{"id":6460,"date":"2015-12-01T15:07:05","date_gmt":"2015-12-01T15:07:05","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=6460"},"modified":"2015-12-01T15:07:05","modified_gmt":"2015-12-01T15:07:05","slug":"quecksilber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=6460","title":{"rendered":"Quecksilber"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-6460\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-6460-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-6460-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-6460-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-6460-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-6460-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p><b>Chemisches Element, Symbol Hg, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox15\"><\/span>Ordnungszahl 80, Schmelzpunkt -38,84 Grad C, Siedepunkt 356,58 Grad C, Dichte 13,6 g\/Kubikzentimeter.<\/b><\/p>\n<p>Quecksilber geh\u00f6rt zu den selten vorkommenden Metallen, trotzdem entweichen j\u00e4hrlich zwischen 55.000 und 180.000 Tonnen gasf\u00f6rmig aus nat\u00fcrlichen Quellen (vgl. Welz &amp; Sperling 1997, S.573). Hinzu kommen 8.000 bis 38.000 t Quecksilber, die vom Menschen in die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>Umwelt freigesetzt werden (z.B. Quecksilber-produzierende <span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>Industrie, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox16\"><\/span>Verkehr, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>Verbrennung von <span id=\"AutoLinkDescriptionBox4\"><\/span>Kohle und Erd\u00f6l, M\u00fcllverbrennung sowie Erz- und Mineralaufbereitung) und weltweit verbreitet werden. 1995 betrugen die Quecksilber-Emissionen Deutschlands 31 Tonnen.<\/p>\n<p>Zur Beurteilung von Toxizit\u00e4t und Umweltgef\u00e4hrdung m\u00fcssen metallisches Quecksilber, anorganische Quecksilber-Verbindungen und organische Quecksilber-Verbindungen unterschieden werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Metallisches Q. oder auch als elementares Quecksilber bezeichnet: Chemisches Symbol Hg, fl\u00fcssiges, silbrig gl\u00e4nzendes Schwermetall, das andere <span id=\"AutoLinkDescriptionBox14\"><\/span>Metalle unter Bildung von Amalgamen l\u00f6st (Amalgam-Zahnf\u00fcllungen). Metallisches Quecksilber verdampft aufgrund seines hohen Dampfdrucks leicht. In die Atmosph\u00e4re freigesetztes Quecksilber gelangt mit dem Regen in Gew\u00e4sser (ca. 4.000 t\/a), wo eine bakterielle Umwandlung in organische Quecksilber-Verbindungen erfolgt, weltweit entstehen dabei in Fl\u00fcssen und Meeren ca. 490 t\/a Methyl-Quecksilber. Metallisches Quecksilber wird u.a. als Thermometer-, Barometer- und Elektrodenmaterial (z.B. in Batterien) sowie als Extraktionsmittel f\u00fcr Edelmetalle verwendet.\n<p>Quecksilber ist ein Zell- und Protoplasmagift, das u.a. in Leber, Nieren und Gehirn gespeichert und nur langsam \u00fcber die Nieren (normale Ausscheidungsrate 10-20 mg\/d) wieder ausgeschieden wird. Verschlucken von metallischem Quecksilber ist relativ ungef\u00e4hrlich, da Quecksilber aus dem Magen-Darm-Trakt schlecht resorbiert wird. Wesentlich gef\u00e4hrlicher ist der entstehende Quecksilber-Dampf (gute Fettl\u00f6slichkeit, hohe Diffusionsf\u00e4higkeit), der beim Einatmen zu ca. 80% resorbiert wird. Quecksilber-Dampf sch\u00e4digt akut die Lungen und chronisch das Zentralnervensystem (ZNS). Chronische Vergiftungen sind ab 0,1-1 mg\/m<sup>3<\/sup> zu erwarten (akute Vergiftungssymptome: Metallgeschmack im Mund, \u00dcbelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, blutige Durchf\u00e4lle, chronische Vergiftungssymptome: Zahnlockerung, schwarzer Quecksilber-Saum an den Z\u00e4hnen.). Am bedeutsamsten ist die Gef\u00e4hrdung durch inhalative Aufnahme von Quecksilber-D\u00e4mpfen am <span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>Arbeitsplatz (z.B. Zahnarztpraxen mit durchschnittlich 50 mg\/kg und Spitzenbelastungswerten von 10 g Quecksilber\/kg <span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>Hausstaub, Thermometerfabriken, Chloralkali-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>Industrie, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox18\"><\/span>Chlor). In Wohn und Arbeitsr\u00e4umen versch\u00fcttetes Quecksilber muss sorgf\u00e4ltig eingesammelt werden. Aus Teppichen u.a. l\u00e4sst sich Quecksilber mit <span id=\"AutoLinkDescriptionBox22\"><\/span>Schwefel entfernen. Quecksilber ist Sonderm\u00fcll, nicht in den Hausm\u00fcll geben!<\/li>\n<li>Anorganische Quecksilber-Verbindungen (Quecksilber-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox20\"><\/span>Salze): Da Quecksilber-Salze kaum fl\u00fcchtig sind besteht nur bei Aufnahme \u00fcber Nahrung oder <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Trinkwasser sowie \u00fcber die Haut Vergiftungsgefahr. Quecksilber-Salze wirken auf Haut und Schleimh\u00e4ute \u00e4tzend. Einnahme f\u00fchrt zu Rachenentz\u00fcndungen, Schluckbeschwerden, Benommenheit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kreislaufkollaps und Schock. Die t\u00f6dliche Dosis liegt bei Quecksilber-Salzen zwischen 0,2 und 1 Gramm.<\/li>\n<li>Organische Quecksilber-Verbindungen (Methyl-Quecksilber): gute Fettl\u00f6slichkeit und eine lange biologische <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>Halbwertszeit (70 Tage). Sie werden haupts\u00e4chlich als <span id=\"AutoLinkDescriptionBox26\"><\/span>Fungizide (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox17\"><\/span>Saatbeizmittel, Obstanbau) und zur Holzkonservierung (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox25\"><\/span>Holzschutzmittel) eingesetzt, entstehen aber auch in Gew\u00e4ssern durch bakterielle Umwandlung aus Quecksilber. Quecksilber-haltige <span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Beizmittel werden in Deutschland immer noch produziert (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox21\"><\/span>Pestizidexport), die Anwendung ist jedoch seit 1982 verboten.<br \/>Methyl-Quecksilber ist die bei weitem giftigste Quecksilber-Verbindung und die einzige Verbindung, die in der MAK-Liste als fruchtsch\u00e4digend eingestuft wird. Methyl-Quecksilber wird \u00fcber Lunge und Verdauungstrakt zu 80% resorbiert. Organische Quecksilber-Verbindungen reichern sich besonders im ZNS an - nennenswerte Konzentrationen finden sich auch in Haaren, Leber und Niere. Sie k\u00f6nnen die Placentaschranke \u00fcberwinden und wirken nachgewiesenerma\u00dfen fruchtsch\u00e4digend (teratogen), der Fetus reagiert 3-4mal empfindlicher auf Methyl-Quecksilber als die Schwangere. Ausgeschieden werden organische Quecksilber-Verbindungen haupts\u00e4chlich \u00fcber die Galle, geringe Mengen auch \u00fcber Urin und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox24\"><\/span>Muttermilch. <br \/>Vergiftungssymptome treten ab 200 mg aufgenommener Menge auf, machen sich aber anders als bei metallischem Quecksilber erst nach Wochen bemerkbar. Beim Erwachsenen k\u00f6nnen Mengen von 350 mg Methyl-Quecksilber t\u00f6dlich wirken. Zu Vergiftungskatastrophen durch organische Quecksilber-Verbindungen kam es u.a. in den 50er Jahren in Japan und 1971\/72 im Irak (Minamata Krankheit).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Monitoring-Studien \u00fcber Konsumfischarten aus <span id=\"AutoLinkDescriptionBox23\"><\/span>Nordsee und Nordatlantik weisen darauf hin, dass die Quecksilber-Belastung in Seefischen haupts\u00e4chlich auf die altersbedingte Quecksilber-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Akkumulation nat\u00fcrlich vorkommenden Quecksilber zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Thunfische galten lange Zeit als besonders Quecksilber-belastet. Untersuchungen von Thunfischkonserven zeigen jedoch, dass die Quecksilber-Belastung von Thunfischerzeugnissen in den letzten 15 Jahren nicht zugenommen hat und im Durchschnitt bei 0,21 mg\/kg liegt. Wegen des geringeren Verd\u00fcnnungspotentials f\u00fcr eingebrachte <span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Schadstoffe findet man bei Fischen aus Binnengew\u00e4ssern deutlich h\u00f6here Belastungen als bei Seefischen.<\/p>\n<p><b>Grenz- und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox19\"><\/span>Richtwerte<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Laut WHO sollte die Quecksilber-Gesamtaufnahme einen Wert von 5 \u00b5g\/kg K\u00f6rpergewicht\/Woche nicht \u00fcberschreiten. Zum Vergleich betr\u00e4gt die durchschnittliche Quecksilber-Aufnahme aus der Nahrung (USA) 0,7 \u00b5g\/kg K\u00f6rpergewicht\/Woche.<\/li>\n<li>Richtwerte f\u00fcr Lebensmittel: Diverse 0,03 \u2013 0,05 mg\/kg als ZEBS-Richtwerte; 0,5 mg\/kg bei Fisch lt. <span id=\"AutoLinkDescriptionBox13\"><\/span>Verordnung und f\u00fcr einige spezielle Fischarten (Aal, Hecht, Lachs, Zander, Blauleng, Eishai, Heringshai, Katfisch, Rotbarsch) mit 1 mg\/kg.<\/li>\n<li>Grenzwert f\u00fcr Trink- und Mineralwasser: 1 \u00b5g\/Liter<\/li>\n<li>MAK-Wert: 0,1 mg\/m<sup>3<\/sup> (Luft)<\/li>\n<li>Kl\u00e4rschlamm: 8 mg\/kg<\/li>\n<li>Boden: 10 \u2013 80 mg\/kg Bundesbodenschutzgesetz-Pr\u00fcfwerte<\/li>\n<\/ul>\n<p><i>Lit.: Welz, Bernhard\/ Sperling, Michael: Atomabsorptionsspektrometrie, 4. neubearb. Aufl., Weinheim 1997.<\/i><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-6460-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-6460-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-6460-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chemisches Element, Symbol Hg, Ordnungszahl 80, Schmelzpunkt -38,84 Grad C, Siedepunkt 356,58 Grad C, Dichte 13,6 g\/Kubikzentimeter.Quecksilber geh\u00f6rt zu den selten vorkommenden Metallen, trotzdem entweichen j\u00e4hrlich zwischen 55.000 und 180.000 Tonnen gasf\u00f6rmig aus nat\u00fcrlichen Quellen (vgl. Welz &amp; Sperling 1997, S.573). Hinzu kommen 8.000 bis 38.000 t Quecksilber, die vom Menschen in die Umwelt freigesetzt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,14,55,30],"tags":[],"class_list":["post-6460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-alphabetisch","category-n-s","category-q","category-substanzen-werkstoffe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6460"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6461,"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6460\/revisions\/6461"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}