Chlorfreies Papier

Mit dem Begriff C. wird Papier bezeichnet, zu dessen Herstellung Zellstoff eingesetzt wird, welcher ohne Einsatz von elementarem Chlor oder chlorhaltigen Verbindungen produziert wird.

Dies führt zu einer starken Reduzierung der Einleitungen an chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) ins Abwasser. Um dies zu ermöglichen, müssen die traditionellen Verfahren der Zellstoff-Gewinnung (Sulfit-, Sulfat- oder Holzstoffverfahren; Papier) durch neue Zellstoffproduktionsverfahren unter Einsatz anderer, meist organischer Aufschlußmittel ersetzt werden. Derzeit werden hauptsächlich drei Verfahren angewandt:

  • 1. Beim Organosolv- (Organocell-) Verfahren wird eine Mischung von Wasser und Methanol als Extraktions- und Lösungsmittel sowie in einem zweiten Kochprozeß Natronlauge (Natriumhydroxid) eingesetzt. Das Methanol wird anschließend wieder zurückgewonnen. Gegenüber bisherigen Aufschlußverfahren entstehen kaum Abwässer und Abgase. Aufgrund sehr geringer Ligninreste kann der Zellstoff mit Ozon und Wasserstoffperoxid auf hohe Weißgrade aufgehellt werden. Chlorhaltige Bleichmittel werden nicht mehr benötigt. Weißgrad und Festigkeitseigenschaften entsprechen denen der Sulfit- bzw. Sulfateigenschaften.
  • 2. Das ASAM-Verfahren verwendet als Aufschlußchemikalien geringe Mengen Sulfit sowie Natriumcarbonat und Natronlauge (Natriumhydroxid). Zusätzliches Lösungsmittel ist Methanol, welches nahezu 100-%ig wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt wird. Durch die nahezu vollständige Abtrennung des Lignins vom Zellstoff wird dieser in einer solchen Reinheit gewonnen, daß auf chlorhaltige Bleichmittel verzichtet werden kann. Hinsichtlich des Weißgrades, der Festigkeit und Ausbeute ist das ASAM-Verfahren mit den klassischen Verfahren konkurrenzfähig.
  • 3. Beim Acetosolv-Verfahren erfolgt der Aufschlußprozeß mit Essigsäure unter einem 0,1-%igen Zusatz von Salzsäure (Chlorwasserstoff). Eine Bleiche mit Wasserstoffperoxid wird in diesen Kochungsprozeß direkt integriert. Hinsichtlich von Weißgrad und Festigkeitseigenschaften besitzt dieser Zellstoff zum Teil bessere Werte als Sulfit- und Sulfatzellstoff.

    Obwohl klare Vorteile gegenüber den klassischen Verfahren vorhanden sind, muß berücksichtigt werden, daß noch keines dieser neuen Verfahren in großtechnischem Maßstab eingesetzt wurde. Einen Grund zur Kritik bietet die Tatsache, daß es sich hier um die Herstellung von Zellstoffen aus Primärfasern handelt.

    Durch Einsatz der neuen Aufschlußverfahren kann zwar der Schadstoffausstoß (Emission) bei der Zellstoffproduktion gesenkt werden, eine Ressourceneinsparung oder Abfallreduzierung, wie durch erhöhten Einsatz von Altpapier möglich, wird hierdurch jedoch nicht erreicht. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, warum führende deutsche Umweltorganisationen und -zeitschriften lauthals damit werben, daß sie nur auf C. drucken, anstatt direkt Altpapier zu verwenden.

 

Autor: KATALYSE Institut

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