Kunststoffe

Als Kunststoff (organisches Polymer) (umgangssprachlich Plastik) bezeichnet man einen Festkörper, dessen Grundbestandteil synthetisch oder halbsynthetisch aus reaktionsfähigen organischen Molekülen hergestellt wird.

In Europa werden Kunststoffe mehrheitlich auf Erdölbasis (Naphtha, Erdöl) hergestellt, während in den USA hauptsächlich Erdgas als Rohstoff eingesetzt wird.

Innerhalb Europas ist Deutschland der größte Kunststoff-Produzent. Die Jahresproduktion betrug in Deutschland 2011 11,86 Mio. t (vgl. UBA 2013), 1,13 Mio. Tonnen mehr als im Jahr 2009. Die größte Menge entfiel bei der Plastikherstellung auf die Verpackungen (34,7% der verarbeiteten Kunststoffe, vgl. UBA 2013). „2008 wurden weltweit 260 Mill. T Kunststoffe produziert; 8% der weltweiten Ölproduktion wurde dafür benötigt“. (R.C. Thompson et al.: Plastics, the environment and human health. Current consenses and future trends, in: Philosophical Transactions of the royal Science B 364, 2009, S. 2153-2166, Zit. n. Callum 2013:220).

Auf jeden deutschen Bürger kommen im Jahr über 20kg Plastikverpackungen.

Der weltweite Anstieg der Kunststoffproduktion zieht auch eine zunehmende Anzahl an Kunststoffabfälle nach sich. 2011 fielen 5,45 Mio. t. Kunststoffabfälle an. Seit 2009 ist die Menge an Kunststoffabfälle um 10% angestiegen. Laut UBA (2013) „waren ca. 4,44 Mio. t Post-Consumer-Abfälle und ca. 1,01 Mio. t Produktions- und Verarbeitungsabfälle. […] Von den ermittelten 5,448 Mio. t Kunststoffabfällen wurden rund 42 % (2,295 Mio. t) einer werkstofflichen, 56 % (3,034 Mio. t) einer energetischen (Müllverbrennungsanalagen) sowie 1 % (0,053 Mio. t) einer rohstofflichen Verwertung (im Ausland) zugeführt. Der Rest (0,066 Mio. t) wurde beseitigt.“.

Die Recyclingrate liegt bei der Kunststoffindustrie bei 71% (Kunststofferzeugung) und 90% (Kunststoffverarbeitung). Bei Abfällen aus den privaten Haushalten und gewerblichen Verbrauchern liegt die Recyclingsrate aufgrund von Verschmutzungen nur bei 30-35%. Aus Umweltschutzgründen möchte man eine möglichst werkstoffliche Verwertung des Plastikabfalls erzielen.

Kunststoffe besitzen gegenüber anderen Werkstoffen wie

Holz und Metallen durchaus Vorzüge, wie die hohe Flexibilität und gute Verarbeitung sowie der geringere Energieaufwand bei der Herstellung. Durch das geringe spezifische Gewicht werden Kunststoffe als Transportgefäße häufig anderen, schweren Materialien vorgezogen. Zudem ist Plastik in vielen Anwendungsgebieten praktisch: Es ist leicht, stabil, sehr gut formbar und billig. Vorteile von Kunststoffverpackungen bestehen darin, dass sie z.B. Lebensmittel länger haltbar machen und vor Verunreinigungen schützen.

Je nachdem, welche Eigenschaften das Plastik haben soll (leicht, stabil, verformbar, etc.) werden andere Inhaltstoffe verwendet.

Die verschiedenen Arten von Kunststoffe werden unter ihrem jeweiligen Eigennamen besprochen (Polyethylen, Polypropylen, PVC, Polystyrol, Polyethylenterephthalat etc.). Hier sollen nur die Probleme und Risiken dargestellt werden, die beim Umgang mit Kunststoffen auftreten:

  1. Durch die Wanderung von Inhaltsstoffen der Kunststoffe (insbesondere von nicht festgebundene hormonähnliche Stoffe wie BPA und Weichmacher) in angrenzende Stoffe (Migration) treten Gesundheitsgefährdungen auf, zumal in Plastik viele giftige Additive enthalten sind. Dies geschieht vor allem bei Hitze. So findet man Stoffe aus Verpackungen oder aus Produktionsprozessen in den verpackten Lebensmitteln. Besonders relevant ist dies für Lebensmittelverpackungen und Haushaltsgegenstände aus Kunststoffe. In Plastik sind häufig Weichmachern (Phtalate), BPA Bisphenol A (die u.a. Konserven länger haltbar machen sollen), Farbstoffe, Hilfsstoffe, Gleitmittel, Zähigkeitsverbesserer und Silikone. Einige der Bestandteile des Plastiks stehen im Verdacht gesundheits- und umweltschädlich zu sein, möglich ist z.B. die Förderung von Fettleibigkeit, Diabetes, Krebs, Unfruchtbarkeit und Störung der Gehirnentwicklung. BPA ist z.B. ein chem. Dickmacher und ruft u.a. Veränderungen im Gehirn (Hyperaktivität, Aggressivität) hervor. Schon in geringer Dosis (noch unter Grenzwerten) ist Bisphenol A wahrscheinlich schädlich. Besonders gefährlich ist es für Schwangere und Kleinkinder besonders (fruchtschädigend für Kind im Mutterleib).
  2. Kunststoffe sind nicht kratzfest. Beim täglichen Gebrauch können sich Späne ablösen, die unbemerkt verschluckt und aus denen Additive des Kunststoffs im Magen freigesetzt werden können (z.B. Zahnbürste, Hausrat, Schreiber).
  3. Kunststoffe sind wenig temperaturbeständig. Beim Erhitzen von einigen Kunststoffe (z.B. PVC, Polystyrol) bilden sich giftige Zersetzungsprodukte.
  4. Einige Kunststoffe können gesundheitsschädliche Dämpfe abgeben. Besonders die Formaldehydharze müssen in diesem Zusammenhang genannt werden (Bindemittel für Spanplatten und Beschichtungen). Aus Kunststoffe entweichen in geringen Mengen Rest-Monomere und zahlreiche Additive und belasten somit die Umgebungsluft.
  5.  Bei der Produktion von Kunststoffe werden erhebliche Mengen an Erdöl und anderen nicht nachwachsenden Rohstoffen, z.B. Erdgas, verbraucht (Nachwachsende Rohstoffe).
  6. Kunststoffe sind typische Wegwerfprodukte (Abfallvermeidung).

Bei der Verbrennung von PVC in Müllverbrennungsanlagen entstehen Dioxine und Chlorwasserstoff; daneben werden Schwermetalle (Cadmium) freigesetzt. Kunststoffe können unterteilt werden in solche, die bei der Verbrennung wenig Schadstoffe freisetzen (Polyethylen, Polypropylen) und solche, die viel Schadstoffe freisetzen (PVC, Polystyrol). Für den Verbraucher ist eine Unterscheidung der Kunststoffe praktisch schwer möglich, da eine Kennzeichnungspflicht nicht besteht. Daher sollte auf Kunstoff-Einwegprodukte und Kunststoffe für den Lebensmittelkontakt weitgehend verzichtet werden.

Für den Verbraucher gibt es fast gar keine Hinweise, welche Stoffe im Plastik enthalten sind und ob sie gesundheitsschädlich sind. Dies wird heftig kritisiert.

Um die Verbraucher trotzdem zu schützen, gibt es zum Beispiel für Phtalate und Bisphenol A festgelegte gesetzliche Grenzwerte( es darf nur eine geringe Mengen ins Lebensmittel übergehen). Allerdings gibt es nicht für alle Substanzen, die im Plastik enthalten sind, Grenzwerte. Zudem sind die Grenzwerte häufig viel zu hoch festgesetzt (vgl. Behlendorf & Halim 2013).

Deshalb wird gefordert, dass nur noch Chemikalien verwendet werden dürfen, die nachweislich unbedenklich sind. Einige Länder arbeiten an einem besseren Verbraucherschutz, z.B. Dänemark, die bestimmte Phtalate verboten haben, Schweden, die an einem Totalverbot von BPA arbeiten, Frankreich, in dem  BPA in Lebensmittelverpackungen ab 2015 verboten sein wird. In Deutschland gibt es bis jetzt keine Verbote von Phtalaten oder BPA. Hierzulande wartet man  auf die Ergebnisse der europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die diese Substanzen prüft.

Man kann als Verbraucher die Gefährdung, die vom Plastik ausgehen kann, nicht feststellen, darum wird geraten, soweit wie möglich Plastik und unnötige Plastikverpackungen zu vermeiden.

Aus Umwelt- und Gesundheitsgründen wird immer mehr  auf BioPlastik gesetzt. Diese Sorte Plastik besteht aus
Mais (Stärke anstatt Erdöl). Durch die Verwendung von Milchsäure wird kein BPA, keine Weichmacher, Phtalate und kein Styrol verwendet. Die Unternehmen, die dieses natürlich hergestellte Kunststoffgranulat verarbeiten wollen, müssen sich auch verpflichten, keine Schadstoffe zu verwenden. Bis jetzt ist BioPlastik noch ein Nischen-Produkt. Es wird vor allem in der Biobranche verwendet (Verpackung von Biogemüse/Obst). Man erkennt BioPlastik-Verpackungen daran, dass sie laut knistert, ein grünes Biosymbol trägt und teurer ist.

Lit.

  • Behlendorf, Nina/Hosny, Halim (2013): ZDFzoom: Eingeschweißt und abgepackt - Wie sicher ist unser Essen?. [Reportage].Mainz: ZDF
  • UBA (2013): Aufkommen und Entsorgung von Kunststoffabfällen. [Stand: 12.06.2013].

Autor: KATALYSE Institut

Bodenbelastung

Der Boden bedarf aufgrund seiner hohen B. durch Schadstoffe und andere menschliche Eingriffe eines besonderen Schutzes.

Bis in die erste Hälfte der 80er Jahre ging man davon aus, daß Gewässerschutz, Luftreinhaltung und Naturschutz ausreichende Instrumente seien, auch den Schutz des Bodens zu gewährleisten. Obwohl ein Bodenschutzgesetz mehrfach angekündigt wurde, fehlt bis heute ein solches eigenes rechtliches Instrumentarium zum Schutz des Bodens, wie Umweltverbände es seit Jahren fordern. Auch im Bundesnaturschutzgesetz fehlen bisher entsprechende Ausführungsbestimmungen.

Der Boden (Pedosphäre) ist die außenliegende belebte Deckschicht der Erdkruste, die die Bodenorganismen beherbergt. Als Lebensgrundlage und integrierender Bestandteil der natürlichen Umwelt des Menschen bedarf er besonderen Schutzes und besonderer Vorsorge. In Substanz und Gesundheit ist der Boden durch eine Vielzahl menschlicher Eingriffe (Bodennutzung, direkter und indirekter Schadstoffeintrag) stark gefährdet. An sich ist der Boden als komplexes System ineinandergreifender und sich bedingender Regelkreise mit hoher Regenerationsfähigkeit ausgestattet. Im Gegensatz zu den relativ stabilen Medien Luft und Wasser verfügt er über eine außerordentlich hohe Speicherkapazität und nimmt daher im System globaler Stoffkreisläufe die Funktion eines Zwischenlagers ein.

Der Boden filtert Schadstoffe aus Luft und Gewässern und speichert sie im Rahmen bestimmter, je nach Bodenart verschiedener Belastungsgrenzen auf bzw. baut sie ab. Die Eigenschaft als Puffer bringt es mit sich, daß störende Einflüsse oder Schädigungen über lange Zeiträume kaum oder gar nicht zu erkennen sind. Erst bei Überschreiten der B.-Grenze werden die vorher gebundenen Schadstoffmengen mobilisiert und können dann nicht nur Bodenfauna und -flora nachhaltig schädigen, sondern den gesamten Naturhaushalt beeinträchtigen (Remobilisierung).

Erschwerend für B. und Bodenschutz wirkt sich aus, daß die Bodenentwicklung, ein jahrhundertelanger Prozeß von Verwitterung, chemischer und biologischer Zersetzung.

Autor: KATALYSE Institut

Geplante Obsoleszenz

‚Geplante Obsoleszenz‘ beschreibt die Strategie von Unternehmen/Herstellern, die Lebensdauer ihrer Produkte absichtlich zu verkürzen, damit der Verbraucher/Käufer schneller ein neues Produkt kaufen muss.

Dabei werden die Produkte so geplant und hergestellt, dass minderwertige Qualität (z.B. Plastik anstatt Metall) oder Schwachstellen eingebaut werden und einzelne Teile des Produkts nach relativ kurzer Zeit funktionsuntüchtig werden. Dies führt dazu, dass das Produkt nicht mehr im vollen Umfang oder gar nicht mehr benutzt werden kann. Zudem kann der Verbraucher/Käufer die fehler- oder schadhaften Teile nicht oder nur teuer ersetzen. Der Neukauf zahlt sich dadurch für den Käufer mehr aus als die Reparatur, da diese meist zu teuer bzw. nicht möglich ist. Viele Hersteller bieten bewusst keine Reparaturmöglichkeiten, Ersatzteile oder Anleitungen (erschwert die Eigenreparatur) an. Durch fest eingebaute Teile, wie z.B. Akkus, müsste man bei der Reparatur das ganze Bauteil ersetzten. Dies ist schwieriger und teurer als der Neukauf.
Allerdings muss auch der Verbraucher beim Kauf auf diese Merkmale (eingebaute Akkus, etc.) und auf die Qualität der Bauteile achten. Ein Indikator ist der Preis: Billige Produkte versprechen meist nie die gleiche Qualität wie teurere Produkte, da für diesen Preis nur minderwertige Materialien mit einer geringeren Lebensdauer eingebaut werden.

Eine weitere Möglichkeit der Obsoleszenz besteht darin, dass bestimmte Anwendungen oder Zubehör nicht mehr mit einem Vorgängermodell kompatibel sind und daher nicht benutzt werden können. Dies ist vor allem bei Computern, Handys und anderen Elektrogeräten der Fall. Neue Anwendungen, Features, angeblich leistungsfähigere Modelle oder ein neues Design führen dazu, dass in den Köpfen der Verbraucher die Produkte schnell 'veraltet' sind (Bedarfweckungsgesellschaft). Hier muss ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden, so dass der Markt langlebige Produkte mit hoher Qualität anbieten müssen.

Die schnelle Alterung der Produkte wird heute fast in allen Produktbereichen beobachtet. Dies lohnt sich insbesondere in der Elektroindustrie. Doch auch die Autoindustrie scheint 'geplante Obsoleszenz' anzuwenden. Beweisen lässt sich die 'geplante Obsoleszenz' nur schwer, doch die Häufigkeit der verfrühten Alterung weißt daraufhin, dass diese Praktik in der Industrie angewendet wird. Zudem gibt es einige Produkte, die vor einigen Jahrzehnten länger gehalten haben als heute (bekanntes Beispiel ist die verkürzte Lebensdauer der Glühbirne von 2500 auf 1000 Stunden).

Die ‚geplante Obsoleszenz‘ bewirkt nicht nur, dass der Verbraucher häufiger ein Produkt neu kaufen muss, sondern auch, dass der damit verbundene hohe Ressourcen- und Energieverbrauch und das steigende Müllaufkommen ein Problem für die Umwelt bedeutet. An der ‚geplanten Obsoleszenz‘ verdienen vor allem die Produzenten/Unternehmen.

Viele Verbraucher wehren sich inzwischen gegen diesen Betrug und die damit verbundene Umweltverschmutzung und bilden Repair Cafés, Reparatur-Communities (z.B. iFixit) und Austausch-Plattformen. Auf murks-nein-danke.de kann man auffälligen Verschleiß melden und so für andere Verbraucher sichtbar machen. Auch die Grüne Informationstechnologie (Green IT) versucht eine Alternative zur Strategie der 'geplanten Obsoleszenz' zu bieten.

Siehe auch Green IT

Lit.

  • Felstermann, Guido (2013): ZDF Zoom: Kaum gekauft, schon kaputt - Der Ärger mit den Elektrogeräten. [Reportage]. ZDF: Mainz.
  • MEDIA 3.14 – ARTICEL Z (2011): Kaufen für die Müllhalde. Strasbourg: Arte. [Stand: 15.05.2013].
  • Poprawa, Peter (2012): Geplante Obsoleszenz. [Stand: 16.05.2013].

Autor: KATALYSE Institut