Krebsrisiko

Die Abschätzung eines individuellen K. oder eines Risikos, das aufgrund bestimmter krebsauslösender Substanzen entsteht, ist äußerst problematisch und wird demzufolge kontrovers diskutiert.

Da die Vorgänge bei der Krebsentstehung noch nicht im Zusammenhang geklärt sind, kann eine Risikoabschätzung nur durch das Studium individueller Krebsfälle, epidemiologischer Studien oder mit Hilfe von Tierversuchen ermittelt werden. Substanzen, die sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen haben, sollten im praktischen Anwendungsfall so behandelt werden, als ob diese Substanz auch beim Menschen Krebs auslösen könnte.

Hierbei ist die Gesetzgebung jedoch äußerst zurückhaltend. Je nach Interessenlage - chemische Industrie, Verbraucher oder Gesetzgeber - werden Untersuchungsergebnisse unterschiedlich interpretiert. So z.B. die Frage, ob Substanzen, die mutagen, d.h. erbgutverändernd, wirken auch als krebsauslösend zu betrachten sind. Bis heute ist es unmöglich, die Kombinationswirkung verschiedenster Chemikalien im Körper zu kalkulieren.

Auch Angaben über Grenzwerte für bestimmte Chemikalien sind mit Vorsicht zu betrachten, da selbst kleinste Dosen verheerende Wirkungen haben können, wenn sie über einen genügend langen Zeitraum immer wieder auf den Organismus einwirken. Der Zeitraum zwischen der ersten Exposition gegenüber einem chemischen Kanzerogen (krebsauslösende Substanz) und der Entwicklung einer klinischen Krebssymptomatik bemißt sich gewöhnlich in Dekaden und kann 30 Jahre oder mehr betragen.

Dies erschwert einerseits die Ursachenforschung und läßt andererseits vermuten, daß angesichts der Vielzahl immer neuer Chemikalien, die in Umlauf gebracht werden, die Krebsrate in den nächsten Jahrzehnten noch ansteigen wird. Schon heute stirbt ca. jeder 5. Bundesbürger an Krebs.

Als eindeutig krebserregend gelten heute physikalische Faktoren wie ionisierende Strahlung (Somatische Strahlenschäden, Radioaktivität, Alpha-, Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung) und UV-Strahlung (Hautkrebs), bestimmte Krebsviren sowie eine Vielzahl von Chemikalien (z.B. bestimmte Nitroseverbindungen, PCB, Vinylchlorid, mehrere Halogenkohlenwasserstoffe, Benzol, Asbest u.v.a.). Einzelne von diesen Kanzerogenen geschädigte Körperzellen, die zu Tumorzellen verändert sind, müssen jedoch nicht in jedem Fall eine Krebserkrankung auslösen.

Dem Körper stehen als Abwehrmaßnahmen zur Verfügung: molekulare Reparatursysteme, die ständig die Erbsubstanz auf Schädigungen kontrollieren und diese reparieren, das Immunsystem, das veränderte Körperzellen abfängt und vernichtet sowie die Leber als Filterorgan für Tumorzellen.

Sind verschiedene Personen in gleicher Intensität einem bestimmten Kanzerogen ausgesetzt, so entscheidet über das individuelle Risiko: 1. das Alter ( 75% aller Tumorerkrankungen entstehen jenseits des 60.Lebensjahres), 2. der Zustand des Immunsystems und 3. die Erbanlagen. Der Anstieg der Krebserkrankungen ist neben verschiedensten Umwelteinflüssen also auch auf die zunehmende Lebenserwartung zurückzuführen.

Nach einer neueren Schätzung entfallen 30% der Krebserkrankungen auf Schädigungen durch Tabakgenuß (Tabakrauch, Passivrauchen), 9% durch natürliche radioaktive Stoffe (natürliche
Strahlenbelastung, Radon), 4% auf berufliche Exposition durch insb. chemische Kanzerogene, 2% auf Luft- und Wasserverschmutzung sowie ein Drittel der Erkrankungen auf nichtsachgemäße Ernährung und Ernährungsgewohnheiten. Die Bedeutung der Luftverschmutzung für die Entstehung von Lungenkrebs wurde in neueren Studien belegt (z.B. Schadstoffe aus Kfz).

Nach einer Langzeitstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums erkranken z.B. Vegetarier seltener an bösartigen Tumoren als Personen, die große Mengen Fleisch verzehren. Bei männlichen Vegetariern ist die Krebsrate um 50% reduziert und bei Frauen um 25%.

In der MAK-Wert-Liste werden die krebserzeugenden chemischen Substanzen aufgeführt. Kritiker behaupten jedoch, daß dort nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Anzahl kanzerogener Substanzen aufgeführt sind.

Lit.: W.-D. Rose: Krebsgifte erkennen und vermeiden, München 1987; Ökologische Briefe, 25/1990; Ökologische Briefe 17/1991

 

Siehe auch: Elektrosmog, Hochspannungsleitung, Kernkraftwerk

 

Autor: KATALYSE Institut

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