{"id":2274,"date":"2015-05-19T08:57:30","date_gmt":"2015-05-19T08:57:30","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=2274"},"modified":"2015-05-19T08:57:30","modified_gmt":"2015-05-19T08:57:30","slug":"dioxine-und-furane","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=2274","title":{"rendered":"Dioxine und Furane"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-2274\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-2274-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-2274-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-2274-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-2274-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-2274-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: justify;\"><b>Sammelbezeichnung f\u00fcr die Stoffgruppe der 75 polychlorierten Dibenzo-p-dioxine (PCDDs) und 135 polychlorierten Dibenzofurane (PCDFs).<\/b><\/p>\n<div id=\"Brotschrift\">Diese Vielzahl an Verbindungen ergibt sich aus acht m\u00f6glichen Chlorierungspositionen im Dibenzo-p-dioxin- oder Dibenzofuranmolek\u00fcl. Die bekannteste und bestuntersuchte Verbindung aus dieser Klasse ist das 2,3,7,8-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox47\"><\/span>Tetrachlordibenzo-p-dioxin (Abk. 2,3,7,8-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox25\"><\/span>TCDD), weil es auch die giftigste ist. Manchmal ist mit D. speziell diese Verbindung gemeint. <\/p>\n<p>Auch bromierte oder gemischt chlorierte\/bromierte Vertreter dieser Gruppe haben inzwischen Beachtung gefunden, die als polyhalogenierte Dioxine bzw. Furane (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox35\"><\/span>PXDD, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox45\"><\/span>PXDF, X steht f\u00fcr Halogen) bezeichnet werden. Mit <span id=\"AutoLinkDescriptionBox14\"><\/span>Brom und\/oder <span id=\"AutoLinkDescriptionBox32\"><\/span>Chlor gibt es 1.720 PXDDs und 3.300 PXDFs, von denen jedoch bisher nur wenige untersucht wurden. D. werden auch als \"Ultragifte\" bezeichnet, da sie zu den giftigsten vom Menschen erzeugten Stoffen geh\u00f6ren. <\/p>\n<p>Von toxikologischem Interesse sind nur die D., die in den Positionen 2, 3, 7 und 8 mit <span id=\"AutoLinkDescriptionBox33\"><\/span>Chlor (oder <span id=\"AutoLinkDescriptionBox15\"><\/span>Brom) substituiert sind; es gibt 7 solcher PCDDs und 10 PCDFs. Um die Giftigkeit eines Gemisches dieser Substanzen anzugeben, hat man toxikologische Equivalentfaktoren (TEF) definiert, die die Giftigkeit eines PCDDs oder PCDFs in Relation zum 2,3,7,8-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox26\"><\/span>TCDD ausdr\u00fcckt. So hat 2,3,7,8-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox27\"><\/span>TCDD einen TEF von 1, w\u00e4hrend octachlorodibenzo-p-Dioxin nur einen TEF von 0,001 hat. <\/p>\n<p>Durch Addition der mit den TEFs gewichteten Mengen von D. in einer Probe l\u00e4sst sich die toxikologische Equivalenz (TEQ) eines Gemisches von D. angeben. Die Giftigkeit ist nicht nur sehr unterschiedlich im Hinblick auf die jeweils vorliegenden PCDDs\/PCDFs, sondern auch im Hinblick auf verschiedene Tierarten. Die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox22\"><\/span>LD50 (letale Dosis, bei der 50% der Versuchstiere nach einmaliger Verabreichung sterben) von 2,3,7,8-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox28\"><\/span>TCDD erstreckt sich von weniger als 1 \u00b5g pro kg K\u00f6rpergewicht bei Meerschweinchen bis zu mehreren mg\/kg bei Hamstern. <\/p>\n<p>Anzeichen einer Belastung beim Menschen sind vor allem <span id=\"AutoLinkDescriptionBox43\"><\/span>Chlorakne, eine sehr schwere und anhaltende Hautkrankheit mit Akne-\u00e4hnlichen Hauterscheinungen, die vor allem bei Chemiearbeitern der Phenol- und Pestizidherstellung auftrat. Andere, weniger spezifische Symptome sind Lebersch\u00e4den, Schlaflosigkeit, \u00dcbelkeit und Kopfschmerzen. <\/p>\n<p>F\u00fcr den Menschen von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung als die akute Belastung mit D. ist die Langzeitbelastung mit kleinen Mengen (chronische Exposition), da D. sehr best\u00e4ndige Substanzen sind und sich in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Nahrungskette anreichern. In Tierversuchen wurde nachgewiesen, dass D. ab einer bestimmten Konzentration Missbildungen in Nachkommen ausl\u00f6sen und Krebs erregen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Die mittlere t\u00e4gliche Aufnahme des Menschen von D. liegt in industrialisierten L\u00e4ndern bei einigen Picogramm TEQ pro kg K\u00f6rpergewicht und Tag. In derselben Gr\u00f6\u00dfenordnung liegt auch die maximale t\u00e4gliche Aufnahme, die noch als gesundheitlich sicher beurteilt wird. Expertenmeinungen gehen hierzu stark auseinander. Das <span id=\"AutoLinkDescriptionBox36\"><\/span>Bundesgesundheitsamt (BGA) sieht eine t\u00e4gliche Aufnahmemenge von unter 1 Picogramm Dioxin pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht und Tag (1 pg\/kg KG d) als vorl\u00e4ufig duldbar an (Richtwert im Sinne der Vorsorge). <\/p>\n<p>Die amerikanische Umweltbeh\u00f6rde EPA hat dagegen als zumutbare t\u00e4gliche Aufnahme nur 0,008 pg\/kg KG d Dioxin berechnet. Dabei geht sie davon aus, dass ein <span id=\"AutoLinkDescriptionBox38\"><\/span>Krebsrisiko von einem zus\u00e4tzlichen Krebstoten auf eine Million Menschen akzeptabel ist. Der deutsche Richtwert ber\u00fccksichtigt damit nicht die Gefahr der Langzeiteffekte z.B. im Sinne eines erh\u00f6hten Krebsrisikos oder einer Sch\u00e4digung des Immunsystems. <\/p>\n<p>Da D. fettl\u00f6slich sind und sich in der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox4\"><\/span>Nahrungskette anreichern, sind die h\u00f6chsten Konzentrationen in <span id=\"AutoLinkDescriptionBox40\"><\/span>Milch und Milchprodukten, Fleisch und Fisch zu finden. Etwa 99% der menschlichen Belastung stammt aus der Nahrung. Eine besonders gef\u00e4hrdete Bev\u00f6lkerungsgruppe sind Babys, die gestillt werden. <span id=\"AutoLinkDescriptionBox46\"><\/span>Muttermilch ist i.d.R. h\u00f6her mit D. belastet als Kuhmilch, und Babys nehmen relativ zu ihrem K\u00f6rpergewicht mehr <span id=\"AutoLinkDescriptionBox41\"><\/span>Milch auf als Erwachsene. Die t\u00e4gliche Belastung pro K\u00f6rpergewicht kann damit 10- bis 100mal h\u00f6her liegen als bei Erwachsenen. <\/p>\n<p>D. entstehen als unerw\u00fcnschte Nebenprodukte bei der M\u00fcllverbrennung, der Herstellung und der Verarbeitung bestimmter chlorierter <span id=\"AutoLinkDescriptionBox16\"><\/span>Kohlenwasserstoffe, vor allem chlorierter <span id=\"AutoLinkDescriptionBox42\"><br \/> <\/span>Phenole oder auch bei der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox31\"><br \/> <\/span>Chlorbleiche in der Papierherstellung. Einige Produktionsverfahren wurden inzwischen umgestellt, um die Entstehung von D. zu verhindern. Eine andere Quelle f\u00fcr D. sind Verbrennungs- und Hochtemperaturprozesse aller Art, bei denen die notwendigen Bestandteile <span id=\"AutoLinkDescriptionBox17\"><\/span>Kohlenwasserstoffe, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>Sauerstoff und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox34\"><\/span>Chlor zugegen sind. In diese Kategorie fallen M\u00fcllverbrennung, der Automobilverkehr und einige metallverarbeitende Prozesse (Magnesium-, Eisenherstellung; Kupferh\u00fctten). <\/p>\n<p>Durch zahlreiche gesetzliche Ma\u00dfnahmen (Verbot von Zusatzstoffen im <span id=\"AutoLinkDescriptionBox13\"><\/span>Benzin, Herstellungsverbot f\u00fcr <span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>PCB und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox23\"><\/span>PCP usw.) kommen heute die D.-Eintr\u00e4ge kaum noch aus der Chemieindustrie und seinem Zweig der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox37\"><\/span>Chlorchemie, aber sie sind der Verursacher von <span id=\"AutoLinkDescriptionBox39\"><\/span>Altlasten anzusehen. Heute sind es v.a. unvollst\u00e4ndige Verbrennungsvorg\u00e4nge (v.a. <span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>Industrie-, Gewerbe- und Hausbrandfeuerungen), die zu weiteren D.-Eintr\u00e4gen in die Umwelt f\u00fchren. In der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Umwelt werden D. \u00e4u\u00dferst langsam abgebaut mit Halbwertszeiten von einigen Jahren. Die biologische <span id=\"AutoLinkDescriptionBox18\"><\/span>Halbwertszeit im Menschen reicht von 7 bis 10 Jahren. Die Analyse von D.-Proben ist sehr aufwendig und teuer.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Seveso: Am 10.7.76 entwich aus einem Reaktorkessel einer Trichlorphenolfabrik des Schweizer Chemiekonzerns Hoffmann-La Roche in <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Seveso, Italien, eine Menge 2,3,7,8-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox29\"><\/span>TCDD, die auf einige hundert Gramm bis einige Kilogramm gesch\u00e4tzt wird. In der Folge erlitten etwa 190 Personen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox44\"><\/span>Chlorakne, verendeten viele tausend Tiere oder mussten get\u00f6tet werden. Die Beh\u00f6rden lie\u00dfen ein 87 ha gro\u00dfes Areal evakuieren und bis zum heutigen Tag hermetisch abriegeln.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>Agent Orange: In den Jahren 1965-1971 verspritzte die US-Army w\u00e4hrend des Krieges \u00fcber Vietnam etwa 34 Mio. l des Entlaubungsmittels \"<span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>Agent Orange\", das bis zu einige mg D. pro Liter enthielt. Die gesamte verspr\u00fchte D. -Menge wird auf 80 kg gesch\u00e4tzt. In der Folge traten erh\u00f6hte Missbildungsraten bei neugeborenen Vietnamesen sowie gesundheitliche Sch\u00e4den bei den Veteranen des Krieges auf. Wegen der anderen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox24\"><\/span>Chemikalien im <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>Agent Orange ist die epidemiologische Darlegung eines Zusammenhanges zu den D. jedoch schwierig.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Times Beach: Im US-Bundesstaat Missouri waren Anfang der 70er Jahre extrem D.-belastete Chemieabf\u00e4lle unter Alt\u00f6le gemischt und als <span id=\"AutoLinkDescriptionBox21\"><\/span>Bindemittel gegen die Staubentwicklung auf Stra\u00dfen verspr\u00fcht. Einige Pferde und V\u00f6gel starben, Kinder erkrankten. Man sch\u00e4tzt, dass etwa 60 kg 2,3,7,8-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox30\"><\/span>TCDD verspr\u00fcht wurden. Im Jahre 1983 wurden daraufhin die 2.000 Bewohner von Times Beach evakuiert.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Hamburg: In Deutschland wurde die Problematik der D. 1984 der breiten \u00d6ffentlichkeit verst\u00e4rkt bewusst, nachdem D. auf mehreren M\u00fclldeponien, au\u00dferhalb des M\u00fcllberges Georgswerder in Hamburg, auf dem Werksgel\u00e4nde der Hamburger Niederlassung von Boehringer-Ingelheim, in der Umgebungsluft von M\u00fcllverbrennungsanlagen und in Muttermilchproben gefunden wurde.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Marsberg: 1991 wurde bekannt, dass das als Sportplatz- und Wegebelag h\u00e4ufig benutzte <span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>Kieselrot hoch mit D. belastet war. Es stammte aus dem sauerl\u00e4ndischen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox20\"><br \/> <\/span>Marsberg und war urspr\u00fcnglich ein Produktionsrest aus der Kupferherstellung.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div class=\"styleRechts\">\u00a0<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-2274-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-2274-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-2274-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sammelbezeichnung f\u00fcr die Stoffgruppe der 75 polychlorierten Dibenzo-p-dioxine (PCDDs) und 135 polychlorierten Dibenzofurane (PCDFs).Diese Vielzahl an Verbindungen ergibt sich aus acht m\u00f6glichen Chlorierungspositionen im Dibenzo-p-dioxin- oder Dibenzofuranmolek\u00fcl. 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