{"id":1175,"date":"2015-03-27T10:04:39","date_gmt":"2015-03-27T10:04:39","guid":{"rendered":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=1175"},"modified":"2015-03-27T10:04:39","modified_gmt":"2015-03-27T10:04:39","slug":"tenside","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/umweltlexikon.katalyse.de\/?p=1175","title":{"rendered":"Tenside"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-1175\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-1175-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-1175-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-1175-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-1175-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-1175-0-1-0\" ><div class=\"textwidget\"><p><b>Tenside sind grenzfl\u00e4chenaktive Stoffe, welche sich bevorzugt in der Ber\u00fchrungsfl\u00e4che zweier Medien konzentrieren, z.B. in der Grenzfl\u00e4che Wasser\/Luft.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Tenside wird die Oberfl\u00e4chenspannung des Wassers reduziert und Gegenst\u00e4nde k\u00f6nnen besser benetzt werden. \u00c4hnlich k\u00f6nnen sich Tenside zwischen Schmutz und andere Materialien schieben, Verunreinigungen abl\u00f6sen und schlie\u00dflich in der Tenside-L\u00f6sung dispergieren. Dies macht Tenside als waschaktive Substanzen zur wichtigsten Wirkstoffgruppe in Wasch- und Reinigungsmitteln. Dar\u00fcber hinaus finden Tenside vielf\u00e4ltigen Einsatz als Emulgatoren, Textilhilfsmittel, Antistatika, Flotationschemikalien etc. in zahlreichen Bereichen der Technik.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich unterscheidet man je nach elektrischer Ladung die Tenside in 4 Klassen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Anionische Tenside mit einer negativen Ladung stellen nach wie vor die bedeutendste Gruppe. Wichtige Vertreter sind die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox25\"><\/span>Seife, linearen Alkylbenzolsulfonate (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox19\"><\/span>LAS), <span id=\"AutoLinkDescriptionBox33\"><\/span>Alkansulfonate (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox29\"><\/span>SAS), <span id=\"AutoLinkDescriptionBox10\"><\/span>Fettalkoholethersulfate (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox7\"><\/span>FAES) und die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox22\"><\/span>Fettalkoholsulfate (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox16\"><\/span>FAS).<\/li>\n<li>Nichtionische Tenside sind ungeladen und erobern sich aufgrund ihrer Toleranz gegen Wasserh\u00e4rte, der guten L\u00f6slichkeit und Niedrigtemperatureigenschaften immer gr\u00f6\u00dfere Marktanteile. Wichtigste Vertreter sind die Fettalkoholethoxlate (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox6\"><\/span>FAE). Interessante Neuentwicklungen stellen die vollst\u00e4ndig auf Basis nachwachsender Rohstoffe erzeugten <span id=\"AutoLinkDescriptionBox8\"><\/span>Zucker-Tenside vom Typ der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox9\"><\/span>Alkylpolyglucoside (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox18\"><\/span>APG) dar. Dagegen sinkt der Verbrauch der erheblich umweltbelastenden <span id=\"AutoLinkDescriptionBox32\"><\/span>Alkylphenolethoxylate (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox4\"><\/span>APEO).<\/li>\n<li>Kationische Tenside tragen eine positive Ladung und haben weltweit v.a. eine Aufgabe: Sie werden als sog. Avivagemittel und Antistatika in Weichsp\u00fclern und kosmetischen Pflegepr\u00e4paraten eingesetzt. Wichtigster Vertreter ist das Distearyldimethylammoniumchlorid (DSDMAC), dessen unzureichende Abbaubarkeit das <span id=\"AutoLinkDescriptionBox30\"><\/span>Umweltbundesamt bei den Herstellern von Weichsp\u00fclern vorstellig werden lie\u00df. Auch wenn die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox1\"><\/span>Industrie weiterhin darauf beharrt, DSDMAC sei ein unweltvertr\u00e4gliches Tenside, erkl\u00e4rte sie sich doch bereit, bis Ende 1991 diesen Stoff in Weichsp\u00fclern durch besser abbaubare Tenside zu ersetzen.<\/li>\n<li>Amphotere Tenside haben zwitterionischen (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox24\"><\/span>Ionen) Charakter, tragen also in einem Molek\u00fcl sowohl eine positive wie eine negative Ladung. Wichtigster Vertreter sind die Betaine. Amphotere Tenside haben insg. nur geringere Bedeutung und werden wegen ihrer Hautvertr\u00e4glichkeit v.a. bei K\u00f6rperreinigungsmitteln und gelegentlich bei milden Haushalts- (Sp\u00fclmitteln) und Desinfektionsreinigern (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox17\"><\/span>Desinfektion) eingesetzt.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>Angesichts der Tensidmengen, die zu einem erheblichen Teil ins <span id=\"AutoLinkDescriptionBox5\"><\/span>Abwasser gelangen, ist die aquatische Toxizit\u00e4t der Tenside von erheblicher Bedeutung. Sie liegt typischerweise mit LC<sub>50<\/sub>-Werten von 1-20 mg\/Liter (f\u00fcr Fische) hoch, einzelne Tenside sind mit Werten von einigen Zehnteln Milligramm\/Liter sogar ausgesprochen fischgiftig. <\/p>\n<p>Noch wichtiger ist die <span id=\"AutoLinkDescriptionBox23\"><\/span>biologische Abbaubarkeit (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox13\"><\/span>Abbau) dieser Massenchemikalien. Als n\u00e4mlich nach dem Zweiten Weltkrieg die gut eliminierbare <span id=\"AutoLinkDescriptionBox26\"><\/span>Seife teilweise durch das petrochemische Tenside Tetrapropylenbenzolsulfonat (TPS) ersetzt wurde, f\u00fchrten bald Schaumberge auf deutschen Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern nur zu deutlich vor Augen, was die schlechte Abbaubarkeit solcher Substanzen f\u00fcr Folgen hat. <\/p>\n<p>Das daraufhin verabschiedete Detergentiengesetz (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox3\"><\/span>Detergentien) und sein Nachfolger, das <span id=\"AutoLinkDescriptionBox31\"><\/span>Waschmittelgesetz forderten im Rahmen der Tensid-<span id=\"AutoLinkDescriptionBox12\"><\/span>Verordnung eine Mindestabbaubarkeit von 80 Prozent f\u00fcr anionische und nichtanionische Tenside. Allerdings betrifft dies ausschlie\u00dflich die Prim\u00e4rabbaubarkeit, welche den Verlust der Grenzfl\u00e4chenaktivit\u00e4t, also der Waschkraft, umfasst. Damit ist der <span id=\"AutoLinkDescriptionBox14\"><\/span>Abbau aber noch nicht abgeschlossen. Erst nach v\u00f6lliger Umsetzung der Tenside in <span id=\"AutoLinkDescriptionBox2\"><\/span>Kohlendioxid, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox27\"><\/span>Biomasse, <span id=\"AutoLinkDescriptionBox11\"><\/span>Wasser und anorganische <span id=\"AutoLinkDescriptionBox20\"><\/span>Salze ist der sogenannte Endabbau (Mineralisation) verwirklicht. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend die heute eingesetzten Tenside den geforderten Prim\u00e4rabbaugrad leicht erf\u00fcllen, stellen sich beim Endabbau erhebliche Unterschiede heraus (s. Tab). Ein weiterer Aspekt ist, ob die Mineralisation tats\u00e4chlich 100 % erreicht und ob ein <span id=\"AutoLinkDescriptionBox15\"><\/span>Abbau auch unter den anaeroben Bedingungen z.B. des Faulturms (<span id=\"AutoLinkDescriptionBox21\"><\/span>Abwasserreinigung) erfolgt.<\/p>\n<p>Was die Wirkung der Tenside auf den Menschen angeht, steht v.a. ihre Schadwirkung gegen\u00fcber der Haut im Vordergrund. Konzentrierte Tensid-L\u00f6sungen sind haut- und schleimhautreizend. Aber auch in anwendungs\u00fcblicher Verd\u00fcnnung k\u00f6nnen sie, insb. bei beruflicher Exposition (Hausfrauen, Reinigungspersonal) zur chronischen Sch\u00e4digung der Haut (irritative Kontaktdermatitis, Hausfrauenekzem) f\u00fchren. Ausl\u00f6send wirkt die massive Entfettung, verbunden mit nachfolgendem Austrocknen und Einrei\u00dfen der Haut, die damit weiteren sch\u00e4dlichen Einfl\u00fcssen durch Keime und <span id=\"AutoLinkDescriptionBox28\"><\/span>Reizstoffe verst\u00e4rkt ausgesetzt ist.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-1175-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-1175-1-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-1175-1-0-0\" class=\"so-panel widget widget_black-studio-tinymce widget_black_studio_tinymce panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"textwidget\"><p style=\"text-align: right;\"><em>Autor: KATALYSE Institut<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tenside sind grenzfl\u00e4chenaktive Stoffe, welche sich bevorzugt in der Ber\u00fchrungsfl\u00e4che zweier Medien konzentrieren, z.B. in der Grenzfl\u00e4che Wasser\/Luft.Durch Tenside wird die Oberfl\u00e4chenspannung des Wassers reduziert und Gegenst\u00e4nde k\u00f6nnen besser benetzt werden. \u00c4hnlich k\u00f6nnen sich Tenside zwischen Schmutz und andere Materialien schieben, Verunreinigungen abl\u00f6sen und schlie\u00dflich in der Tenside-L\u00f6sung dispergieren. 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