{"id":1601,"date":"2015-04-15T15:54:24","date_gmt":"2015-04-15T15:54:24","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=1601"},"modified":"2015-07-20T12:58:44","modified_gmt":"2015-07-20T12:58:44","slug":"schneller-brueter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=1601","title":{"rendered":"Schneller Br\u00fcter"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-1601\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-1601-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-1601-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-1601-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-1601-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-1601-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p><b>Der schnelle Br\u00fcter ist ein Kernreaktortyp (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox25\"><\/span>Kernkraftwerk) zur Stromerzeugung und Plutoniumgewinnung, der als <span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Spaltstoff (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>Kernspaltung) <span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>Plutonium verwendet, das mit schnellen Neutronen gespalten wird. <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uran-238 dient als Brutstoff. Im Brutmantel, der den Reaktorkern (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox19\"><\/span>Kernreaktor) umgibt, entsteht aus <span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>Uran 238 durch Neutroneneinfang Plutonium 239 (Brutvorgang) Der schnelle Br\u00fcter. kann so mehr Plutonium erzeugen, als er verbraucht, wodurch die begrenzten Uranreserven um den Faktor 60 gestreckt werden sollen (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox23\"><\/span>Energiereserven). <\/p>\n<p>Da Plutonium in der Natur nicht vorkommt, muss die Erstf\u00fcllung durch Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente von Leichtwasserreaktoren (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox26\"><\/span>Kernkraftwerk) gewonnen werden. Als K\u00fchlmittel wird wegen guter W\u00e4rmeabfuhr und Nichtabbremsen der Neutronen <span id=\"AutoLinkDescriptionBox14\"><\/span>Natrium verwand. Der schnelle Br\u00fcter besitzt keinen Moderator (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox20\"><\/span>Kernreaktor). <\/p>\n<p>Die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox22\"><\/span>Wiederaufarbeitung von schnellern Br\u00fcter-Brennelementen verlangt spezielle Anlagen. Wegen der gr\u00f6\u00dferen St\u00f6rfallgefahr ist der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox21\"><\/span>Kernreaktor von einem doppelten Sicherheitsbeh\u00e4lter umgeben, und ein Core-Catcher soll beim gr\u00f6\u00dften St\u00f6rfall den geschmolzenen Reaktorkern aufnehmen, k\u00fchlen und eine Plutoniumkettenreaktion (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>Kernspaltung) verhindern. <\/p>\n<p>Umweltbelastung: Im Normalbetrieb werden, verglichen mit Leichtwasserreaktoren (LWR), h\u00f6here Emissionen radioaktiver Edelgase (Krypton, Xenon, Argon) und geringere an radioaktivem <span id=\"AutoLinkDescriptionBox18\"><\/span>Iod erwartet. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr geht von St\u00f6r- und Unf\u00e4llen aus. Prinzipiell gilt der schnelle Br\u00fcter als gef\u00e4hrlichster Kernreaktortyp, was Wahrscheinlichkeit und Ausma\u00df von Unf\u00e4llen angeht. Ob dieses Gefahrenpotential durch zus\u00e4tzliche Sicherheitsma\u00dfnahmen kompensiert werden kann, ist umstritten.<\/p>\n<p><b>Sicherheitstechnische Besonderheiten des schnellen Br\u00fcters.:<\/b><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Das K\u00fchlmittel <span id=\"AutoLinkDescriptionBox15\"><\/span>Natrium stellt eine besondere Gefahr als St\u00f6rfallausl\u00f6ser dar, da es mit <span id=\"AutoLinkDescriptionBox13\"><\/span>Wasser und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox16\"><\/span>Luft heftig reagiert.<\/li>\n<li>Bei einem St\u00f6rfall mit K\u00fchlmittelverlust zeigt der schnelle Br\u00fcter im Gegensatz zum LWR keine Selbststabilisierung, vielmehr steigt seine Leistung sogar an. Es bleibt erheblich weniger Zeit, um den Reaktor mittels Schnellabschaltung abzuschalten.<\/li>\n<li>Wegen der hohen Plutoniumkonzentration kann es beim schnellen Br\u00fcter im Gegensatz zum LWR zu einer begrenzten nuklearen Explosion (atombomben\u00e4hnlich) kommen. Ob der Reaktordruckbeh\u00e4lter dem standh\u00e4lt, ist umstritten.<\/li>\n<li>Der gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche St\u00f6rfall (Bethe-Tait-St\u00f6rfall, vgl. <span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>Super-Gau) tritt ein, wenn die K\u00fchlung ausf\u00e4llt und die Reaktorschnellabschaltungen versagen. Folge: Leistungs- und Temperaturanstieg, Schmelzen der Brennelemente (30 % aus <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>Plutonium). Dabei kann es mehrfach zur Bildung einer kritischen Masse (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Kernspaltung), nuklearen Explosionen mit evtl. Bersten des Reaktordruckbeh\u00e4lters und Freisetzung extrem gro\u00dfer Mengen Radioaktivit\u00e4t kommen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>Folgen eines solchen schweren Unfalls, der sich alle ca. 100000 Reaktorjahre ereignen kann, berechnet f\u00fcr den schnellen Br\u00fcter in Kalkar: 1.400 Soforttote, 52000 bis 2,7 Million Folgetote; etwa eine Million Menschen m\u00fcssen umgesiedelt werden, auf einer Fl\u00e4che von 260 km mal 260 km ist Jahrhunderte lang keine <span id=\"AutoLinkDescriptionBox27\"><\/span>Landwirtschaft mehr m\u00f6glich, eine Fl\u00e4che von 90 km mal 90 km muss oberfl\u00e4chlich abgetragen werden.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen liegen um das 2 bis 5 Fache h\u00f6her als beim <span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>Super-Gau eines LWR. Weitere Gefahr: Mit dem Betrieb von S: gelangen gro\u00dfe Mengen des hochgiftigen Plutoniums in Umlauf. Das erbr\u00fctete <span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Plutonium ist wegen seiner Reinheit waffentauglich. <\/p>\n<p>In Frankreich und anderen Staaten wurde es zum Atomwaffenbau verwandt. <br \/>1973 wurde mit dem Bau der schnelle Br\u00fcter in Kalkar begonnen, Kenndaten: Elektrische Leistung 295 MW, Reaktorkern konzipiert f\u00fcr 850 kg <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Plutonium. 1986 erkl\u00e4rte der Hersteller Interatom den schnellen Br\u00fcter f\u00fcr betriebsbereit. Das Land NRW erteilte jedoch keine Genehmigung zur Einlagerung der Brennelemente. 1991, noch bevor der schnelle Br\u00fcter jemals am Netz war, verk\u00fcndete das BMFT das endg\u00fcltige Aus f\u00fcr den schnellen Br\u00fcter. Die Baukosten beliefen sich, ohne Forschungsgelder, auf 7,5 Mrd DM. <\/p>\n<p>In Frankreich ist der Vorzeige-schnelle Br\u00fcter Superphenix seit 1990 wegen diverser Pannen stillgelegt. Frankreich hat nach den Erfahrungen mit dem Superphenix von der urspr\u00fcnglich geplanten Serienfertigung gro\u00dfer schneller Br\u00fcter Abstand genommen. Die USA haben bereits unter Carter die schnellen Br\u00fcter-Entwicklung eingestellt. Weltweit konnte der S. nicht zu einer kommerziellen Reife gebracht werden. Ohne schnellen Br\u00fcter stellen aber auch konventionelle Kernkraftwerke aufgrund der begrenzten Uranvorr\u00e4te keine langfristige Option dar (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox24\"><\/span>Energiereserven).<\/p>\n<p>Alternativen: <span id=\"AutoLinkDescriptionBox17\"><\/span>regenerative Energiequellen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-1601-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-1601-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-1601-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der schnelle Br\u00fcter ist ein Kernreaktortyp (Kernkraftwerk) zur Stromerzeugung und Plutoniumgewinnung, der als Spaltstoff (Kernspaltung) Plutonium verwendet, das mit schnellen Neutronen gespalten wird. 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