der Zeitpunkt nicht fern, an dem große Teile des Waldes abgestorben sein werden, in den Höhenlagen der dortigen Mittelgebirge haben die Schäden bereits ein katastrophales Ausmaß angenommen. Doch auch in den alten Bundesländern löst sich der Wald in den Höhenlagen großflächig auf. Besonders stark betroffen sind die alpinen Schutzwälder, wo z.T. 100% der Bäume krank sind. In Westdeutschland sind die süddeutschen Länder (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) mit 66% kranker Bäume stärker vom Waldsterben betroffen als die nordwestdeutschen Bundesländer (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein) mit 43%.
Die Tanne ist nach wie vor der Baum, dem die Luftverschmutzung am meisten zusetzt. Nachdem man jahrelang dachte, die Laubbäume seien gegenüber Luftverschmutzung widerstandsfähiger, spricht die Entwicklung der Schäden deutlich eine andere Sprache (s. Tab).
Seit 1987 wird für die Europäische Gemeinschaft ebenfalls eine W. durchgeführt. Die neusten Zahlen sind aus dem Jahr 1990. In allen an der Erhebung beteiligten Staaten werden die Symptome des Waldsterbens beobachtet; 15% aller Bäume zeigen deutliche Schäden (Schadklassen 2-4); 1989 waren es 9,9% und 1988 12,9%. Besonders hohe Schäden werden aus Osteuropa gemeldet. 1990 waren in Litauen, Polen, der Tschechoslowakei und Weißrußland mehr als 30% der Bäume deutlich geschädigt.
Aber auch in anderen europäischen Ländern haben die Waldschäden besorgniserregende Ausmaße angenommen, besonders betroffen sind Ungarn, Bulgarien, Großbritannien und Dänemark. Flächig absterbende Wälder gibt es vor allem in den höheren Gebirgslagen Bulgariens, Polens und der Tschechoslowakei. Besonders kritisch ist der Zustand der Laubbäume. Bei den älteren Eichen liegt der Anteil der deutlichen Schäden (Schadklassen 2-4) in der Tschechoslowakei, Weißrußland und auf dem Gebiet der ehemaligen DDR über 50%.
Erste Ergebnisse der W. für 1991 zeigen, daß sich der Zustand der Wälder auch in der EG noch weiter verschlechtert hat.
Waldsterben

Lit.: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Waldschadensbericht 1991

Autor: KATALYSE Institut

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