{"id":6019,"date":"2015-11-17T11:48:28","date_gmt":"2015-11-17T11:48:28","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=6019"},"modified":"2015-11-17T11:48:28","modified_gmt":"2015-11-17T11:48:28","slug":"nervenkampfstoffe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=6019","title":{"rendered":"Nervenkampfstoffe"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-6019\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-6019-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-6019-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-6019-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-6019-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-6019-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p><b>Bei systematischen Untersuchungen in den 30er Jahren hatten Forscher entdeckt, dass organische Ester der Phosphors\u00e4ure eine sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfende (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>insektizide) Wirkung besitzen.<\/b><\/p>\n<p>Hierbei fand man, dass einige dieser Substanzen auch f\u00fcr S\u00e4ugetiere eine hohe Giftigkeit aufwiesen. Daher l\u00e4sst sich die hohe strukturelle \u00c4hnlichkeit zwischen den Pflanzenschutzmitteln <span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Parathion (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>E605) und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>Malathion einerseits und den N. <span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>Tabun, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Sarin, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Soman und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>VX andererseits erkl\u00e4ren. In normalen Produktionsanlagen f\u00fcr <span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Pflanzenschutzmittel lassen sich durch kleine Ver\u00e4nderungen und Verwendung anderer Ausgangssubstanzen relativ leicht N. herstellen.<\/p>\n<div id=\"Brotschrift\">Die Aufnahme von N. erfolgt \u00fcber Haut, Atmungsorgane und Augen. Ein Schutz ist nur durch Ganzk\u00f6rperschutzanz\u00fcge m\u00f6glich, und daher unter Kampfbedingungen oder f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung nahezu nicht m\u00f6glich. Ihre Wirkung beruht auf einem Eingriff in die normale Reiz\u00fcbertragung in den Nervenbahnen. Normalerweise wird ein Reiz zwischen zwei Nervenzellen durch den Neurotransmitter Acetylcholin \u00fcbertragen, der schnell \u00fcber den Zellzwischenraum auf die Rezeptoren gelangt und dort wieder einen Reiz ausl\u00f6st. Anschlie\u00dfend wird die Substanz von einem Enzym wieder entfernt und steht f\u00fcr eine neue Reiz\u00fcbertragung zur Verf\u00fcgung. Die N. \u00e4hneln nun dem Acetylcholin von der Struktur her so stark, da\u00df sie die aktiven, eigentlich f\u00fcr den Neurotransmitter vorgesehenen Stellen am Enzym belegen. Als Folge ergibt sich eine Dauerreizung des Nervensystems, die zu Schwei\u00dfausbr\u00fcchen, Erbrechen, Kr\u00e4mpfen und schlie\u00dflich zu Ateml\u00e4hmung und Kreislaufkollaps f\u00fchrt, da der angelagerte N. nicht oder nur sehr langsam von den Rezeptoren abgel\u00f6st werden kann.<br \/>Die Behandlung einer Vergiftung mit N. ist sehr schwierig, da sie abh\u00e4ngig von Zeitpunkt und St\u00e4rke der Vergiftung erfolgen mu\u00df. Das wichtigste Gegenmittel ist der Antagonist Atropin, ein Stoff, der sich auf noch freie Rezeptoren setzt, selbst keinen Reiz ausl\u00f6st und so eine st\u00e4rkere Reizung des Nervensystems verhindert; die Wirkung von Atropin h\u00e4ngt jedoch sehr stark vom eingesetzten N. ab, beim \u00e4u\u00dferst giftigen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>VX zeigt es kaum noch Erfolg. Auch mu\u00df nach der Gabe von Atropin schleunigst daf\u00fcr Sorge getragen werden, da\u00df das vom N. blockierte Enzym wieder reaktiviert wird, doch setzt die Dosierung des dazu n\u00f6tigen Medikaments, des sog. Antidots (z.B. H-Oxim, Toxogonin) Bedingungen voraus, die unter den Bedingungen eines Krieges nicht gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen.<br \/>Die intensiv betriebene Suche nach noch effektiveren Antagonisten und Antidoten wird wahrscheinlich nicht zu einer Entsch\u00e4rfung der N. sondern, eher zu einem neuen R\u00fcstungswettlauf mit der Entwicklung einer neuen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox4\"><\/span>Generation chemischer Kampfstoffe f\u00fchren, gegen die die heutigen Gegenmittel wirkungslos sind.<\/p>\n<ul>\n<li><span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>Hautkampfstoffe<\/li>\n<\/ul>\n<p><i>Lit.: I.Stark: Insektizide und Nervengase, in: Chemie in unserer Zeit, 1984, S.96; D.W\u00f6hrle, D.Meissner: Die zunehmende Verbreitung eines Massenvernichtungsmittels, in: Nachrichten aus Chemie, Technik und Laboratorium, 1989<\/i><\/div>\n<div class=\"styleRechts\">\u00a0<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-6019-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-6019-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-6019-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei systematischen Untersuchungen in den 30er Jahren hatten Forscher entdeckt, dass organische Ester der Phosphors\u00e4ure eine sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfende (insektizide) Wirkung besitzen.Hierbei fand man, dass einige dieser Substanzen auch f\u00fcr S\u00e4ugetiere eine hohe Giftigkeit aufwiesen. 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