{"id":378,"date":"2015-03-09T14:45:19","date_gmt":"2015-03-09T14:45:19","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=378"},"modified":"2015-07-16T13:26:15","modified_gmt":"2015-07-16T13:26:15","slug":"plastikmuell-in-den-ozeanen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=378","title":{"rendered":"Plastikm\u00fcll in den Ozeanen"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-378\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-378-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-378-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-378-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-378-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-378-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p><b>Sogenannte M\u00fcllstrudel, M\u00fcllteppiche oder M\u00fcllinseln sind\u00a0 Gebiete mit einem hohen Anteil\u00a0 von treibenden Plastikteilchen.\u00a0 Durch die Meeresstr\u00f6mungen sammelt sich dieser Zivilisationsm\u00fcll in bestimmten Gebieten der Meere an.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bekannteste M\u00fcllinsel befindet sich im Nordpazifikwirbel, die die Beinamen \u201eGreat Pacific Garbage Patch\u201c oder \u201eder siebte Kontinent\u201c erhielt. Die genaue Ausdehnung ist unbekannt, da man die M\u00fcllinsel nicht auf <span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Luft- oder Satellitenbilder sehen kann (kleine Plastikteilchen schwimmen unter der Wasseroberfl\u00e4che) und die Vermessung eines sich bewegenden heterogenen M\u00fcllteppichs \u00e4u\u00dferst schwierig ist. Sch\u00e4tzungen wiedersprechen sich in Gr\u00f6\u00dfe und Ausdehnung des \u201eGreat Pacific Garbage Patch\u201c und reichen von fast einer Millionen km\u00b2 bis zur Gr\u00f6\u00dfe von Mitteleuropa.<br \/>Im Pazifikwirbel sollen sich 300.000 \u2013 1.000.000 Plastikteile pro km befinden. Durchschnittlich in den Ozeanen sind es 13.000. Der an der Oberfl\u00e4che treibende Plastikm\u00fcll macht nur einen geringen Anteil aus. Etwa 70 Prozent sinken ab, so fand man z.B. noch in 30 Meter Tiefe gro\u00dfe Plastikmengen. Die Dichte des M\u00fcllteppichs betr\u00e4gt ca. 5 kg\/km\u00b2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in den 80er Jahren entdeckte man \u2013 vor allem vor der japanischen K\u00fcste \u2013 beachtliche Mengen an Plastikm\u00fcll im Nordpazifik. Inzwischen ist bekannt, dass es sich um zwei gro\u00dfe M\u00fcllstrudel handelt. Aber auch in den anderen Ozeanen sammelt sich M\u00fcll in den Wirbeln der Ozeane an (z.B. im Indischen Ozean, S\u00fcd- und Nord-Atlantik und S\u00fcd-Pazifik). Ferner haben Nord- und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>Ostsee mit dem M\u00fcllproblem zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese M\u00fcllstrudel entstehen durch den von der Meeresstr\u00f6mung erfassten M\u00fcll, der in die Meereswirbel (insgesamt gibt es 9 Meereswirbel) gelangt und diese meist nicht mehr verl\u00e4sst. Bei jedem Umlauf des Wirbels wird der am Rand des Wirbels schwimmende M\u00fcll frei und gelangt so in gro\u00dfen Mengen an die K\u00fcsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">80 Prozent des gesamten Plastikm\u00fclls stammen vom Land. Plastikm\u00fcll gelangt durch Hochwasser, Fl\u00fcsse oder kommunale Abw\u00e4sser ins Meer. Au\u00dferdem entsorgen Schiffe ihren M\u00fcll unabsichtlich oder auch absichtlich im Meer. \u201eJ\u00e4hrlich landen 6 Millionen Tonnen Plastikabf\u00e4lle in den Weltmeeren. Von all dem Plastik, das weltweit hergestellt wird, landet ein Drittel nach einmaliger Nutzung auf dem M\u00fcll\u201c (Kalkreuth 2013).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur ein Bruchteil wird als Schwemmgut an die K\u00fcstenstr\u00e4nde und in die Inselbuchten getragen, insbesondere an K\u00fcsten in dicht besiedelten Regionen. Doch die Plastikmenge, die in weniger dicht besiedelten K\u00fcsten und in den Polarmeeren gefunden wird, nimmt immer mehr zu.<br \/>Der Gro\u00dfteil des Plastiks bleibt allerdings im Meer und stellt auch hier eine Gefahr f\u00fcr Tiere, Menschen und das Meer dar. Besonders prek\u00e4r ist, dass Plastikm\u00fcll zwischen 20 Jahren (Plastikt\u00fcte) und \u00fcber 400 Jahre (Plastikflasche) braucht, um abgebaut zu werden. W\u00e4hrenddessen verfangen sich Meeress\u00e4uger in den gr\u00f6\u00dferen M\u00fcllbestandteilen, wie z.B. in Netzen (sogenannte \u201eGeisternetze\u201c), und verletzen sich schwer oder strangulieren sich zu Tode. Das Plastik wird im Laufe der Zeit zerkleinert, so dass Seev\u00f6gel, Fische und andere Meeress\u00e4uger, die Plastikteile mit ihrer Nahrung verwechseln und diese fressen. So gelangen die Bestandteile des Plastiks in die marine <span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Nahrungskette und dann auch in unsere Nahrung. Die Tiere, die Plastik fressen, k\u00f6nnen dadurch ersticken, verhungern oder an Darmverschluss, Verstopfung oder an inneren Verletzungen sterben. Plastik bedroht aber auch in einer weiteren Form das \u00d6kosystem Meer. Bestimmte <span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>Algen-, Insekten- und Planktonarten benutzen zur Eiablage schwimmendes Material. Seitdem diese Arten schwimmende Plastikbestandteile anstatt Pflanzenmaterial nutzen, legen die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>Eier dieser Arten auf dem Plastik gr\u00f6\u00dfere Distanzen zur\u00fcck und k\u00f6nnen sich z.T. als invasive Arten\/Neozoen in neue Lebensr\u00e4ume ansiedeln und dort heimische Arten verdr\u00e4ngen und das \u00f6kologische Gleichgewicht st\u00f6ren. <\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Plastik nimmt <span id=\"AutoLinkDescriptionBox13\"><\/span>Chemikalien und Giftstoffe auf, welche sich dann in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox4\"><\/span>Nahrungskette anreichern (Giftakkumulation). Ein Beispiel ist <span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>PCB, das in Verdacht steht, auf das Hormonsystem zu wirken und krebserregend zu sein. Weiterhin sind im Plastik Bisphenol A oder auch <span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>Weichmacher auf Basis von z.B. Phtalaten enthalten, die beim <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Abbau des Plastiks ins Meerwasser abgegeben werden und durch ihre hormon\u00e4hnliche Wirksamkeit in Verdacht stehen Unfruchtbarkeit, Lebersch\u00e4den oder Verhaltensst\u00f6rungen beim Menschen zu f\u00f6rdern. Bei Meerestieren sch\u00e4digen Phtalate und Bisphenol A das Erbgut und den Hormonhaushalt. Diese Stoffe schaden also durch die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox14\"><\/span>Anreicherung der Giftstoffe in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>Nahrungskette nicht nur den Meerestieren, sondern auch dem Menschen, der sich gr\u00f6\u00dftenteils von diesen Meerestieren ern\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Wirtschaft hat dieses M\u00fcllproblem Folgen. Bei vielen Inseln, an deren Str\u00e4nden M\u00fcll angeschwemmt wird, hat dies Auswirkungen auf den <span id=\"AutoLinkDescriptionBox15\"><\/span>Tourismus. Die Kosten f\u00fcr die S\u00e4uberung der Str\u00e4nde sind hoch. Auch der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox16\"><\/span>Schiffsverkehr und die Fischereiwirtschaft sind betroffen, da sich gr\u00f6\u00dfere M\u00fcllteile in den Schiffschrauben und Fischernetzen verfangen.<br \/>Eine Entfernung der M\u00fcllstrudel ist - durch die horizontale und vertikale Ausdehnung und der damit verbundenen kosten- und energieintensiven technischen Verfahren zur Trennung von Meerwasser und Kunststoffpartikeln - schwierig. Auch die anschlie\u00dfende <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>Entsorgung des M\u00fclls ist aufwendig. Die Vorrichtungen zum Sammeln der Plastikteilchen k\u00f6nnten zudem sch\u00e4dlich f\u00fcr Pflanzen- und Tierwelt sein. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die meisten Staaten f\u00fcr das M\u00fcllproblem in den Ozeanen nicht verantwortlich f\u00fchlen. <br \/>Daher sind bis jetzt globale, und auch regionale, politische oder wirtschaftliche Ma\u00dfnahmen nicht in Sicht, die einerseits eine Beseitigung des M\u00fclls regeln und andererseits Anreize zur Plastikvermeidung und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox17\"><\/span>Recycling geben. Dies muss unbedingt nachgeholt und geregelt werden. Desweiteren muss die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Entsorgung von M\u00fcll im Meer verboten, streng kontrolliert und entsprechend geahndet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder einzelne Verbraucher kann durch Ma\u00dfnahmen wie M\u00fcllvermeidung, richtige M\u00fcllentsorgung und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox18\"><\/span>Recycling zum Schutz der Meere beitragen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\"><i>Li.:\u00a0 <\/i><\/p>\n<ul>\n<li><i>Kalkreuth, Ulf (2013): Der Mensch und das Meer. [Stand:17.01.2013]. <br \/><\/i><\/li>\n<li><i>Museum f\u00fcr Gestaltung Z\u00fcrich (o.J.): \u00a0Plastikm\u00fcll Strudel. <span lang=\"EN-US\">[Stand: 06.05.2013]\u00a0<\/span><\/i><\/li>\n<li><i>NABU (2010): M\u00fcllkippe Meer. [Stand: 06.05.2013]<br \/><\/i><\/li>\n<li><i>Roberts, Callum (2013): Der Mensch und das Meer. M\u00fcnchen: Deutsche Verlags-Anstalt.<\/i><\/li>\n<li><i>Scinexx (2011): Gr\u00f6\u00dfe des pazifischen M\u00fcllstrudels \u00fcbertrieben?\u00a0 [Stand: 17.01.2013]<\/i><\/li>\n<li><i>TTT (2013): Eine alarmierende Ausstellung \u00fcber M\u00fcll in den Ozeanen. <span lang=\"EN-US\">[Stand: 17.01.2013].<\/span><\/i><\/li>\n<li><i>Victor,\u00a0 Jean-Christophe (2011): Mit offenen Karten - Inseln aus M\u00fcll?. Strasbourg, Arte.<\/i><\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-378-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-378-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-378-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sogenannte M\u00fcllstrudel, M\u00fcllteppiche oder M\u00fcllinseln sind\u00a0 Gebiete mit einem hohen Anteil\u00a0 von treibenden Plastikteilchen.\u00a0 Durch die Meeresstr\u00f6mungen sammelt sich dieser Zivilisationsm\u00fcll in bestimmten Gebieten der Meere an.Die bekannteste M\u00fcllinsel befindet sich im Nordpazifikwirbel, die die Beinamen \u201eGreat Pacific Garbage Patch\u201c oder \u201eder siebte Kontinent\u201c erhielt. 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