{"id":7076,"date":"2017-01-11T10:12:17","date_gmt":"2017-01-11T10:12:17","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=7076"},"modified":"2024-04-23T12:36:50","modified_gmt":"2024-04-23T10:36:50","slug":"lebensmittelverschwendung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=7076","title":{"rendered":"Lebensmittelverschwendung"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-7076\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-7076-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-7076-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-7076-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div id=\"pgc-7076-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-7076-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><h3>Aufkommen an Lebensmittelverlusten und Lebensmittelabf\u00e4llen<\/h3>\n<p>Weltweit gehen konservativ gesch\u00e4tzt rund 2,5 Milliarden Tonnen bzw. 30 bis 40 Prozent der f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung bestimmten landwirtschaftlichen Erzeugnisse j\u00e4hrlich verloren. Davon entfallen rund 1,2 Milliarden Tonnen auf Lebensmittelverluste in der Prim\u00e4rproduktion und laut \u00e4lteren Sch\u00e4tzungen der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in den sich anschlie\u00dfenden Phasen der Wertsch\u00f6pfungskette 1,3 Milliarden Tonnen auf genie\u00dfbare Lebensmittelabf\u00e4lle (FAO 2013). Nach dem neusten Food Waste Index Report 2024 des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) fallen \u00fcber die Lieferkette in den Sektoren Gro\u00df- und Einzelhandel, Au\u00dferhaus-Verpflegung und private Haushalte weltweit rund 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittelabf\u00e4lle (2021 931 Mio. t) an. Das entspricht rund 19 Prozent der 5,5 Milliarden Lebensmitteln, die laut den neuesten Food Balance-Daten (FAOSTAT) im Jahr 2020 zum Konsum zur Verf\u00fcgung standen, bzw. einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Aufkommen von 132\u00a0kg. Zu in der Lebensmittelherstellung anfallenden Lebensmittelabf\u00e4llen konnten keine belastbaren Daten ermittelt und somit keine Aussagen getroffen werden (UNEP 2024). Vorliegende Studien k\u00f6nnen zudem auch die Verluste in der Prim\u00e4rproduktion im Ernte- und Nacherntebereich, nur unzureichend abdecken.<\/p>\n<p>Ansatzpunkte zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten sind die insbesondere durch Anforderungen des Handels entstehenden Einbu\u00dfen im Ernte- und Nachernteprozess. Im Einzelnen durch Aussortierung von Obst, Gem\u00fcse und Kartoffeln (siehe <a href=\"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=7083\">Qualit\u00e4tsstandards f\u00fcr Obst und Gem\u00fcse<\/a>) als nach \u00e4u\u00dferlichen Merkmalen nicht vermarktungsf\u00e4hige Ware, um den vorgegebenen Gr\u00f6\u00dfen- und Sch\u00f6nheitsanforderungen zu gen\u00fcgen, \u00dcberproduktion infolge der Anforderung \u201aQualit\u00e4tsware\u2018 in ausreichenden Kapazit\u00e4ten gew\u00e4hrleisten zu m\u00fcssen sowie nicht mehr rentable Vermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen infolge zu geringer Erzeugerpreise. Zu den Verlusten in der landwirtschaftlichen Erzeugung gibt es bislang keine belastbaren Datengrundlage.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission hat die EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2019 per Durchf\u00fchrungsbeschluss (EU) 2019\/2000 (EU-Kommission 2019) verpflichtet die Menge der Lebensmittelabf\u00e4lle j\u00e4hrlich auf allen Stufen der Lebensmittelversorgungskette \u2013 erstmalig zum Erhebungsjahr 2020 \u2013 systematisch zu erfassen und an die EU-Kommission zu berichten. Laut dem im Juni 2022 an die EU-Kommission \u00fcbermittelten Bericht sind in Deutschland im Jahr 2020 \u00fcber die Lebensmittelversorgungskette rund 11 Mio. Tonnen Lebensmittelabf\u00e4lle angefallen, die 20 Prozent des aktuellen Lebensmittelverbrauchs von 54,5 Mio. Tonnen entsprechen. Der von einem Konsortium aus Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt, Statistischem Bundesamt und mehreren Forschungsinstituten verfasste Bericht wurde bis dato nicht ver\u00f6ffentlicht, der im Juni 2023 f\u00e4llige Bericht f\u00fcr das Jahr 2021 von Deutschland (wie auch von Griechenland, Italien, Lettland, Malta, Spanien, Tschechien und Zypern) noch nicht vorgelegt.<\/p>\n<p>Laut der zweiten EU-weiten \u00dcberwachung der Lebensmittelverschwendung beliefen sich die gesamten im Jahr 2021 gemessenen Lebensmittelabf\u00e4lle auf mehr als 58,4 Mio. Tonnen Frischmasse (2020 58,1\u00a0Mio. Tonnen Frischmasse). Das durchschnittliche Pro-Kopf-Aufkommen lag bei 131\u00a0kg Lebensmittelabf\u00e4llen pro Einwohner:in (2020 127\u00a0kg) und im Sektor private Haushalte bei 70\u00a0kg pro Einwohner:in. Die im Erhebungszeitraum 2020 f\u00fcr Deutschland ermittelten Werte lagen mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Aufkommen in H\u00f6he von 131\u00a0kg insgesamt etwas \u00fcber dem europ\u00e4ischen Durchschnittswert (und gemeinsam mit Luxemburg an vierzehnter Stelle im europ\u00e4ischen Ranking), mit 78\u00a0kg pro Haushalt erzeugten Lebensmittelabf\u00e4llen etwas st\u00e4rker \u00fcber dem diesbez\u00fcglichen europ\u00e4ischen Durchschnittswert und an 19. Stelle im europ\u00e4ischen Ranking.<\/p>\n<h3>Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung<\/h3>\n<p>Deutschland sieht sich dem von der Staatengemeinschaft im Rahmen der Agenda 2030 beschlossenen Nachhaltigkeitsziel verpflichtet, vermeidbare Lebensmittelabf\u00e4lle auf Einzelhandels- und Verbraucherebene bis 2030 zu halbieren (Sustainable Development Goal, SDG, 12.3) und hat die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung als relevanten Aspekt \u201aNachhaltiger Agrar- und Ern\u00e4hrungssysteme\u2018 in der \u201aDeutschen Nachhaltigkeitsstrategie\u2018 bekr\u00e4ftigt (Die Bundesregierung 2020).<\/p>\n<p>Um dieses Ziel zu erreichen, wurde im Februar 2019 die Nationale <strong>St<\/strong>rategie zur Reduzierung der <strong>L<\/strong>ebens<strong>m<\/strong>ittel<strong>v<\/strong>erschwendung (StLMV) verabschiedet (BMEL 2019). Die StLMV setzt auf Zusammenarbeit mit allen Akteuren der Lebensmittelkette, freiwillige Ma\u00dfnahmen von Lebensmittelindustrie, Handel und Gastronomie sowie das zur Dachmarke der Strategie ausgebaute Portal \u201aZu gut f\u00fcr die Tonne\u2018, das mit der Verbreitung von sektorspezifischen Ergebnissen und Best-Practice-Beispielen, Tipps, Bildungs- und Informationsmaterialien sensibilisieren und ver\u00e4ndertem Umgang mit der Lebensmittelverschwendung beitragen soll.<\/p>\n<h3>Klima- und Umweltrelevanz der Lebensmittelverschwendung<\/h3>\n<p>Die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung ist eine klimapolitisch hoch relevante Herausforderung. Laut \u00e4lteren Sch\u00e4tzungen der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gelangen durch verschwendete Lebensmittel j\u00e4hrlich rund 4,4 Milliarden Tonnen Treibhausgase in die Atmosph\u00e4re (FAO 2015). Aktuellere Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass das globale Ern\u00e4hrungssystem mit Lebensmittelabf\u00e4llen zu rund zehn Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen (THG) beitr\u00e4gt (vgl. auch weltweiter <a href=\"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=3456\">Treibhausgasaussto\u00df<\/a>), zu circa zw\u00f6lf Prozent mit direkten THG-Emissionen (Methan aus Reisanbau und von Wiederk\u00e4uern, Lachgas aus landwirtschaftlich genutzten B\u00f6den) und inklusive weiterer THG-relevanter Prozessschritte wie bspw. Transport, zur Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung eingesetzter Energie oder Verpackung insgesamt mit bis zu 37 Prozent (WWF Deutschland 2022). Eine konsequente Reduzierung von Lebensmittelabf\u00e4llen kann somit einen relevanten Beitrag leisten zur Erreichung der Klimaziele der Bundesregierung, die den Aussto\u00df von Treibhausgasen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent reduzieren will, sowie zu Ressourcenschonung und Umweltschutz (Fl\u00e4chen-, Wasser- und Energieverbr\u00e4uche) beitragen und Biodiversit\u00e4tsverlusten entgegenwirken. Mit der politisch angestrebten Halbierung der vermeidbaren Lebensmittelabf\u00e4lle in Handel und Konsum k\u00f6nnten sch\u00e4tzungsweise 17 Mio. t CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente, vier Mio. Hektar landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che und 368 Mio. GJ zur Lebensmittelerzeugung eingesetzter Energie eingespart werden (Schmidt et al. 2019).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>BMEL (2019): Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Berlin: Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung (2020): Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Weiterentwicklung 2021. Berlin.<\/p>\n<p>EU-Kommission (2019): Delegierter Beschluss (EU) 2019\/1597 der Kommission vom 03.05.2019 zur Erg\u00e4nzung der Richtlinie 2008\/98\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf eine gemeinsame Methodik und Mindestqualit\u00e4tsanforderungen f\u00fcr die einheitliche Messung des Umfangs von Lebensmittelabf\u00e4llen. In: <em>Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union <\/em>(L 248), S. 77\u201380.<\/p>\n<p>EU-Kommission (2021): DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) 2021\/1890 vom 2. August 2021 zur \u00c4nderung der Durchf\u00fchrungsverordnung (EU) Nr. 543\/2011 hinsichtlich der Vermarktungsnormen im Sektor Obst und Gem\u00fcse. In: <em>Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union <\/em>(L 384), S. 23\u201383.<\/p>\n<p>FAO (2013): Food wastage footprint. Impacts on natural resources : summary report. Rome: Food and Agriculture Organization of the United Nations. ISBN 978-92-5-107752-8.<\/p>\n<p>FAO (2015): Food wastage footprint &amp; Climate Change. Rome: Food and Agriculture Organization of the United Nations.<\/p>\n<p>Schmidt, T G; Baumgardt, S et al. (2019): Wege zur Reduzierung von Lebensmittelabf\u00e4llen - Pathways to reduce food waste (REFOWAS). Ma\u00dfnahmen, Bewertungsrahmen und Analysewerkzeuge sowie zukunftsf\u00e4hige Ans\u00e4tze f\u00fcr einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln unter Einbindung sozio-\u00f6kologischer Innovationen. Volume 1. Braunschweig: Johann Heinrich von Th\u00fcnen-Institut (Th\u00fcnen Report 73). DOI: 10.3220\/REP1569247044000.<\/p>\n<p>UNEP (2024): Food Waste Index Report 2024. Think Eat Save: Tracking Progress to Halve Global Food Waste.: United Nations Environment Programme.<\/p>\n<p>WWF Deutschland (2022): Ern\u00e4hrung &amp; Klimawandel: Essen wir das Klima auf? Berlin.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-7076-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-7076-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-7076-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"2\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>(Stand 12.2023)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: Regine Rehaag<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufkommen an Lebensmittelverlusten und Lebensmittelabf\u00e4llen Weltweit gehen konservativ gesch\u00e4tzt rund 2,5 Milliarden Tonnen bzw. 30 bis 40 Prozent der f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung bestimmten landwirtschaftlichen Erzeugnisse j\u00e4hrlich verloren. 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