{"id":3833,"date":"2015-07-20T13:20:55","date_gmt":"2015-07-20T13:20:55","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=3833"},"modified":"2015-07-20T13:20:55","modified_gmt":"2015-07-20T13:20:55","slug":"wiederaufarbeitung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=3833","title":{"rendered":"Wiederaufarbeitung"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-3833\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-3833-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-3833-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-3833-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-3833-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-3833-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p><b>In der Wiederaufarbeitungs-Anlage werden abgebrannte Brennelemente von Kernkraftwerken mechanisch zerkleinert und in Salpeters\u00e4ure aufgel\u00f6st, um dann durch chemische Prozesse das im <span id=\"AutoLinkDescriptionBox20\"><\/span>Kernkraftwerk entstandene Plutonium und das noch verwertbare <span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>Uran vom \u00fcbrigen Atomm\u00fcll abzutrennen (Brennstoffkreislauf).<\/b><\/p>\n<div id=\"Infobox-links\">\n<div id=\"Infobox-Kopf\">\"Wiederaufarbeitung\"<\/div>\n<\/div>\n<p>Zus\u00e4tzlich werden in kleinen Mengen Stoffe f\u00fcr <span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>Industrie und Medizin abgetrennt (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Cobaltbombe, C\u00e4sium-137, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox21\"><\/span>Nuklearmedizin). Beim Zerschneiden und Aufl\u00f6sen werden alle radioaktiven (Radioaktivit\u00e4t) Gase und fl\u00fcchtigen Substanzen, die bis dahin im Brennstoff und von den Brennstabh\u00fcllen festgehalten wurden, schlagartig freigesetzt. Gro\u00dfe Teile der Prozesse m\u00fcssen aufgrund der hohen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox14\"><br \/> <\/span>Strahlenbelastung vollautomatisch hinter meterdicken Betonw\u00e4nden ablaufen (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>Abschirmung). Filteranlagen sollen verhindern, da\u00df gr\u00f6\u00dfere Mengen radioaktiver Stoffe in die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>Umwelt gelangen. Eine 100%ige R\u00fcckhaltung ist prinzipiell ausgeschlossen. Sinn der Wiederaufarbeitung ist die Gewinnung des hochgiftigen Plutoniums, das ausschlie\u00dflich mit Hilfe der Wiederaufarbeitung zu erhalten ist. Damit ist die Wiederaufarbeitung Schl\u00fcsseltechnologie f\u00fcr Plutoniumumlauf, schnellen Br\u00fcter und Atomwaffenbau. In geringen Mengen kann Plutonium auch in normalen Kernkraftwerken als <span id=\"AutoLinkDescriptionBox15\"><\/span>Spaltstoff (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Kernspaltung) eingesetzt werden (Mischoxid(MOX)-Brennelemente). Zur alleinigen R\u00fcckgewinnung von <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>Uran 235 ist Wiederaufarbeitung unwirtschaftlich. Durch die Plutoniumabtrennung wird die Aktivit\u00e4t des verbleibenden Atomm\u00fclls um den Faktor 3-5 verringert. Jedoch ist sein Volumen durch die Wiederaufarbeitung erheblich vergr\u00f6\u00dfert und seine Handhabbarkeit erschwert: Aus 1 m3 abgebrannter Brennelemente werden: 0,9 m3 verglaster hochaktiver Atomm\u00fcll, 6 m3 Brennelementh\u00fcllen, 37 m3 <span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Tritium, 45 m3 leichtaktiver und 62 m3 mittelaktiver Atomm\u00fcll.<\/p>\n<p>Umweltbelastung: Wiederaufarbeitungs-Anlagen haben von allen Anlagen im Brennstoffkreislauf die h\u00f6chsten radioaktiven Abgaben im Normalbetrieb.<\/p>\n<p>Bei der Wiederaufarbeitung gelangen, auf dieselbe Brennstoffmenge bezogen, erheblich gr\u00f6\u00dfere Mengen radioaktiver Substanzen in die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>Umwelt als beim Betrieb eines Kernkraftwerks. Eine Wiederaufarbeitungs-Anlage, die den Brennstoff von 15 Kernkraftwerken aufarbeitet, gibt bis zum Faktor 4.500 mehr Krypton, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Tritium, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox18\"><\/span>Iod und Plutonium an die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>Umwelt ab. Eine besondere Gefahr geht von Plutonium aus; kommerzielle Wiederaufarbeitung-Anlagen haben typische Plutoniumums\u00e4tze von einigen tausend kg\/Jahr. In Sellafield (England) sind seit Inbetriebnahme mindestens 15 kg Plutonium \u00fcber das Abwasser in die Irische See geleitet worden.<\/p>\n<p>Arbeiter: Arbeiter in Wiederaufarbeitung-Anlagen sind hohen Strahlenbelastungen von einigen mSv\/Jahr (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox22\"><\/span>Sievert) ausgesetzt (Somatische Strahlensch\u00e4den, Kernkraftwerk). In besonders verseuchten Bereichen werden nukleare Tagel\u00f6hner eingesetzt. In der Wiederaufarbeitungs-Anlage Sellafield wiesen Arbeiter bis zu 600fach erh\u00f6hte Plutoniumbelastungen der Lunge auf, verglichen mit der englischen Normalbev\u00f6lkerung. Eine Studie des renommierten Epidemiologen Martin J. Gardner zeigte in der Umgebung von Sellafield eine erh\u00f6hte Leuk\u00e4mie-Rate bei Kindern sowie einen Zusammenhang zwischen der Erh\u00f6hung und der Strahlenbelastung der in der Wiederaufarbeitung-Anlage arbeitenden V\u00e4ter. Nach diesen Ergebnissen f\u00fchrte die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox17\"><\/span>Bestrahlung der Keimzellen, d.h. die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox19\"><\/span>Mutation der Spermien, zu Leuk\u00e4mief\u00e4llen bei Kindern (Genetische Strahlensch\u00e4den). <\/p>\n<p>M\u00f6gliche St\u00f6rf\u00e4lle: Lecks in Lagertanks, Versagen der K\u00fchlsysteme zur Abfuhr der Nachzerfallsw\u00e4rme, L\u00f6sungsmittelbr\u00e4nde, Knallgasexplosionen infolge Zersetzung von <span id=\"AutoLinkDescriptionBox16\"><\/span>Wasser durch <span id=\"AutoLinkDescriptionBox13\"><\/span>radioaktive Strahlung und Nuklearexplosionen (Kritikalit\u00e4tsunf\u00e4lle) durch Zustandekommen einer kritischen Masse von Plutonium (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox4\"><\/span>Kernspaltung). Je nach St\u00f6rfallablauf werden verschiedene Mengen an Radioaktivit\u00e4t freigesetzt. Im Extremfall ist mit mehreren Mio Toten und der Langzeitverseuchung riesiger Landfl\u00e4chen zu rechnen. St\u00f6rfallausl\u00f6ser k\u00f6nnen neben technischen Pannen Sabotageakte und Flugzeugabst\u00fcrze sein.<\/p>\n<p>Anlagen: Nach dem endg\u00fcltigen \"Aus\" f\u00fcr die in Bayern geplante Wiederaufarbeitungs-Anlage in Wackersdorf im Jahre 1989 wird der deutsche Atomm\u00fcll in La Hague (Frankreich), Sellafield (England) und Dounreay (Schottland) aufgearbeitet. Allein ein Drittel des in La Hague aufgearbeiteten Brennstoffs stammt aus Westdeutschland. Deutsche Energieversorgungsunternehmen wollen auch in Zukunft auf eine deutsche Wiederaufarbeitungs-Anlage verzichten und sich statt dessen v.a. an der franz\u00f6sischen Anlage finanziell beteiligen.<br \/>Brennstoffkreislauf, Strahlensch\u00e4den<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-3833-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-3833-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-3833-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Wiederaufarbeitungs-Anlage werden abgebrannte Brennelemente von Kernkraftwerken mechanisch zerkleinert und in Salpeters\u00e4ure aufgel\u00f6st, um dann durch chemische Prozesse das im Kernkraftwerk entstandene Plutonium und das noch verwertbare Uran vom \u00fcbrigen Atomm\u00fcll abzutrennen (Brennstoffkreislauf).&#8220;Wiederaufarbeitung&#8220;Zus\u00e4tzlich werden in kleinen Mengen Stoffe f\u00fcr Industrie und Medizin abgetrennt (Cobaltbombe, C\u00e4sium-137, Nuklearmedizin). 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