{"id":3408,"date":"2015-07-15T14:32:16","date_gmt":"2015-07-15T14:32:16","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=3408"},"modified":"2015-07-15T14:32:16","modified_gmt":"2015-07-15T14:32:16","slug":"fischbestand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=3408","title":{"rendered":"Fischbestand"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-3408\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-3408-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-3408-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-3408-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-3408-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-3408-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p><b>Die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Dezimierung des Fischbestandes durch Fischfang geh\u00f6rt inzwischen weltweit zur Tagesordnung. Fast \u00fcberall werden mehr Fische gefangen, als durch nat\u00fcrliche Vermehrung nachwachsen.<\/b><\/p>\n<p>Ma\u00dfnahmen gegen die \u00dcberfischung sind internationale \u00dcberfischungsabkommen oder die Einrichtung von <span id=\"AutoLinkDescriptionBox17\"><\/span>Fischerei-Schutzzonen, mit denen der freie und ungehinderte Fischfang zeitlich begrenzt oder dauerhaft eingeschr\u00e4nkt wird oder durch die H\u00f6chstmengen festgeschrieben werden.<\/p>\n<p>\u00dcberfischung l\u00e4sst auf sozialen Druck, aber auf das Gewinnstreben der Gro\u00dffangflotten zur\u00fcck f\u00fchren. Ein so genanntes \"Leerfischen\" der Meere ist nicht m\u00f6glich, denn wenn eine Fischart stark vom Aussterben bedroht ist, spezialisieren sich die Fischfangflotten auf andere Fischarten, da sie hier h\u00f6here Ertr\u00e4ge erzielen, als bei den vom Aussterben bedrohten. Allerdings kann durch die Dezimierung bestimmter Fischarten die gesamte <span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>Nahrungskette betroffen sein, so dass indirekt andere Tierarten bedroht sind.<\/p>\n<p>Pro Kopf verzehrt jeder Bundesb\u00fcrger rund 13 Kilogramm Fisch im Jahr. Das ist viel mehr, als unsere eigenen K\u00fcsten- und Binnengew\u00e4sser hergeben. Die eigenen Fischressourcen sind im Verh\u00e4ltnis zur Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe zu klein \u2013 auch wegen starker \u00dcberfischung. 1972 wurden in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Nordsee laut Bundesforschungsanstalt f\u00fcr <span id=\"AutoLinkDescriptionBox18\"><\/span>Fischerei 350.000 Tonnen Kabeljau gefischt, 2000 waren es nur noch 100.000 Tonnen. <\/p>\n<p>Die EU bestimmt mittlerweile <b>Fangquoten<\/b>, Maschengr\u00f6\u00dfen der Netze, Art der Fangger\u00e4te und zahlt so genannte Stilllegungspr\u00e4mien. Doch beim j\u00e4hrlichen Treffen der Fischereiminister folgt man noch immer nicht konsequent den wissenschaftlichen Empfehlungen zur Reduzierung der Fangquoten. Kurzfristige Fischereiinteressen stehen nach wie vor im Mittelpunkt. Von einer deutlichen Erholung der Best\u00e4nde ist darum bislang nichts zu merken.<\/p>\n<p>Von manchen <b>Fischarten<\/b>, wie dem Rotbarsch zum Beispiel, der in bis zu 1.000 Meter Tiefe gefangen wird, ist die Populationsdynamik sogar noch weitgehend unerforscht. Ein Minimalbestand der das \u00dcberleben dieser Art sichern w\u00fcrde, ist nicht bekannt. Trotzdem wird r\u00fccksichtslos in gro\u00dfem Stil Jagd auf diesen Fisch gemacht. <\/p>\n<p>Immer mehr Fischbest\u00e4nde stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Die Weltern\u00e4hrungsorganisation sch\u00e4tzt, dass rund 75 Prozent der heute verkauften Fischarten \u00fcberfischt sind oder am Rande der \u00dcberfischung stehen. Besonders kritisch ist die Situation in den europ\u00e4ischen Gew\u00e4ssern. Im nord-\u00f6stlichen Atlantik sind zwei Drittel der wichtigsten Speisefischartbest\u00e4nde akut bedroht. <\/p>\n<p>Trotz immer effizienterer Fangtechniken, landen immer weniger Fische in den Netzen der Fischer. Hochger\u00fcstete Fangflotten machen Jagd auf immer weniger Fisch: Seit 1970 hat sich die weltweite Kapazit\u00e4t der Fischereiflotte verdoppelt. <\/p>\n<p>Obwohl von den 3,5 Millionen weltweit eingesetzten Fischereischiffen nur etwa ein Prozent industrielle Schiffe sind, sch\u00f6pfen diese 50 bis 60 Prozent der Best\u00e4nde ab. Nach offiziellen Berechnungen hat die europ\u00e4ische Fischereiflotte eine \u00dcberkapazit\u00e4t von mehr als 40 Prozent. Damit sich die \u00fcbernutzten Fischbest\u00e4nde erholen k\u00f6nnen, m\u00fcsste die H\u00e4lfte der 100.000 Fischereischiffe stillgelegt werden. Zwar investierten die EU-L\u00e4nder von 1994 bis 1999 fast 900 Millionen Euro in den <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>Abbau von \u00dcberkapazit\u00e4ten. Gleichzeitig floss ebenso viel Geld in die Modernisierung von Schiffen und Hafenanlagen.<\/p>\n<p>Weltweit wird nach der Maxime gefischt: Wer zuerst kommt, fischt zuerst - und wer nicht zugreift, \u00fcberl\u00e4sst die Chance dem N\u00e4chsten. In vielen Staaten existieren keine Fischereimanagement-Pl\u00e4ne, und dort, wo es sie gibt, mangelt es h\u00e4ufig an Kontrolle und Durchsetzung. Obwohl der Nordost-Atlantik und die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox13\"><\/span>Nordsee weltweit die l\u00e4ngste Tradition in Fischereimanagement und -forschung haben, wird vorhandenes Wissen von den zust\u00e4ndigen EU-Politikern nicht aufgegriffen. <\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig legt etwa der Internationale Meeresrat Berichte zur Lage der Fischbest\u00e4nde vor. Doch EU-Beschl\u00fcsse zur Reduzierung der Fangmengen liegen meist weit unter den Empfehlungen des Rates. <\/p>\n<p>Versch\u00e4rft wird die Krise durch den enormen Beifang in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox19\"><\/span>Fischerei. Rund 30 Millionen Tonnen Meerestiere werden weltweit jedes Jahr \u00fcber Bord geworfen. Dies ist nicht nur eine \u00f6kologische Katastrophe - auch die wirtschaftlichen Sch\u00e4den sind enorm. <\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich wird die \u00dcberfischung durch hohe Subventionen gef\u00f6rdert: Die j\u00e4hrliche Weltfischfangmenge hat einen Wert von etwa 70 Milliarden US-Dollar. Aber es werden ca. 15 Milliarden US-Dollar f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox20\"><\/span>Fischerei ausgegeben.<\/p>\n<p><b>Was wird gefangen?<\/b><br \/>80 Prozent des angelandeten Fisches stammen von nur 200 Best\u00e4nden. Von Bestand spricht man, wenn es um die regionale Verbreitung von einer bestimmten Fischart geht. Vom Hering existieren beispielsweise allein im Nordatlantik mindestens 14 verschiedene Best\u00e4nde. <br \/>Fischarten gibt es weltweit rund 25.000. Nach Menge ist die weltweit bedeutendste Fischart die Anchoveta, die Peruanische Sardelle, die fast ausschlie\u00dflich zu Fischmehl verarbeitet wird. Zweitwichtigste Fischart ist der Alaska-Seelachs, der bei uns vor allem als Fischst\u00e4bchen, Schlemmerfilet oder Quadratfisch auf den Markt kommt. An dritter Stelle stehen die Heringe, die vor allem aus dem Nordatlantik stammen. <\/p>\n<p>Seit 2002 gilt eine neue EU-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>Verordnung zur besseren Kennzeichnung von <span id=\"AutoLinkDescriptionBox21\"><\/span>Fischerei-Erzeugnissen, einschlie\u00dflich <span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Krebs- und Weichtieren. Sie besagt, dass frische, gefrorene und getrocknete Fischereiprodukte nur verkauft werden d\u00fcrfen, wenn sie mit <\/p>\n<ul>\n<li>Handelsbezeichnung (Art)<\/li>\n<li>Produktionsmethode (Meere-, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Binnenfischerei oder Aquakultur\/Zucht)<\/li>\n<li>Fanggebiet (z.B. Nordostatlantik, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>Ostsee) oder Aufzuchtsgebiet (z.B. Norwegen)<\/li>\n<\/ul>\n<p>gekennzeichnet sind. <br \/>Verarbeitungsprodukte wie Fischst\u00e4bchen und Fisch-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox4\"><\/span>Konserven sind von der Regelung nicht betroffen. Zudem ist die Kennzeichnung aus \u00f6kologischer Sicht unzureichend, da sie nichts \u00fcber die Situation der jeweiligen Best\u00e4nde und \u00fcber die Fangmethoden aussagt. <\/p>\n<p><b>Die Ozeane sind leergefischt.<\/b><br \/>Obwohl zahlreiche Fischbest\u00e4nde bereits vor dem Zusammenbruch stehen, durchk\u00e4mmen hochtechnisierte Industriefangflotten weiterhin die Weltmeere. Mit immer effektiveren Fangmethoden werden die letzten Speisefische eingesammelt. Doch die angewandten Techniken fordern einen hohen Tribut: Mehr als 30 Millionen Tonnen unerw\u00fcnschter Beifang, darunter Jungfische, V\u00f6gel, Wale und Haie, sterben j\u00e4hrlich in den Netzen. So ist der Kabeljaubestand in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox14\"><\/span>Nordsee zusammengebrochen und auch Scholle und Seezunge sind weitestgehend ausgebeutet. Zu den ungew\u00fcnschten Meerestieren z\u00e4hlen Fische, Seesterne, Muscheln und Krebse, aber auch Wale, Seev\u00f6gel und Haie. Diese werden tot oder sterbend \u00fcber Bord (Beifang) gekippt.<\/p>\n<p>Nur die gew\u00fcnschte Fischart alleine aus dem <span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>Wasser zu holen, ist praktisch unm\u00f6glich. Fische schwimmen nun einmal mit anderen Artgenossen zusammen im Meer, und auch im Schwarm selbst haben nicht alle eine Standardgr\u00f6\u00dfe. Nur bei Schwarmfischen wie dem Hering, der Sardine, der Makrele und der Sardelle ist mit dem Netz relativ selektives Fischen m\u00f6glich, die Beifangraten liegen bei diesen Fischarten \u201enur\u201c zwischen 3 und 10 Prozent. Bei Garnelen und Plattfischen beispielsweise liegen sie jedoch zwischen 40 und 80 Prozent.<\/p>\n<p>Jedes Jahr werden auf den Meeren bis zu 39 Millionen Tonnen sinnlos get\u00f6teter Beifang auf Fischereischiffen wieder \u00fcber Bord geworfen. Unter <b>Beifang<\/b> versteht man unerw\u00fcnschte oder zu kleine Fische, sowie Schildkr\u00f6ten, Haie, Seev\u00f6gel, Robben, Wale und Delphine, die in den Netzen qualvoll verenden und ungenutzt wieder \u00fcber Bord geworfen werden. Nur sehr wenige Tiere \u00fcberleben den R\u00fcckwurf ins <span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>Wasser. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Beifanges kommt aus der industriellen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox22\"><\/span>Fischerei, da traditionelle Fischerboote im Gegensatz zu diesen Monsterschiffen mit ungewollter Beute viel besser umgehen d.h. diese auch nutzen k\u00f6nnen. Oft ist das Verh\u00e4ltnis zwischen erw\u00fcnschtem Fisch und Beifang geradezu absurd: <br \/>F\u00fcr 1 Tonne Seezunge werden etwa 11 Tonnen Beifang get\u00f6tet oder f\u00fcr 1 Tonne Shrimp sogar bis zu 15 Tonnen.<\/p>\n<p>Ein Grund f\u00fcr die problematischen Beif\u00e4nge von Fischarten ist die Quotenvergabe. Fangquoten sind eigentlich sinnvolle Ma\u00dfnahmen zur Begrenzung der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox23\"><\/span>Fischerei. In der Praxis f\u00fchren sie dazu, dass die Fischer nur solche Arten an Bord behalten, f\u00fcr die sie eine Quote besitzen und die aufgrund Gr\u00f6\u00dfe und Gewicht einen guten Gewinn versprechen. Kleine Fische und andere Arten sterben als ungew\u00fcnschter Beifang.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund ist die optimale Nutzung der Lader\u00e4ume. Diese werden mit der wirtschaftlich ertragreichsten Ware gef\u00fcllt. Selbst wenn dem Garnelenfischer edle Schollen in die Netze gehen, wirft er sie weg, da Krabben mehr Gewinn versprechen. Allein den europ\u00e4ischen Garnelenfischern gehen jedes Jahr junge Schollen im Wert von 18 Millionen Euro in die Netze. Die Fische werden nicht verwertet, sondern tot \u00fcber Bord gekippt.<\/p>\n<p>In der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox15\"><\/span>Nordsee werfen Fischer ein Viertel der F\u00e4nge wieder \u00fcber Bord - darunter h\u00e4ufig wertvolle Speisefische. So wird etwa jeder zweite Wittling und Schellfisch aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe oder einer bereits erf\u00fcllten Quote wieder tot ins Meer zur\u00fcckgeworfen.<\/p>\n<p><b>Haie, Wale und Delfine<\/b><br \/>Nach Sch\u00e4tzungen der Weltern\u00e4hrungsorganisation sterben j\u00e4hrlich 100 Millionen Haie durch die Fischindustrie. 700.000 Haie werden allein durch Langleinenfischer im Pazifik get\u00f6tet, 80.000 Blauhaie durch die franz\u00f6sische Treibnetzflotte im Nordostatlantik. Da sich Haie langsam vermehren, aber hemmungslos gejagt werden, sind von 100 befischten Haiarten bereits 11 vom Aussterben bedroht, mindestens 70 weitere gelten als gef\u00e4hrdet.<br \/><b><\/b>Auf den Weltmeeren sterben j\u00e4hrlich mehr als 350.000 Wale und Delfine als Beifang in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox24\"><\/span>Fischerei. Die Dunkelziffer liegt bei einer Million. Im tropischen Ostpazifik verenden j\u00e4hrlich Tausende Delfine durch die Ringwadenfischerei auf <span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>Thunfisch. An der franz\u00f6sischen und englischen K\u00fcste werden jedes Fr\u00fchjahr Hunderte toter Delfine angeschwemmt. Sie sind Opfer der Schleppnetze auf europ\u00e4ischen Fischtrawlern. In Nord- und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Ostsee m\u00fcssen j\u00e4hrlich Tausende der nur 1,50 Meter gro\u00dfen Schweinswale als Beifang in Treib- und Stellnetze qualvoll ertrinken. Allein in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox16\"><\/span>Nordsee sterben so jedes Jahr 7000 Schweinswale.\u00a0<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-3408-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-3408-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-3408-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Dezimierung des Fischbestandes durch Fischfang geh\u00f6rt inzwischen weltweit zur Tagesordnung. 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