{"id":2016,"date":"2015-05-05T12:34:38","date_gmt":"2015-05-05T12:34:38","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=2016"},"modified":"2015-05-05T12:34:38","modified_gmt":"2015-05-05T12:34:38","slug":"nitrofen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=2016","title":{"rendered":"Nitrofen"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-2016\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-2016-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-2016-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-2016-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-2016-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-2016-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p><b>Die chemische Bezeichnung von Nitrofen lautet 2,4-Dichlorophenyl-p-nitrophenylether. Nitrofen ist ein Unkrautvernichtungsmittel, dass als R\u00fcckstand in Futtergetreide zwischen M\u00e4rz und Mai 2002 an rund 120 \u00d6ko-H\u00f6fen in mindestens f\u00fcnf Bundesl\u00e4ndern durch einen nieders\u00e4chsischen Futtermittelhersteller verkauft wurde.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die R\u00fcckst\u00e4nde wurden nach der Untersuchung von Putenfleisch eines nieders\u00e4chsischer \u00d6ko-Putenerzeuger entdeckt. Der M\u00e4ster wandte sich mit seinem positiven Befund an die Bundesanstalt f\u00fcr Fleischforschung (BAFF), die seine Ergebnisse best\u00e4tigte. Die BAFF hatte im untersuchten Putenfleisch Werte zwischen 0,08 und 0,4 Milligramm Nitrofen pro Kilogramm nachgewiesen<\/p>\n<p>Nitrofen ist ein Getreideherbizid, das 1964 in den USA entwickelt wurde. Nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt f\u00fcr Land- und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>Forstwirtschaft in Braunschweig war Nitrofen in den alten Bundesl\u00e4ndern bis 1980 zugelassen. Die Zulassung ist danach nicht mehr verl\u00e4ngert worden, weil es Bedenken gab, dass direkt damit arbeitende Menschen, Schaden nehmen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ein vollst\u00e4ndiges Anwendungsverbot gibt es in den alten Bundesl\u00e4ndern seit 1988 und in den neuen Bundesl\u00e4ndern seit 1990. Nach der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Verordnung \u00fcber Anwendungsverbote f\u00fcr <span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung) ist Nitrofen in Anlage 1 als Substanz Nr. 35 gef\u00fchrt. F\u00fcr diese Stoffe besteht ein vollst\u00e4ndiges Anwendungsverbot.<\/p>\n<p>Die Ursache f\u00fcr die Nitrofen-Verunreinigungen in \u00d6ko-Getreide ist ein Fall mangelnder Lagerhygiene. Die Lagerhalle f\u00fcr das betroffene Getreide einer Saatgutfirma bei Neubrandenburg hatte zu DDR-Zeiten als Pestizidlager gedient.<\/p>\n<p>In der ehemaligen DDR war Nitrofeni n den <span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>Pflanzenschutzmittel \"Trizilin\" und Trzilin 25\" enthalten. In den Produkten \"Namedit\", Plantulin\", \"Trazalex\" und Trazalex extra\" wurde Nitrofen mit anderen Wirkstoffen wie 2,4-D oder Simazin kombiniert. Hergestellt wurden die Produkte vom VEB Chemiekombinat Bitterfeld und dem VEB Berlin-Chemie in Ostberlin.<\/p>\n<p>Sehr wahrscheinlich ist die Halle in Malchin zudem nicht die einzige Quelle der Nitrofen-Verunreinigungen. Denn es sind positive Proben genommen worden, die nicht mit Malchin in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnen. Auch ist bisher nicht gekl\u00e4rt, ob die 250 Tonnen belastete Triticale, die Anfang Mai an die GS agri geliefert wurden, auch in der fraglichen Halle untergebracht waren.<\/p>\n<p>Nitrofen wird im <span id=\"AutoLinkDescriptionBox4\"><\/span>Boden durch <span id=\"AutoLinkDescriptionBox13\"><\/span>Mikroorganismen und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox14\"><\/span>Licht abgebaut. In Laboruntersuchungen zum <span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Abbau im <span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>Boden im Dunkeln erwies sich Nitrofen nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt als sehr persistent. In der Praxis verringerte sich der Nitrofengehalt im <span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>Boden innerhalb von 100 Tagen auf ein Viertel und nahm danach nur noch langsam ab. Nach einigen Jahren war kein Nitrofen mehr im <span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>Boden nachweisbar. <\/p>\n<p>Das in <span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Wasser unl\u00f6sliche Nitrofen reichert sich nicht im <span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>Boden und nur wenig im Fettgewebe von Tieren an. <br \/>Neben der krebsausl\u00f6senden Wirkung, die im Tierversuch festgestellt wurde, besteht bei Nitrofen auch der Verdacht endokrine Wirkungen (hormon\u00e4hnliche Wirkungen) zu besitzen bzw. auszul\u00f6sen. Das Herbizid Nitrofen ist weiterhin Embryo sch\u00e4digend (Lungenmissbildungen). Zur Wirkung beim Menschen gibt es derzeit keine toxikologischen Daten, die Ergebnisse der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox16\"><\/span>Tierversuche zeigen aber einen ausreichender Verdacht der m\u00f6glichen Kanzerogenit\u00e4t (Krebserzeugung) beim Menschen durch Nitrofen.<\/p>\n<p>Gerade f\u00fcr Anwender ist Nitrofen besonders gef\u00e4hrlich, da es als wei\u00dfes bis braunes kristallines Pulver stark toxisch ist. Die Substanz reizt die Augen, die Haut und die Atemwege. Wiederholter oder andauernder Hautkontakt kann Dermatitis hervorrufen.<br \/>Experten halten das <span id=\"AutoLinkDescriptionBox15\"><\/span>Krebsrisiko bei den aufgetretenen R\u00fcckstandswerten im Futtergetreide f\u00fcr sehr gering. Im Tierversuch wurden den M\u00e4usen einen Menge verabreicht, die beim Menschen einer t\u00e4glich Aufnahme von 7.000 Milligramm (7 Gramm) Nitrofen entspricht.<\/p>\n<p>Nitrofen ist ein schnell wirkendes, selektives Kontaktherbizid, das sowohl \u00fcber das Blatt als auch \u00fcber die Wurzel aufgenommen wird. Der Wirkstoff wird in der Pflanze verteilt und unter Lichteinfluss zu einem aggressiven Radikal umgebaut, dass die Zellmembran angreift und zerst\u00f6rt. \u00dcber den genauen Mechanismus ist nur wenig bekannt. Zudem st\u00f6ren Diphenylether wie Nitrofen auch die Bildung von <span id=\"AutoLinkDescriptionBox17\"><\/span>Chlorophyll, indem sie die Aktivit\u00e4t des Enzyms Protoporphyrinogen-Oxidase hemmen, das f\u00fcr die Bildung des gr\u00fcnen Farbstoffes gebraucht wird.<\/p>\n<p>Die Ursache f\u00fcr die Nitrofen-Verunreinigungen in \u00d6kogetreide ist nicht der \u00d6kobranche zu zu schreiben. Vielmehr wurde das Getreide in Mecklenburg-Vorpommern mit dem verbotenen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Pflanzenschutzmittel in einer Lagerhalle kontaminiert, die zu DDR-Zeiten als Pestizidlager gedient hatte. Grund ist also mangelnde Lagerhygiene und weniger die Vers\u00e4umnisse der \u00d6kobranche. Eine pauschale Verurteilung von \u00d6ko-Produkten wird daher der Sachlage nicht gerecht. Alle \u00d6kohersteller, die das belastete Getreide verf\u00fcttert haben, wurden gesperrt und haben ihre Produkte zur\u00fcckgezogen. <\/p>\n<p>Nitrofen in \u00d6koprodukten ist ein Problem, das \"von au\u00dfen\" in das System \u00d6kolandbau wirkt und schadet. Skandale, wie Nitrofen werden durch kritikw\u00fcrdiges Verhalten einzelner Menschen verursacht und sind nicht die Schuld einer ganzen Branche. Im Sinne von Verbraucherschutz und Produktsicherheit ist und bleibt der \u00f6kologische Landbau das zuverl\u00e4ssigste landwirtschaftliche System.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-2016-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-2016-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-2016-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die chemische Bezeichnung von Nitrofen lautet 2,4-Dichlorophenyl-p-nitrophenylether. 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